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Echter Wurmfarn (Dryopteris filix-mas)
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Der Echte Wurmfarn – ein grüner Zeitzeuge im Schatten unserer Wälder

  • Als sich der Wald nach dem Regen öffnete

Es war einer jener selten gewordenen Sommermorgen, an denen der Regen während der Nacht nicht nur den Staub von den Blättern gewaschen, sondern den Waldboden tatsächlich durchfeuchtet hatte. Zwischen den Stämmen hing noch leichter Dunst, und von den Zweigen fielen einzelne Tropfen auf das alte Laub. Dort, am Fuß eines schattigen Hanges, stand ein kräftiger Farn. Seine dunkelgrünen Wedel öffneten sich wie ein schützender Trichter über dem feuchten Boden.

Für einen kurzen Augenblick wirkte es, als habe sich an diesem Ort seit Jahrhunderten nichts verändert. Doch der Eindruck täuschte. Nur wenige Meter entfernt drang grelles Sonnenlicht durch eine Lücke im Kronendach. Der dortige Boden war bereits wieder trocken und hart. Einige Farnwedel zeigten braune Spitzen – sichtbare Spuren der zurückliegenden Hitze.

Diese Begegnung blieb uns im Gedächtnis. Denn der Echte Wurmfarn steht sinnbildlich für viele vermeintlich gewöhnliche Arten: Noch ist er vielerorts anzutreffen, doch auch sein Lebensraum verändert sich. Artenschutz in Franken® richtet den Blick deshalb nicht ausschließlich auf seltene Arten. Wir fragen ebenso, ob heute noch häufige Pflanzen auch morgen geeignete Bedingungen vorfinden werden.

Eine ursprüngliche Pflanzengestalt

Der Echte Wurmfarn gehört zu den Wurmfarngewächsen und zählt zu den bekanntesten heimischen Farnarten. Als Farnpflanze bildet er weder Blüten noch Früchte oder Samen. Seine Fortpflanzung erfolgt über Sporen – eine Entwicklungsgeschichte, die weit vor dem Erscheinen der Blütenpflanzen begann.

Aus einem kräftigen, ausdauernden Wurzelstock wachsen im Frühjahr die jungen Wedel hervor. Anfangs sind sie eng eingerollt und erinnern an den gebogenen Kopf eines Hirtenstabes. Nach und nach entrollen sie sich und bilden einen aufrechten bis leicht überhängenden Trichter.

Unter günstigen Bedingungen können die Wedel etwa 50 bis über 120 Zentimeter lang werden. An besonders geeigneten Standorten sind noch größere Exemplare möglich. Die Blattspreite läuft sowohl zur Spitze als auch zur Basis hin schmaler zu. Sie ist meist zweifach gefiedert und wirkt kräftiger und weniger fein gegliedert als beim Wald-Frauenfarn.

Der Blattstiel und die unteren Bereiche der Mittelachse tragen häufig auffällige hell- bis dunkelbraune Spreuschuppen. Sie schützen insbesondere die jungen Pflanzenteile und gehören zu den wichtigen Bestimmungsmerkmalen.

Die Sporenlager auf der Unterseite

Wer einen ausgewachsenen Wedel vorsichtig anhebt, entdeckt auf seiner Unterseite kleine, rundliche Strukturen. Dabei handelt es sich um Gruppen von Sporenbehältern, die als Sori bezeichnet werden. Sie liegen meist in zwei Reihen auf den einzelnen Fiederabschnitten.

Die jungen Sporenlager werden von einem dünnen, häufig nierenförmigen Schleier bedeckt. Wenn die Sporen reif sind, können sie freigesetzt und durch Luftbewegungen verbreitet werden. Aus einer Spore entsteht zunächst kein neuer Farnwedel, sondern ein winziger, oft herzförmiger Vorkeim. Erst nach der dort stattfindenden Befruchtung entwickelt sich die eigentliche Farnpflanze.

Dieser komplizierte Generationswechsel bleibt den meisten Waldbesucherinnen und Waldbesuchern verborgen. Für Artenschutz in Franken® ist er ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie vielfältig pflanzliches Leben funktioniert – auch ganz ohne Blüte, Duft oder auffällige Früchte.

Weshalb heißt er „Wurmfarn“?

Der Name erinnert an eine frühere Verwendung des Wurzelstockes gegen Bandwürmer und andere Darmparasiten. Diese historische Anwendung war jedoch keinesfalls harmlos. Bestandteile des Wurmfarns können schwere Vergiftungen verursachen. Entsprechende Anwendungen gelten deshalb seit Langem als überholt.

Artenschutz in Franken® rät ausdrücklich davon ab, Pflanzenteile zu verzehren oder für eigene medizinische Zubereitungen zu verwenden. Auch historische Überlieferungen sind keine sichere Anleitung für eine Anwendung. Bei gesundheitlichen Fragen sind ausschließlich medizinische und pharmazeutische Fachkräfte die richtigen Ansprechpartner.

Die Bezeichnung „männlicher Farn“, die sich auch im wissenschaftlichen Artnamen filix-mas widerspiegelt, geht auf die kräftige Erscheinung der Pflanze zurück. Sie bedeutet nicht, dass es sich beim Echten Wurmfarn um eine ausschließlich männliche Pflanze handelt.

Lebensraum zwischen Schatten, Humus und Gestein

Der Echte Wurmfarn bevorzugt überwiegend schattige bis halbschattige Standorte. Er wächst vor allem in Laub- und Mischwäldern, an bewaldeten Hängen, in Schluchten, an Böschungen sowie zwischen Felsen und Geröll. Auch alte Mauern, Hohlwege und andere luftfeuchte Sekundärstandorte können von ihm besiedelt werden.

Besonders günstig sind frische bis feuchte, humusreiche und gut durchlüftete Böden. Eine schützende Baum- und Strauchschicht verhindert, dass sich der Untergrund bei intensiver Sonneneinstrahlung zu stark aufheizt und rasch austrocknet. Kleine Geländevertiefungen, Felsblöcke, Totholz und eine geschlossene Laubauflage schaffen zusätzliche Mikroklimate, in denen Feuchtigkeit länger erhalten bleibt.

Das natürliche Verbreitungsgebiet der mehrjährigen Farnart umfasst große Teile der gemäßigten Nordhalbkugel. In Deutschland gilt der Echte beziehungsweise Gewöhnliche Wurmfarn gegenwärtig als ungefährdet. Diese Einstufung darf jedoch nicht mit einer Garantie für jeden einzelnen Bestand verwechselt werden.

Mehr als nur grüner Waldschmuck


Farnbestände bilden eine wichtige Struktur innerhalb der bodennahen Waldvegetation. Zwischen den Wedeln entstehen schattige und vergleichsweise luftfeuchte Bereiche, die von zahlreichen kleinen Tieren genutzt werden können. Abgestorbene Farnwedel werden Teil der Streuschicht und gelangen allmählich in den natürlichen Stoffkreislauf zurück.

Gemeinsam mit Moosen, Pilzen, Kräutern, Totholz und dem Bodenleben trägt der Echte Wurmfarn zur räumlichen Vielfalt des Waldbodens bei. Seine Bedeutung liegt nicht in einer einzelnen spektakulären Funktion, sondern in seiner Einbindung in ein vielschichtiges Waldökosystem.

Gerade diese unscheinbaren Zusammenhänge geraten leicht aus dem Blick. Ein Wald besteht nicht nur aus Bäumen. Werden Bodenvegetation, Totholz, feuchte Senken und schattige Randstrukturen entfernt oder beeinträchtigt, verliert der Wald einen Teil seiner ökologischen Funktionsfähigkeit.

Noch häufig – aber deshalb nicht unverwundbar

Der Echte Wurmfarn gehört derzeit nicht zu den akut bedrohten Pflanzenarten Deutschlands. Dennoch können Bestände auf lokaler Ebene verschwinden. Gefährdungen entstehen insbesondere dort, wo Waldböden stark verdichtet, Hänge befahren, feuchte Senken entwässert oder schattige Waldränder vollständig geöffnet werden.

Auch großflächige Eingriffe in die Bodenvegetation, intensive Unterhaltungsarbeiten an Böschungen, das Entfernen gewachsener Saumstrukturen und wiederholtes Befahren können einzelne Vorkommen beeinträchtigen. Wird das Kronendach stark aufgelichtet, verändern sich Temperatur, Sonneneinstrahlung und Verdunstung unmittelbar. Aus einem kühlen, geschützten Standort kann innerhalb kurzer Zeit ein heißer und trockener Waldbereich werden.

Ebenso problematisch ist die zunehmende Zerschneidung von Wäldern. Isolierte Bestände können zwar Sporen verbreiten, doch für die erfolgreiche Entwicklung neuer Farnpflanzen werden geeignete, ausreichend feuchte Kleinstandorte benötigt. Fehlen diese, bleibt selbst eine große Zahl verbreiteter Sporen ohne sichtbaren Erfolg.

Der Echte Wurmfarn im Klimawandel


Der Klimawandel stellt Waldpflanzen vor neue Herausforderungen. Längere Hitzeperioden, trockene Frühjahre und Sommer, ausbleibende Niederschläge sowie eine stärkere Verdunstung verändern das Mikroklima des Waldbodens. Untersuchungen unter kontrollierten Bedingungen zeigen, dass die Wedel des Echten Wurmfarns auf eine deutlich verringerte Wasserversorgung unter anderem mit Braunfärbung und Austrocknung reagieren können.

Ein einzelner trockener Sommer bedeutet nicht zwangsläufig das Ende einer älteren Pflanze. Der kräftige Wurzelstock kann ihr eine gewisse Widerstandskraft verleihen. Wiederholen sich ausgeprägte Dürreperioden jedoch über mehrere Jahre, können Austrieb, Wachstum und Sporenbildung geschwächt werden. Besonders kritisch wird es, wenn zur Trockenheit noch der Verlust des schützenden Kronendaches hinzukommt.

Sterben Bäume infolge von Hitze, Dürre oder Erkrankungen ab, gelangt plötzlich mehr Sonnenlicht auf den Boden. Die Temperaturen steigen, während die Luft- und Bodenfeuchtigkeit sinkt. Für eine Pflanze, die über lange Zeit an ein ausgeglichenes Waldinnenklima angepasst war, kann diese Veränderung erheblich sein.

In kühleren Schluchten, an nordexponierten Hängen, in Bachnähe oder zwischen Felsen könnten sich geeignete Bedingungen länger halten. Solche Rückzugsräume werden im Klimawandel zunehmend bedeutsam. Ihr Schutz darf jedoch nicht erst beginnen, wenn trockenheitsbedingte Schäden bereits unübersehbar geworden sind.

Wie sieht seine Zukunft aus?


Der Echte Wurmfarn wird voraussichtlich auch künftig ein Bestandteil unserer Wälder bleiben. Seine weite Verbreitung und seine Fähigkeit, unterschiedliche schattige Standorte zu besiedeln, verschaffen ihm eine vergleichsweise gute Ausgangslage. Dennoch ist mit Verschiebungen zu rechnen: An besonders warmen und trockenen Standorten könnten Bestände zurückgehen, während kühle und feuchte Waldlagen an Bedeutung gewinnen.

Ob der Farn in einer Region bestehen kann, hängt deshalb nicht allein von der durchschnittlichen Jahrestemperatur ab. Entscheidend sind das Mikroklima, die Bodenfeuchtigkeit, die Beschattung und die Dauer extremer Trockenphasen. Ein strukturreicher Wald kann klimatische Belastungen im bodennahen Bereich deutlich besser abpuffern als ein stark aufgelichteter oder gleichförmig aufgebauter Bestand.

Aus Sicht von Artenschutz in Franken® müssen wir deshalb Wälder als vollständige Lebensräume betrachten. Der Erhalt geschlossener Kronenbereiche, feuchter Senken, naturnaher Bachläufe, beschatteter Hänge, alter Bäume und von Totholz ist zugleich ein Schutzprogramm für Farne, Moose, Pilze und zahllose bodenbewohnende Organismen.

Unsere Handschrift: Das vermeintlich Gewöhnliche bewahren


Artenschutz beginnt nicht erst bei einer Art, die unmittelbar vor dem Verschwinden steht. Er beginnt dort, wo wir Veränderungen frühzeitig erkennen und ökologisch wertvolle Strukturen erhalten, solange sie noch vorhanden sind.

Der Echte Wurmfarn führt uns vor Augen, wie wichtig das kühle und feuchte Innenklima naturnaher Wälder ist. Seine kräftigen Wedel können nur dort dauerhaft bestehen, wo Boden, Wasser, Schatten und Vegetationsstruktur zusammenspielen. Wer den Farn schützt, schützt deshalb weit mehr als eine einzelne Pflanze.

Artenschutz in Franken® setzt sich dafür ein, dass Wälder nicht auf ihre Baumarten oder ihren Holzertrag reduziert werden. Ein lebendiger Wald zeigt sich auch in seinen Farnen, Moosen, Pilzen, Quellen, Tümpeln, alten Stämmen und ungestörten Bodenbereichen.

Wenn wir diese Vielfalt bewahren, kann der Echte Wurmfarn auch kommenden Generationen von jener langen Entwicklungsgeschichte erzählen, die ihn bis in unsere Gegenwart getragen hat.

In der Aufnahme

  • Wie ein grüner Trichter breiten sich die kräftigen Wedel des Echten Wurmfarns (Dryopteris filix-mas) über dem Waldboden aus. Der geschützte, schattige Standort bewahrt die Bodenfeuchtigkeit länger als offen liegende Bereiche.
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