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Der Steigerwald braucht mehr als Trittsteine
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Der Steigerwald braucht für uns mehr als Trittsteine

  • Warum Artenvielfalt allein noch kein Beleg für ausreichenden Waldschutz ist

Der Steigerwald zählt zweifellos zu den biologisch besonders wertvollen Waldlandschaften Deutschlands. Alte Laubwaldbestände, strukturreiche Bereiche, Naturwaldreservate, Biotopbäume, Totholzstrukturen und kleinere dauerhaft oder zeitweise aus der Nutzung genommene Flächen tragen dazu bei, dass hier eine bemerkenswerte Vielfalt an Pflanzen, Pilzen und Tieren erhalten geblieben ist.

Aus Sicht von Artenschutz in Franken® darf eine hohe Zahl nachgewiesener Arten jedoch nicht automatisch mit einem dauerhaft gesicherten Lebensraum gleichgesetzt werden.

Ein wesentlicher Teil des Steigerwaldes ist weiterhin forstwirtschaftlich geprägt und bewirtschaftet. Damit handelt es sich in großen Bereichen nicht um einen sich weitgehend eigendynamisch entwickelnden Wald, sondern um einen Wirtschaftswald, in dem Baumartenzusammensetzung, Altersstruktur, Holzvorrat, Totholzanteil und Entwicklungszyklen durch menschliche Nutzung wesentlich mitbestimmt werden.

Gerade dieser Unterschied ist für die Bewertung des langfristigen Artenschutzes entscheidend.

Artenzahl und Lebensraumsicherung sind nicht dasselbe

Eine hohe Artenzahl dokumentiert zunächst, dass ein Gebiet gegenwärtig einen hohen ökologischen Wert besitzt. Sie beantwortet jedoch nicht automatisch die Frage, ob die dort vorkommenden Arten auch langfristig stabile Populationen entwickeln können.

Artenschutz in Franken® betrachtet deshalb nicht allein die Zahl nachgewiesener Arten, sondern insbesondere:

  • die Größe und Qualität ihrer tatsächlich nutzbaren Lebensräume,
  • die langfristige Habitatkontinuität,
  • die Alters- und Zerfallsphasen der Waldbestände,
  • die Verfügbarkeit von Alt- und Totholz,
  • die räumliche Verbindung geeigneter Habitate,
  • die Populationsgröße und
  • die Möglichkeit natürlicher Waldentwicklung über sehr lange Zeiträume.

Gerade hoch spezialisierte Waldarten benötigen vielfach mehr als einzelne Habitatbäume oder kleinflächige Schutzbereiche.

Alte Wälder entstehen nicht punktuell

Viele charakteristische Arten naturnaher Laubwälder sind an Strukturen gebunden, die sich erst über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte entwickeln. Dazu gehören beispielsweise großvolumiges stehendes und liegendes Totholz, Höhlenbäume, Faulstellen, Stammverletzungen, unterschiedliche Zerfallsstadien, sehr alte Bäume sowie kleinräumig wechselnde Licht-, Feuchtigkeits- und Temperaturbedingungen.

Solche Strukturen entstehen in einem Wald nicht gleichzeitig.

Deshalb ist aus Sicht von Artenschutz in Franken® insbesondere die zeitliche Kontinuität von Bedeutung. Stirbt ein alter Habitatbaum ab oder zerfällt vollständig, müssen möglichst bereits andere geeignete Strukturen vorhanden sein. Arten können nicht Jahrzehnte darauf warten, dass an anderer Stelle erneut ein geeigneter Lebensraum entsteht.

Trittsteine sind wertvoll – aber sie haben Grenzen

Ökologische Trittsteine können im Waldnaturschutz eine wichtige Funktion übernehmen. Sie können Abstände zwischen hochwertigen Lebensräumen verkleinern, Ausbreitungsbewegungen unterstützen und lokal wertvolle Strukturen sichern.

Diese Funktion sollte ausdrücklich anerkannt werden.

Problematisch wird es jedoch, wenn aus der Existenz zahlreicher Trittsteine der Schluss gezogen wird, größere zusammenhängende Schutzräume seien deshalb nicht mehr erforderlich. Aus Sicht von Artenschutz in Franken® sind Trittsteine in erster Linie ein Instrument der Vernetzung. Sie können wertvolle Ergänzungen sein, stellen jedoch nicht für jede Art einen vollständigen Ersatz für großflächige, dauerhaft ungestörte Waldlebensräume dar.

Denn ein Trittstein verbindet Lebensräume nur dann wirkungsvoll, wenn an beiden Seiten auch ausreichend geeignete Lebensräume vorhanden sind.

Nicht jede Art kann von Insel zu Insel wechseln

Das Bild eines Netzes aus kleinen Schutzflächen erscheint zunächst überzeugend. Ökologisch funktioniert dieses Prinzip jedoch nicht für alle Artengruppen gleichermaßen. Mobile Arten können größere Entfernungen überwinden. Andere Arten besitzen dagegen nur geringe Ausbreitungsfähigkeiten.

Besonders problematisch kann dies für hoch spezialisierte Pilze, Flechten, Moose, bodengebundene Wirbellose oder Arten sein, deren gesamter Lebenszyklus an bestimmte Alters- und Zerfallsstadien des Waldes gebunden ist. Für solche Arten kann bereits eine scheinbar geringe Unterbrechung geeigneter Habitatstrukturen eine erhebliche Barriere darstellen.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Kleine Schutzflächen besitzen einen vergleichsweise hohen Randanteil. Veränderungen aus angrenzenden Nutzflächen können deshalb weit in diese Bereiche hineinwirken.

Größere Schutzräume erfüllen zusätzliche Funktionen

Großflächigere, zusammenhängende und dauerhaft aus der Nutzung genommene Waldbereiche ermöglichen Prozesse, die sich auf kleinen Einzelstandorten nur eingeschränkt entwickeln können.

Dazu gehören:

  • natürliche Alterungs- und Zerfallsprozesse,
  • die kontinuierliche Entstehung großer Totholzmengen,
  • natürliche Bestandslücken,
  • Sukzessionsprozesse,
  • unterschiedliche Waldentwicklungsphasen,
  • natürliche Konkurrenz zwischen Baumarten,
  • ungestörte Bodenentwicklung und
  • die langfristige Ausbildung komplexer Waldstrukturen.

Gerade diese Prozesse schaffen Lebensräume, deren vollständige Entwicklung sich forstlich nur schwer planen oder nachbilden lässt.

Artenschutz in Franken® sieht deshalb Prozessschutz nicht als Gegensatz zu nachhaltiger Forstwirtschaft. Vielmehr sollten innerhalb einer großen Waldlandschaft unterschiedliche Zielsetzungen ihren jeweiligen Raum erhalten.

Wirtschaftswald kann wertvoll sein – bleibt aber Wirtschaftswald

Auch bewirtschaftete Wälder können eine hohe ökologische Bedeutung besitzen. Naturnahe Baumartenwahl, lange Umtriebszeiten, Biotopbäume, Totholz, Rückegassenkonzepte und sensible Bewirtschaftungsverfahren können ihren Wert erheblich steigern.

  • Diese Leistungen sollten nicht kleingeredet werden.

Gleichzeitig sollte fachlich klar zwischen einem ökologisch hochwertigen Wirtschaftswald und einem dauerhaft der natürlichen Waldentwicklung überlassenen Gebiet unterschieden werden.

  • Beide können wertvoll sein, erfüllen jedoch teilweise unterschiedliche ökologische Funktionen.

Genau diese Differenzierung ist aus Sicht von Artenschutz in Franken® für eine sachliche Diskussion über die Zukunft des Steigerwaldes wesentlich.

Klimawandel verstärkt den Flächenbedarf

Der Klimawandel verändert zusätzlich die Bedingungen.

Trockenperioden, Hitzeereignisse, Veränderungen des Wasserhaushalts, Stürme und Verschiebungen in der Baum-artenzusammensetzung können dazu führen, dass bislang geeignete Lebensräume ihre Qualität verlieren.Arten müssen dann die Möglichkeit besitzen, innerhalb einer Landschaft auf günstigere Standorte auszuweichen.

Je kleiner und isolierter geeignete Lebensräume sind, desto schwieriger kann diese Anpassung werden.

Größere zusammenhängende Waldkomplexe bieten dagegen unterschiedliche Expositionen, Höhenlagen, Bodenverhältnisse, Feuchtegrade und Mikroklimata. Sie können damit eine Art ökologischen Sicherheitsraum bilden.

Nicht entweder – oder

Die entscheidende Frage sollte deshalb nicht lauten:


Trittsteine oder großflächiger Waldschutz?

Eine langfristig belastbare Naturschutzstrategie benötigt vielmehr verschiedene Ebenen:

großflächige Kernlebensräume, dauerhaft gesicherte Naturwaldentwicklung, Trittsteine, Habitatbäume, Totholzstrukturen und zugleich eine möglichst naturnahe Bewirtschaftung der dazwischenliegenden Wirtschaftswälder.

Diese Elemente erfüllen unterschiedliche Aufgaben und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Position von Artenschutz in Franken®

Artenschutz in Franken® erkennt ausdrücklich an, dass Trittsteinkonzepte, Biotopbäume und Naturwaldflächen wichtige Beiträge zum Schutz der biologischen Vielfalt leisten können. Wir halten es jedoch fachlich für problematisch, daraus abzuleiten, dass damit die Frage größerer zusammenhängender Schutzräume grundsätzlich beantwortet sei.

Gerade eine Waldlandschaft mit außergewöhnlicher biologischer Bedeutung verdient eine Diskussion, die über reine Artenzahlen hinausgeht. Entscheidend ist nicht nur, wie viele Arten heute vorhanden sind, sondern ob ihre Lebensräume auch in Jahrzehnten und Jahrhunderten noch in ausreichender Größe, Qualität und Kontinuität vorhanden sein werden.

Für Artenschutz in Franken® bedeutet moderner Waldnaturschutz deshalb, den gesamten Lebenszyklus eines Waldes mitzudenken – vom jungen Bestand über mächtige Altbäume bis hin zu Zerfall, Totholz und natürlicher Erneuerung. Denn gerade dort beginnt jener Teil des Waldlebens, der in bewirtschafteten Beständen über lange Zeit kaum Raum erhielt und für zahlreiche spezialisierte Arten von besonderer Bedeutung ist.

Unser zentraler Gedanke ... Trittsteine verbinden Lebensräume ... sie ersetzen jedoch nicht zwangsläufig die Lebensräume, die sie miteinander verbinden sollen.

Für den langfristigen Erhalt anspruchsvoller Waldarten braucht es nach unserer Auffasszb deshalb beides: ein funktionierendes Netz wertvoller Strukturen und ausreichend große, dauerhaft gesicherte Kernräume, in denen sich Wald über Generationen hinweg weitgehend aus eigener Dynamik entwickeln kann.

Abbildung:
  • KI-generierte Illustration – keine dokumentarische Aufnahme

Artenschutz in Franken®
Stand 05.08.2025