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Rotkelchige Nachtkerze (Oenothera glazioviana)
Rotkelchige Nachtkerze (Oenothera glazioviana)
Rotkelchige Nachtkerze – wenn sich am Abend die gelben Blüten öffnen
Der Sommertag war heiß gewesen. Über der offenen Landschaft lag noch die Wärme des Nachmittags, während die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand. Zwischen hohen Gräsern und trockenen Stauden standen einige Pflanzen, die tagsüber kaum besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten.
Doch mit dem beginnenden Abend veränderte sich das Bild.
Zwischen den schmalen Blättern leuchteten plötzlich große gelbe Blüten. Noch geschlossene Knospen zeigten einen auffallend rötlichen Farbton, und an manchen Stängeln waren kleine rote Punkte und feine Haare zu erkennen. Während viele andere Blütenpflanzen ihre Aktivität für diesen Tag bereits beendet hatten, begann hier noch einmal eine ganz eigene Phase.
Die Rotkelchige Nachtkerze öffnete ihre Blüten.
In der Dämmerung wurden die hellgelben Blüten zu weithin sichtbaren Signalen. Nachtaktive Insekten konnten nun Nektar und Pollen finden, während sich über der Landschaft langsam Dunkelheit ausbreitete. Am nächsten Morgen würden einige dieser Blüten bereits wieder an Frische verlieren. Doch neue Knospen warteten darauf, sich am kommenden Abend zu öffnen.
So begleitet die Rotkelchige Nachtkerze den Sommer mit einem besonderen Rhythmus: Wenn der Tag endet, beginnt für ihre Blüten noch einmal eine kurze Zeit voller Leben.
Rotkelchige Nachtkerze – Oenothera glazioviana
Die Rotkelchige Nachtkerze gehört zur Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Sie ist eine auffällige, meist zweijährige Pflanze und kann an geeigneten Standorten stattliche Wuchshöhen erreichen. Besonders charakteristisch sind ihre großen, leuchtend gelben Blüten. Sie besitzen vier Kronblätter und stehen im oberen Bereich der Pflanze in einem langgestreckten Blütenstand.
Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist die rötliche Färbung im Bereich der Knospen und Kelchblätter. Auch der Stängel kann rötliche Punkte und eine Behaarung zeigen. Zusammen mit den großen gelben Blüten entsteht dadurch ein markantes Erscheinungsbild.
Die Blätter stehen wechselständig am Stängel. Sie sind länglich bis lanzettlich und können einen leicht gezähnten Rand besitzen.
Nach erfolgreicher Bestäubung entstehen längliche Fruchtkapseln. In ihnen entwickeln sich zahlreiche kleine Samen, über die sich die Pflanze an geeigneten offenen Standorten ausbreiten kann.
Eine Pflanze mit zweijährigem Lebensrhythmus
Viele Pflanzen entwickeln im ersten Jahr zunächst vor allem eine bodennahe Blattrosette. In dieser Phase werden Reservestoffe aufgebaut und ein kräftiges Wurzelsystem entwickelt.
Während des Sommers erscheinen dann nach und nach zahlreiche Blüten. Die einzelnen Blüten bestehen nur vergleichsweise kurze Zeit, werden jedoch über einen längeren Zeitraum durch neue Blüten ersetzt. Diese Strategie ermöglicht es der Nachtkerze, über Wochen hinweg für Blütenbesucher verfügbar zu bleiben.
Nach der Samenreife endet der Lebenszyklus der zweijährigen Pflanze. Die nächste Generation wartet dann bereits im Boden auf günstige Keimbedingungen.
Lebensraum – eine Spezialistin offener Standorte
Die Rotkelchige Nachtkerze findet man besonders dort, wo ausreichend Licht den Boden erreicht und offene Vegetationsbereiche vorhanden sind. Typische Standorte können Weg- und Straßenränder, Böschungen, Bahndämme, Brachflächen, Kiesflächen, Ruderalstandorte, offene Säume sowie andere regelmäßig oder zeitweise gestörte Flächen sein.
Wird die Vegetationsdecke beispielsweise durch Bodenbewegungen, natürliche Störungen oder andere Prozesse geöffnet, entstehen Keimstellen, an denen Nachtkerzensamen gute Bedingungen finden können.
Ein später Blütentisch für Insekten
Ökologisch interessant ist vor allem der besondere Blührhythmus der Nachtkerzen.
Die großen gelben Blüten öffnen sich häufig gegen Abend oder in den Abendstunden. Dadurch können sie insbesondere für dämmerungs- und nachtaktive Insekten interessant sein. Nachtfalter gehören zu den charakteristischen Blütenbesuchern. Doch auch verschiedene tagaktive Insekten können die Blüten nutzen, solange diese geöffnet sind und Nektar oder Pollen anbieten.
Damit erweitert die Rotkelchige Nachtkerze das zeitliche Blütenangebot eines Standortes.
Während zahlreiche Pflanzen hauptsächlich während des Tages besucht werden, steht hier auch in den Übergangsstunden zwischen Tag und Nacht eine Nahrungsquelle zur Verfügung. Gerade strukturreiche Standorte profitieren von solchen unterschiedlichen Blühzeiten: Nicht eine einzelne Pflanzenart entscheidet über die Qualität eines Lebensraumes, sondern das Zusammenspiel vieler Pflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten, Blütenformen und ökologischen Funktionen.
Eine Pflanze mit besonderer Geschichte
Die botanische Einordnung der Nachtkerzen ist ausgesprochen komplex. Viele Vertreter der Gattung Oenothera können miteinander hybridisieren, und verschiedene Linien lassen sich im Gelände teilweise nur schwer voneinander unterscheiden.Auch die Rotkelchige Nachtkerze besitzt eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte. Plants of the World Online führt Oenothera glazioviana als akzeptiertes Taxon und beschreibt sie als aus Kreuzungen von Oenothera elata und Oenothera grandiflora hervorgegangene Kulturpflanze europäischen Ursprungs. Heute ist sie in zahlreichen Teilen der gemäßigten Welt eingebürgert.Das macht sie auch aus naturschutzfachlicher Sicht interessant: Sie gehört nicht zur ursprünglichen heimischen Flora, ist heute aber Bestandteil vieler vom Menschen stark veränderter Lebensräume.
Rotkelchige Nachtkerze und Klimawandel
Wie sich die Rotkelchige Nachtkerze unter den Bedingungen des Klimawandels langfristig entwickeln wird, lässt sich nicht auf einen einzigen Faktor reduzieren.
Als lichtliebende Pflanze offener und vergleichsweise warmer Standorte könnte sie zunächst von längeren Vegetationsperioden und höheren Temperaturen profitieren. Regionen, in denen bislang kühlere Bedingungen ihre Entwicklung begrenzen, könnten zukünftig geeigneter werden.
Gleichzeitig verändert der Klimawandel jedoch nicht nur die Temperatur.
Längere Trockenperioden, extreme Hitze, Starkregen und zunehmend ungleichmäßig verteilte Niederschläge beeinflussen auch die Keimung und Entwicklung der Pflanzen. Eine ausgewachsene Nachtkerze kann mit zeitweiser Trockenheit vergleichsweise gut umgehen. Für frisch gekeimte Pflanzen sieht die Situation anders aus. Trocknet der Oberboden unmittelbar nach der Keimung aus, können Jungpflanzen absterben, bevor sie ausreichend tiefe Wurzeln entwickelt haben.
Entscheidend wird sein, ob geeignete offene Standorte vorhanden bleiben und ob während der entscheidenden Entwicklungsphasen ausreichend Bodenfeuchtigkeit zur Verfügung steht.
Lebensraumveränderung – Gewinnerin und Verliererin zugleich
Auch Veränderungen unserer Landschaft wirken auf die Rotkelchige Nachtkerze widersprüchlich.
Baustellen, Bahnflächen, Straßenböschungen, Bodenaufschüttungen und andere offene Bereiche können ihr neue Lebensräume eröffnen.Verschwinden diese offenen Strukturen jedoch wieder, kann auch die Nachtkerze innerhalb weniger Jahre verschwinden.
Wächst ein Standort mit dichten Gräsern, Gehölzen und hochwüchsigen Stauden zu, nimmt das Licht am Boden ab. Die für eine erfolgreiche Keimung wichtigen offenen Bodenstellen gehen verloren. Auch eine sehr häufige oder zum falschen Zeitpunkt durchgeführte Mahd kann lokale Bestände erheblich beeinflussen. Werden die Pflanzen regelmäßig vor der Samenreife abgeschnitten, können sie ihren Entwicklungszyklus nicht erfolgreich abschließen.
Damit ist die Rotkelchige Nachtkerze ein gutes Beispiel dafür, dass nicht jede Art einfach nur „mehr“ oder „weniger“ Landschaftspflege benötigt.
Oft entscheidet vielmehr der richtige Zeitpunkt und die richtige Intensität.
Ist die Rotkelchige Nachtkerze bedroht?
Die Rotkelchige Nachtkerze sollte auf einer Naturschutzseite nicht wie eine seltene heimische, akut gefährdete Pflanzenart dargestellt werden. Die Oenothera-glazioviana-Gruppe wird in Deutschland als etablierter Neophyt geführt; sie ist in der Roten Liste nicht bewertet und nach Bundesnaturschutzgesetz nicht besonders geschützt.
Lokale Vorkommen können dennoch verschwinden.
Ursachen können unter anderem die vollständige Versiegelung eines Standortes, das Zuwachsen offener Flächen, eine sehr häufige Mahd vor der Samenbildung oder die vollständige Beseitigung von Ruderal- und Saumstrukturen sein.
Umgekehrt entstehen durch menschliche Eingriffe immer wieder neue offene Standorte, die von Nachtkerzen besiedelt werden können.
Die Art befindet sich damit in einer besonderen Situation: Viele der Veränderungen, die einen Bestand verschwinden lassen, schaffen an anderer Stelle gleichzeitig neue Lebensräume.
Nicht giftig – dennoch sicher bestimmen
Das bedeutet allerdings nicht, dass unbekannte Wildpflanzen ohne sichere Bestimmung genutzt oder verzehrt werden sollten. Besonders innerhalb der Gattung Oenothera ist die botanische Bestimmung nicht immer einfach.
Für unsere Betrachtung als Naturschutzpflanze steht ohnehin weniger eine mögliche Nutzung als vielmehr ihre ökologische Rolle im Mittelpunkt.
Eine Pflanze der Übergänge
Die Rotkelchige Nachtkerze gehört zu jenen Pflanzen, die uns zeigen, wie dynamisch Natur sein kann.
Sie erscheint dort, wo Boden offenliegt. Sie begleitet Bahndämme, Böschungen und Brachflächen. Sie nutzt Standorte, die sich ständig verändern. Und während sich am Abend viele Blüten schließen, beginnt bei ihr häufig erst die auffälligste Phase des Tages.
Sie ist keine klassische Zielart des heimischen Artenschutzes und dennoch Teil unserer heutigen Kulturlandschaft.
Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Denn auch unscheinbare Wegsäume, Ruderalflächen und Brachen sind keine „leeren“ Räume. Sie können Lebensgemeinschaften beherbergen, die sich an Veränderung angepasst haben – und deren Blüten selbst nach Sonnenuntergang noch Nahrung für Insekten bereithalten.
Die Rotkelchige Nachtkerze erinnert uns daran, dass Natur nicht nur in Schutzgebieten stattfindet. Manchmal beginnt sie unmittelbar am Wegrand – und manchmal erst am Abend.
In der Aufnahme von © Mario Wellein
Der Sommertag war heiß gewesen. Über der offenen Landschaft lag noch die Wärme des Nachmittags, während die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand. Zwischen hohen Gräsern und trockenen Stauden standen einige Pflanzen, die tagsüber kaum besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten.
Doch mit dem beginnenden Abend veränderte sich das Bild.
Zwischen den schmalen Blättern leuchteten plötzlich große gelbe Blüten. Noch geschlossene Knospen zeigten einen auffallend rötlichen Farbton, und an manchen Stängeln waren kleine rote Punkte und feine Haare zu erkennen. Während viele andere Blütenpflanzen ihre Aktivität für diesen Tag bereits beendet hatten, begann hier noch einmal eine ganz eigene Phase.
Die Rotkelchige Nachtkerze öffnete ihre Blüten.
In der Dämmerung wurden die hellgelben Blüten zu weithin sichtbaren Signalen. Nachtaktive Insekten konnten nun Nektar und Pollen finden, während sich über der Landschaft langsam Dunkelheit ausbreitete. Am nächsten Morgen würden einige dieser Blüten bereits wieder an Frische verlieren. Doch neue Knospen warteten darauf, sich am kommenden Abend zu öffnen.
So begleitet die Rotkelchige Nachtkerze den Sommer mit einem besonderen Rhythmus: Wenn der Tag endet, beginnt für ihre Blüten noch einmal eine kurze Zeit voller Leben.
Rotkelchige Nachtkerze – Oenothera glazioviana
Die Rotkelchige Nachtkerze gehört zur Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Sie ist eine auffällige, meist zweijährige Pflanze und kann an geeigneten Standorten stattliche Wuchshöhen erreichen. Besonders charakteristisch sind ihre großen, leuchtend gelben Blüten. Sie besitzen vier Kronblätter und stehen im oberen Bereich der Pflanze in einem langgestreckten Blütenstand.
Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist die rötliche Färbung im Bereich der Knospen und Kelchblätter. Auch der Stängel kann rötliche Punkte und eine Behaarung zeigen. Zusammen mit den großen gelben Blüten entsteht dadurch ein markantes Erscheinungsbild.
Die Blätter stehen wechselständig am Stängel. Sie sind länglich bis lanzettlich und können einen leicht gezähnten Rand besitzen.
Nach erfolgreicher Bestäubung entstehen längliche Fruchtkapseln. In ihnen entwickeln sich zahlreiche kleine Samen, über die sich die Pflanze an geeigneten offenen Standorten ausbreiten kann.
Eine Pflanze mit zweijährigem Lebensrhythmus
Viele Pflanzen entwickeln im ersten Jahr zunächst vor allem eine bodennahe Blattrosette. In dieser Phase werden Reservestoffe aufgebaut und ein kräftiges Wurzelsystem entwickelt.
- Erst im folgenden Jahr wächst der hohe Blütenstängel empor.
Während des Sommers erscheinen dann nach und nach zahlreiche Blüten. Die einzelnen Blüten bestehen nur vergleichsweise kurze Zeit, werden jedoch über einen längeren Zeitraum durch neue Blüten ersetzt. Diese Strategie ermöglicht es der Nachtkerze, über Wochen hinweg für Blütenbesucher verfügbar zu bleiben.
Nach der Samenreife endet der Lebenszyklus der zweijährigen Pflanze. Die nächste Generation wartet dann bereits im Boden auf günstige Keimbedingungen.
Lebensraum – eine Spezialistin offener Standorte
Die Rotkelchige Nachtkerze findet man besonders dort, wo ausreichend Licht den Boden erreicht und offene Vegetationsbereiche vorhanden sind. Typische Standorte können Weg- und Straßenränder, Böschungen, Bahndämme, Brachflächen, Kiesflächen, Ruderalstandorte, offene Säume sowie andere regelmäßig oder zeitweise gestörte Flächen sein.
- Dabei ist gerade eine gewisse Dynamik des Standortes von Bedeutung.
Wird die Vegetationsdecke beispielsweise durch Bodenbewegungen, natürliche Störungen oder andere Prozesse geöffnet, entstehen Keimstellen, an denen Nachtkerzensamen gute Bedingungen finden können.
- In einer vollständig geschlossenen, dichten und hochwüchsigen Vegetation hat es die Art dagegen wesentlich schwerer.
Ein später Blütentisch für Insekten
Ökologisch interessant ist vor allem der besondere Blührhythmus der Nachtkerzen.
Die großen gelben Blüten öffnen sich häufig gegen Abend oder in den Abendstunden. Dadurch können sie insbesondere für dämmerungs- und nachtaktive Insekten interessant sein. Nachtfalter gehören zu den charakteristischen Blütenbesuchern. Doch auch verschiedene tagaktive Insekten können die Blüten nutzen, solange diese geöffnet sind und Nektar oder Pollen anbieten.
Damit erweitert die Rotkelchige Nachtkerze das zeitliche Blütenangebot eines Standortes.
Während zahlreiche Pflanzen hauptsächlich während des Tages besucht werden, steht hier auch in den Übergangsstunden zwischen Tag und Nacht eine Nahrungsquelle zur Verfügung. Gerade strukturreiche Standorte profitieren von solchen unterschiedlichen Blühzeiten: Nicht eine einzelne Pflanzenart entscheidet über die Qualität eines Lebensraumes, sondern das Zusammenspiel vieler Pflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten, Blütenformen und ökologischen Funktionen.
Eine Pflanze mit besonderer Geschichte
Die botanische Einordnung der Nachtkerzen ist ausgesprochen komplex. Viele Vertreter der Gattung Oenothera können miteinander hybridisieren, und verschiedene Linien lassen sich im Gelände teilweise nur schwer voneinander unterscheiden.Auch die Rotkelchige Nachtkerze besitzt eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte. Plants of the World Online führt Oenothera glazioviana als akzeptiertes Taxon und beschreibt sie als aus Kreuzungen von Oenothera elata und Oenothera grandiflora hervorgegangene Kulturpflanze europäischen Ursprungs. Heute ist sie in zahlreichen Teilen der gemäßigten Welt eingebürgert.Das macht sie auch aus naturschutzfachlicher Sicht interessant: Sie gehört nicht zur ursprünglichen heimischen Flora, ist heute aber Bestandteil vieler vom Menschen stark veränderter Lebensräume.
Rotkelchige Nachtkerze und Klimawandel
Wie sich die Rotkelchige Nachtkerze unter den Bedingungen des Klimawandels langfristig entwickeln wird, lässt sich nicht auf einen einzigen Faktor reduzieren.
Als lichtliebende Pflanze offener und vergleichsweise warmer Standorte könnte sie zunächst von längeren Vegetationsperioden und höheren Temperaturen profitieren. Regionen, in denen bislang kühlere Bedingungen ihre Entwicklung begrenzen, könnten zukünftig geeigneter werden.
Gleichzeitig verändert der Klimawandel jedoch nicht nur die Temperatur.
Längere Trockenperioden, extreme Hitze, Starkregen und zunehmend ungleichmäßig verteilte Niederschläge beeinflussen auch die Keimung und Entwicklung der Pflanzen. Eine ausgewachsene Nachtkerze kann mit zeitweiser Trockenheit vergleichsweise gut umgehen. Für frisch gekeimte Pflanzen sieht die Situation anders aus. Trocknet der Oberboden unmittelbar nach der Keimung aus, können Jungpflanzen absterben, bevor sie ausreichend tiefe Wurzeln entwickelt haben.
- Der Klimawandel könnte deshalb gleichzeitig neue Möglichkeiten und neue Grenzen schaffen.
Entscheidend wird sein, ob geeignete offene Standorte vorhanden bleiben und ob während der entscheidenden Entwicklungsphasen ausreichend Bodenfeuchtigkeit zur Verfügung steht.
Lebensraumveränderung – Gewinnerin und Verliererin zugleich
Auch Veränderungen unserer Landschaft wirken auf die Rotkelchige Nachtkerze widersprüchlich.
Baustellen, Bahnflächen, Straßenböschungen, Bodenaufschüttungen und andere offene Bereiche können ihr neue Lebensräume eröffnen.Verschwinden diese offenen Strukturen jedoch wieder, kann auch die Nachtkerze innerhalb weniger Jahre verschwinden.
Wächst ein Standort mit dichten Gräsern, Gehölzen und hochwüchsigen Stauden zu, nimmt das Licht am Boden ab. Die für eine erfolgreiche Keimung wichtigen offenen Bodenstellen gehen verloren. Auch eine sehr häufige oder zum falschen Zeitpunkt durchgeführte Mahd kann lokale Bestände erheblich beeinflussen. Werden die Pflanzen regelmäßig vor der Samenreife abgeschnitten, können sie ihren Entwicklungszyklus nicht erfolgreich abschließen.
Damit ist die Rotkelchige Nachtkerze ein gutes Beispiel dafür, dass nicht jede Art einfach nur „mehr“ oder „weniger“ Landschaftspflege benötigt.
Oft entscheidet vielmehr der richtige Zeitpunkt und die richtige Intensität.
Ist die Rotkelchige Nachtkerze bedroht?
- Hier ist eine fachliche Differenzierung wichtig.
Die Rotkelchige Nachtkerze sollte auf einer Naturschutzseite nicht wie eine seltene heimische, akut gefährdete Pflanzenart dargestellt werden. Die Oenothera-glazioviana-Gruppe wird in Deutschland als etablierter Neophyt geführt; sie ist in der Roten Liste nicht bewertet und nach Bundesnaturschutzgesetz nicht besonders geschützt.
Lokale Vorkommen können dennoch verschwinden.
Ursachen können unter anderem die vollständige Versiegelung eines Standortes, das Zuwachsen offener Flächen, eine sehr häufige Mahd vor der Samenbildung oder die vollständige Beseitigung von Ruderal- und Saumstrukturen sein.
Umgekehrt entstehen durch menschliche Eingriffe immer wieder neue offene Standorte, die von Nachtkerzen besiedelt werden können.
Die Art befindet sich damit in einer besonderen Situation: Viele der Veränderungen, die einen Bestand verschwinden lassen, schaffen an anderer Stelle gleichzeitig neue Lebensräume.
Nicht giftig – dennoch sicher bestimmen
- Die Rotkelchige Nachtkerze gilt nicht als giftige Pflanze.
Das bedeutet allerdings nicht, dass unbekannte Wildpflanzen ohne sichere Bestimmung genutzt oder verzehrt werden sollten. Besonders innerhalb der Gattung Oenothera ist die botanische Bestimmung nicht immer einfach.
Für unsere Betrachtung als Naturschutzpflanze steht ohnehin weniger eine mögliche Nutzung als vielmehr ihre ökologische Rolle im Mittelpunkt.
Eine Pflanze der Übergänge
Die Rotkelchige Nachtkerze gehört zu jenen Pflanzen, die uns zeigen, wie dynamisch Natur sein kann.
Sie erscheint dort, wo Boden offenliegt. Sie begleitet Bahndämme, Böschungen und Brachflächen. Sie nutzt Standorte, die sich ständig verändern. Und während sich am Abend viele Blüten schließen, beginnt bei ihr häufig erst die auffälligste Phase des Tages.
Sie ist keine klassische Zielart des heimischen Artenschutzes und dennoch Teil unserer heutigen Kulturlandschaft.
Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Denn auch unscheinbare Wegsäume, Ruderalflächen und Brachen sind keine „leeren“ Räume. Sie können Lebensgemeinschaften beherbergen, die sich an Veränderung angepasst haben – und deren Blüten selbst nach Sonnenuntergang noch Nahrung für Insekten bereithalten.
Die Rotkelchige Nachtkerze erinnert uns daran, dass Natur nicht nur in Schutzgebieten stattfindet. Manchmal beginnt sie unmittelbar am Wegrand – und manchmal erst am Abend.
In der Aufnahme von © Mario Wellein
- Rotkelchige Nachtkerze (Oenothera glazioviana) – große gelbe Blüten und rötlich gefärbte Kelchbereiche prägen ihr Erscheinungsbild.
Rotkelchige Nachtkerze (Oenothera glazioviana)
In der Aufnahme von © Mario Wellein
- Offene Säume, Böschungen und Ruderalflächen bieten der Rotkelchigen Nachtkerze geeignete Wuchsorte.
Rotkelchige Nachtkerze (Oenothera glazioviana)
Darstellung - Artenschutz in Franken®















