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Fina und der Garten, der immer leiser wurde
Fina und der Garten, der immer leiser wurde
Fina und der Garten, der immer leiser wurde
Jeden Morgen saß sie still in der Mitte ihres Netzes. Wenn der Tau auf den Fäden glitzerte, fühlte sie sich reich. Dann wusste sie:
Ich bin genau am richtigen Ort.
Früher war der Garten voller Leben. Gräser wuchsen wild, Blumen standen dicht beieinander, und es summte und krabbelte überall. Fina fing nicht aus Bosheit, sondern weil es ihr Leben war. Und sie nahm nie mehr, als sie brauchte.
Doch irgendwann änderte sich etwas.
Zuerst war es nur ein Geräusch. Ein lauter Motor schnitt die Wiese immer kürzer. Die hohen Gräser verschwanden. Dann kamen Menschen mit Scheren und Säcken. Büsche wurden gestutzt, Ecken „aufgeräumt“.
Fina spann ihr Netz neu.
Dann noch einmal.
Und wieder.
„Es ist enger geworden“, dachte sie. Aber sie gab nicht auf.
Mit der Zeit kamen weniger Insekten. Die Fliegen flogen woanders hin. Die Käfer blieben aus. Fina musste länger warten, manchmal den ganzen Tag.
Eines Morgens lag ein fremder Geruch in der Luft. Kein Duft von Blumen, kein warmer Sommergeruch – sondern etwas Kaltes, Stechendes. Menschen gingen durch den Garten und sprühten Flüssigkeit auf Blätter und Erde.
Fina spürte es sofort.
Ihre Beine fühlten sich schwer an. Ihr Netz klebte. Eine kleine Mücke, die hineinflug, bewegte sich kaum noch. Fina wollte sie erreichen, doch sie schaffte es nicht rechtzeitig.
Auch die Bienen kamen nicht mehr.
Der Garten wurde still.
Am nächsten Tag versuchte Fina, ihr Netz zu reparieren. Doch ihre Kräfte reichten nicht. Die Welt schien langsamer zu werden. Geräusche klangen weit weg. Die Sonne war da – aber sie wärmte nicht mehr.
Fina zog sich in den letzten Winkel ihres Netzes zurück.
Dort, wo sie früher Schutz gefunden hatte.
Sie dachte nicht an Angst.
Sie dachte an das Glitzern des Taus.
An den Wind.
An den Garten, wie er einmal gewesen war.
Fina starb leise.
Niemand bemerkte es. Kein Mensch blieb stehen. Kein Schild hing dort. Nur ein leeres Netz flatterte im Wind.
Doch ihre Geschichte bleibt.
Denn Spinnen wie Fina sind Teil der Natur. Sie schützen Pflanzen, halten das Gleichgewicht und zeigen, wie gesund ein Garten wirklich ist. Wenn sie verschwinden, fehlt mehr als nur ein kleines Tier.
Und vielleicht liest jemand diese Geschichte.
Vielleicht lässt jemand beim nächsten Mal eine wilde Ecke stehen.
Vielleicht entscheidet sich jemand gegen Gift.
Damit andere Spinnen leben können.
Damit Gärten wieder lauter werden.
Und damit Geschichten wie die von Fina nicht vergessen werden.
Aufnahme von Dieter Zinßer
Stand 01.01.2026
- Fina war eine kleine Gartenspinne mit langen, feinen Beinen und einem silbrig schimmernden Netz. Sie lebte in einer Hecke zwischen Johannisbeersträuchern, direkt hinter einem Haus. Für Menschen war sie fast unsichtbar, aber für Fina war dieser Garten die ganze Welt.
Jeden Morgen saß sie still in der Mitte ihres Netzes. Wenn der Tau auf den Fäden glitzerte, fühlte sie sich reich. Dann wusste sie:
Ich bin genau am richtigen Ort.
Früher war der Garten voller Leben. Gräser wuchsen wild, Blumen standen dicht beieinander, und es summte und krabbelte überall. Fina fing nicht aus Bosheit, sondern weil es ihr Leben war. Und sie nahm nie mehr, als sie brauchte.
Doch irgendwann änderte sich etwas.
Zuerst war es nur ein Geräusch. Ein lauter Motor schnitt die Wiese immer kürzer. Die hohen Gräser verschwanden. Dann kamen Menschen mit Scheren und Säcken. Büsche wurden gestutzt, Ecken „aufgeräumt“.
Fina spann ihr Netz neu.
Dann noch einmal.
Und wieder.
„Es ist enger geworden“, dachte sie. Aber sie gab nicht auf.
Mit der Zeit kamen weniger Insekten. Die Fliegen flogen woanders hin. Die Käfer blieben aus. Fina musste länger warten, manchmal den ganzen Tag.
Eines Morgens lag ein fremder Geruch in der Luft. Kein Duft von Blumen, kein warmer Sommergeruch – sondern etwas Kaltes, Stechendes. Menschen gingen durch den Garten und sprühten Flüssigkeit auf Blätter und Erde.
Fina spürte es sofort.
Ihre Beine fühlten sich schwer an. Ihr Netz klebte. Eine kleine Mücke, die hineinflug, bewegte sich kaum noch. Fina wollte sie erreichen, doch sie schaffte es nicht rechtzeitig.
Auch die Bienen kamen nicht mehr.
Der Garten wurde still.
Am nächsten Tag versuchte Fina, ihr Netz zu reparieren. Doch ihre Kräfte reichten nicht. Die Welt schien langsamer zu werden. Geräusche klangen weit weg. Die Sonne war da – aber sie wärmte nicht mehr.
Fina zog sich in den letzten Winkel ihres Netzes zurück.
Dort, wo sie früher Schutz gefunden hatte.
Sie dachte nicht an Angst.
Sie dachte an das Glitzern des Taus.
An den Wind.
An den Garten, wie er einmal gewesen war.
Fina starb leise.
Niemand bemerkte es. Kein Mensch blieb stehen. Kein Schild hing dort. Nur ein leeres Netz flatterte im Wind.
Doch ihre Geschichte bleibt.
Denn Spinnen wie Fina sind Teil der Natur. Sie schützen Pflanzen, halten das Gleichgewicht und zeigen, wie gesund ein Garten wirklich ist. Wenn sie verschwinden, fehlt mehr als nur ein kleines Tier.
Und vielleicht liest jemand diese Geschichte.
Vielleicht lässt jemand beim nächsten Mal eine wilde Ecke stehen.
Vielleicht entscheidet sich jemand gegen Gift.
Damit andere Spinnen leben können.
Damit Gärten wieder lauter werden.
Und damit Geschichten wie die von Fina nicht vergessen werden.
Aufnahme von Dieter Zinßer
Stand 01.01.2026
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