Sie alle engagieren sich gemeinsam mit Artenschutz in Franken® für eine intakte Umwelt
ARTENSCHUTZ IN FRANKEN®

Im Sinne uns nachfolgender Generationen
Ausgezeichnet

Home

Über Uns

Aktuelles

Der Steigerwald

Diverses

Pflanzen

Projekte

Publikationen

Tiere

Umweltbildung

Webcams
Die Ufervegetation unserer Gewässer in Zeiten des Klimawandels
Bild zum Eintrag (1146401-160)
Bunte Lebensadern unter Druck: Die Ufervegetation unserer Gewässer in Zeiten des Klimawandels

Wer im Hochsommer entlang naturnaher Bachläufe, Gräben oder Feuchtwiesen spazieren geht, trifft auf eine der farbenprächtigsten Pflanzengesellschaften unserer Heimat. Die sogenannten Mädesüß-Uferhochstaudenfluren bilden im Juli und August dicht bewachsene, bunte Säume. Sie sind nicht nur eine Augenweide, sondern erfüllen fundamentale Aufgaben im Ökosystem unserer Gewässer.

Drei floristische Hauptakteure prägen dieses Biotop auf besondere Weise:

Die drei Hauptakteure des Ufersaums

  • Der Gewöhnliche Blutweiderich (Lythrum salicaria) – Der Insektenmagnet im Hochsommer
Mit seinen meterhohen, purpurvioletten Kerzenblüten ist der Blutweiderich ein unübersehbarer Blickfang.

  •     Botanische Besonderheit: Die Pflanze nutzt ein biologisches System namens Tristylie: Es gibt drei verschiedene Blütentypen mit unterschiedlich langen Griffeln und Staubblättern. Dies verhindert die Selbstbestäubung und stellt eine hohe genetische Vielfalt sicher.

  •     Ökologischer Wert: Im Hochsommer, wenn auf vielen Wiesen das Nahrungsangebot für Insekten bereits knapper wird, produziert der Blutweiderich reichlich Nektar und Pollen. Er wird von über 30 Bienen- und Hummelarten sowie zahlreichen Schmetterlingen (wie dem Zitronenfalter oder C-Falter) angeflogen. Für die spezialisierte Blutweiderich-Sägebiene dient er als überlebenswichtige Pollenquelle.

  • Der Gewöhnliche Felberich (Lysimachia vulgaris) – Das goldgelbe Pendant
Inmitten der violetten Blutweiderich-Bestände leuchten oft die kräftig gelben Blütenstände des Gewöhnlichen Felberichs hervor.

  •     Ökologische Besonderheit: Bietet den Besuchern keinen klassischen Nektar, sondern fettest Ölsalz (Blütenöl).

  •     Spezialisierter Bestäuber: Er ist die Hauptnahrungsquelle für die seltene Schenkelbiene (Macropis europaea), die das Blütenöl gemeinsam mit Pollen sammelt, um daraus Nahrung für ihre Brut in Erdnestern herzustellen.

  • Das Echte Mädesüß (Filipendula ulmaria) – Der duftende Schaum der Wiese
Mit seinen cremeweißen, feingliedrigen Blütendolden bildet das Echte Mädesüß den duftenden Rahmen dieser Pflanzengesellschaft.

  •     Natur- und Kulturgeschichte: Der süßliche Duft rührt von ätherischen Ölen und Salicylsäureverbindungen her. Das Mädesüß gilt als historisches Vorbild moderner Schmerzmittel (Aspirin) und wurde früher zum Aromatisieren von Honigwein (Met) verwendet.

  •     Wert für die Tierwelt: Die pollenreichen Blüten werden intensiv von Schwebfliegen, Käfern und Bienen genutzt. Zudem dient die Pflanze zahlreichen Nachtfalterraupen als Nahrung.

Bedrohte Oasen: Kleine Gewässer im Klimawandel

Gerade in den letzten Jahren stehen diese wertvollen Lebensräume in Deutschland vor immensen Herausforderungen. Langanhaltende Dürreperioden und sinkende Grundwasserstände treffen kleine Gewässer, Bäche und Gräben besonders hart.
Warum die Trockenheit kleine Gewässer gefährdet:

  •     Austrocknen von Kleinbiotopen: Wo früher ganzjährig Wasser floss, liegen Bäche heute im Hochsommer oft wochenlang trocken. Damit geht der Lebensraum für Fische, Amphibien (wie Grasfrosch und Molche) sowie unzählige Wasserinsekten schlagartig verloren.

  •     Kritischer Sauerstoffmangel: Bei geringer Wasserführung und gleichzeitig hohen Sommertemperaturen erwärmt sich das verbliebene Wasser extrem schnell. Der Sauerstoffgehalt sinkt drastisch, was für viele Wasserbewohner tödlich sein kann.

  •     Verlust der Feuchtgebietsflora: Obwohl Pflanzen wie Blutweiderich und Mädesüß ein gewisses Maß an Trockenheit kurzzeitig überstehen können, schädigt ein dauerhaftes Ausbleiben von Feuchtigkeit die Ufervegetation nachhaltig. Gehen diese Pflanzen zurück, verlieren Insekten ihre spät-sommerliche Nahrungsgrundlage.

Warum der Schutz von Ufersäumen jetzt wichtiger ist denn je

Ein dichter, gesunder Ufersaum ist die beste Schutzhülle für kleine Fließgewässer in Zeiten der Erderwärmung:

  •     Natürlicher Hitzeschutz: Der hohe Aufwuchs von Blutweiderich, Felberich und Mädesüß beschattet kleine Bäche und Gräben. Das mindert die Sonneneinstrahlung und bremst das Aufheizen des Wassers deutlich ab.

  •     Wasserspeicherung & Erosionsschutz: Das dichte Wurzelwerk der Hochstauden stabilisiert die Ufer und hilft, das Gewässerbett schattig und feucht zu halten. Zudem filtern die Wurzeln Nährstoffe aus angrenzenden Flächen.

  •     Lebensrettender Rückzugsort: In extrem heißen Phasen dienen die feuchtkühlen Mikroklimate im Unterholz des Ufersaums zahlreichen Amphibien, Kleinlebewesen und Insekten als letzter Zufluchtsort.

Der Erhalt und die Renaturierung naturnaher Bachufer und Gräben sind daher ein entscheidender Baustein des regionalen Naturschutzes, um die Artenvielfalt unserer Heimat trotz zunehmender Trockenphasen zu bewahren.