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Echte Zaunwinde (Calystegia sepium)
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Echte Zaunwinde – weiße Blütentrichter zwischen Hecke und Hochstaudenflur

  • Eine Begegnung am grünen Rand

Am frühen Morgen liegt noch Feuchtigkeit auf den Blättern der Hochstauden. Zwischen Brennnesseln, Gräsern und jungen Gehölzen leuchten plötzlich große weiße Blüten hervor. Ihre dünnen Stängel sind kaum zu erkennen, denn sie haben sich längst um andere Pflanzen gewunden. Fast scheint es, als würden die hellen Blütentrichter frei über dem Grün schweben.

Die Echte Zaunwinde (Calystegia sepium), auch Gewöhnliche Zaunwinde genannt, gehört zu jenen Pflanzen, die sich nicht still an einen zugewiesenen Platz halten. Sie sucht sich ihren Weg, nutzt vorhandene Strukturen und wächst dem Licht entgegen. Gerade deshalb wird sie häufig als störend empfunden. Für uns von Artenschutz in Franken® lohnt sich jedoch ein genauerer Blick: Nicht jede stark wachsende Pflanze ist automatisch wertlos – und nicht jedes ungeordnete Pflanzenbild ist ein Zeichen fehlender Pflege.

Eine Kletterpflanze ohne eigene Stütze

Die Echte Zaunwinde gehört zur Familie der Windengewächse. Sie bildet lange, dünne Triebe, die sich um benachbarte Pflanzen, Zäune, Zweige und andere geeignete Strukturen winden. Eine eigene stabile Kletterachse benötigt sie nicht. Auf diese Weise kann sie Höhen von mehreren Metern erreichen, obwohl ihre Stängel vergleichsweise zart erscheinen.

Ihre Blätter sind deutlich pfeil- bis herzförmig. Sie sitzen wechselständig an den windenden Trieben und bilden mit ihrem frischen Grün einen auffälligen Kontrast zu den großen weißen Blüten.

Die trichterförmigen Einzelblüten entspringen den Blattachseln. An ihrer Basis sitzen zwei große grüne Vorblätter, die den eigentlichen Kelch teilweise umschließen. Dieses Merkmal hilft bei der Abgrenzung von ähnlichen Arten. Die ebenfalls häufige Ackerwinde besitzt meist kleinere, häufig rosafarben überlaufene Blüten; ihre kleinen Vorblätter stehen deutlich weiter vom Blütengrund entfernt.

Unter der Erde beginnt ihre eigentliche Stärke

Was wir oberirdisch sehen, ist nur ein Teil der Pflanze. Im Boden bildet die Echte Zaunwinde ein weitreichendes System aus Rhizomen. Aus diesen unterirdischen Sprossen können an verschiedenen Stellen neue Triebe entstehen.

Dadurch kann die Pflanze Rückschnitt, Überschüttung und zeitweise Störungen vergleichsweise gut überstehen. Selbst kleine im Boden verbliebene Rhizomstücke können erneut austreiben. Zusätzlich ist eine Vermehrung über Samen möglich.

Diese Strategie erklärt, weshalb die Zaunwinde einmal besiedelte Standorte oft über viele Jahre behauptet. Ihre Hartnäckigkeit ist jedoch keine bewusste Aggression gegen andere Pflanzen. Sie ist das Ergebnis einer sehr erfolgreichen Anpassung an dynamische Lebensräume, in denen Überflutungen, Bodenbewegungen, Gehölzbruch oder andere Veränderungen regelmäßig auftreten können.

Eine Pflanze feuchter und nährstoffreicher Säume

Natürliche und naturnahe Vorkommen finden sich besonders an Fluss- und Bachufern, Gräben, Röhrichträndern, feuchten Gebüschen, Auenwaldsäumen und in Hochstaudenfluren. Auch an Zäunen, Böschungen, Grundstücksrändern und in Gärten kann die Art auftreten.

Bevorzugt werden meist frische bis feuchte, nährstoffreiche Böden. Besonders dort, wo andere Pflanzen geeignete Kletterhilfen bieten, kann die Zaunwinde dichte Bestände entwickeln.

Für Artenschutz in Franken® ist diese Standortbindung ein wichtiger Hinweis. Pflanzen dürfen nicht allein danach beurteilt werden, ob sie in einem Gartenbeet erwünscht sind. An einem Gewässerrand oder innerhalb einer natürlichen Hochstaudenflur erfüllt dieselbe Art eine andere Funktion als zwischen frisch gesetzten, konkurrenzschwachen Jungpflanzen.

Ein weißer Blütentrichter als Nahrungsangebot

Die Blütezeit reicht hauptsächlich vom Frühsommer bis in den Spätsommer. In dieser Zeit werden die großen Blütentrichter von unterschiedlichen Insekten aufgesucht. Hummeln und andere Blütenbesucher kriechen teilweise tief in die Blüte hinein, um an die dort angebotene Nahrung zu gelangen.

Auch für Schmetterlinge kann die Pflanze eine Bedeutung besitzen. Die Raupe des Windenschwärmers nutzt in Mitteleuropa unter anderem Zaun- und Ackerwinden als Nahrungspflanzen. Dieser imposante Wanderfalter erreicht uns aus südlicheren Regionen und kann nicht in jedem Jahr gleich häufig beobachtet werden.

Die Zaunwinde ist damit kein alleinstehendes Dekorationselement. Sie ist Teil eines Beziehungsnetzes aus Pflanzen, Blütenbesuchern, pflanzenfressenden Insekten und deren natürlichen Gegenspielern.

Ihre dichten Triebe schaffen außerdem kleinräumige Deckung. Zwischen den Blättern entstehen schattige, windgeschützte Bereiche, die von unterschiedlichen Kleintieren als vorübergehender Aufenthaltsort genutzt werden können.

Wenn starkes Wachstum zum Problem wird

Eine naturschutzfachlich differenzierte Betrachtung bedeutet nicht, dass die Zaunwinde überall ungehindert wachsen sollte. In kleinen Beeten, an jungen Hecken oder innerhalb neu angelegter artenreicher Pflanzungen kann sie schwächere Pflanzen überwachsen und ihnen Licht nehmen.

Auch auf unseren eigenen Projektflächen prüfen wir deshalb nicht nur, welche Art vorhanden ist, sondern wie sie sich auf die Entwicklung des gesamten Lebensraumes auswirkt. Entscheidend ist das Verhältnis: Bleibt die Zaunwinde Bestandteil einer vielfältigen Pflanzengemeinschaft, oder beginnt sie, große Bereiche nahezu vollständig zu überdecken?

Wo eine Begrenzung notwendig ist, sollte sie möglichst gezielt erfolgen. Wiederholtes Zurücknehmen der Triebe schwächt die Pflanze mit der Zeit. Beim Ausgraben müssen die weitreichenden Rhizome berücksichtigt werden. Eine einmalige oberflächliche Entfernung führt dagegen meist nur zu einem vorübergehenden Ergebnis.

Für Artenschutz in Franken® kommt es darauf an, nicht reflexartig ganze Säume zu mähen oder zu mulchen, nur weil eine einzelne Art kräftig wächst. Solche Eingriffe treffen immer auch zahlreiche andere Pflanzen und Tiere. Selektives Handeln ist aufwendiger, schützt jedoch die vorhandene Vielfalt.

Häufig – aber dennoch Teil eines empfindlichen Lebensraumes

Die Echte Zaunwinde gilt in Deutschland als ungefährdet. Ihre weite Verbreitung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele ihrer natürlichen Lebensräume unter Druck stehen.

Gewässerausbau, die Beseitigung feuchter Säume, häufige Böschungspflege, vollständiges Mulchen sowie die Austrocknung von Auen- und Hochstaudenbereichen verändern die Standorte. Die Zaunwinde kann manche dieser Veränderungen aufgrund ihrer kräftigen Rhizome zunächst überstehen. Empfindlichere Begleitarten verschwinden häufig früher.

Damit kann ein dichter Bestand der Zaunwinde manchmal auch anzeigen, dass eine ursprünglich vielfältigere Pflanzengemeinschaft aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Antwort darauf sollte jedoch nicht in einer pauschalen Bekämpfung liegen. Wichtiger ist es, die Ursachen zu erkennen und die strukturelle Vielfalt des Standortes wieder zu fördern.

Eine Pflanze, die unseren Blick herausfordert

Die Echte Zaunwinde passt nicht in das Bild einer stillen und pflegeleichten Wildpflanze. Sie windet, verbindet, überdeckt und kehrt nach einem Rückschnitt häufig zurück. Gerade dadurch fordert sie uns auf, genauer hinzusehen.

Für Artenschutz in Franken® bedeutet Naturschutz nicht, jede Fläche ordentlich und übersichtlich erscheinen zu lassen. Naturschutz bedeutet, ökologische Zusammenhänge zu erkennen, Entwicklungen zu beobachten und nur dort einzugreifen, wo es für die Vielfalt tatsächlich erforderlich ist.

Zwischen einer alten Hecke und einer feuchten Hochstaudenflur darf die Zaunwinde ihre weißen Blütentrichter entfalten. In einer jungen artenreichen Pflanzung kann dagegen eine behutsame Begrenzung sinnvoll sein. Beides kann fachlich richtig sein – wenn nicht das persönliche Ordnungsempfinden, sondern der Lebensraum als Ganzes im Mittelpunkt steht.

So wird aus einer häufig übersehenen oder bekämpften Pflanze ein Beispiel dafür, wie differenziert moderner Artenschutz sein muss.

In der Aufnahme von Albert Meier 

  • Die Echte Zaunwinde (Calystegia sepium) in voller Blüte.
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