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Brennnesseln (Urtica)
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Brennnesseln (Urtica) 

Die Stelle am Gartenzaun war immer dieselbe. Ein schmaler Streifen Erde, oft übersehen, manchmal achtlos betreten. Doch an einem Frühsommertag blieb jemand stehen – nicht wegen der Aussicht, sondern wegen eines kurzen, brennenden Gefühls auf der Haut. Zwischen Gras und alten Steinen hatte sich ein dichter Bestand Brennnesseln ausgebreitet. Erst kam der Reflex: zurückweichen. Dann der zweite Blick: Schmetterlinge, die sich niederließen, kleine Insekten, die zwischen den Blättern verschwanden. Was eben noch als lästig galt, entpuppte sich plötzlich als lebendiger Mikrokosmos.

Artbeschreibung

Die Brennnesseln (Urtica) bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Nesselgewächse (Urticaceae). In Mitteleuropa sind vor allem die Große Brennnessel (Urtica dioica) und die Kleine Brennnessel (Urtica urens) verbreitet.

Typisch sind die gezähnten, gegenständig angeordneten Blätter und die mit feinen Brennhaaren besetzten Stängel und Blattoberflächen. Diese Haare enthalten eine Mischung aus reizenden Substanzen, die bei Berührung das bekannte Brennen auf der Haut verursachen – ein effektiver Schutz vor Fraßfeinden.

Brennnesseln bevorzugen stickstoffreiche Böden und wachsen häufig an Wegrändern, in Gärten, auf Brachflächen oder in Auen. Sie sind mehrjährig (insbesondere Urtica dioica) und breiten sich sowohl über Samen als auch über unterirdische Rhizome aus. Ökologisch spielen sie eine wichtige Rolle: Zahlreiche Insektenarten, darunter die Raupen bekannter Schmetterlinge wie Tagpfauenauge oder Kleiner Fuchs, sind auf sie als Nahrungsquelle angewiesen.

Perspektive im Wandel von Lebensraum und Klima

Auf den ersten Blick scheinen Brennnesseln zu den „Gewinnern“ menschlicher Veränderungen zu gehören. Sie profitieren von nährstoffreichen Böden und besiedeln schnell gestörte Flächen. Doch diese scheinbare Robustheit erzählt nur einen Teil der Geschichte.

Mit zunehmender Versiegelung von Flächen, intensiver Pflege von Grünanlagen und dem Rückgang ungenutzter Randbereiche verschwinden auch die Lebensräume, in denen Brennnesseln ungestört wachsen können. Gleichzeitig verändert der Klimawandel die Bedingungen: längere Trockenperioden können selbst diese anpassungsfähigen Pflanzen schwächen, insbesondere auf flachgründigen Böden.

Noch bedeutender ist ihre Rolle im ökologischen Netzwerk. Wo Brennnesseln fehlen, fehlen oft auch spezialisierte Insektenarten. Damit wird deutlich: Ihr Wert liegt weniger in ihrer Seltenheit als in ihrer Funktion als Grundlage für Biodiversität.

Bedrohung der Brennnesseln

Die Brennnessel ist keine klassische „bedrohte Art“, doch ihre Bestände stehen indirekt unter Druck:


  • Übermäßige Flächenpflege und „Aufräumen“ von Landschaften
  • Einsatz von Herbiziden in Landwirtschaft und Gartenbau
  • Verlust von Brachflächen und natürlichen Randstrukturen
  • Versiegelung von Böden
  • Klimatische Extrembedingungen wie Dürreperioden

Diese Einflüsse reduzieren nicht nur die Pflanze selbst, sondern auch die Vielzahl an Arten, die von ihr abhängen.


Aufnahme von Dieter Zinßer
  • Große Brennnessel mit Marienkäfer