Er war der Zoodirektor der Nation: Vor 100 Jahren wurde
Bernhard Grzimek geboren.
Grzimeks „Serengeti“ in Unterfranken
Der bekannteste Tierschützer Deutschlands wohnte von 1974 bis zu
seinem Tod 1987 in einer Mühle bei Donnersdorf im Kreis Schweinfurt. Das
Anwesen ist bis heute im Familienbesitz, Enkel Chris tian
regelmäßig da.
Donnersdorf
— „Grzimek? Weiß ich nicht. Fragen Sie mal da drüben in der Halle.
Da arbeiten bestimmt auch Russen“. Die Suche nach den Spuren, die Prof. Dr.
Bernhard Grzimek in Unterfranken hinterlassen hat, beginnt in Donnersdorf im
Landkreis Schweinfurt ein wenigmühsam.
Vom
Hörensagen wissen viele Bürger der Wein-Gemeinde am Fuß des Zabelsteins, dass
der bekannteste
Tierschützer
Deutschlands in Donnersdorf eine Mühle besessen hat. So mancher hat ihn sogar
ab und an getroffen, wenn er durch die Fluren ritt oder im Steigerwald
spazieren ging.
„Mei
Vadder hat amal Hühner bei ihm kefft“, sagt ein Donnersdorfer, auf den Retter der
Serengeti angesprochen.
„Der
mit dem Affen?“
Für
die meisten Donnersdorfer allerdings, die jüngeren zumal, ist der Name Grzimek
einer, den man, wenn
überhaupt,
nur aus dem Fernsehen kennt. „Der mit dem Affen, gell?“. Genau, der mit dem Affen
oder mit der Steinlaus in der legendären Parodie von Loriot. Aber auch der mit
den Araberpferden und den Rassehühnern in Donnersdorf. Einer der bis heute weltweit
bekanntesten Deutschen, der sich aus dem Lärm der Großstadt Frankfurt und dem
Rampenlicht der Medien immer wieder in die beschauliche Ruhe des Dorfes im
Steigerwald zurück zog. Einer, den man trotzdem in Afrika besser kennt als in
seiner Wahlheimat Unterfranken.
Ein
Stückchen Urwald
Umgekehrt
hat er Spuren hinterlassen im Steigerwald, der Retter der Serengeti.
Denen
folgte am Donnerstag der Bund Naturschutz (BN), der zu einer Presse-Fahrt,
besser: -Wanderung auf Grzimeks Spuren eingeladen hatte. Und dabei schweifte
der Blick nicht nur zurück, sondern er galt auch und vor allem der aktuellen Diskussion
umeinen möglichen Nationalpark im nördlichen Steigerwald, für den der BN die Werbetrommel
rührt.
Einen
Mini-Nationalpark im Steigerwald hat Prof. Dr. Bernhard Grzimek1979 sogar
selbst aus der Taufe gehoben.
Er trieb über die Zoologische Gesellschaft in Frankfurt das Geld auf, mit dem
der Bund Naturschutz ein Waldstück am Fuß des Zabelsteins bei Prüßberg im
Landkreis Schweinfurt kaufte und sich selbst überließ – heute auf 40 Hektar
Fläche das Naturschutzgebiet „Spitalgrund“ und nach Ansicht des BN „Keimzelle und
Vorbild“ für einen Nationalpark im Steigerwald, wie der BN-Landesvorsitzende
Hubert
Weiger am Donnerstag in Prüßberg sagte.
Der
streitbare Professor unterstützte auch die Wildkatzenauswilderung im
Steigerwald, die heute ein weiteres Mosaiksteinchen in dem Zukunftsbild ist,
das die Nationalpark-Freunde vom Steigerwald entwerfen: Sie träumen vom Urwald
mitten in Deutschland.
Für
die vielen Nationalpark-Gegner in der Region ein Albtraum. Wie würde sich
Bernhard Grzimek wohl
in der Diskussion im Steigerwald verhalten? „Die gäbe es heute woh lgar nicht,
wenn Dr. Grzimek noch leben würde“, sagt unserer Zeitung Dr. Georg Sperber, der
frühere Leiter des Forstamt es in
Ebrach und erklärter Nationalpark- Freund. „Grzimek hat diese Gegend geliebt,
für ihn eine der schönsten Kulturlandschaften der Welt“, so Sperber, der mit
Grzimek viel beruflich zu tun hatte und ihm auch
das Domizil in Donnersdorf vermittelte.
Für
Dr. Sperber ist es keine Frage: „Mit Grizmek wäre der Steigerwald längst ein Nationalpark.“
Heute
lebt Bernhards Enkel Chris tian, der
Sohn des in Afrika 1959 tödlichverunglückten Michael, mit seiner Familie
zeitweise in der 300 Jahre alten Mittelmühle in Donnersdorf. Ähnlich zurückgezogen
wie der Großvater und mit einer nicht weniger deutlichen Meinung dazu, wie der
Mensch mit der
Natur umgehen sollte.
„Wir sägen auf dem Ast, auf dem wir sitzen“,
sagt Christian Grizmek unserer
Zeitung.
Ein
Negativ-Beispiel hat Bernhard Grzimeks Enkel und Adoptiv-Sohn in Donnersdorf
direkt vor der Haustür.
Die
Gemeinde hat der Mühle vor zehn Jahren ein Industriegebiet mit dem gigantischen
Kaufland-Logistikzentrum„vor die Nase gesetzt“.
Aha.
Da
also, das meinte beim Beginn unserer Spurensuche der Donnersdorfer bei der
Frage nach Bernhard
Grzimek, arbeiten „die Russen“.
Unten Rechts gehts weiter ............
Quellenangabe FRÄNKISCHER TAG, FREITAG, 24.
APRIL 2009 /A Autor GÜNTER FLEGEL
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Artenschutz
im Steigerwald