Sie alle engagieren sich gemeinsam mit Artenschutz in Franken® für eine intakte Umwelt
ARTENSCHUTZ IN FRANKEN®

Im Sinne uns nachfolgender Generationen
Ausgezeichnet

Home

Über Uns

Aktuelles

Der Steigerwald

Diverses

Pflanzen

Projekte

Publikationen

Tiere

Umweltbildung

Webcams
Gartengeißblatt / Echtes Geißblatt / Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)
Bild zum Eintrag (1131804-160)
Das Gartengeißblatt – Duftende Nächte am Wegesrand

An einem warmen Sommerabend liegt ein süßer Duft in der Luft. Zwischen Zaunpfosten und jungen Bäumen rankt sich eine Pflanze empor, deren Blüten im Zwielicht heller zu leuchten scheinen als am Tag. Eine Nachtfalterin umkreist sie vorsichtig, angezogen vom intensiven Aroma. Das Gartengeißblatt hat seine Blüten erst jetzt ganz geöffnet – bereit für die stillen Besucher der Nacht. Für einen Moment scheint der Garten den Atem anzuhalten, während der Duft den Beginn der Dämmerung begleitet.

Artbeschreibung des Gartengeißblatts (Lonicera caprifolium)

Das Gartengeißblatt (Lonicera caprifolium), auch echtes oder wohlriechendes Geißblatt genannt, gehört zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Es ist eine mehrjährige, verholzende Kletterpflanze, die mithilfe windender Triebe Höhen von bis zu fünf Metern erreichen kann. Dabei nutzt sie Sträucher, Zäune oder Bäume als Kletterhilfe.

Typisch sind die gegenständig angeordneten, elliptischen bis eiförmigen Blätter, wobei die oberen Blattpaare häufig miteinander verwachsen sind. Die auffälligen, röhrenförmigen Blüten stehen in Quirlen und zeigen sich meist cremeweiß bis gelblich, oft mit rötlichen Schattierungen. Besonders charakteristisch ist ihr intensiver, süßer Duft, der vor allem in den Abend- und Nachtstunden wahrnehmbar ist.

Die Blütezeit reicht in der Regel von Mai bis Juli. Bestäubt wird das Gartengeißblatt vor allem von Nachtfaltern, aber auch von Bienen und Hummeln. Im Spätsommer entwickeln sich rote, kugelige Beeren, die für den Menschen nicht essbar sind, aber von Vögeln genutzt werden.

Perspektive des Gartengeißblatts im Wandel von Lebensraum und Klima


Das Gartengeißblatt profitiert als anpassungsfähige Kletterpflanze teilweise von naturnahen Gärten und strukturreichen Landschaften. Dennoch wirken sich Lebensraumveränderungen wie der Rückgang von Hecken, Feldgehölzen und alten Gartenstrukturen negativ auf seine natürlichen Vorkommen aus.

Der Klimawandel bringt sowohl Chancen als auch Risiken mit sich. Mildere Winter können das Überleben der Pflanze begünstigen, während längere Trockenperioden und extreme Hitze ihre Vitalität beeinträchtigen können. Veränderungen im Aktivitätszeitraum von Bestäubern – insbesondere nachtaktiver Insekten – könnten zudem das fein abgestimmte Zusammenspiel zwischen Duft, Blütezeit und Bestäubung beeinflussen.

Eine naturnahe Gartengestaltung, der Erhalt von Klettermöglichkeiten und der Verzicht auf intensive Pflege können dazu beitragen, dem Gartengeißblatt auch künftig einen Platz in unserer Kulturlandschaft zu sichern. Als duftende Pflanze der Abendstunden erinnert es daran, wie wichtig Vielfalt und Rückzugsräume für Pflanzen und Tiere sind.

In der Aufnahme von Dieter Zinßer
  • Gartengeißblatt mit geöffneten Blüten in der Abenddämmerung