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Streuobst am Wegesrand – eine stille Überlebensversicherung im Winter
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Streuobst am Wegesrand – eine stille Überlebensversicherung im Winter

Wenn der Winter das Land unter eine geschlossene Schneedecke legt, verändert sich die Welt für viele Tiere radikal. Was im Frühling und Sommer reichlich vorhanden ist, wird plötzlich knapp: Nahrung, Schutz und Orientierung verschwinden unter Eis und Schnee. Gerade in dieser lebensfeindlichen Zeit entfalten Streuobstbestände entlang von Flurwegen ihre oft unterschätzte Bedeutung. Sie werden zu stillen Rückzugsorten und zu einer echten Überlebensversicherung für zahlreiche Tierarten.

Streuobstwiesen und Obstbaumreihen entlang von Wegen sind kein Zufallsprodukt,
sondern das Ergebnis jahrhundertelanger, extensiver Landnutzung. Hochstämmige Apfel-, Birnen-, Kirsch- oder Zwetschgenbäume prägen nicht nur das Landschaftsbild, sondern schaffen eine einzigartige Verbindung aus Offenland und Gehölzstruktur. Besonders im Winter, wenn Äcker kahl und Wiesen verschneit sind, bleiben diese Bereiche vergleichsweise reich an Leben.

Ein entscheidender Vorteil der Streuobstbestände ist ihr Nahrungsangebot über die kalte Jahreszeit hinweg. Viele Früchte verbleiben nach der Ernte an den Bäumen oder fallen auf den Boden. Äpfel, Birnen und anderes Fallobst frieren nur langsam durch und bleiben für Tiere oft wochen- oder monatelang nutzbar. Vögel wie Amseln, Drosseln oder Stare finden hier energiereiche Nahrung, während Säugetiere wie Rehe, Dachse, Füchse oder Mäuse vom Fallobst profitieren. Selbst Insektenlarven und Mikroorganismen im verrottenden Obst bilden die Grundlage weiterer Nahrungsketten.

Neben dem Futter spielen Strukturen und Verstecke eine zentrale Rolle.
Die alten, knorrigen Obstbäume besitzen häufig Höhlen, Rindenspalten und Totholzanteile. Diese bieten Unterschlupf vor Kälte, Wind und Fressfeinden. Fledermäuse nutzen Baumhöhlen als Winterquartiere, Siebenschläfer und Haselmäuse ziehen sich in geschützte Hohlräume zurück, während Vögel geschlossene Kronen als Schlafplätze nutzen. Hecken, Grasstreifen und ungeräumte Wegsäume unter den Bäumen ergänzen dieses Mosaik aus Rückzugsräumen.

Flurwege mit begleitenden Streuobstbeständen wirken zudem als ökologische Korridore. In einer zunehmend intensiv genutzten Landschaft ermöglichen sie Tieren sichere Wanderbewegungen zwischen Lebensräumen. Gerade im Winter, wenn weite Flächen kaum Deckung bieten, sind diese linearen Strukturen von unschätzbarem Wert. Sie verbinden Wälder, Wiesen und Siedlungsränder und sichern so den genetischen Austausch zwischen Populationen.

Auch für seltene und spezialisierte Arten sind Streuobstbestände von Bedeutung. Misteln, Moose und Flechten finden auf alten Obstbäumen geeignete Standorte. Spechte nutzen morsches Holz zur Nahrungssuche, während Eulen und Greifvögel die offenen Bereiche entlang der Wege als Jagdhabitate schätzen. Der Wechsel aus freien Flächen und Bäumen schafft optimale Bedingungen, um Beute zu entdecken und gleichzeitig Deckung zu finden.

Nicht zuletzt erfüllen diese Bestände eine klimatische Schutzfunktion. Die Baumkronen brechen den Wind, reduzieren die Auskühlung des Bodens und sorgen für kleinräumig mildere Bedingungen. Unter den Bäumen taut der Schnee oft schneller, sodass Tiere dort leichter an Nahrung gelangen können. Was für den Menschen kaum wahrnehmbar ist, kann für ein Wildtier über Leben und Tod entscheiden.


Der Schutz und die Pflege von Streuobstbeständen entlang von Flurwegen sind daher aktiver Naturschutz. Jeder erhaltene Baum, jede nachgepflanzte Obstreihe trägt dazu bei, die biologische Vielfalt zu sichern – nicht nur im Sommer, sondern gerade dann, wenn die Natur zur Ruhe kommt. In einer Zeit, in der Winter zunehmend unberechenbar werden, bleiben diese traditionellen Landschaftselemente verlässliche Anker für das Überleben vieler Arten.

In der Aufnahme 
  • Fallobst unter Schnee und Frost – eine wichtige Energiequelle für Wildtiere.
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