Sie befinden sich hier:
Diverses
>
Tummler in der Fränkischen Schweiz
>
Tummler in der Fränkischen Schweiz
Tummler in der Fränkischen Schweiz
Tummler in der Fränkischen Schweiz
Manchmal scheint die Landschaft stillzustehen. Ein trockenes Tal zieht sich zwischen den Hängen hindurch, zwischen Steinen und Gras ist kaum Wasser zu erkennen, und nichts deutet darauf hin, dass sich dieser Ort innerhalb kurzer Zeit vollkommen verändern kann.
Doch dann kommen ergiebige Niederschläge oder die Schneeschmelze setzt ein. Wasser versickert in den durchlässigen Gesteinsschichten der Fränkischen Schweiz, sammelt sich im Untergrund und sucht sich seinen Weg durch Klüfte, Spalten und Hohlräume. Schließlich tritt es an bestimmten Stellen wieder an die Oberfläche. Wo zuvor noch trockenes Gestein lag, beginnt plötzlich Wasser zu fließen.
Ein besonderes Gesicht der Fränkischen Schweiz
Die Fränkische Schweiz ist wesentlich durch ihre Karstlandschaft geprägt. Wasser verschwindet hier vielerorts im Untergrund, bewegt sich durch natürliche Spalten- und Höhlensysteme und tritt an anderer Stelle wieder aus.Tummler sind besonders auffällige Beispiele dieser unterirdischen Wasserbewegungen. Sie werden teilweise auch den sogenannten Hungerbrunnen zugerechnet: Quellen, die nicht dauerhaft Wasser führen, sondern nur unter bestimmten hydrologischen Bedingungen aktiv werden.
Besonders bekannt sind der Große und der Kleine Tummler im oberen Leinleitertal nördlich der Heroldsmühle. In längeren Trockenphasen erscheinen diese Stellen vergleichsweise unscheinbar. Sichtbar sind dann im Wesentlichen Vertiefungen und Gesteinsmaterial. Nach intensiven Niederschlagsperioden oder während ausgeprägter Schneeschmelze kann sich das Bild jedoch grundlegend verändern. Dann steigt der Karstwasserspiegel an und Wasser kann mit erheblicher Kraft aus den unterirdischen Hohlräumen austreten.
Historische Beobachtungen berichten sogar von zeitweise meterhohen, fontänenartigen Wasseraustritten. Heute zeigt sich dieses besonders spektakuläre Verhalten offenbar deutlich seltener beziehungsweise weniger ausgeprägt als in früheren Jahrzehnten.
Für den Betrachter ist gerade dieser Wechsel faszinierend.
Ein Tal kann über Wochen oder Monate trocken erscheinen. Dennoch bedeutet das nicht zwangsläufig, dass dort kein Wasser vorhanden ist. In einer Karstlandschaft verlagert sich ein erheblicher Teil des Wasserkreislaufs unter die Erdoberfläche. Niederschläge können durch Klüfte und Spalten rasch in tiefere Gesteinsschichten gelangen. Dort folgen sie unterirdischen Fließwegen. Steigt der Wasserstand nach längeren Regenperioden oder während einer Schneeschmelze ausreichend stark an, können zeitweise aktive Quellen plötzlich zu schütten beginnen.
Im Leinleitertal kann dadurch ein ansonsten trocken erscheinender Abschnitt innerhalb kurzer Zeit wieder von Wasser geprägt werden. Die Tummler machen damit einen Vorgang sichtbar, der sich gewöhnlich unseren Blicken entzieht.
Natur lebt von Veränderung
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® liegt die besondere Bedeutung solcher Landschaftsbereiche jedoch nicht allein in ihrer geologischen Besonderheit.
Die Natur ist nicht statisch.
Viele Lebensräume entstehen gerade durch Wechsel: trocken und nass, warm und kühl, sonnig und schattig, durchströmt und wieder trockenfallend. Solche Übergänge schaffen eine hohe Zahl unterschiedlicher ökologischer Bedingungen auf vergleichsweise engem Raum. Wenn ein Tummler aktiv wird, verändert sich seine unmittelbare Umgebung teilweise innerhalb kurzer Zeit. Trockene Strukturen werden überspült, kleine Rinnen führen Wasser, Bodenbereiche werden vernässt und Pflanzenbestände reagieren auf die veränderte Feuchtigkeit.
Später kann sich das Wasser wieder zurückziehen.
Temporäres Wasser kann wertvoll sein
Im Naturschutz richtet sich der Blick häufig auf dauerhaft wasserführende Teiche, Bäche oder Quellen. Doch auch zeitweise vorhandene Gewässer und vernässte Bereiche können ökologisch bedeutsam sein. Temporär feuchte Strukturen schaffen Bedingungen, die sich deutlich von den dauerhaft trockenen Bereichen ihrer Umgebung unterscheiden. Kleine Wirbellose, Insekten und andere Organismen können solche Feuchtbereiche nutzen. Auch für Amphibien und weitere an feuchte Lebensräume gebundene Arten können wasserbeeinflusste Landschaftselemente grundsätzlich wichtige Funktionen übernehmen – abhängig von Dauer, Ausprägung und Vernetzung der jeweiligen Wasserführung.
Ebenso bedeutsam sind die Randbereiche solcher Strukturen. Feuchte Säume, kleine Mulden, Steine, Totholz, krautreiche Vegetation und offene Bodenstellen können gemeinsam ein ausgesprochen abwechslungsreiches Lebensraummosaik entstehen lassen. Nicht die einzelne Struktur allein macht dabei den Wert aus.Es ist ihr Zusammenspiel.
Quellbereiche sind empfindliche Lebensräume
Wo Grundwasser an die Oberfläche gelangt, entstehen besondere ökologische Bedingungen. Quellbereiche weisen häufig relativ spezielle Temperatur-, Feuchte- und Strömungsverhältnisse auf. Gerade deshalb können sie Lebensraum für Organismen sein, die auf solche Standortbedingungen angewiesen sind. Doch genau diese Besonderheit macht Quellsysteme zugleich empfindlich.
Wer nur den sichtbaren Wasseraustritt betrachtet, sieht lediglich einen kleinen Ausschnitt des gesamten Systems. Das Wasser, das an einem Tummler erscheint, stammt aus einem wesentlich größeren Einzugsgebiet. Damit beginnt der Schutz eines solchen Naturphänomens nicht erst an der Quelle selbst.
Artenschutz beginnt im Einzugsgebiet
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® muss deshalb der gesamte Landschaftswasserhaushalt stärker in den Mittelpunkt rücken.
Wenn Niederschlagswasser möglichst natürlich in einer Landschaft versickern kann, können Grundwassersysteme und Quellen anders reagieren, als wenn Wasser rasch über befestigte Flächen, Drainagen oder künstlich beschleunigte Abflüsse abgeleitet wird. Auch intensive Bodenbearbeitung, Bodenverdichtung, großflächige Veränderungen der Vegetationsdecke oder Eingriffe in natürliche Abflussstrukturen können den Wasserhaushalt einer Landschaft beeinflussen.
Bei Karstsystemen kommt hinzu, dass Wasser teilweise vergleichsweise schnell durch Klüfte in den Untergrund gelangen kann. Damit können Veränderungen weit entfernt vom sichtbaren Quellaustritt Auswirkungen auf das unterirdische Wassersystem haben. Ein Tummler ist deshalb niemals nur ein Loch im Boden, aus dem gelegentlich Wasser austritt. Er ist das sichtbare Ende eines weit größeren hydrologischen Zusammenhangs.
Mehr Wasser in der Landschaft halten
Gerade angesichts häufiger auftretender Trockenphasen erhält dieser Zusammenhang zusätzliche Bedeutung. Wenn Niederschläge nach längerer Trockenheit innerhalb kurzer Zeit sehr intensiv fallen, kann ein erheblicher Teil des Wassers oberflächlich abfließen, anstatt langsam in Boden und Untergrund einzudringen.
Naturnahe Böden, Wälder, extensiv genutzte Grünlandflächen, Hecken, Säume und andere strukturreiche Landschaftselemente können dazu beitragen, Wasser zurückzuhalten und Abflüsse zu verlangsamen.
Für Artenschutz in Franken® gehören Wasserhaushalt und Biodiversität deshalb unmittelbar zusammen.
Wo Wasser länger in der Landschaft verbleibt, entstehen häufig auch vielfältigere Lebensbedingungen.
Tummler als natürliche Umweltbildung
Kaum ein Landschaftselement kann den Wasserkreislauf so eindrucksvoll vermitteln wie ein zeitweise aktiver Tummler. Hier lässt sich nachvollziehen, dass Niederschlag nicht einfach verschwindet.
Wasser wandert.
Es dringt in den Boden ein, bewegt sich durch Gesteinsschichten, sammelt sich, verändert seinen Weg und kann viele Tage oder Wochen später an anderer Stelle wieder sichtbar werden. Gerade für Umweltbildung sind solche Orte deshalb besonders wertvoll. Geologie, Klima, Wasserhaushalt und biologische Vielfalt lassen sich hier unmittelbar miteinander verbinden. Was im Klassenzimmer abstrakt erscheinen kann, wird draußen plötzlich sichtbar und hörbar.
Ein Lebensraum zwischen zwei Zuständen
Vielleicht liegt genau darin der besondere Reiz eines Tummlers.
Er besitzt nicht nur einen Zustand.
Wer ihn während einer Trockenphase besucht, erlebt einen vollkommen anderen Ort als jemand, der wenige Tage nach ergiebigem Regen dort steht.
Gerade im Naturschutz müssen wir wieder lernen, solche Dynamik zuzulassen.
Nicht jeder Bach muss dauerhaft gleich aussehen. Nicht jede feuchte Senke muss entwässert werden. Nicht jede unregelmäßig wasserführende Struktur ist ohne Bedeutung. Vielfach sind gerade die wechselnden Standorte jene Bereiche, auf die hoch spezialisierte Arten angewiesen sind.
Schutz bedeutet auch Zurückhaltung
Der Schutz solcher Bereiche kann deshalb manchmal erstaunlich einfach beginnen:
Und vor allem: den Wasserhaushalt einer Landschaft nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt eines möglichst schnellen Abflusses betrachten.
Natur braucht Raum.
Und Wasser braucht Zeit.
Klimawandel verändert auch den Blick auf die Tummler
Die Auswirkungen klimatischer Veränderungen auf regionale Karst- und Grundwassersysteme sind komplex. Entscheidend sind nicht allein die jährlichen Niederschlagsmengen, sondern ebenso deren zeitliche Verteilung, Intensität, Verdunstung und die Dauer von Trockenperioden.
Längere trockene Phasen können sich mit intensiven Niederschlagsereignissen abwechseln. Damit verändert sich auch die Frage, wann und wie viel Wasser in Böden und Karstsysteme gelangt.
Gerade deshalb gewinnen langfristige Beobachtungen solcher Naturphänomene an Bedeutung.
Solche Beobachtungen können helfen, Veränderungen unserer Landschaft über längere Zeiträume besser wahrzunehmen.
Artenschutz in Franken® – hinschauen, verstehen, bewahren
Für uns sind die Tummler der Fränkischen Schweiz deshalb weit mehr als touristische Sehenswürdigkeiten. Sie erzählen von einer Landschaft, deren entscheidende Prozesse vielfach unsichtbar unter unseren Füßen stattfinden.Sie zeigen, dass Wasser Grenzen überschreitet, die wir Menschen an der Oberfläche gezogen haben. Und sie erinnern uns daran, dass Naturschutz nur dann langfristig erfolgreich sein kann, wenn wir Zusammenhänge betrachten.
Boden, Wasser, Vegetation und Artenvielfalt lassen sich nicht voneinander trennen. Der Schutz einer Quelle beginnt im Umfeld.
Der Schutz eines Baches beginnt im Einzugsgebiet. Und der Schutz der Artenvielfalt beginnt dort, wo wir der Landschaft wieder genügend Raum lassen, ihre natürlichen Prozesse selbst zu gestalten.
Wenn nach langer Ruhe plötzlich Wasser aus einem Tummler hervortritt und durch das zuvor trockene Tal fließt, erleben wir deshalb weit mehr als ein außergewöhnliches Naturschauspiel.
Wir erleben für kurze Zeit einen Blick in das verborgene Wassersystem unserer Landschaft. Und vielleicht ist gerade das eine der wichtigsten Botschaften dieser außergewöhnlichen Orte: Was wir an der Oberfläche sehen, ist nur ein kleiner Teil dessen, was eine Landschaft am Leben erhält.
In der Aufnahme von Albert Meier
- Wenn Wasser aus dem Verborgenen zurückkehrt
Manchmal scheint die Landschaft stillzustehen. Ein trockenes Tal zieht sich zwischen den Hängen hindurch, zwischen Steinen und Gras ist kaum Wasser zu erkennen, und nichts deutet darauf hin, dass sich dieser Ort innerhalb kurzer Zeit vollkommen verändern kann.
Doch dann kommen ergiebige Niederschläge oder die Schneeschmelze setzt ein. Wasser versickert in den durchlässigen Gesteinsschichten der Fränkischen Schweiz, sammelt sich im Untergrund und sucht sich seinen Weg durch Klüfte, Spalten und Hohlräume. Schließlich tritt es an bestimmten Stellen wieder an die Oberfläche. Wo zuvor noch trockenes Gestein lag, beginnt plötzlich Wasser zu fließen.
- Zu den eindrucksvollsten Erscheinungen dieser Art gehören die sogenannten Tummler.
Ein besonderes Gesicht der Fränkischen Schweiz
Die Fränkische Schweiz ist wesentlich durch ihre Karstlandschaft geprägt. Wasser verschwindet hier vielerorts im Untergrund, bewegt sich durch natürliche Spalten- und Höhlensysteme und tritt an anderer Stelle wieder aus.Tummler sind besonders auffällige Beispiele dieser unterirdischen Wasserbewegungen. Sie werden teilweise auch den sogenannten Hungerbrunnen zugerechnet: Quellen, die nicht dauerhaft Wasser führen, sondern nur unter bestimmten hydrologischen Bedingungen aktiv werden.
Besonders bekannt sind der Große und der Kleine Tummler im oberen Leinleitertal nördlich der Heroldsmühle. In längeren Trockenphasen erscheinen diese Stellen vergleichsweise unscheinbar. Sichtbar sind dann im Wesentlichen Vertiefungen und Gesteinsmaterial. Nach intensiven Niederschlagsperioden oder während ausgeprägter Schneeschmelze kann sich das Bild jedoch grundlegend verändern. Dann steigt der Karstwasserspiegel an und Wasser kann mit erheblicher Kraft aus den unterirdischen Hohlräumen austreten.
Historische Beobachtungen berichten sogar von zeitweise meterhohen, fontänenartigen Wasseraustritten. Heute zeigt sich dieses besonders spektakuläre Verhalten offenbar deutlich seltener beziehungsweise weniger ausgeprägt als in früheren Jahrzehnten.
- Wasser verschwindet nicht – es geht seinen eigenen Weg
Für den Betrachter ist gerade dieser Wechsel faszinierend.
Ein Tal kann über Wochen oder Monate trocken erscheinen. Dennoch bedeutet das nicht zwangsläufig, dass dort kein Wasser vorhanden ist. In einer Karstlandschaft verlagert sich ein erheblicher Teil des Wasserkreislaufs unter die Erdoberfläche. Niederschläge können durch Klüfte und Spalten rasch in tiefere Gesteinsschichten gelangen. Dort folgen sie unterirdischen Fließwegen. Steigt der Wasserstand nach längeren Regenperioden oder während einer Schneeschmelze ausreichend stark an, können zeitweise aktive Quellen plötzlich zu schütten beginnen.
Im Leinleitertal kann dadurch ein ansonsten trocken erscheinender Abschnitt innerhalb kurzer Zeit wieder von Wasser geprägt werden. Die Tummler machen damit einen Vorgang sichtbar, der sich gewöhnlich unseren Blicken entzieht.
Natur lebt von Veränderung
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® liegt die besondere Bedeutung solcher Landschaftsbereiche jedoch nicht allein in ihrer geologischen Besonderheit.
Die Natur ist nicht statisch.
Viele Lebensräume entstehen gerade durch Wechsel: trocken und nass, warm und kühl, sonnig und schattig, durchströmt und wieder trockenfallend. Solche Übergänge schaffen eine hohe Zahl unterschiedlicher ökologischer Bedingungen auf vergleichsweise engem Raum. Wenn ein Tummler aktiv wird, verändert sich seine unmittelbare Umgebung teilweise innerhalb kurzer Zeit. Trockene Strukturen werden überspült, kleine Rinnen führen Wasser, Bodenbereiche werden vernässt und Pflanzenbestände reagieren auf die veränderte Feuchtigkeit.
Später kann sich das Wasser wieder zurückziehen.
- Genau diese Dynamik gehört zum natürlichen Charakter solcher Standorte.
Temporäres Wasser kann wertvoll sein
Im Naturschutz richtet sich der Blick häufig auf dauerhaft wasserführende Teiche, Bäche oder Quellen. Doch auch zeitweise vorhandene Gewässer und vernässte Bereiche können ökologisch bedeutsam sein. Temporär feuchte Strukturen schaffen Bedingungen, die sich deutlich von den dauerhaft trockenen Bereichen ihrer Umgebung unterscheiden. Kleine Wirbellose, Insekten und andere Organismen können solche Feuchtbereiche nutzen. Auch für Amphibien und weitere an feuchte Lebensräume gebundene Arten können wasserbeeinflusste Landschaftselemente grundsätzlich wichtige Funktionen übernehmen – abhängig von Dauer, Ausprägung und Vernetzung der jeweiligen Wasserführung.
Ebenso bedeutsam sind die Randbereiche solcher Strukturen. Feuchte Säume, kleine Mulden, Steine, Totholz, krautreiche Vegetation und offene Bodenstellen können gemeinsam ein ausgesprochen abwechslungsreiches Lebensraummosaik entstehen lassen. Nicht die einzelne Struktur allein macht dabei den Wert aus.Es ist ihr Zusammenspiel.
Quellbereiche sind empfindliche Lebensräume
Wo Grundwasser an die Oberfläche gelangt, entstehen besondere ökologische Bedingungen. Quellbereiche weisen häufig relativ spezielle Temperatur-, Feuchte- und Strömungsverhältnisse auf. Gerade deshalb können sie Lebensraum für Organismen sein, die auf solche Standortbedingungen angewiesen sind. Doch genau diese Besonderheit macht Quellsysteme zugleich empfindlich.
Wer nur den sichtbaren Wasseraustritt betrachtet, sieht lediglich einen kleinen Ausschnitt des gesamten Systems. Das Wasser, das an einem Tummler erscheint, stammt aus einem wesentlich größeren Einzugsgebiet. Damit beginnt der Schutz eines solchen Naturphänomens nicht erst an der Quelle selbst.
Artenschutz beginnt im Einzugsgebiet
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® muss deshalb der gesamte Landschaftswasserhaushalt stärker in den Mittelpunkt rücken.
Wenn Niederschlagswasser möglichst natürlich in einer Landschaft versickern kann, können Grundwassersysteme und Quellen anders reagieren, als wenn Wasser rasch über befestigte Flächen, Drainagen oder künstlich beschleunigte Abflüsse abgeleitet wird. Auch intensive Bodenbearbeitung, Bodenverdichtung, großflächige Veränderungen der Vegetationsdecke oder Eingriffe in natürliche Abflussstrukturen können den Wasserhaushalt einer Landschaft beeinflussen.
Bei Karstsystemen kommt hinzu, dass Wasser teilweise vergleichsweise schnell durch Klüfte in den Untergrund gelangen kann. Damit können Veränderungen weit entfernt vom sichtbaren Quellaustritt Auswirkungen auf das unterirdische Wassersystem haben. Ein Tummler ist deshalb niemals nur ein Loch im Boden, aus dem gelegentlich Wasser austritt. Er ist das sichtbare Ende eines weit größeren hydrologischen Zusammenhangs.
Mehr Wasser in der Landschaft halten
Gerade angesichts häufiger auftretender Trockenphasen erhält dieser Zusammenhang zusätzliche Bedeutung. Wenn Niederschläge nach längerer Trockenheit innerhalb kurzer Zeit sehr intensiv fallen, kann ein erheblicher Teil des Wassers oberflächlich abfließen, anstatt langsam in Boden und Untergrund einzudringen.
Naturnahe Böden, Wälder, extensiv genutzte Grünlandflächen, Hecken, Säume und andere strukturreiche Landschaftselemente können dazu beitragen, Wasser zurückzuhalten und Abflüsse zu verlangsamen.
Für Artenschutz in Franken® gehören Wasserhaushalt und Biodiversität deshalb unmittelbar zusammen.
Wo Wasser länger in der Landschaft verbleibt, entstehen häufig auch vielfältigere Lebensbedingungen.
Tummler als natürliche Umweltbildung
Kaum ein Landschaftselement kann den Wasserkreislauf so eindrucksvoll vermitteln wie ein zeitweise aktiver Tummler. Hier lässt sich nachvollziehen, dass Niederschlag nicht einfach verschwindet.
Wasser wandert.
Es dringt in den Boden ein, bewegt sich durch Gesteinsschichten, sammelt sich, verändert seinen Weg und kann viele Tage oder Wochen später an anderer Stelle wieder sichtbar werden. Gerade für Umweltbildung sind solche Orte deshalb besonders wertvoll. Geologie, Klima, Wasserhaushalt und biologische Vielfalt lassen sich hier unmittelbar miteinander verbinden. Was im Klassenzimmer abstrakt erscheinen kann, wird draußen plötzlich sichtbar und hörbar.
Ein Lebensraum zwischen zwei Zuständen
Vielleicht liegt genau darin der besondere Reiz eines Tummlers.
Er besitzt nicht nur einen Zustand.
Wer ihn während einer Trockenphase besucht, erlebt einen vollkommen anderen Ort als jemand, der wenige Tage nach ergiebigem Regen dort steht.
- Einmal liegen Steine trocken im Tal.
- Ein anderes Mal fließt Wasser darüber hinweg.
- Dazwischen liegen zahlreiche Übergangsstufen.
- Diese natürliche Veränderlichkeit ist kein Mangel, der beseitigt werden müsste. Sie ist Bestandteil des Systems.
Gerade im Naturschutz müssen wir wieder lernen, solche Dynamik zuzulassen.
Nicht jeder Bach muss dauerhaft gleich aussehen. Nicht jede feuchte Senke muss entwässert werden. Nicht jede unregelmäßig wasserführende Struktur ist ohne Bedeutung. Vielfach sind gerade die wechselnden Standorte jene Bereiche, auf die hoch spezialisierte Arten angewiesen sind.
Schutz bedeutet auch Zurückhaltung
Der Schutz solcher Bereiche kann deshalb manchmal erstaunlich einfach beginnen:
- Nicht eingreifen, wo kein Eingriff notwendig ist.
- Keine Quellmulden verfüllen.
- Keine wasserführenden Rinnen begradigen.
- Keine empfindlichen Ufer- und Saumstrukturen während ungeeigneter Zeiten vollständig mähen oder mulchen.
- Keine natürlichen Ablagerungen vorschnell beseitigen.
Und vor allem: den Wasserhaushalt einer Landschaft nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt eines möglichst schnellen Abflusses betrachten.
Natur braucht Raum.
Und Wasser braucht Zeit.
Klimawandel verändert auch den Blick auf die Tummler
Die Auswirkungen klimatischer Veränderungen auf regionale Karst- und Grundwassersysteme sind komplex. Entscheidend sind nicht allein die jährlichen Niederschlagsmengen, sondern ebenso deren zeitliche Verteilung, Intensität, Verdunstung und die Dauer von Trockenperioden.
Längere trockene Phasen können sich mit intensiven Niederschlagsereignissen abwechseln. Damit verändert sich auch die Frage, wann und wie viel Wasser in Böden und Karstsysteme gelangt.
Gerade deshalb gewinnen langfristige Beobachtungen solcher Naturphänomene an Bedeutung.
- Wann beginnt ein Tummler zu schütten?
- Wie lange führt er Wasser?
- Wie reagieren angrenzende Vegetationsbereiche?
- Wie verändert sich die Landschaft nach längeren Trockenperioden?
Solche Beobachtungen können helfen, Veränderungen unserer Landschaft über längere Zeiträume besser wahrzunehmen.
Artenschutz in Franken® – hinschauen, verstehen, bewahren
Für uns sind die Tummler der Fränkischen Schweiz deshalb weit mehr als touristische Sehenswürdigkeiten. Sie erzählen von einer Landschaft, deren entscheidende Prozesse vielfach unsichtbar unter unseren Füßen stattfinden.Sie zeigen, dass Wasser Grenzen überschreitet, die wir Menschen an der Oberfläche gezogen haben. Und sie erinnern uns daran, dass Naturschutz nur dann langfristig erfolgreich sein kann, wenn wir Zusammenhänge betrachten.
Boden, Wasser, Vegetation und Artenvielfalt lassen sich nicht voneinander trennen. Der Schutz einer Quelle beginnt im Umfeld.
Der Schutz eines Baches beginnt im Einzugsgebiet. Und der Schutz der Artenvielfalt beginnt dort, wo wir der Landschaft wieder genügend Raum lassen, ihre natürlichen Prozesse selbst zu gestalten.
Wenn nach langer Ruhe plötzlich Wasser aus einem Tummler hervortritt und durch das zuvor trockene Tal fließt, erleben wir deshalb weit mehr als ein außergewöhnliches Naturschauspiel.
Wir erleben für kurze Zeit einen Blick in das verborgene Wassersystem unserer Landschaft. Und vielleicht ist gerade das eine der wichtigsten Botschaften dieser außergewöhnlichen Orte: Was wir an der Oberfläche sehen, ist nur ein kleiner Teil dessen, was eine Landschaft am Leben erhält.
In der Aufnahme von Albert Meier
- Wenn aus einem trockenen Tal plötzlich wieder Wasser hervortritt – die Tummler machen die verborgenen Wasserwege der Fränkischen Schweiz sichtbar.
Aktueller Ordner:
Tummler in der Fränkischen Schweiz
Parallele Themen:
Tummler in der Fränkischen Schweiz















