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Wenn das Leben zurückkehrt ...
Bild zum Eintrag (1142179-160)
Neue Lebensräume am Wegesrand – Die Rückkehr der Schafstelze in Bayerns Kulturlandschaft

Im Rahmen eines bayerischen Pilotprojekts zur naturschutzorientierten Gestaltung von Flurwegen konnte in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft eine bemerkenswerte Beobachtung gemacht werden: Erstmals seit mehreren Jahren wurde dort wieder die Schafstelze nachgewiesen.

Die Art profitierte offenbar unmittelbar von den neu angelegten extensiven Wegestrukturen. Breitere Saumstreifen, artenreiche Wildkräuter, offene Bodenbereiche sowie der reduzierte Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln schufen innerhalb kurzer Zeit neue Lebensräume für zahlreiche Insektenarten – und damit auch eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Schafstelze.

Besonders während der Brutzeit ist die Schafstelze auf strukturreiche Offenlandschaften angewiesen. Früher war sie ein typischer Vogel extensiv genutzter Wiesen und Feuchtflächen. Mit der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft gingen jedoch vielerorts geeignete Brut- und Nahrungshabitate verloren.

Im Rahmen des Projekts wurden Flurwege nicht nur funktional, sondern gezielt unter artenschutzfachlichen Gesichtspunkten entwickelt. Entlang der Wege entstanden Blühstreifen, niedrig bewachsene Randbereiche und kleinräumige Rückzugsflächen. Diese bieten Insekten, Bodenbrütern und Kleinvögeln neue Möglichkeiten zur Nahrungssuche und Fortpflanzung.

Das überraschende Auftreten der Schafstelze gilt unter Fachleuten als wichtiger Hinweis darauf, wie schnell sich bestimmte Vogelarten erholen können, wenn geeignete Lebensräume wieder verfügbar werden. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass selbst kleinere Maßnahmen innerhalb landwirtschaftlich geprägter Regionen einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten können.

Die Beobachtung der Schafstelze unterstreicht damit die Bedeutung naturnaher Flurwegstrukturen als verbindende Elemente innerhalb der Kulturlandschaft – nicht nur für einzelne Vogelarten, sondern für ganze Lebensgemeinschaften.

Bildunterschrift
  • Ein männliches Exemplar der Schafstelze sitzt am Rand einer extensiv bewirtschafteten Flurwegstruktur auf einem jungen Baum und nutzt die artenreichen Saumflächen zur Nahrungssuche.
Wo Hecken verschwinden, verschwindet auch der Neuntöter
Bild zum Eintrag (1142178-160)
Wo Hecken verschwinden, verschwindet auch der Neuntöter

Im Rahmen eines bayerischen Pilotprojekts zur naturschutzorientierten Entwicklung von Flurwegen konnte neben zahlreichen Insektenarten auch wieder der Neuntöter beobachtet werden. Die Rückkehr dieses markanten Singvogels gilt als bedeutendes Zeichen dafür, wie wichtig strukturreiche Landschaften für den Erhalt bedrohter Arten geworden sind.

Der Neuntöter ist auf eine vielfältige Kulturlandschaft angewiesen. Hecken, Dornensträucher, extensiv genutzte Wegesäume und artenreiche Wiesen bilden die Grundlage seines Lebensraumes. Genau diese Strukturen verschwinden jedoch seit Jahrzehnten zunehmend aus vielen landwirtschaftlich geprägten Regionen.

Durch die fortschreitende Ausräumung der Landschaft gehen wichtige Brutplätze, Ansitzwarten und Rückzugsräume verloren. Feldgehölze werden entfernt, Wegraine eingeebnet und kleinräumige Übergangsbereiche beseitigt. Was bleibt, sind oftmals großflächige, intensiv genutzte Agrarräume mit nur wenigen ökologischen Nischen.

Für den Neuntöter bedeutet dies nicht nur einen Verlust an Brutplätzen, sondern auch einen deutlichen Rückgang seiner Nahrungsgrundlage. Als Jäger größerer Insekten, Kleintiere und anderer Wirbelloser ist er unmittelbar auf eine artenreiche Umgebung angewiesen. Wo Insekten verschwinden, verliert auch der Neuntöter seine Lebensbasis.

Das bayerische Pilotprojekt zeigt jedoch, dass bereits vergleichsweise kleine Maßnahmen eine spürbare Wirkung entfalten können. Durch die Anlage extensiver Wegesäume, die Förderung heimischer Sträucher sowie den Verzicht auf intensive Pflege entstanden neue Rückzugsräume innerhalb der Agrarlandschaft. Der Nachweis des Neuntöters in diesen Bereichen macht deutlich, wie schnell strukturreiche Lebensräume wieder angenommen werden.

Gleichzeitig wird sichtbar, dass der Schutz solcher Arten nicht allein durch Diskussionen erreicht werden kann. Seit vielen Jahren wird über Biodiversität, Artensterben und Landschaftsschutz gesprochen. Entscheidend bleibt jedoch das konkrete Handeln vor Ort. Nur dort, wo verantwortungsbewusste Menschen bereit sind, Lebensräume dauerhaft zu erhalten und naturnahe Strukturen wieder zuzulassen, bestehen langfristige Chancen für Arten wie den Neuntöter.

Der Vogel wird damit zunehmend zu einem Symbol für den Zustand unserer Kulturlandschaft. Sein Auftreten zeigt, wo Vielfalt noch möglich ist – und sein Verschwinden macht sichtbar, wie stark viele Lebensräume bereits verändert wurden.

Bildunterschrift
Ein männlicher Neuntöter sitzt auf einer Eberesche nahe eines Schlehenstrauchs entlang eines extensiv bewirtschafteten Flurweges und nutzt die strukturreiche Landschaft als Jagd- und Brutrevier.
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