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Campanula rotundifolia, Rundblättrige Glockenblume
Campanula rotundifolia, Rundblättrige Glockenblume
Die leisen Glocken des Spätsommers
Ende August hat sich das Gesicht unserer Landschaft bereits verändert. Viele Wiesen wurden gemäht, manche Säume sind vertrocknet und über den ersten abgeernteten Feldern liegt schon eine Ahnung des kommenden Herbstes. Doch an mageren Böschungen, sonnigen Wegrändern und auf lichten Trockenrasen leuchten noch immer kleine blauviolette Blütenglocken.
Die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) gehört zu jenen Pflanzen, die nicht durch Größe oder üppigen Wuchs auffallen. Ihre Wirkung liegt im Stillen. An dünnen Stängeln bewegen sich die zarten Blüten schon beim geringsten Luftzug. Es scheint fast, als würden sie den Spätsommer mit einem lautlosen Läuten begleiten.
Für Artenschutz in Franken® ist diese Pflanze weit mehr als ein hübscher Farbtupfer. Sie ist eine charakteristische Bewohnerin magerer, lichtreicher und vergleichsweise nährstoffarmer Lebensräume – jener Standorte, die in unserer zunehmend vereinheitlichten Landschaft immer seltener werden.
Ein Name, der zunächst in die Irre führen kann
Wer die Rundblättrige Glockenblume im blühenden Zustand betrachtet, wird sich möglicherweise über ihren Namen wundern. Die Blätter am Stängel sind überwiegend schmal, länglich und teilweise fast linienförmig. Die namensgebenden rundlichen bis nierenförmigen Blätter befinden sich dagegen nahe am Boden.
Zur Blütezeit sind diese Grundblätter häufig bereits verwelkt oder vollständig verschwunden. Deshalb wird die Art nicht selten übersehen oder mit anderen Glockenblumen verwechselt. Gerade dieser Wechsel der Blattform macht sie botanisch besonders interessant.
Die mehrjährige Pflanze erreicht meist eine Höhe von etwa 10 bis 30 Zentimetern, kann unter günstigen Bedingungen jedoch deutlich höher werden. Ihre dünnen Stängel wirken empfindlich, sind aber erstaunlich widerstandsfähig. An ihnen sitzen mehrere nickende, meist blau bis blauviolett gefärbte Blüten. Gelegentlich können auch sehr helle oder nahezu weiße Blüten auftreten.
Die Hauptblütezeit reicht gewöhnlich vom Frühsommer bis in den September. Ende August kann die Rundblättrige Glockenblume deshalb noch immer frische Blüten hervorbringen – besonders dann, wenn ihr Standort nicht zu früh oder zu häufig gemäht wurde.
Eine Pflanze der mageren Standorte
Die Rundblättrige Glockenblume besiedelt unter anderem Magerrasen, Heiden, felsige Fluren, lichte Waldsäume sowie mäßig trockene Wiesen und Böschungen. Besonders wohl fühlt sie sich dort, wo der Boden nicht übermäßig mit Nährstoffen angereichert ist und genügend Licht bis zur niedrigen Vegetation vordringen kann.
Solche Standorte erscheinen auf den ersten Blick manchmal karg. Ökologisch gehören sie jedoch häufig zu den artenreichsten Bereichen unserer Kulturlandschaft. Wo Gräser nicht durch starke Düngung und intensive Nutzung übermächtig werden, finden auch konkurrenzschwächere Blütenpflanzen ihren Platz.
Die Glockenblume steht damit sinnbildlich für eine Landschaft, die nicht überall dicht, hoch und nährstoffreich sein muss. Gerade die offenen, mageren und scheinbar unspektakulären Bereiche schaffen Lebensraum für eine Vielzahl spezialisierter Pflanzen und Tiere.
Späte Nahrung für Insekten
Ende August gewinnt jede verbliebene Blüte an Bedeutung. Viele Insekten befinden sich noch auf Nahrungssuche, während das Blütenangebot in der Landschaft bereits deutlich zurückgeht. Die Glockenblumen stellen Pollen und Nektar bereit und werden unter anderem von Wildbienen, Hummeln und anderen blütenbesuchenden Insekten aufgesucht.
Für einige spezialisierte Wildbienen besitzen Glockenblumen eine besonders enge Bedeutung. Ihr Fortbestand hängt deshalb nicht allein von einzelnen Pflanzen ab, sondern von einem über die gesamte Saison verfügbaren Netz geeigneter Blütenbestände.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® zeigt sich hier erneut, wie eng Pflanzen- und Insektenschutz miteinander verbunden sind. Verschwindet eine Pflanzenart aus einer Fläche, geht nicht nur ein farblicher Akzent verloren. Gleichzeitig kann eine Nahrungsquelle, ein Rückzugsort oder ein wichtiger Bestandteil einer ökologischen Beziehung entfallen.
Ungefährdet – und dennoch nicht selbstverständlich
Die Rundblättrige Glockenblume gilt deutschlandweit derzeit nicht als gefährdet. Diese Einstufung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre geeigneten Lebensräume regional zurückgehen oder an Qualität verlieren können.
Eine intensive Düngung fördert hochwüchsige Gräser und nährstoffliebende Pflanzen, welche die Glockenblume zunehmend verdrängen. Zu häufige oder ungünstig terminierte Mahd verhindert die Blüte und Samenreife. Auch das vollständige Mulchen von Weg- und Waldrändern kann kleinflächige Bestände innerhalb kurzer Zeit beseitigen.
Auf der anderen Seite kann die völlige Aufgabe einer angepassten Nutzung problematisch werden. Magerrasen und lichte Säume verbuschen ohne Pflege häufig allmählich. Die Rundblättrige Glockenblume benötigt deshalb keine ungepflegte, sondern eine fachlich und zeitlich abgestimmte Landschaftspflege.
Besonders wertvoll sind abschnittsweise gemähte Flächen, spät gepflegte Säume und Bereiche, die bis zur Samenreife stehen bleiben dürfen. Das anfallende Mähgut sollte nach Möglichkeit entfernt werden, damit der Standort nicht schleichend mit Nährstoffen angereichert wird.
Zwischen Trockenheit und Klimawandel
Als Bewohnerin mäßig trockener und magerer Standorte ist die Rundblättrige Glockenblume an zeitweiligen Wassermangel angepasst. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass ihr zunehmende Hitze und lang anhaltende Dürre grundsätzlich nichts anhaben können.
Mehrere extrem trockene Jahre hintereinander können die Bildung neuer Triebe, die Blüte und besonders die Entwicklung junger Pflanzen beeinträchtigen. Gleichzeitig verändern steigende Temperaturen die Konkurrenzverhältnisse auf den Standorten. Starkregen kann offene Böden abschwemmen, während längere Dürrephasen die Keimung erschweren.
Entscheidend wird deshalb sein, vielfältige und miteinander verbundene Lebensräume zu erhalten. Böschungen, Magerrasen, lichte Waldsäume, extensive Wiesen und ungedüngte Wegränder können zu Rückzugsräumen werden, in denen die Art auf unterschiedliche Witterungsverläufe reagieren kann.
Eine kleine Glocke mit einer großen Botschaft
Wenn wir Ende August vor einer blühenden Rundblättrigen Glockenblume stehen, sehen wir nicht nur eine einzelne Pflanze. Wir sehen das Ergebnis eines Standortes, der noch Licht, Ruhe und Nährstoffarmut zulässt. Wir sehen zugleich eine Verbindung zu Wildbienen und anderen Insekten, die auf ein möglichst lange verfügbares Blütenangebot angewiesen sind.
Artenschutz in Franken® setzt sich dafür ein, diese stillen Lebensräume stärker in den Blick zu nehmen. Nicht jede Böschung muss mehrfach im Jahr gemulcht, nicht jeder Saum bis auf wenige Zentimeter gekürzt und nicht jede vermeintlich unproduktive Fläche aufgewertet oder gedüngt werden.
Manchmal besteht die wertvollste Maßnahme darin, einer Pflanze genügend Zeit zu lassen: Zeit zum Blühen, Zeit zur Samenbildung und Zeit, Teil eines lebendigen Lebensraumes zu bleiben.
Noch schwingen ihre blauen Glocken im warmen Wind des ausgehenden Augusts. Bald werden die Blüten verblassen und die Samen heranreifen. Doch wenn wir ihre Standorte bewahren, kann ihr stilles Läuten auch im kommenden Jahr wieder den Spätsommer begleiten.
In der Aufnahme von Albert Meier
- Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia)
Ende August hat sich das Gesicht unserer Landschaft bereits verändert. Viele Wiesen wurden gemäht, manche Säume sind vertrocknet und über den ersten abgeernteten Feldern liegt schon eine Ahnung des kommenden Herbstes. Doch an mageren Böschungen, sonnigen Wegrändern und auf lichten Trockenrasen leuchten noch immer kleine blauviolette Blütenglocken.
Die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) gehört zu jenen Pflanzen, die nicht durch Größe oder üppigen Wuchs auffallen. Ihre Wirkung liegt im Stillen. An dünnen Stängeln bewegen sich die zarten Blüten schon beim geringsten Luftzug. Es scheint fast, als würden sie den Spätsommer mit einem lautlosen Läuten begleiten.
Für Artenschutz in Franken® ist diese Pflanze weit mehr als ein hübscher Farbtupfer. Sie ist eine charakteristische Bewohnerin magerer, lichtreicher und vergleichsweise nährstoffarmer Lebensräume – jener Standorte, die in unserer zunehmend vereinheitlichten Landschaft immer seltener werden.
Ein Name, der zunächst in die Irre führen kann
Wer die Rundblättrige Glockenblume im blühenden Zustand betrachtet, wird sich möglicherweise über ihren Namen wundern. Die Blätter am Stängel sind überwiegend schmal, länglich und teilweise fast linienförmig. Die namensgebenden rundlichen bis nierenförmigen Blätter befinden sich dagegen nahe am Boden.
Zur Blütezeit sind diese Grundblätter häufig bereits verwelkt oder vollständig verschwunden. Deshalb wird die Art nicht selten übersehen oder mit anderen Glockenblumen verwechselt. Gerade dieser Wechsel der Blattform macht sie botanisch besonders interessant.
Die mehrjährige Pflanze erreicht meist eine Höhe von etwa 10 bis 30 Zentimetern, kann unter günstigen Bedingungen jedoch deutlich höher werden. Ihre dünnen Stängel wirken empfindlich, sind aber erstaunlich widerstandsfähig. An ihnen sitzen mehrere nickende, meist blau bis blauviolett gefärbte Blüten. Gelegentlich können auch sehr helle oder nahezu weiße Blüten auftreten.
Die Hauptblütezeit reicht gewöhnlich vom Frühsommer bis in den September. Ende August kann die Rundblättrige Glockenblume deshalb noch immer frische Blüten hervorbringen – besonders dann, wenn ihr Standort nicht zu früh oder zu häufig gemäht wurde.
Eine Pflanze der mageren Standorte
Die Rundblättrige Glockenblume besiedelt unter anderem Magerrasen, Heiden, felsige Fluren, lichte Waldsäume sowie mäßig trockene Wiesen und Böschungen. Besonders wohl fühlt sie sich dort, wo der Boden nicht übermäßig mit Nährstoffen angereichert ist und genügend Licht bis zur niedrigen Vegetation vordringen kann.
Solche Standorte erscheinen auf den ersten Blick manchmal karg. Ökologisch gehören sie jedoch häufig zu den artenreichsten Bereichen unserer Kulturlandschaft. Wo Gräser nicht durch starke Düngung und intensive Nutzung übermächtig werden, finden auch konkurrenzschwächere Blütenpflanzen ihren Platz.
Die Glockenblume steht damit sinnbildlich für eine Landschaft, die nicht überall dicht, hoch und nährstoffreich sein muss. Gerade die offenen, mageren und scheinbar unspektakulären Bereiche schaffen Lebensraum für eine Vielzahl spezialisierter Pflanzen und Tiere.
Späte Nahrung für Insekten
Ende August gewinnt jede verbliebene Blüte an Bedeutung. Viele Insekten befinden sich noch auf Nahrungssuche, während das Blütenangebot in der Landschaft bereits deutlich zurückgeht. Die Glockenblumen stellen Pollen und Nektar bereit und werden unter anderem von Wildbienen, Hummeln und anderen blütenbesuchenden Insekten aufgesucht.
Für einige spezialisierte Wildbienen besitzen Glockenblumen eine besonders enge Bedeutung. Ihr Fortbestand hängt deshalb nicht allein von einzelnen Pflanzen ab, sondern von einem über die gesamte Saison verfügbaren Netz geeigneter Blütenbestände.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® zeigt sich hier erneut, wie eng Pflanzen- und Insektenschutz miteinander verbunden sind. Verschwindet eine Pflanzenart aus einer Fläche, geht nicht nur ein farblicher Akzent verloren. Gleichzeitig kann eine Nahrungsquelle, ein Rückzugsort oder ein wichtiger Bestandteil einer ökologischen Beziehung entfallen.
Ungefährdet – und dennoch nicht selbstverständlich
Die Rundblättrige Glockenblume gilt deutschlandweit derzeit nicht als gefährdet. Diese Einstufung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre geeigneten Lebensräume regional zurückgehen oder an Qualität verlieren können.
Eine intensive Düngung fördert hochwüchsige Gräser und nährstoffliebende Pflanzen, welche die Glockenblume zunehmend verdrängen. Zu häufige oder ungünstig terminierte Mahd verhindert die Blüte und Samenreife. Auch das vollständige Mulchen von Weg- und Waldrändern kann kleinflächige Bestände innerhalb kurzer Zeit beseitigen.
Auf der anderen Seite kann die völlige Aufgabe einer angepassten Nutzung problematisch werden. Magerrasen und lichte Säume verbuschen ohne Pflege häufig allmählich. Die Rundblättrige Glockenblume benötigt deshalb keine ungepflegte, sondern eine fachlich und zeitlich abgestimmte Landschaftspflege.
Besonders wertvoll sind abschnittsweise gemähte Flächen, spät gepflegte Säume und Bereiche, die bis zur Samenreife stehen bleiben dürfen. Das anfallende Mähgut sollte nach Möglichkeit entfernt werden, damit der Standort nicht schleichend mit Nährstoffen angereichert wird.
Zwischen Trockenheit und Klimawandel
Als Bewohnerin mäßig trockener und magerer Standorte ist die Rundblättrige Glockenblume an zeitweiligen Wassermangel angepasst. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass ihr zunehmende Hitze und lang anhaltende Dürre grundsätzlich nichts anhaben können.
Mehrere extrem trockene Jahre hintereinander können die Bildung neuer Triebe, die Blüte und besonders die Entwicklung junger Pflanzen beeinträchtigen. Gleichzeitig verändern steigende Temperaturen die Konkurrenzverhältnisse auf den Standorten. Starkregen kann offene Böden abschwemmen, während längere Dürrephasen die Keimung erschweren.
Entscheidend wird deshalb sein, vielfältige und miteinander verbundene Lebensräume zu erhalten. Böschungen, Magerrasen, lichte Waldsäume, extensive Wiesen und ungedüngte Wegränder können zu Rückzugsräumen werden, in denen die Art auf unterschiedliche Witterungsverläufe reagieren kann.
Eine kleine Glocke mit einer großen Botschaft
Wenn wir Ende August vor einer blühenden Rundblättrigen Glockenblume stehen, sehen wir nicht nur eine einzelne Pflanze. Wir sehen das Ergebnis eines Standortes, der noch Licht, Ruhe und Nährstoffarmut zulässt. Wir sehen zugleich eine Verbindung zu Wildbienen und anderen Insekten, die auf ein möglichst lange verfügbares Blütenangebot angewiesen sind.
Artenschutz in Franken® setzt sich dafür ein, diese stillen Lebensräume stärker in den Blick zu nehmen. Nicht jede Böschung muss mehrfach im Jahr gemulcht, nicht jeder Saum bis auf wenige Zentimeter gekürzt und nicht jede vermeintlich unproduktive Fläche aufgewertet oder gedüngt werden.
Manchmal besteht die wertvollste Maßnahme darin, einer Pflanze genügend Zeit zu lassen: Zeit zum Blühen, Zeit zur Samenbildung und Zeit, Teil eines lebendigen Lebensraumes zu bleiben.
Noch schwingen ihre blauen Glocken im warmen Wind des ausgehenden Augusts. Bald werden die Blüten verblassen und die Samen heranreifen. Doch wenn wir ihre Standorte bewahren, kann ihr stilles Läuten auch im kommenden Jahr wieder den Spätsommer begleiten.
In der Aufnahme von Albert Meier
- Ende August leuchten die blauvioletten Blüten der Rundblättrigen Glockenblume noch immer aus mageren Wiesen und sonnigen Säumen hervor.
Campanula rotundifolia, Rundblättrige Glockenblume
In der Aufnahme von Albert Meier
- Schon ein leichter Spätsommerwind bringt die zarten Blütenglocken von Campanula rotundifolia sichtbar in Bewegung.
Campanula rotundifolia, Rundblättrige Glockenblume
In der Aufnahme von Albert Meier
- Auf nährstoffarmen Standorten findet die konkurrenzschwache Glockenblume noch den notwendigen Raum für ihre Entwicklung.
Campanula rotundifolia, Rundblättrige Glockenblume
In der Aufnahme von Albert Meier
- Während viele Wiesen bereits gemäht sind, hält die Rundblättrige Glockenblume noch ein wertvolles spätes Nahrungsangebot für Insekten bereit.
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