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Rehe sind keine Waldzerstörer
Bild zum Eintrag (1151881-160)
Rehe sind keine Waldzerstörer – Wenn ein heimisches Wildtier zum Problem erklärt wird

  • Warum wir lernen müssen, den Wald wieder als Lebensraum zu betrachten und nicht ausschließlich als Produktionsstätte für Holz.

Ein stiller Bewohner im herbstlichen Wald

Es ist einer jener Oktobertage, an denen der fränkische Steigerwald seine Farben verändert. Feuchtigkeit liegt auf dem abgefallenen Laub, zwischen alten Baumstämmen wachsen junge Buchen und Ahornbäume, und in den lichteren Bereichen hat sich eine dichte Schicht aus Sträuchern, Gräsern und Kräutern entwickelt.

  • Plötzlich bewegt sich etwas zwischen den Gehölzen.

Ein Reh tritt vorsichtig aus der Deckung, verharrt für einen Augenblick und beginnt, einzelne Blätter und junge Triebe aufzunehmen. Wenige Schritte weiter verschwindet es wieder zwischen den Bäumen. Ein vollkommen natürlicher Vorgang, der sich in unseren Wäldern seit unzähligen Generationen wiederholt. Und doch wird gerade dieses Tier in der heutigen Diskussion um die Zukunft unserer Wälder immer häufiger zum Problem erklärt.

Von übermäßigem Wildverbiss ist die Rede, von gefährdeter Waldverjüngung und mitunter sogar von einer angeblichen Zerstörung des Waldes durch das Rehwild.

Wir von Artenschutz in Franken® betrachten diese Entwicklung mit Sorge.

Nicht etwa, weil wir den Einfluss von Rehen auf die Vegetation bestreiten würden. Ganz im Gegenteil. Dieser Einfluss ist vorhanden, messbar und gehört seit jeher zu den natürlichen Wechselwirkungen unserer Waldökosysteme. Was wir jedoch kritisch hinterfragen, ist die Art und Weise, wie aus einem natürlichen Verhalten zunehmend ein pauschaler Vorwurf gegenüber einer heimischen Wildtierart entsteht.

Denn ein Reh, das Pflanzen frisst, handelt nicht gegen den Wald. 
  • Es lebt in ihm und von ihm.

Der Wald ist kein Holzacker

Wer die gegenwärtige Diskussion um Rehwild verstehen möchte, muss zunächst eine grundlegende Unterscheidung treffen.

Ein Wald ist ein hochkomplexes Ökosystem. Er besteht nicht ausschließlich aus Bäumen, sondern aus einem vielschichtigen Zusammenwirken von Pflanzen, Pilzen, Mikroorganismen, Insekten, Vögeln und Säugetieren.

  • Jede dieser Lebensformen nimmt Einfluss auf andere Organismen.

Bäume konkurrieren miteinander um Licht, Wasser und Nährstoffe. Pilze zersetzen abgestorbenes Holz. Insekten ernähren sich von Blättern, Rinde und Holz. Wildschweine durchwühlen den Boden, und Rehe nutzen Knospen, Blätter, Kräuter sowie junge Gehölztriebe als Nahrungsquelle.

  • All diese Vorgänge beeinflussen die Entwicklung des Waldes.

In einem bewirtschafteten Forst treten dagegen häufig zusätzliche Zielsetzungen hinzu. Bestimmte Baumarten sollen in einer vorgesehenen Anzahl, Zusammensetzung und Qualität aufwachsen. Die Holzerzeugung, die Wirtschaftlichkeit und zunehmend auch die Anpassung an den Klimawandel bestimmen, welche Entwicklung erwünscht ist.

Hier beginnt ein wesentlicher Teil des Konfliktes.

Wenn ein Reh den Leittrieb eines jungen Baumes aufnimmt, kann sich dessen Höhenwachstum verzögern. Wird die Pflanze wiederholt verbissen, kann ihre Entwicklung erheblich beeinträchtigt werden.

  • Aus forstwirtschaftlicher Sicht kann daraus ein wirtschaftlicher Schaden entstehen.

Aus ökologischer Sicht beschreibt dieser Vorgang zunächst den Einfluss eines Pflanzenfressers auf die Vegetation. Ob daraus ein ernsthaftes Problem für das Waldökosystem entsteht, hängt von der Stärke des Verbisses, den betroffenen Pflanzenarten und den jeweiligen Standortbedingungen ab.

Nicht jede Veränderung einer jungen Pflanze bedeutet eine Zerstörung des Waldes.

  • Dieser Unterschied erscheint uns besonders wichtig.

Warum das Reh im Wirtschaftswald häufig zum Konfliktfall wird

Ein erheblicher Teil unserer heutigen Wälder wurde über viele Generationen hinweg nach menschlichen Nutzungsinteressen gestaltet.
Vielerorts entstanden gleichaltrige Bestände, häufig mit einem hohen Anteil wirtschaftlich bevorzugter Baumarten. Die Folgen solcher Bewirtschaftungsformen werden inzwischen besonders im Zusammenhang mit dem Klimawandel sichtbar. Wo über längere Zeiträume vor allem auf wenige Baumarten gesetzt wurde, können Trockenheit, Hitze und andere Belastungen besonders schwerwiegende Auswirkungen entfalten.

Der notwendige Umbau vieler Forstbestände zu standortgerechten, vielfältigeren Mischwäldern stellt die Forstwirtschaft deshalb vor erhebliche Herausforderungen.

  • Gerade in dieser Situation wird das Rehwild verstärkt als Hindernis wahrgenommen.

Denn Rehe fressen nicht wahllos sämtliche verfügbaren Pflanzen. Sie wählen bevorzugt nährstoffreiche und gut verdauliche Pflanzenteile aus. Hierzu gehören auch Knospen und Triebe junger Laubbäume sowie der Weißtanne. Werden solche Baumarten wiederholt stark verbissen, können weniger bevorzugte Arten einen Wachstumsvorsprung erhalten.

Das ist ein tatsächlicher ökologischer Einfluss, der bei hoher Verbissbelastung den Aufbau artenreicher Mischwälder erschweren kann.

Dennoch möchten wir eine entscheidende Frage stellen:

Ist das Reh grundsätzlich ein Problem für den Wald – oder entsteht der Konflikt häufig erst dort, wo die natürliche Nahrungsaufnahme eines Wildtieres mit konkreten menschlichen Vorstellungen über die Entwicklung des Waldes zusammentrifft?

  • Wir sehen insbesondere in der forstlichen Bewirtschaftung einen wesentlichen Ausgangspunkt dieser Auseinandersetzung.

Allerdings wäre es fachlich falsch, starken Wildverbiss ausschließlich als wirtschaftliches Problem zu betrachten. Auch in naturnahen und unbewirtschafteten Wäldern kann eine dauerhaft hohe Verbissbelastung die Verjüngung bestimmter Baumarten und damit die biologische Vielfalt beeinträchtigen. Es geht folglich nicht darum, den Einfluss des Rehs zu verharmlosen, sondern darum, seine Ursachen und Auswirkungen richtig einzuordnen.

Das Reh als natürlicher Gestalter der Waldvegetation

Das Europäische Reh (Capreolus capreolus) gehört zur ursprünglichen Tierwelt unserer Landschaft.

Als Pflanzenfresser beeinflusst es die Zusammensetzung und Entwicklung der Vegetation. Durch seine Nahrungsauswahl verändert es Konkurrenzverhältnisse zwischen Pflanzen. Manche Gehölze wachsen langsamer, während andere Pflanzen von veränderten Licht- und Konkurrenzbedingungen profitieren können.

  • Solche Wechselwirkungen gehören zu den natürlichen Prozessen innerhalb eines Waldökosystems.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass wissenschaftliche Untersuchungen durchaus unterschiedliche Auswirkungen des Rehwildes auf die pflanzliche Artenvielfalt zeigen. So können Rehe unter bestimmten Bedingungen die Artenzahl der Krautschicht erhöhen, indem sie das Wachstum konkurrierender Sträucher begrenzen. Gleichzeitig kann ihr Verbiss die funktionelle Vielfalt der Pflanzen und die Entwicklung bestimmter Baumarten verringern.

Der Einfluss des Rehwildes ist somit wesentlich komplexer, als es die verbreitete Gegenüberstellung von „Waldschutz“ und „Wildschaden“ vermuten lässt.

Hinzu kommt eine weitere ökologische Funktion.

Rehe können Pflanzensamen über ihre Nahrung aufnehmen und nach der Darmpassage an anderen Orten wieder ausscheiden. Damit beteiligen sie sich an der Verbreitung bestimmter Pflanzenarten und tragen zu biologischen Austauschprozessen zwischen Lebensräumen bei.

  • Auch als Bestandteil natürlicher Nahrungsbeziehungen haben sie eine Bedeutung.

Ein Wald, in dem Tiere leben, fressen, sich fortpflanzen und sterben, ist kein gestörtes System. Diese Vorgänge gehören zum Leben des Waldes. Wir sollten deshalb aufhören, jede natürliche Einflussnahme eines Wildtieres ausschließlich daran zu messen, ob sie unseren wirtschaftlichen Vorstellungen entspricht.

Wenn wir Lebensräume verändern, verändert sich auch das Verhalten der Rehe

In der Diskussion um Wildverbiss wird ein Aspekt aus unserer Sicht häufig nicht ausreichend berücksichtigt: die Veränderung der Lebensräume durch den Menschen.

Viele Rehe nutzen nicht ausschließlich geschlossene Waldbestände, sondern bevorzugen abwechslungsreiche Übergangsbereiche zwischen Wald, Gebüschen und offenen Flächen. Gerade solche Strukturen bieten ein vielfältiges Nahrungsangebot und ausreichende Deckung.

Doch wo sind diese Lebensräume geblieben?

In zahlreichen Regionen wurden Feldraine beseitigt, Hecken zurückgedrängt, Wiesen intensiv genutzt und früher strukturreiche Landschaftsbereiche vereinfacht. Auch innerhalb bewirtschafteter Wälder können dicht geschlossene Bestände, großflächige Eingriffe oder wenig abwechslungsreiche Vegetationsstrukturen das Nahrungsangebot beeinflussen.

  • Hinzu kommt die menschliche Störung.

Werden Rehe durch Freizeitnutzung, intensive Bejagung oder andere Aktivitäten regelmäßig beunruhigt, kann sich ihre zeitliche und räumliche Lebensraumnutzung verändern. Sie halten sich dann unter Umständen länger in deckungsreichen Bereichen auf und nutzen offene Nahrungsflächen weniger.

  • Das kann die räumliche Verteilung des Verbisses zusätzlich beeinflussen.

Es erscheint uns daher wenig überzeugend, zunächst großflächig in Lebensräume einzugreifen, deren Strukturen zu vereinfachen und anschließend allein die dort lebenden Wildtiere für unerwünschte Entwicklungen verantwortlich zu machen.

Eine verantwortungsvolle Betrachtung muss vielmehr das gesamte Umfeld berücksichtigen.

Wie vielfältig ist das Nahrungsangebot? Welche Rückzugsräume sind vorhanden? Wie stark wird ein Gebiet gestört? Welche Baumarten sollen sich entwickeln, und welche Möglichkeiten haben sie unter den gegebenen Bedingungen?

Diese Fragen gehören für uns untrennbar zusammen.

Verbiss ist nicht gleich Waldzerstörung

An dieser Stelle möchten wir ausdrücklich zwischen einem natürlichen Vorgang und seinen möglichen Folgen unterscheiden.

Ein Reh, das eine junge Buche oder Eiche verbeißt, zerstört damit nicht automatisch einen Wald. Viele Gehölze besitzen die Fähigkeit, nach einem Verbiss erneut auszutreiben. Nicht jede aufgenommene Knospe führt zum Absterben eines Baumes. Problematisch kann die Situation jedoch werden, wenn bestimmte Baumarten über Jahre hinweg immer wieder stark verbissen werden und dadurch kaum noch die Möglichkeit erhalten, über die erreichbare Fraßhöhe hinauszuwachsen.

  • Dann kann sich langfristig die Zusammensetzung des Waldes verändern.

Besonders empfindliche oder bevorzugt gefressene Baumarten können zurückgedrängt werden.Ein solcher Verlust an Baumartenvielfalt ist auch aus naturschutzfachlicher Sicht keinesfalls belanglos.Deshalb wäre es ebenso falsch, jeden Wildverbiss als harmlos darzustellen, wie ihn pauschal mit Waldzerstörung gleichzusetzen.

  • Entscheidend sind Ausmaß, Dauer und ökologische Folgen.

Dabei dürfen wir eines nicht aus dem Blick verlieren: Die Entwicklung eines Waldes hängt von zahlreichen Einflüssen ab.

Lichtverhältnisse, Wasserverfügbarkeit, Bodenzustand, Baumartenkonkurrenz, Trockenstress und forstliche Eingriffe bestimmen ebenso mit, welche Pflanzen sich durchsetzen können. 

Wer die Ursachen einer unzureichenden Waldverjüngung verstehen möchte, muss diese Zusammenhänge berücksichtigen.

  • Ein pauschaler Verweis auf das Rehwild wird dieser Komplexität nicht gerecht.

Die eigentlichen Herausforderungen unserer Wälder liegen wesentlich tiefer

Während Rehe vielerorts als problematische Pflanzenfresser diskutiert werden, sind unsere Wälder gleichzeitig Belastungen ausgesetzt, deren Dimensionen weit über den Verbiss einzelner Jungpflanzen hinausreichen.

Die Auswirkungen des Klimawandels haben in den vergangenen Jahren großflächig sichtbare Veränderungen ausgelöst.
Wiederkehrende Trockenperioden, lang anhaltende Hitze, Stürme und die nachfolgende starke Vermehrung bestimmter baumbewohnender Insekten haben zahlreiche Waldbestände erheblich geschädigt.

Besonders deutlich wurde dies in Regionen mit großflächigen, gegenüber Trockenheit empfindlichen Fichtenbeständen.

  • Auch die Art der Waldbewirtschaftung kann eine Rolle spielen.

Schwere Maschinen, Bodenverdichtung, großflächige Eingriffe in den Baumbestand und der Verlust ökologisch wertvoller Alt- und Totholzstrukturen können die Funktionsfähigkeit von Waldlebensräumen beeinträchtigen.

Wir möchten damit keinesfalls behaupten, dass jede forstwirtschaftliche Nutzung grundsätzlich naturfeindlich wäre. Es gibt zahlreiche engagierte Waldbesitzende und Forstleute, die sich intensiv um die Entwicklung naturnaher und klimaangepasster Mischwälder bemühen. Doch wer über die Gefährdung unserer Wälder spricht, sollte die großen strukturellen und klimatischen Herausforderungen ebenso deutlich benennen wie den Einfluss wildlebender Pflanzenfresser.

Es wäre eine bemerkenswerte Verschiebung der Verantwortlichkeiten, wenn ausgerechnet das Reh zum Sinnbild der Waldzerstörung würde, während menschengemachte Veränderungen der Waldlebensräume in den Hintergrund treten.

Ein Wald ohne Rehe – Ist das tatsächlich unser Ziel?

Stellen wir uns für einen Moment einen Wald vor, in dem sämtliche jungen Bäume weitgehend unbeeinflusst von größeren Pflanzenfressern aufwachsen könnten. Möglicherweise würden sich dort bestimmte Gehölze schneller entwickeln. Manche Baumarten hätten bessere Chancen, ihre empfindliche Jugendphase zu überwinden.

  • Doch wäre damit bereits ein ökologisch vollständiger Wald geschaffen?

Ein Wald besteht nicht allein aus seiner Baumverjüngung.

Er ist Lebensraum einer Vielzahl miteinander verbundener Organismen. Zu diesen gehören auch größere Pflanzenfresser, die Vegetationsstrukturen verändern und Teil natürlicher Nahrungsketten sind. Die Vorstellung, ein besonders guter Wald müsse möglichst frei von solchen Einflüssen sein, greift deshalb zu kurz. Genauso wenig darf aus dieser Überlegung folgen, dass jede beliebige Rehdichte ökologisch unproblematisch wäre.

Ein naturnaher Wald benötigt sowohl die Möglichkeit zur Entwicklung einer vielfältigen Baum- und Krautschicht als auch Lebensraum für seine heimischen Wildtiere.

  • Beide Anliegen verdienen Beachtung.

Es darf nicht darum gehen, das eine gegen das andere auszuspielen.

Was wir uns von einem zeitgemäßen Wald- und Wildtiermanagement wünschen

Wir von Artenschutz in Franken® sprechen uns für eine Betrachtung aus, die nicht bei der Zahl der Rehe stehen bleibt. Die tatsächliche Vegetationsentwicklung muss ebenso berücksichtigt werden wie Lebensraumqualität, Störungseinflüsse und die jeweiligen naturschutzfachlichen Zielsetzungen.

Dort, wo seltene oder besonders empfindliche Baumarten gefährdet sind, können örtlich begrenzte Schutzmaßnahmen sinnvoll sein.In anderen Bereichen kann eine veränderte Waldgestaltung dazu beitragen, mehr natürliche Nahrung, Rückzugsmöglichkeiten und strukturelle Vielfalt zu entwickeln.Auch die Jagd gehört zur Diskussion. Allerdings darf sie aus unserer Sicht nicht als pauschale Antwort auf jedes Problem der Waldentwicklung verstanden werden.Wo eine Regulierung von Wildbeständen fachlich begründet notwendig ist, sollte sie auf nachvollziehbaren örtlichen Erkenntnissen beruhen und die wildbiologischen Zusammenhänge sowie den Tierschutz berücksichtigen.

Eine generelle Herabsetzung des Rehwildes zum unerwünschten Konkurrenten des Menschen halten wir dagegen für verfehlt.

Wir wünschen uns einen Umgang mit heimischen Wildtieren, der ihre ökologische Bedeutung anerkennt und zugleich dort Verantwortung übernimmt, wo tatsächliche Konflikte entstehen. Nicht das möglichst vollständige Zurückdrängen natürlicher Einflüsse sollte unser Ziel sein, sondern das Verständnis der Prozesse, die einen vielfältigen und widerstandsfähigen Wald ermöglichen.

Unser Fazit – Das Reh gehört zum Wald, nicht auf die Anklagebank

Vielleicht sollten wir uns häufiger daran erinnern, dass unsere Wälder bereits Lebensräume wildlebender Pflanzenfresser waren, lange bevor Menschen begannen, Baumarten nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten auszuwählen und ihre Bestände systematisch zu bewirtschaften.

Das Reh hat sich nicht gegen den Wald entwickelt.
Es ist ein Teil seiner Geschichte und seines ökologischen Gefüges.

Seine Nahrungssuche ist kein Angriff auf die Natur, sondern Ausdruck seiner natürlichen Lebensweise. Wo starke Verbissbelastungen die Entwicklung vielfältiger Waldgesellschaften behindern, muss darüber sachlich gesprochen werden. Solche Auswirkungen dürfen nicht verschwiegen werden. Doch ebenso entschieden wenden wir uns gegen eine Sprache, die aus heimischen Wildtieren pauschal Verantwortliche für die Schwierigkeiten unserer Wälder macht.

Gerade in wirtschaftlich genutzten Forsten wird der Konflikt zwischen natürlichem Pflanzenfraß und menschlichen Entwicklungszielen besonders deutlich. Aber auch außerhalb dieser Flächen müssen die tatsächlichen ökologischen Auswirkungen differenziert betrachtet werden. ...


Rehe sind keine Waldzerstörer – Sie gehören zum lebendigen Wald!

Bild- und KI-Hinweis: KI-generierte Illustration auf Grundlage vereinseigener Originalaufnahmen aus dem Bildarchiv von Artenschutz in Franken®. Die Aufnahmen wurden KI-gestützt zu einer neuen Bildkomposition zusammengeführt und illustrativ verändert. Die Darstellung entspricht nicht vollständig den ursprünglichen Aufnahmesituationen und ist keine dokumentarische Aufnahme.

  •         Ein Rehbock, eine Ricke und ein Jungtier inmitten eines strukturreichen herbstlichen Waldes. Die Darstellung verdeutlicht, dass Rehe ein natürlicher Bestandteil unserer heimischen Waldökosysteme sind. Ihre Nahrungssuche beeinflusst die Vegetation, macht sie jedoch nicht grundsätzlich zu Zerstörern ihres Lebensraumes. Artenschutz in Franken® setzt sich für eine differenzierte Betrachtung des Rehwildes und seiner ökologischen Bedeutung ein.

Bildgrundlagen: Artenschutz in Franken®
Rehe sind keine Waldzerstörer
Bild zum Eintrag (1151910-160)
Ein Wald ohne Rehe – Ist das tatsächlich unser Ziel?

Stellen wir uns für einen Moment einen Wald vor, in dem sämtliche jungen Bäume weitgehend unbeeinflusst von größeren Pflanzenfressern aufwachsen könnten. Möglicherweise würden sich dort bestimmte Gehölze schneller entwickeln. Manche Baumarten hätten bessere Chancen, ihre empfindliche Jugendphase zu überwinden.

  •     Doch wäre damit bereits ein ökologisch vollständiger Wald geschaffen?

Ein Wald besteht nicht allein aus seiner Baumverjüngung.

Er ist Lebensraum einer Vielzahl miteinander verbundener Organismen. Zu diesen gehören auch größere Pflanzenfresser, die Vegetationsstrukturen verändern und Teil natürlicher Nahrungsketten sind. Die Vorstellung, ein besonders guter Wald müsse möglichst frei von solchen Einflüssen sein, greift deshalb zu kurz. Genauso wenig darf aus dieser Überlegung folgen, dass jede beliebige Rehdichte ökologisch unproblematisch wäre.

Ein naturnaher Wald benötigt sowohl die Möglichkeit zur Entwicklung einer vielfältigen Baum- und Krautschicht als auch Lebensraum für seine heimischen Wildtiere.

  •     Beide Anliegen verdienen Beachtung.

Es darf nicht darum gehen, das eine gegen das andere auszuspielen.

Was wir uns von einem zeitgemäßen Wald- und Wildtiermanagement wünschen

Wir von Artenschutz in Franken® sprechen uns für eine Betrachtung aus, die nicht bei der Zahl der Rehe stehen bleibt. Die tatsächliche Vegetationsentwicklung muss ebenso berücksichtigt werden wie Lebensraumqualität, Störungseinflüsse und die jeweiligen naturschutzfachlichen Zielsetzungen.

Dort, wo seltene oder besonders empfindliche Baumarten gefährdet sind, können örtlich begrenzte Schutzmaßnahmen sinnvoll sein.In anderen Bereichen kann eine veränderte Waldgestaltung dazu beitragen, mehr natürliche Nahrung, Rückzugsmöglichkeiten und strukturelle Vielfalt zu entwickeln.Auch die Jagd gehört zur Diskussion. Allerdings darf sie aus unserer Sicht nicht als pauschale Antwort auf jedes Problem der Waldentwicklung verstanden werden.Wo eine Regulierung von Wildbeständen fachlich begründet notwendig ist, sollte sie auf nachvollziehbaren örtlichen Erkenntnissen beruhen und die wildbiologischen Zusammenhänge sowie den Tierschutz berücksichtigen.

Eine generelle Herabsetzung des Rehwildes zum unerwünschten Konkurrenten des Menschen halten wir dagegen für verfehlt.

Wir wünschen uns einen Umgang mit heimischen Wildtieren, der ihre ökologische Bedeutung anerkennt und zugleich dort Verantwortung übernimmt, wo tatsächliche Konflikte entstehen. Nicht das möglichst vollständige Zurückdrängen natürlicher Einflüsse sollte unser Ziel sein, sondern das Verständnis der Prozesse, die einen vielfältigen und widerstandsfähigen Wald ermöglichen.

Unser Fazit – Das Reh gehört zum Wald, nicht auf die Anklagebank

Vielleicht sollten wir uns häufiger daran erinnern, dass unsere Wälder bereits Lebensräume wildlebender Pflanzenfresser waren, lange bevor Menschen begannen, Baumarten nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten auszuwählen und ihre Bestände systematisch zu bewirtschaften.

Das Reh hat sich nicht gegen den Wald entwickelt.
Es ist ein Teil seiner Geschichte und seines ökologischen Gefüges.

Seine Nahrungssuche ist kein Angriff auf die Natur, sondern Ausdruck seiner natürlichen Lebensweise. Wo starke Verbissbelastungen die Entwicklung vielfältiger Waldgesellschaften behindern, muss darüber sachlich gesprochen werden. Solche Auswirkungen dürfen nicht verschwiegen werden. Doch ebenso entschieden wenden wir uns gegen eine Sprache, die aus heimischen Wildtieren pauschal Verantwortliche für die Schwierigkeiten unserer Wälder macht.

Gerade in wirtschaftlich genutzten Forsten wird der Konflikt zwischen natürlichem Pflanzenfraß und menschlichen Entwicklungszielen besonders deutlich. Aber auch außerhalb dieser Flächen müssen die tatsächlichen ökologischen Auswirkungen differenziert betrachtet werden.


Für uns steht deshalb fest:

Rehe sind keine Waldzerstörer. Sie sind heimische Pflanzenfresser, deren Einfluss zum Wald gehört und deren Bestände und Lebensräume verantwortungsvoll betrachtet werden müssen. Unsere Wälder benötigen angesichts des Klimawandels mehr Strukturvielfalt, standortgerechte Baumarten, lebendige Böden und ausreichend Raum für natürliche Entwicklungsprozesse.

Und sie benötigen eine Gesellschaft, die bereit ist, ihren Wert nicht ausschließlich anhand wirtschaftlich verwertbarer Holzvorräte zu beurteilen. Wenn wir den Wald wieder stärker als Lebensgemeinschaft verstehen, werden wir auch den Platz erkennen, den das Reh darin einnimmt. Denn ein lebendiger Wald ist nicht der Wald, in dem möglichst wenige Tiere Spuren hinterlassen. Es ist ein Wald, in dem natürliche Prozesse und biologische Vielfalt langfristig bestehen können.


Rehe sind keine Waldzerstörer – Sie gehören zum lebendigen Wald!


In der Aufnahme
  • Waldstruktur in unserem langjährigen Monitoring - mit überdurschnittlichen Rehbesatz und hohere Naturverjüngung

Artenschutz in Franken® – 30. Oktober 2026

Für den Schutz heimischer Wildtiere, vielfältiger Lebensräume und einer lebendigen fränkischen Kulturlandschaft.
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