Die Rückkehr der Burgherren
Das Tal der Aurach wird weit über die Grenzen des Freistaats als schützenswerter Biotop angesehen.
Eine Maßnahme zur Umsetzung des bayerischen Arten- und Biotopschutzprogramms ist das Projekt „Lebendiger Aurachgrund“. Dass in dieser breiten Flussaue, einem Mosaik aus Mähwiesen, Feucht- und Schilfgebieten, Hochstaudenfluren, Mühlgräben, Quellen und Weihern, Himmelsziegen und Wiesenknöpfe, die Gelbbauchunke, der Ameisenbläuling, Blaukehlchen und Rohrweihe zu Hause sind, ist bekannt. Auch die namensgebenden Auerochsen sind wieder da (Stier Luzifer und seine „Bande“, auf 20 Hektar zwischen Walsdorf und Zettelsdorf).
Weitgehend unbekannt dürfte sein, dass sich schon vor 5 Jahren, dies heimlich, still und leise, ein weiterer Flüchtling wieder angesiedelt hat – die Spezies Castor, der Biber.
Allein auf dem nordamerikanischen Kontinent gab es einst 60 Millionen dieser pelzigen Nagetiere.
Ihr unglaublich dichter, Kälte und Nässe abweisende Pelz wurde ihnen dann auch zum Verhängnis, denn von Anfang des 17. bis Mitte des 19 Jahrhunderts ließ sich kein europäischer Gentleman ohne Biberhut sehen.
Selbst eine schlichte Damenhaube war eben nicht comme il faut, wenn sie nicht wenigstens mit etwas Pelz besetzt war. 1760 exportierte die Hudsons Bay Company Biberpelze für 576 000 Hüte nach England. Die Folge: Um 1900 gab es nur noch wenige tausend Exemplare.
In Europa überlebten ein- bis zweitausend Tiere an der Elbe, in Südnorwegen, in Russland und an der französischen Rhone das gnadenlose Massaker. Von 1966 bis in die 80er Jahre wurden dann 120 Biber wieder im Bundesgebiet ausgesetzt. Die Wiedereinbürgerung war ein voller Erfolg. Sogar so erfolgreich, dass in der Folge ein Biber-Management aufgebaut werden musste, weil eben die Interessen von Mensch und Tier nicht immer unbedingt konform gehen.
Der, besser die Biber, die vor 5 Jahren beschlossen haben, sich in einem Weiher in der Stegauracher Flur eine Burg zu bauen, wurden nicht ausgesetzt, sind nicht Teil eines Programms.
Sie waren plötzlich einfach da, und sie blieben.
Das nicht ohne Grund. Der Weiher wurde bewirtschaftet, und die eingebrachten Karpfen waren und sind nicht nur für uns Zweibeiner eine Gaumenfreude. Der Interessenkonflikt war vorprogrammiert. Ein Konflikt, bei dem der Verlierer von vorn herein feststeht. Aber dieser Teichwirt entschied sich, auch einfach so, und de facto unter Ausschluß der Öffentlichkeit, einen anderen Weg zu gehen.
Er überließ den Weiher Mutter Natur, ließ Gras, Schilf, Busch und Baum einfach wachsen und griff in den natürlichen Ablauf nur noch in einer einzigen Art und Weise ein, das allerdings regelmäßig: er setzte weiter Fische aus.
( Anm. d. Red. Biber sind reine Pflanzenfresser. Während sie sich während des Sommerhalbjahres von unverholzten Wasserpflanzen ernähren - auch Ufergehölze werden genommen - müssen sich Bieber im Winter auf Grund veränderter Lebensräume auf die Baumfällung beschränken - hier werden die Rinde von den Ästen / Zweigen / Stämmen geschält und verspeist - )
Dies zur Freude von Familie Biber, die ihn dafür seit 5 Jahren mit Standorttreue belohnt. Alle übrigen Karpfenweiher des Teichwirts zeigen übrigens das gleiche Bild – die Umgebung ist naturbelassen.
Die Stegauracher Biberburg ist deutlich zu erkennen.
Trotz geduldigen Ausharrens war es nicht möglich einen der Nager vor die Kamera zu kriegen. Biber sind klüger als wir – sie halten Winterruhe. Keinen Winterschlaf, weshalb auch in der kalten Jahreszeit ein genügend großes Nahrungsangebot überlebenswichtig ist.
Ein Fläschchen Castoreum stand leider auch nicht zur Verfügung.
Dieses „Bibergeil“ war ein probates Mittel amerikanischer Trapper die Tiere in ihre Fallen zu locken.
Unten Rechts gehts Weiter ........
Autor Dieter Grams
Artenschutz im Steigerwald