Blume des Jahres 2005
Von der Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum Schutze gefährdeter
Pflanzen wurde zur Blume des Jahres 2005 der
Große Klappertopf
(Rhinanthus angustifolius)
ausgewählt.
Begründung:
Der Große Klappertopf ist eine Charakterart der wechsel-feuchten Wiesen und
soll auf alte Nutzungsweisen, insbesondere der Niedermoorstandorte aufmerksam
machen. Ein kontinuierlicher Rückgang von Grünland ist seit den 60er Jahren
bundesweit zu beobachten. Spätestens in den 70er Jahren wurden die
arbeitsintensiven Mähwiesen, speziell auf feucht-nassen Böden aufgegeben,
entwässert und aufgedüngt. Monostrukturierte sog. Wirtschaftsgräser verdrängten
auf den Grünlandflächen krautartige und ausdrückliche
"Magerkeitszeiger", zu denen auch der Halbschmarotzer Klappertopf
zählt. Der neueste Trend, hervorgerufen durch die sog. Silagewirtschaft,
betrifft jedoch den gesamten Grünlandanteil: Wiesen und Weiden werden
umgebrochen und als Maisacker in Nutzung genommen.
Mit der Wahl von Rhinanthus angustifolius zur Blume des Jahres 2005 soll daher
für den Erhalt von Wirtschaftsgrünland im allgemeinen und darüber hinaus für
die wechelfeuchten, nährstoffarmen Wiesenflächen im speziellen geworben
werden, zumal die Wiesen auf Niedermoor das überregionale Landschaftsbild
Norddeutschlands prägen oder geprägt haben.
Name:
Der Gattungsname Rhinanthus leitet sich aus den griechischen Wörtern rhinos
(Nase) und anthos (Blume) ab und beschreibt die Blütenform, die einer Nase
ähnelt. Der deutsche Name Klappertopf bezieht sich auf die reifen Früchte,
deren Samen im aufgeblasenen Fruchtkelch beim Schütteln deutlich hörbar
klappern. Lange Verzeichnisse über mannigfaltige Namensgebungen kennzeichnen
den Klappertopf als einen alten Kulturbegleiter des Menschen (Rassel,
Wiesenklapper, Totsauger). Aufzeichnungen aus dem 12.Jh. von Hildegard von
Bingen beinhalten schon eine "razela", spätestens jedoch seit dem 15.
Jh. wird von einer "Klapper" gesprochen. Die Bezeichnung
"Klappertopf" wurde nachweislich seit 1833 benutzt.
Herkunft:
Pflanzensoziologisch wird der Große Klappertopf dem Wirtschaftsgrünland
(Molino-Arrhenatheretea) zugeordnet.
Beschreibung:
Der Klappertopf gehört zur Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae),
zu der etwa Fingerhut, Löwenmaul oder Königskerze zählen; enger verwandt sind
weitere Halbschmarotzer wie Augentrost oder Läusekraut. In Deutschland gibt es
6 Klappertopf-Arten, welche unterschiedliche Bodenstandorte und geografische
Lagen charakterisieren. In Süddeutschland häufiger ist der Zottige
Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus). Die Gattung ist formenreich.
Die bis zu 70 cm hohe Pflanze des Großen Klappertopf hat eine zitronengelbe,
bis 2,4 cm lange Kronenröhre und ist zweilippig, schwach gekrümmt, deutlich
länger als der zur Fruchtreife aufgeblähte Kelch. Die Blütezeit erstreckt sich
von Mai bis September, eine Bestäubung erfolgt fast ausschließlich durch
Hummeln, selten durch Falter. Die bis zu 4,5 mm großen Samen besitzen einen
Flügelsaum, so dass eine Windverbreitung in gewissem Umfang möglich ist. Die
Pflanze ist nur einjährig und überdauert den Winter als Samen (Kaltkeimer). Als
Halbschmarotzer besitzt sie zwar Chlorophyll zur Photosynthese, ist aber auf
Wirtspflanzen angewiesen, von denen Wasser und Nährsalze bezogen werden.
Standort:
Der Große Klappertopf bevorzugt frische bis feuchte, nährstoffarme
Grünlandgesellschaften, daneben auch Halbtrockenrasen, Küstendünen oder
basenreichere, sandig-lehmige Äcker. Der lichtliebende Halbschmarotzer befällt
die ihm benachbarten Gräser und Sauergräser.
Gefährdung:
Umwandlung traditioneller Grünlandstandorte durch Entwässerung, Düngung und
mehrschürige Mahd führen zu einem raschen Verschwinden der Pflanze. Gravierend
ist aktuell der Umbruch von Dauergrünland auf alten Wiesen- und Weideflächen. In
intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaften können nur noch isolierte Restbestände
auf kleinflächigen Sonderstandorten wie Grabenböschungen, Wegesäumen,
Extensivwiesen und Grünlandbrachen gefunden werden. Großflächig zusammenhängende
Grünlandbereiche mit überlieferten Nutzungsformen befinden sich fast nur noch
in Naturschutzgebieten (z.B. im Hamburger Raum: NSG Höltigbaum, NSG
Kirchwerder Wiesen).
Rhinanthus angustifolius wird derzeit bundesweit und in den meisten
Bundesländern als gefährdet eingestuft, im Saarland gilt die Art als
verschollen.
Rede von Loki Schmidt zur Blume des Jahres 2005
Als die Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen 1980 zum ersten Mal eine
Blume des Jahres vorstellte, haben wir bewusst schöne und ansehnliche Pflanzen
ausgewählt, die Aufmerksamkeit hervorrufen sollten. Sie erinnern sich
vielleicht: 1980 gab es in Deutschland keinen Umweltminister und der Natur- und
Pflanzenschutz spielte kaum eine Rolle. Nach einigen Jahren, als das Interesse
größer wurde, wählten wir Pflanzen, die typisch für einen der verschiedenen
Lebensräume in Deutschland waren. Dabei blieben wir, nachdem meine alte, schon
1976 gegründete Stiftung mit der 1986 gegründeten Stiftung Naturschutz Hamburg
zusammengelegt worden war. Nun haben wir seit einem Vierteljahr-hundert etwa
alle Landschaftsformen oder Biotope in Deutschland durch Blumen des Jahres
vorgestellt.
Inzwischen hat die Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum Schutze
gefährdeter Pflanzen in ganz Deutschland von der polnischen Grenze im Osten bis
zur belgischen Grenze im Westen Grundstücke kaufen können, die zwar zum Teil
recht klein sind, aber alle gefährdete oder seltene und typische Pflanzen
enthalten. Darum hat der Vorstand der Stiftung beschlossen: Ab 2005 kommt die
Blume des Jahres immer von einem Grundstück der Stiftung.
Zur Blume des Jahres 2005 hat die Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung
zum Schutze gefährdeter Pflanzen den Großen Klappertopf (Rhinanthus
angustifolius) ausgewählt, der auf den Grundstücken der Stiftung Wittmoor bei
Hamburg (Schleswig-Holstein), Fuhlaumoor bei Welle (LK Harburg, Niedersachsen)
und Wilhelmsburg-Stillhorn/Jakobsberg (Hamburg) zu finden ist
Der Große Klappertopf wächst auf wechselfeuchten, artenreichen Wiesen vieler
Niedermoore, die früher sehr arbeitsintensiv gemäht wurden. Seit etwa 30 Jahren
werden solche Wiesen entwässert, gedüngt und mit sogenannten
Wirt-schaftsgräsern besät. Dadurch werden viele Kräuter verdrängt, zum Beispiel
auch der Große Klappertopf, die Schachblume und manche Orchideen, die mageren
Boden lieben. Seit einigen Jahren werden diese feuchten Wiesen sogar häufig
umgebrochen und mit Mais bepflanzt.
Der Große Klappertopf gehört zur Familie der Braunwurzgewächse
(Scrophulariaceen), zu der auch unter vielen anderen Pflanzen die Königskerze,
der Fingerhut, das Löwenmäulchen und der Ehrenpreis zählen, die ja vielen
Menschen bekannt sind.
Der Große Klappertopf wird bis zu 70 cm hoch. Er hat dunkelgrüne gezackte
Blätter. Seine Blütezeit erstreckt sich von Mai bis August. Dabei kommt aus dem
aufgeblähten Kelch eine bis zu 2,4 cm lange, zitronengelbe Kronenröhre hervor,
die zweilippig und schwach gekrümmt ist. Bestäubt wird die Blüte fast nur von
Hummeln. Die dicken, bis zu 4,5 mm großen Samen haben einen Flügelsaum, so dass
sie vom Wind verbreitet werden können. Vorher aber schon sitzen sie locker im
Kelch, so dass bei leisem Wind ein kleines, klapperndes Geräusch entsteht. Da
der Klappertopf schon seit Jahrhunderten als Kulturbegleiter in den Wiesen
stand, war dieses Geräusch den Menschen lange bekannt und führte zu vielen
Namen. Seit 1833 wurde aber schon der Name "Klappertopf" benutzt. Die
Pflanze ist einjährig, aber die Samen überdauern den Winter.
Etwas Besonderes ist der Klappertopf: Er ist ein Halbschmarotzer. Er hat
zwar Blattgrün zur Photosynthese, aber er braucht Wirtspflanzen, meist
verschiedene Gräser, deren Wurzeln er mit seinen Wurzeln anzapft, um Wasser und
Nährstoffe zu bekommen. Ähnlich machen es zwei Verwandte des Klappertopfes, der
Zahntrost und der Augentrost, die, wie schon der Name andeutet, früher als
Heilpflanzen verwendet wurden.
Der Große Klappertopf liebt feuchtes Grünland, kommt aber auch auf
Halbtrockenrasen und Dünen, vorwiegend in Norddeutschland, vor.
Sein naher Verwandter, der Zottige Klappertopf, ist selten in Norddeutschland
und mehr im Süden zu finden.
Gefährdet ist der Klappertopf durch Entwässerung, Düngung und mehrfaches Mähen.
Er gilt in ganz Deutschland als gefährdet und ist im Saarland ganz
verschwunden. Für Hausgärten ist der Große Klappertopf nicht recht geeignet.
Quellenangabe, mit freundlicher Genehmigung durch:
http://www.loki-schmidt-stiftung.de/blume/2005.htm
Für die
gelisteten Darstellungen trägt der Autor die redaktionelle Verantwortung.
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Artenschutz
im Steigerwald