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Wenn Turmfalke und Schleiereule an den alten Trafo zurückkehren ...
Bild zum Eintrag (1148130-160)
Wenn Turmfalke und Schleiereule an den alten Trafo zurückkehren

  • Eine Künstlerin erzählt von ihrer Arbeit an einer besonderen Stele der Biodiversität

Pinselstrich für Pinselstrich verändert sich der kleine Turmkörper vor meinen Augen. Was früher einmal ein Trafohaus war und ausschließlich einem technischen Zweck diente, erhält nun ein vollkommen neues Gesicht. Auf den Außenwänden entstehen naturgetreue Darstellungen von Turmfalken und Schleiereulen – zwei faszinierenden Vogelarten, die seit Jahrhunderten eng mit Gebäuden, Kirchtürmen, Scheunen und anderen Bauwerken unserer Kulturlandschaft verbunden sind.

Für mich als Malerin ist diese Aufgabe weit mehr als das Auftragen von Farbe auf eine Fassade. Ich möchte die Tiere so darstellen, dass ihre charakteristischen Merkmale sichtbar werden und zugleich etwas von ihrer Ausstrahlung erhalten bleibt. Der wachsame Blick des Turmfalken, seine elegante Körperhaltung und das fein gezeichnete Gefieder verlangen ebenso viel Aufmerksamkeit wie das helle, herzförmige Gesicht der Schleiereule und ihre beinahe lautlose Erscheinung.

Dabei muss jedes Detail auf die Entfernung wirken. Was aus der Nähe wie eine Ansammlung einzelner Linien und Farbtöne erscheint, soll sich später zu einem stimmigen Gesamtbild verbinden. Immer wieder trete ich einige Schritte zurück, betrachte die Proportionen und korrigiere behutsam. Naturgetreue Fassadenmalerei braucht Zeit, Konzentration und ein genaues Auge.

In den vergangenen Tagen stellte jedoch nicht nur die künstlerische Umsetzung hohe Anforderungen an mich. Zunächst machte die große Hitze das Arbeiten an der Fassade ausgesprochen anstrengend. Die aufgeheizten Wandflächen, das grelle Licht und die körperliche Belastung verlangten regelmäßige Pausen. Kaum hatte man sich auf diese Bedingungen eingestellt, schlug das Wetter um: Starkregen, kräftige Windböen und eine hohe Luftfeuchtigkeit bestimmten plötzlich den Arbeitsalltag.

Für eine Künstlerin sind solche Wetterwechsel alles andere als hilfreich. Die Wandflächen müssen ausreichend trocken sein, Farben benötigen verlässliche Bedingungen und gerade bei feinen Gefiederstrukturen darf der nächste Regenschauer nicht bereits die frisch ausgeführten Arbeitsschritte gefährden. Auch die Sicherheit hat stets Vorrang. Bei starkem Wind oder heftigem Regen müssen Pinsel und Farben deshalb zeitweise ruhen – selbst wenn man am liebsten weiterarbeiten möchte.

Dennoch wächst das Bild mit jedem geeigneten Zeitfenster weiter. Und vielleicht passt gerade diese Herausforderung besonders gut zu einem Naturschutzprojekt. Schließlich müssen sich auch Turmfalke und Schleiereule immer wieder auf veränderte Bedingungen einstellen. Sie reagieren auf Hitze, Trockenheit, Starkregen, Nahrungsmangel und den Verlust geeigneter Brutplätze. Ihre Anpassungsfähigkeit ist groß, doch sie hat Grenzen.

Artenschutz in Franken®
möchte mit der Umgestaltung des ehemaligen Trafohauses deshalb nicht nur neue Lebensräume schaffen, sondern auch Aufmerksamkeit wecken. Die künstlerisch gestaltete Fassade macht sichtbar, welchen Arten das Bauwerk künftig dienen soll. Hinter den gemalten Motiven stehen reale Schutzmaßnahmen: sichere Brut- und Rückzugsmöglichkeiten, langfristig erhaltene Gebäudestrukturen und ein Konzept, das Artenschutz, Umweltbildung und Gestaltung miteinander verbindet.

Während ich an den Augen einer Schleiereule oder den feinen Konturen eines Turmfalken arbeite, wird mir immer wieder bewusst, welche Verantwortung in einer solchen Darstellung liegt. Die Tiere sollen nicht lediglich dekorative Fassadenelemente sein. Sie stehen stellvertretend für jene Arten, die in unserer aufgeräumten und intensiv genutzten Landschaft zunehmend auf gezielt geschaffene Ersatzlebensräume angewiesen sind.

Noch ist die Gestaltung nicht vollständig abgeschlossen. Regen und Wind bestimmen weiterhin mit, wann die nächsten Pinselstriche gesetzt werden können. Doch mit jeder ausgearbeiteten Feder und jeder neu entstandenen Kontur wird deutlicher, wohin die Reise führt: Aus einem ehemaligen technischen Funktionsbauwerk entsteht eine weithin sichtbare Stele der Biodiversität.

Wenn die Arbeiten beendet sind, werden Turmfalke und Schleiereule dauerhaft von den Wänden dieses kleinen Turmes blicken. Für mich ist es ein schönes Gefühl, mit meiner Arbeit dazu beitragen zu dürfen, die Botschaft von Artenschutz in Franken® nach außen zu tragen: Bestehende Bauwerke können eine neue Bedeutung erhalten – als Lebensraum, als Lernort und als sichtbares Zeichen dafür, dass sich Naturschutz und menschliche Kreativität auf besondere Weise miteinander verbinden lassen.

In der Aufnahme 
  • Regen und Wind machen die Arbeiten am Baukörper aktuell nicht erinfacher 

Stand 20.08.2026
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