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Toten- oder Friedhofsfliege (Cynomya mortuorum)
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Die Toten- oder Friedhofsfliege (Cynomya mortuorum)

  • Eine kurze Geschichte aus der Perspektive eines stillen Beobachters

An einem warmen Frühlingstag liegt der alte Friedhof am Rand eines kleinen Dorfes still in der Sonne. Zwischen verwitterten Grabsteinen raschelt trockenes Gras, und über den Kieswegen summen Insekten. Für die meisten Besucher ist dieser Ort ein Platz der Erinnerung – für andere jedoch ein Lebensraum.

Auf einem moosbedeckten Stein landet eine metallisch schimmernde Fliege. Ihr Körper glänzt bläulich im Licht. Für einen Moment verharrt sie, putzt ihre Vorderbeine und hebt dann wieder ab. Sie folgt einem Geruch, der für Menschen kaum wahrnehmbar ist, für sie jedoch eine wichtige Botschaft trägt: Nahrung, Fortpflanzung und ein Platz für die nächste Generation.

Diese Fliege gehört zu einer Art, die oft übersehen wird. Doch sie erfüllt eine wichtige Aufgabe in der Natur. Als sogenannte Toten- oder Friedhofsfliege trägt sie dazu bei, organisches Material abzubauen und Nährstoffe wieder in den Kreislauf der Natur zurückzuführen.

Artbeschreibung

Die Toten- oder Friedhofsfliege (Cynomya mortuorum) gehört zur Familie der Schmeißfliegen (Calliphoridae). Sie ist in vielen Teilen Europas verbreitet und kommt vor allem in gemäßigten Klimazonen vor.

Typische Merkmale der Art sind:


  • Größe: etwa 8 bis 12 Millimeter Körperlänge

  • Färbung: metallisch blau bis blaugrün glänzender Körper

  • Körperbau: kräftig gebaut mit relativ breitem Hinterleib

  • Augen: große Facettenaugen, die einen Großteil des Kopfes einnehmen

Wie viele Schmeißfliegen besitzt auch diese Art einen sehr ausgeprägten Geruchssinn. Dadurch kann sie organische Substanzen aus großer Entfernung wahrnehmen. Weibchen legen ihre Eier bevorzugt auf tierischen Überresten oder stark zersetztem organischem Material ab. Die daraus schlüpfenden Larven tragen wesentlich zum Abbau dieser Stoffe bei.

Durch diesen Prozess spielen solche Fliegen eine wichtige Rolle im ökologischen Stoffkreislauf. Sie helfen, Nährstoffe wieder in Boden und Umwelt zurückzuführen und leisten damit einen Beitrag zur natürlichen Reinigung von Ökosystemen.

Lebensraum und Veränderungen durch Klimawandel

Die Toten- oder Friedhofsfliege ist an kühle bis gemäßigte Lebensräume angepasst. Häufig findet man sie in:


  • Wäldern
  • ländlichen Regionen
  • Gebieten mit geringer menschlicher Bebauung
  • Friedhöfen oder naturnahen Grünflächen

Doch diese Lebensräume verändern sich zunehmend. Der Klimawandel beeinflusst Temperaturverläufe, Niederschläge und saisonale Abläufe. Für viele Insektenarten hat das direkte Folgen.

Mögliche Auswirkungen auf Cynomya mortuorum sind unter anderem:


Verschiebung der Verbreitungsgebiete: Steigende Temperaturen können dazu führen, dass sich die Art weiter nach Norden oder in höhere Lagen ausbreitet.

  • Veränderte Aktivitätszeiten: Wärmere Frühjahre können dazu führen, dass Fliegen früher im Jahr aktiv werden.

  • Konkurrenz mit wärmeliebenden Arten: Arten aus südlicheren Regionen könnten neue Lebensräume besiedeln und um Ressourcen konkurrieren.

Da Schmeißfliegen sehr sensibel auf Umweltbedingungen reagieren, gelten sie in manchen Bereichen sogar als Indikatoren für ökologische Veränderungen.

Bedrohungen durch den Menschen

Obwohl Fliegen oft als häufig und anpassungsfähig gelten, können auch sie durch menschliche Aktivitäten unter Druck geraten. Für die Toten- oder Friedhofsfliege ergeben sich mehrere potenzielle Gefahren:


1. Verlust von Lebensräumen
Durch zunehmende Versiegelung von Flächen, intensive Landwirtschaft und den Rückgang naturnaher Landschaften verschwinden viele geeignete Lebensräume.

2. Einsatz von Pestiziden
Insektizide und andere chemische Mittel können nicht nur Schädlinge, sondern auch viele nützliche Insektenarten treffen.

3. Veränderung natürlicher Stoffkreisläufe
Die schnelle Beseitigung von Tierkadavern oder organischem Material in stark regulierten Landschaften reduziert wichtige Ressourcen für Aas- und Zersetzungsinsekten.

4. Rückgang der Insektenvielfalt insgesamt
Der europaweit beobachtete Rückgang vieler Insektenarten kann auch Arten betreffen, die bislang als häufig galten.

Bedeutung und Zukunft der Art


Auch wenn die Toten- oder Friedhofsfliege selten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, erfüllt sie eine wichtige Funktion im Ökosystem. Sie gehört zu den Organismen, die dafür sorgen, dass abgestorbene Biomasse wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt wird.

Der Schutz von vielfältigen Lebensräumen, der reduzierte Einsatz von Pestiziden und eine naturnahe Gestaltung von Landschaften können dazu beitragen, auch solche weniger beachteten Arten zu erhalten. Denn selbst kleine, unscheinbare Insekten wie Cynomya mortuorum sind Teil eines komplexen Netzes von Beziehungen in der Natur – und ihr Verschwinden würde mehr verändern, als man auf den ersten Blick vermuten könnte.

In der Aufnahme von Dieter Zinßer
  • Toten- oder Friedhofsfliege (Cynomya mortuorum)