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Altbaumentnahme im Februar: Eingriffe mit weitreichenden Folgen für die Biodiversität
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Altbaumentnahme im Februar: Eingriffe mit weitreichenden Folgen für die Biodiversität
Altbaumentnahme im Februar: Eingriffe mit weitreichenden Folgen für die Biodiversität
Kritischer Bericht zur Holzentnahme von Altbäumen im Februar
- (Einordnung aus Sicht des praktischen Naturschutzes)
Die Holzentnahme von Altbäumen in den Wintermonaten – insbesondere im Februar – wird forstlich häufig mit dem Hinweis auf Vegetationsruhe, bessere Befahrbarkeit der Böden und geringere Störung brütender Vögel begründet.
Diese Argumente sind nachvollziehbar, greifen jedoch aus naturschutzfachlicher Sicht zu kurz. Gerade Altbäume erfüllen zentrale Funktionen für die Biodiversität, und ihre Entnahme zu diesem Zeitpunkt kann erhebliche ökologische Auswirkungen haben, die differenziert betrachtet werden müssen.
Bedeutung von Altbäumen für die Biodiversität
Altbäume sind Schlüsselstrukturen in Waldökosystemen. Sie bieten:
- Höhlen und Spalten als Lebensraum für Vögel, Fledermäuse und Kleinsäuger
- Totholzstrukturen für Käfer, Pilze und Moose
- Mikrohabitate wie Rindentaschen, Mulmhöhlen und Kronentotholz
- Nahrungsquellen in Form von Samen, Insektenvorkommen und Pilzen
Viele Arten sind auf diese Strukturen spezialisiert und können jüngere Bestände nicht als Ersatz nutzen. Die Entnahme einzelner Altbäume bedeutet daher nicht nur den Verlust eines Individuums, sondern häufig den Verlust eines komplexen Lebensraums.
Geräuschentwicklung und Störwirkungen
Der Einsatz schwerer Forstmaschinen führt zu einer erheblichen Geräuschentwicklung. Diese wirkt sich auch im Februar auf Wildtiere aus, da zahlreiche Arten in sensiblen Überwinterungsphasen sind:
- Säugetiere (z. B. Rehe, Wildschweine, Füchse) befinden sich in einer energetisch kritischen Phase. Störungen führen zu Fluchtreaktionen und erhöhtem Energieverbrauch.
- Fledermäuse überwintern in Baumhöhlen oder Spalten. Vibrationen und Lärm können sie zum Aufwachen zwingen, was bei wiederholter Störung lebensbedrohlich sein kann.
- Vögel halten sich zwar nicht in der Brutzeit, nutzen Altbäume jedoch weiterhin als Schlaf- und Schutzplätze.
- Neben dem akustischen Reiz sind es vor allem Erschütterungen durch Maschinenbetrieb, die empfindliche Arten beeinträchtigen.
Bodenverdichtung und Beeinträchtigung überwinternder Organismen
Ein zentraler, oft unterschätzter Aspekt ist die Befahrung des Waldbodens. Schwere Maschinen üben hohen Druck auf den Boden aus, selbst bei vermeintlich gefrorenen Bedingungen, die im Februar zunehmend unsicher sind.
Negative Auswirkungen:
- Bodenverdichtung reduziert Porenvolumen, Wasserinfiltration und Sauerstoffversorgung.
- Zerstörung von Bodenstrukturen, die für Mikroorganismen, Pilze und wirbellose Tiere essenziell sind.
- Beeinträchtigung von Mykorrhiza-Netzwerken, die für die Nährstoffversorgung der Bäume entscheidend sind.
Gerade im Winter überwintern zahlreiche Organismen im Boden:
- Amphibien wie Frösche und Molche graben sich in frostfreie Bodenschichten ein.
- Insekten (z. B. Käferlarven, Wildbienen, Schmetterlingspuppen) verbringen ihre Ruhephase in Bodenhohlräumen oder im Totholz.
- Kleinsäuger nutzen unterirdische Gangsysteme.
Mechanische Belastung kann hier zu direkter Mortalität oder langfristiger Habitatdegradation führen.
Auswirkungen auf Amphibienpopulationen
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Situation von Amphibien. Viele Arten überwintern terrestrisch in Wäldern – oft unentdeckt und in geringer Tiefe.
Eine Befahrung mit schweren Maschinen kann:
- Überwinterungsquartiere zerstören
- Tiere direkt verletzen oder töten
- Wanderkorridore fragmentieren
Da Amphibienpopulationen europaweit rückläufig sind, ist jede zusätzliche Belastung kritisch zu bewerten.
Beitrag zur Verbreitung des Bsal-Pilzes
Ein weiterer relevanter Aspekt ist die potenzielle Verbreitung von Krankheitserregern durch forstliche Arbeiten. Der Pilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) befällt insbesondere Schwanzlurche wie Salamander und Molche und kann lokale Populationen innerhalb kurzer Zeit stark dezimieren.
Schwere Maschinen können zur Verbreitung beitragen durch:
- Verschleppung von kontaminiertem Bodenmaterial an Reifen und Ketten
- Verlagerung von Sporen über größere Distanzen
- Nutzung mehrerer Waldflächen ohne ausreichende Reinigung
Insbesondere in feuchten Waldhabitaten mit bekannten Amphibienvorkommen stellt dies ein relevantes Risiko dar. Präventionsmaßnahmen wie gründliche Reinigung und Desinfektion von Geräten sind daher aus naturschutzfachlicher Sicht zwingend erforderlich.
Klimatische Rahmenbedingungen im Februar
Durch mildere Winter sind Böden im Februar häufig nicht mehr durchgehend gefroren. Die klassische Annahme, dass Winterbefahrung bodenschonend sei, trifft daher nicht mehr pauschal zu. Feuchte, nicht gefrorene Böden reagieren besonders empfindlich auf Druckbelastung.
Zusammenfassende Bewertung
Die Holzentnahme von Altbäumen im Februar ist aus forstwirtschaftlicher Perspektive organisatorisch nachvollziehbar, birgt jedoch erhebliche ökologische Risiken:
- Verlust strukturreicher Lebensräume
- Störung überwinternder Tiere
- Schädigung sensibler Bodenökosysteme
- Risiko der Krankheitsverschleppung
- Langfristige Beeinträchtigung der Biodiversität
Für eine naturverträgliche Praxis im Sinne des praktischen Naturschutzes sollten daher folgende Aspekte geprüft werden:
- Strikte Auswahl und Markierung ökologisch besonders wertvoller Altbäume als Habitatbäume
- Verzicht auf Befahrung bei ungeeigneten Bodenbedingungen
- Einrichtung fester Rückegassen
- Reinigung und Desinfektion von Maschinen
- Berücksichtigung bekannter Amphibienvorkommen bei der Einsatzplanung
Eine nachhaltige Waldnutzung kann nur dann als ökologisch verantwortungsvoll gelten, wenn sie die komplexen Wechselwirkungen im Ökosystem berücksichtigt. Die Entnahme von Altbäumen im Februar erfordert daher eine besonders sorgfältige Abwägung zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Schutz biologischer Vielfalt.
In der Aufnahme vom Februar 2026
- Einblicke in eine Forstabteilung die nach der Entnahme von Altbäumen eine deutliche Veränderung im ökologischen Kontext aufweist.















