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Gewöhnliche Ferkelkraut (Hypochaeris radicata)
Gewöhnliche Ferkelkraut (Hypochaeris radicata)
Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata)
Es gibt Pflanzen, an denen wir viele Jahre vorbeigehen können, ohne ihnen einen besonderen Gedanken zu schenken.
Das Gewöhnliche Ferkelkraut gehört für uns zu diesen Arten.
Wer im Sommer über einen mageren Wegrand, eine extensiv genutzte Wiese oder einen trockenen Grasstreifen läuft, entdeckt irgendwann seine gelben Blütenköpfe. Auf den ersten Blick könnte man sie vielleicht für kleine Löwenzahnblüten halten. Doch wer stehen bleibt und genauer hinsieht, erkennt schnell, dass hier eine ganz eigene Pflanze vor uns steht.
Über einer bodennahen Blattrosette erheben sich schlanke, häufig verzweigte Stängel. An ihren Enden sitzen die leuchtend gelben Blütenstände. Zwischen trockenen Gräsern, niedrigen Kräutern und den Spuren eines heißen Sommers wirkt das Ferkelkraut manchmal beinahe unscheinbar.
Und dennoch bleiben an seinen Blüten Insekten hängen.
Für uns von Artenschutz in Franken® sind es genau solche Beobachtungen, die zeigen, warum auch vermeintlich gewöhnliche Pflanzen unsere Aufmerksamkeit verdienen.
Denn biologische Vielfalt besteht nicht nur aus seltenen Arten.
Sie entsteht vor allem dort, wo viele unterschiedliche Pflanzen gemeinsam Lebensräume gestalten.
Ein Bewohner magerer und sonniger Standorte
Das Gewöhnliche Ferkelkraut (Hypochaeris radicata) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae).
Es ist eine ausdauernde krautige Pflanze und bildet am Boden eine charakteristische Blattrosette. Die Blätter sind länglich, häufig deutlich gezähnt oder gelappt und meist mehr oder weniger behaart. Aus dieser Rosette wachsen die Blütenstängel empor. Sie tragen nur wenige oder keine auffälligen Stängelblätter und können sich im oberen Bereich verzweigen.
An ihren Enden erscheinen die gelben körbchenförmigen Blütenstände.
Gerade diese Kombination aus bodennaher Blattrosette und hoch aufragenden Blütenstängeln macht das Gewöhnliche Ferkelkraut bei genauer Betrachtung recht charakteristisch. Unterirdisch besitzt die Pflanze eine kräftige Pfahlwurzel. Sie ermöglicht es ihr, auch mit vergleichsweise trockenen und nährstoffarmen Standorten zurechtzukommen.
Typische Lebensräume finden sich beispielsweise auf mageren Wiesen und Weiden, an Böschungen, Wegrändern, trockeneren Säumen, auf sandigen Standorten oder in anderen eher nährstoffarmen Grünlandbereichen. Besonders wohl fühlt sich die Art dort, wo ausreichend Licht bis zum Boden gelangt und konkurrenzstarke Hochstauden und Gräser nicht alles überwachsen.
Gelbe Blüten über trockenem Gras
Die Blütezeit reicht im Wesentlichen vom Frühsommer bis weit in den Spätsommer und teilweise in den Herbst hinein. Gerade in trockenen Sommermonaten fällt das Ferkelkraut auf, weil seine gelben Blüten über einer Vegetation stehen können, die längst viele ihrer kräftigen Grüntöne verloren hat.
Und genau das gefällt uns an dieser Pflanze besonders.
Sie muss nicht in einer intensiv grünen Bilderbuchwiese stehen, um wertvoll zu sein.
Ein Standort mit trockenen Gräsern, offenen Stellen, einzelnen Blütenpflanzen und unterschiedlich hoher Vegetation kann ökologisch ausgesprochen interessant sein.
Was für das menschliche Auge gelegentlich trocken oder ungepflegt erscheint, kann für zahlreiche Tierarten ein bedeutender Lebensraum sein.
Die gelben Blüten des Gewöhnlichen Ferkelkrauts werden von unterschiedlichen Insekten aufgesucht. Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und weitere Blütenbesucher können hier Nahrung finden.
Dabei sollte man die Bedeutung einer einzelnen Pflanzenart jedoch nicht isoliert betrachten.
Für uns ist entscheidend, dass das Ferkelkraut Teil einer vielfältigen Pflanzengemeinschaft ist.
Eine einzelne Blüte macht noch keinen artenreichen Lebensraum.
Viele unterschiedliche Blütenpflanzen mit verschiedenen Blühzeiten dagegen können dafür sorgen, dass Insekten über einen langen Zeitraum Nahrung finden.Genau deshalb betrachten wir das Gewöhnliche Ferkelkraut nicht als spektakuläre Einzelerscheinung. Wir sehen es vielmehr als einen kleinen Baustein innerhalb eines wesentlich größeren ökologischen Gefüges.
Und manchmal sind gerade diese kleinen Bausteine entscheidend.
Wenn aus der Blüte ein kleiner Fallschirm wird
Nach der Blüte verändert sich das Erscheinungsbild der Pflanze.Es entstehen Früchte, die mit einem haarartigen Flugapparat ausgestattet sind. Dieser sogenannte Pappus unterstützt die Ausbreitung durch den Wind. Wer solche Samenstände einmal im Gegenlicht betrachtet, entdeckt eine überraschend filigrane Struktur.
Auch hier zeigt sich etwas, das wir bei unserer Arbeit immer wieder beobachten:
Eine Pflanze ist nach dem Verblühen keineswegs „wertlos“. Samenstände sind ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Entwicklungszyklus.Sie ermöglichen die Fortpflanzung der Pflanzen und bilden zugleich Strukturen innerhalb des Lebensraumes.
Deshalb sehen wir es kritisch, wenn Grünflächen ausschließlich danach beurteilt werden, ob ihre Pflanzen gerade sichtbar blühen.
Natur endet nicht mit dem letzten Blütenblatt.
Was das Ferkelkraut über einen Standort verraten kann
Das Gewöhnliche Ferkelkraut begegnet uns häufig auf eher mageren, sonnigen Standorten. Genau solche Flächen sind in unserer Landschaft jedoch keineswegs selbstverständlich. Viele traditionelle Grünlandstandorte sind in den vergangenen Jahrzehnten nährstoffreicher, dichter und gleichförmiger geworden.
Wo Nährstoffeinträge zunehmen, setzen sich häufig kräftig wachsende Gräser und andere konkurrenzstarke Pflanzen durch.
Kleinere, lichtbedürftige Arten geraten dann zunehmend unter Druck.
Deshalb kann das Vorkommen des Ferkelkrauts gemeinsam mit anderen typischen Pflanzen magerer Standorte ein Hinweis darauf sein, dass eine Fläche noch Strukturen besitzt, die für eine vielfältigere Pflanzengesellschaft interessant sind.
Dabei gilt selbstverständlich:
Wenn Pflege zum Problem wird
Gerade an Straßenrändern, Feldwegen und Böschungen begegnet uns das Gewöhnliche Ferkelkraut immer wieder. Damit steht die Pflanze zugleich in Lebensräumen, die häufig intensiv gepflegt werden.Hier zeigt sich aus unserer Sicht ein Problem, das weit über diese einzelne Art hinausgeht.
Werden solche Bereiche während der Vegetationsperiode wiederholt sehr kurz gemäht oder vollständig gemulcht, können Blüten verschwinden, bevor Pflanzen ausreichend Samen bilden konnten.
Gleichzeitig gehen Nahrungsangebote für Insekten und wichtige Vegetationsstrukturen verloren.
Beim Mulchen verbleibt das stark zerkleinerte Pflanzenmaterial zudem häufig auf der Fläche. Auf geeigneten nährstoffarmen Standorten kann eine dauerhafte Anreicherung organischen Materials langfristig dazu beitragen, die Standortbedingungen zu verändern.
Das bedeutet nicht, dass solche Flächen überhaupt nicht mehr gepflegt werden dürfen.
Ganz im Gegenteil.
Auch Magerrasen, Säume und andere Offenlandstrukturen können auf Pflege angewiesen sein.Entscheidend sind jedoch Zeitpunkt, Häufigkeit, Verfahren und Umfang.
Nicht alles gleichzeitig
Gerade beim Gewöhnlichen Ferkelkraut lässt sich sehr schön erkennen, warum wir von Artenschutz in Franken® immer wieder für eine abschnittsweise Pflege werben.
Wenn ein Teil einer Fläche gemäht werden muss, kann ein anderer Abschnitt zunächst stehen bleiben.
Dort können Pflanzen weiterblühen.
Einige Wochen oder Monate später kann ein anderer Abschnitt gepflegt werden.
So entsteht kein vollständig unveränderter Raum – aber auch keine Fläche, auf der innerhalb weniger Minuten sämtliche höheren Vegetationsstrukturen verschwunden sind.
Unser Grundsatz lautet deshalb auch hier:
Das Ferkelkraut und der Klimawandel
Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass eine trockenheitsverträgliche Pflanze wie das Gewöhnliche Ferkelkraut automatisch zu den Gewinnern des Klimawandels gehören müsste.
Seine kräftige Wurzel und seine Anpassung an sonnige, eher trockene Standorte verschaffen ihm durchaus Vorteile gegenüber Pflanzen, die auf dauerhaft feuchte Bedingungen angewiesen sind.
Sehr lange Trockenphasen, extreme Hitzeperioden und Veränderungen der Niederschlagsverteilung können Keimung, Wachstum und Blütenbildung beeinflussen.
Noch entscheidender ist aus unserer Sicht jedoch das Zusammenspiel verschiedener Veränderungen.
Wenn gleichzeitig Lebensräume verschwinden, Grünland intensiviert wird, Säume häufiger bearbeitet werden und isolierte Pflanzenbestände immer weiter voneinander getrennt werden, hilft einer Art ihre grundsätzliche Trockenheitsverträglichkeit nur begrenzt.
Der Klimawandel wirkt deshalb nicht isoliert.
Eine gewöhnliche Pflanze – und gerade deshalb wichtig
Der deutsche Name „Gewöhnliches Ferkelkraut“ klingt zunächst vielleicht wenig spektakulär. Auch die Pflanze selbst gehört nicht zu den Arten, wegen denen Menschen weite Reisen unternehmen.Und trotzdem liegt gerade darin für uns ihre besondere Bedeutung.
Wir möchten Naturschutz nicht ausschließlich an seltenen Arten festmachen.
Denn bevor eine Art selten wird, war sie meistens einmal häufig.Und häufige Arten bleiben nur dann häufig, wenn ihre Lebensräume erhalten werden. Das Gewöhnliche Ferkelkraut erinnert uns deshalb daran, auch die scheinbar alltäglichen Pflanzen unserer Landschaft wahrzunehmen.
All das gehört zusammen.
Unsere Perspektive von Artenschutz in Franken®
Wenn wir auf einer Fläche Gewöhnliches Ferkelkraut entdecken, sehen wir deshalb nicht nur eine einzelne Pflanzenart. Wir sehen einen Teil eines Lebensraumes. Wir sehen eine Pflanze, die mit Boden, Licht, Insekten, Pflege und Jahreszeiten verbunden ist.
Und wir sehen einmal mehr, dass Naturschutz häufig nicht mit spektakulären Maßnahmen beginnt.
Und manchmal reicht bereits die Erkenntnis:
Auch das Gewöhnliche verdient unseren Schutz.
Denn eine vielfältige Landschaft entsteht nicht allein durch ihre seltensten Arten.Sie lebt von der großen Gemeinschaft all jener Pflanzen und Tiere, die gemeinsam aus einer Fläche einen Lebensraum machen.
Artenschutz in Franken®
Für uns beginnt Artenschutz mit dem genauen Hinsehen – gerade dort, wo andere vielleicht nur eine gewöhnliche Pflanze sehen.
Stand 06.08.2026
- Eine unscheinbare Wildpflanze, die viel über unsere Landschaft erzählt
Es gibt Pflanzen, an denen wir viele Jahre vorbeigehen können, ohne ihnen einen besonderen Gedanken zu schenken.
Das Gewöhnliche Ferkelkraut gehört für uns zu diesen Arten.
Wer im Sommer über einen mageren Wegrand, eine extensiv genutzte Wiese oder einen trockenen Grasstreifen läuft, entdeckt irgendwann seine gelben Blütenköpfe. Auf den ersten Blick könnte man sie vielleicht für kleine Löwenzahnblüten halten. Doch wer stehen bleibt und genauer hinsieht, erkennt schnell, dass hier eine ganz eigene Pflanze vor uns steht.
Über einer bodennahen Blattrosette erheben sich schlanke, häufig verzweigte Stängel. An ihren Enden sitzen die leuchtend gelben Blütenstände. Zwischen trockenen Gräsern, niedrigen Kräutern und den Spuren eines heißen Sommers wirkt das Ferkelkraut manchmal beinahe unscheinbar.
Und dennoch bleiben an seinen Blüten Insekten hängen.
- Eine kleine Wildbiene landet.
- Eine Schwebfliege folgt.
- Vielleicht erscheint wenig später ein Schmetterling.
Für uns von Artenschutz in Franken® sind es genau solche Beobachtungen, die zeigen, warum auch vermeintlich gewöhnliche Pflanzen unsere Aufmerksamkeit verdienen.
Denn biologische Vielfalt besteht nicht nur aus seltenen Arten.
Sie entsteht vor allem dort, wo viele unterschiedliche Pflanzen gemeinsam Lebensräume gestalten.
Ein Bewohner magerer und sonniger Standorte
Das Gewöhnliche Ferkelkraut (Hypochaeris radicata) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae).
Es ist eine ausdauernde krautige Pflanze und bildet am Boden eine charakteristische Blattrosette. Die Blätter sind länglich, häufig deutlich gezähnt oder gelappt und meist mehr oder weniger behaart. Aus dieser Rosette wachsen die Blütenstängel empor. Sie tragen nur wenige oder keine auffälligen Stängelblätter und können sich im oberen Bereich verzweigen.
An ihren Enden erscheinen die gelben körbchenförmigen Blütenstände.
Gerade diese Kombination aus bodennaher Blattrosette und hoch aufragenden Blütenstängeln macht das Gewöhnliche Ferkelkraut bei genauer Betrachtung recht charakteristisch. Unterirdisch besitzt die Pflanze eine kräftige Pfahlwurzel. Sie ermöglicht es ihr, auch mit vergleichsweise trockenen und nährstoffarmen Standorten zurechtzukommen.
Typische Lebensräume finden sich beispielsweise auf mageren Wiesen und Weiden, an Böschungen, Wegrändern, trockeneren Säumen, auf sandigen Standorten oder in anderen eher nährstoffarmen Grünlandbereichen. Besonders wohl fühlt sich die Art dort, wo ausreichend Licht bis zum Boden gelangt und konkurrenzstarke Hochstauden und Gräser nicht alles überwachsen.
Gelbe Blüten über trockenem Gras
Die Blütezeit reicht im Wesentlichen vom Frühsommer bis weit in den Spätsommer und teilweise in den Herbst hinein. Gerade in trockenen Sommermonaten fällt das Ferkelkraut auf, weil seine gelben Blüten über einer Vegetation stehen können, die längst viele ihrer kräftigen Grüntöne verloren hat.
Und genau das gefällt uns an dieser Pflanze besonders.
Sie muss nicht in einer intensiv grünen Bilderbuchwiese stehen, um wertvoll zu sein.
- Im Gegenteil.
Ein Standort mit trockenen Gräsern, offenen Stellen, einzelnen Blütenpflanzen und unterschiedlich hoher Vegetation kann ökologisch ausgesprochen interessant sein.
Was für das menschliche Auge gelegentlich trocken oder ungepflegt erscheint, kann für zahlreiche Tierarten ein bedeutender Lebensraum sein.
- Ein kleiner Baustein im Nahrungsnetz
Die gelben Blüten des Gewöhnlichen Ferkelkrauts werden von unterschiedlichen Insekten aufgesucht. Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und weitere Blütenbesucher können hier Nahrung finden.
Dabei sollte man die Bedeutung einer einzelnen Pflanzenart jedoch nicht isoliert betrachten.
Für uns ist entscheidend, dass das Ferkelkraut Teil einer vielfältigen Pflanzengemeinschaft ist.
Eine einzelne Blüte macht noch keinen artenreichen Lebensraum.
Viele unterschiedliche Blütenpflanzen mit verschiedenen Blühzeiten dagegen können dafür sorgen, dass Insekten über einen langen Zeitraum Nahrung finden.Genau deshalb betrachten wir das Gewöhnliche Ferkelkraut nicht als spektakuläre Einzelerscheinung. Wir sehen es vielmehr als einen kleinen Baustein innerhalb eines wesentlich größeren ökologischen Gefüges.
Und manchmal sind gerade diese kleinen Bausteine entscheidend.
Wenn aus der Blüte ein kleiner Fallschirm wird
Nach der Blüte verändert sich das Erscheinungsbild der Pflanze.Es entstehen Früchte, die mit einem haarartigen Flugapparat ausgestattet sind. Dieser sogenannte Pappus unterstützt die Ausbreitung durch den Wind. Wer solche Samenstände einmal im Gegenlicht betrachtet, entdeckt eine überraschend filigrane Struktur.
Auch hier zeigt sich etwas, das wir bei unserer Arbeit immer wieder beobachten:
Eine Pflanze ist nach dem Verblühen keineswegs „wertlos“. Samenstände sind ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Entwicklungszyklus.Sie ermöglichen die Fortpflanzung der Pflanzen und bilden zugleich Strukturen innerhalb des Lebensraumes.
Deshalb sehen wir es kritisch, wenn Grünflächen ausschließlich danach beurteilt werden, ob ihre Pflanzen gerade sichtbar blühen.
Natur endet nicht mit dem letzten Blütenblatt.
Was das Ferkelkraut über einen Standort verraten kann
Das Gewöhnliche Ferkelkraut begegnet uns häufig auf eher mageren, sonnigen Standorten. Genau solche Flächen sind in unserer Landschaft jedoch keineswegs selbstverständlich. Viele traditionelle Grünlandstandorte sind in den vergangenen Jahrzehnten nährstoffreicher, dichter und gleichförmiger geworden.
Wo Nährstoffeinträge zunehmen, setzen sich häufig kräftig wachsende Gräser und andere konkurrenzstarke Pflanzen durch.
Kleinere, lichtbedürftige Arten geraten dann zunehmend unter Druck.
Deshalb kann das Vorkommen des Ferkelkrauts gemeinsam mit anderen typischen Pflanzen magerer Standorte ein Hinweis darauf sein, dass eine Fläche noch Strukturen besitzt, die für eine vielfältigere Pflanzengesellschaft interessant sind.
Dabei gilt selbstverständlich:
- Eine einzelne Pflanzenart allein macht noch keine hochwertige Wiese.
- Entscheidend ist immer das gesamte Artenspektrum und die Struktur des jeweiligen Standortes.
Wenn Pflege zum Problem wird
Gerade an Straßenrändern, Feldwegen und Böschungen begegnet uns das Gewöhnliche Ferkelkraut immer wieder. Damit steht die Pflanze zugleich in Lebensräumen, die häufig intensiv gepflegt werden.Hier zeigt sich aus unserer Sicht ein Problem, das weit über diese einzelne Art hinausgeht.
Werden solche Bereiche während der Vegetationsperiode wiederholt sehr kurz gemäht oder vollständig gemulcht, können Blüten verschwinden, bevor Pflanzen ausreichend Samen bilden konnten.
Gleichzeitig gehen Nahrungsangebote für Insekten und wichtige Vegetationsstrukturen verloren.
Beim Mulchen verbleibt das stark zerkleinerte Pflanzenmaterial zudem häufig auf der Fläche. Auf geeigneten nährstoffarmen Standorten kann eine dauerhafte Anreicherung organischen Materials langfristig dazu beitragen, die Standortbedingungen zu verändern.
Das bedeutet nicht, dass solche Flächen überhaupt nicht mehr gepflegt werden dürfen.
Ganz im Gegenteil.
Auch Magerrasen, Säume und andere Offenlandstrukturen können auf Pflege angewiesen sein.Entscheidend sind jedoch Zeitpunkt, Häufigkeit, Verfahren und Umfang.
Nicht alles gleichzeitig
Gerade beim Gewöhnlichen Ferkelkraut lässt sich sehr schön erkennen, warum wir von Artenschutz in Franken® immer wieder für eine abschnittsweise Pflege werben.
Wenn ein Teil einer Fläche gemäht werden muss, kann ein anderer Abschnitt zunächst stehen bleiben.
Dort können Pflanzen weiterblühen.
- Samen können ausreifen.
- Insekten behalten Nahrung.
- Kleintiere finden weiterhin Deckung.
Einige Wochen oder Monate später kann ein anderer Abschnitt gepflegt werden.
So entsteht kein vollständig unveränderter Raum – aber auch keine Fläche, auf der innerhalb weniger Minuten sämtliche höheren Vegetationsstrukturen verschwunden sind.
Unser Grundsatz lautet deshalb auch hier:
- Nicht alles. Nicht überall. Nicht gleichzeitig.
Das Ferkelkraut und der Klimawandel
Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass eine trockenheitsverträgliche Pflanze wie das Gewöhnliche Ferkelkraut automatisch zu den Gewinnern des Klimawandels gehören müsste.
- Ganz so einfach ist es jedoch nicht.
Seine kräftige Wurzel und seine Anpassung an sonnige, eher trockene Standorte verschaffen ihm durchaus Vorteile gegenüber Pflanzen, die auf dauerhaft feuchte Bedingungen angewiesen sind.
- Doch auch trockenheitsangepasste Pflanzen besitzen Belastungsgrenzen.
Sehr lange Trockenphasen, extreme Hitzeperioden und Veränderungen der Niederschlagsverteilung können Keimung, Wachstum und Blütenbildung beeinflussen.
Noch entscheidender ist aus unserer Sicht jedoch das Zusammenspiel verschiedener Veränderungen.
Wenn gleichzeitig Lebensräume verschwinden, Grünland intensiviert wird, Säume häufiger bearbeitet werden und isolierte Pflanzenbestände immer weiter voneinander getrennt werden, hilft einer Art ihre grundsätzliche Trockenheitsverträglichkeit nur begrenzt.
Der Klimawandel wirkt deshalb nicht isoliert.
- Er trifft auf eine Landschaft, die vielerorts bereits stark verändert ist.
Eine gewöhnliche Pflanze – und gerade deshalb wichtig
Der deutsche Name „Gewöhnliches Ferkelkraut“ klingt zunächst vielleicht wenig spektakulär. Auch die Pflanze selbst gehört nicht zu den Arten, wegen denen Menschen weite Reisen unternehmen.Und trotzdem liegt gerade darin für uns ihre besondere Bedeutung.
Wir möchten Naturschutz nicht ausschließlich an seltenen Arten festmachen.
Denn bevor eine Art selten wird, war sie meistens einmal häufig.Und häufige Arten bleiben nur dann häufig, wenn ihre Lebensräume erhalten werden. Das Gewöhnliche Ferkelkraut erinnert uns deshalb daran, auch die scheinbar alltäglichen Pflanzen unserer Landschaft wahrzunehmen.
- Die gelbe Blüte am Wegesrand.
- Die unscheinbare Rosette zwischen den Gräsern.
- Den Samenstand im Spätsommer.
- Den kleinen Blütenbesucher, der für wenige Sekunden darauf landet.
All das gehört zusammen.
Unsere Perspektive von Artenschutz in Franken®
Wenn wir auf einer Fläche Gewöhnliches Ferkelkraut entdecken, sehen wir deshalb nicht nur eine einzelne Pflanzenart. Wir sehen einen Teil eines Lebensraumes. Wir sehen eine Pflanze, die mit Boden, Licht, Insekten, Pflege und Jahreszeiten verbunden ist.
Und wir sehen einmal mehr, dass Naturschutz häufig nicht mit spektakulären Maßnahmen beginnt.
- Manchmal beginnt er damit, eine Pflanze überhaupt erst wahrzunehmen.
- Manchmal damit, einen Wegrand nicht vollständig zu mulchen.
- Manchmal damit, einen Blütenstreifen einige Wochen länger stehen zu lassen.
Und manchmal reicht bereits die Erkenntnis:
Auch das Gewöhnliche verdient unseren Schutz.
Denn eine vielfältige Landschaft entsteht nicht allein durch ihre seltensten Arten.Sie lebt von der großen Gemeinschaft all jener Pflanzen und Tiere, die gemeinsam aus einer Fläche einen Lebensraum machen.
Artenschutz in Franken®
Für uns beginnt Artenschutz mit dem genauen Hinsehen – gerade dort, wo andere vielleicht nur eine gewöhnliche Pflanze sehen.
Stand 06.08.2026
Aktueller Ordner:
Korbblütler (Asteroideae)
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