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Wo Wasser, Hochstauden und Totholz zusammenfinden
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Wo Wasser, Hochstauden und Totholz zusammenfinden – Lebensräume mit besonderer Bedeutung

  • Eine gemeinsame Verantwortung von Artenschutz in Franken®, der TUN Stiftung Tier Umwelt Natur Zollernalb und Turmstationen Deutschland e. V.

Auf den ersten Blick erscheint sie vielleicht unscheinbar: eine feuchte, von hohen Stauden geprägte Fläche, durchsetzt mit einzelnen Gehölzen und ergänzt durch ein kleines Gewässer. Doch wer genauer hinsieht, erkennt ein vielschichtiges Lebensraummosaik. Auf rund 1.550 Quadratmetern treffen Wasser, feuchte Böden, Hochstauden, besonnte Bereiche, Gehölzränder und Totholz aufeinander. Gerade diese enge Verzahnung unterschiedlicher Strukturen macht die Fläche für den regionalen Artenschutz besonders wertvoll.

Die langfristige Entwicklung und funktionale Sicherung dieses Lebensraumes wird im Rahmen einer Kooperation zwischen Artenschutz in Franken®, der TUN Stiftung Tier Umwelt Natur Zollernalb und Turmstationen Deutschland e. V. verfolgt. Die Zusammenarbeit verbindet unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Möglichkeiten mit einem gemeinsamen Ziel: Eine ökologisch wertvolle Fläche soll nicht nur kurzfristig aufgewertet, sondern über viele Jahre hinweg fachlich begleitet, beobachtet und funktionsfähig erhalten werden.

Artenschutz in Franken® bringt dabei seine langjährige praktische Erfahrung in der Entwicklung, Pflege und Kontrolle von Lebensräumen ein. Gemeinsam mit der TUN Stiftung Tier Umwelt Natur Zollernalb und Turmstationen Deutschland e. V. soll ein verlässlicher Rahmen geschaffen werden, in dem notwendige Maßnahmen abgestimmt, Entwicklungen dokumentiert und zukünftige Pflegeentscheidungen an den tatsächlichen Bedürfnissen des Lebensraumes ausgerichtet werden können.

Dabei geht es nicht darum, eine Fläche nach menschlichen Ordnungsvorstellungen herzurichten. Vielmehr sollen natürliche Prozesse ermöglicht und nur dort behutsam gelenkt werden, wo einzelne Entwicklungen die vorhandene Lebensraumvielfalt zu verdrängen drohen.

Kooperation schafft langfristige Perspektiven

Wirksamer Artenschutz benötigt Zeit. Ein einmaliger Pflegeeinsatz kann wichtige Entwicklungen anstoßen, reicht jedoch meist nicht aus, um einen Lebensraum dauerhaft zu sichern. Gehölze wachsen nach, Gewässer verändern sich, Pflanzenbestände verschieben sich und Tierarten reagieren auf klimatische sowie strukturelle Veränderungen.

Gerade deshalb ist die Kooperation der drei Partner von besonderer Bedeutung. Sie steht für den gemeinsamen Anspruch, ökologische Verantwortung nicht auf eine einzelne Maßnahme zu begrenzen. Die Fläche soll über einen längeren Zeitraum begleitet werden. Beobachtungen und Erfahrungen fließen fortlaufend in die weitere Entwicklung ein.

Die Zusammenarbeit zwischen Artenschutz in Franken®, der TUN Stiftung Tier Umwelt Natur Zollernalb und Turmstationen Deutschland e. V. macht deutlich, dass der Erhalt der biologischen Vielfalt am besten gelingen kann, wenn Fachwissen, Engagement und langfristige Verlässlichkeit zusammenfinden. Eine solche Kooperation schafft die Grundlage dafür, dass aus einer guten Idee ein dauerhaft wirksames Naturschutzprojekt entstehen kann.

Kleine Flächen können eine große Wirkung entfalten

Feuchte Hochstaudenfluren gehören zu jenen Lebensräumen, die zwischen Wasser und Land vermitteln. Sie nehmen Niederschläge auf, speichern zeitweise Feuchtigkeit und bieten zahlreichen Tierarten Nahrung, Deckung, Fortpflanzungsräume und Möglichkeiten zur Überwinterung. Für Insekten, Amphibien, Reptilien, Spinnen und andere Kleintiere können solche Flächen zu wichtigen Rückzugsorten innerhalb einer zunehmend intensiv genutzten Landschaft werden.

Ihre besondere Bedeutung liegt nicht allein in der Flächengröße. Entscheidend ist vielmehr, ob die ökologischen Funktionen erhalten bleiben. Eine kleine, strukturreiche Fläche kann für die biologische Vielfalt wertvoller sein als ein wesentlich größeres, jedoch gleichförmig gepflegtes Areal. Wo offene Wasserstellen, unterschiedliche Vegetationshöhen, sonnenbeschienene Bereiche, feuchte Verstecke und Totholz nebeneinander bestehen, entstehen zahlreiche ökologische Nischen.

Solche Biotopflächen können außerdem als Trittsteine wirken. Sie ermöglichen es Arten, sich zwischen größeren Lebensräumen zu bewegen, neue Bereiche zu besiedeln oder ungünstige Zeiträume zu überstehen. Ihr Wert endet deshalb nicht an der Grundstücksgrenze.

Der Große Wiesenknopf als charakteristische Pflanzenart

Auf Teilbereichen der Fläche wächst der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis). Diese charakteristische Pflanze feuchter bis wechselfeuchter Wiesen und Hochstaudenbereiche steht stellvertretend für eine Lebensraumqualität, die vielerorts zurückgeht.

Der Große Wiesenknopf ist weit mehr als nur ein sichtbarer Bestandteil der Vegetation. Seine Blüten werden von unterschiedlichen Insekten aufgesucht. Gleichzeitig zeigt sein Vorkommen, dass auf der Fläche noch Standortbedingungen vorhanden sind, die eine Entwicklung artenreicher Feuchtlebensräume ermöglichen.

Damit solche Pflanzenarten dauerhaft bestehen können, benötigen sie ausreichend Licht und dürfen weder durch fortschreitende Verbuschung noch durch eine starke Nährstoffanreicherung verdrängt werden. Eine zeitlich und räumlich angepasste Pflege ist daher unverzichtbar.

Lebensraum für die Ringelnatter

Im Bereich der Fläche beziehungsweise in ihrem unmittelbaren Umfeld wurde auch die Ringelnatter (Natrix natrix) beobachtet. Für diese heimische Reptilienart ist die Verbindung verschiedener Lebensraumelemente besonders wichtig. Gewässer und feuchte Bereiche bieten potenzielle Nahrungshabitate, während dichte Vegetation, Totholz und andere Bodenstrukturen als Verstecke und Rückzugsräume dienen können. Besonnte Stellen ermöglichen es den wechselwarmen Tieren, ihre Körpertemperatur zu regulieren.

Gerade die Ringelnatter macht deutlich, weshalb Naturschutz nicht auf einzelne Strukturen beschränkt werden darf. Ein Kleingewässer allein genügt nicht. Erst das Zusammenspiel aus Wasser, Deckung, Nahrung, Sonnenplätzen und störungsarmen Rückzugsbereichen lässt einen tatsächlich nutzbaren Lebensraum entstehen.

Ohne Pflege kann der offene Charakter verloren gehen

Auch naturnahe Flächen verändern sich fortwährend. Diese natürliche Entwicklung wird als Sukzession bezeichnet. Auf der Fläche breiten sich insbesondere junge Erlen (Alnus glutinosa) und Eschen (Fraxinus excelsior) aus. Gehölze sind grundsätzlich wertvolle Lebensraumbestandteile. Nehmen sie jedoch zu große Bereiche ein, können sie die offene Hochstaudenflur zurückdrängen und das Kleingewässer zunehmend beschatten.

Dadurch würden sich die Licht- und Temperaturverhältnisse verändern. Offene Wasserflächen könnten schneller verlanden, sonnenliebende Arten würden Lebensraum verlieren und die ursprünglich vielfältige Struktur könnte sich langfristig zu einem weitgehend geschlossenen Gehölzbestand entwickeln.

Das Ziel besteht deshalb ausdrücklich nicht darin, sämtliche Gehölze zu entfernen. Artenschutz in Franken® setzt gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern auf ein differenziertes Vorgehen: Wertvolle Einzelgehölze und Gehölzränder bleiben erhalten, während junger Aufwuchs dort behutsam reduziert wird, wo er offene Hochstaudenbereiche, besonnte Ufer oder die Funktionsfähigkeit des Kleingewässers beeinträchtigt.

Brennnesseln differenziert betrachten

Auch Brennnesseln (Urtica dioica) besitzen einen hohen ökologischen Wert. Zahlreiche Insektenarten nutzen sie als Nahrungs- oder Entwicklungspflanze. Sie dürfen deshalb keinesfalls pauschal als unerwünscht betrachtet werden.

Entwickeln sich jedoch sehr dichte und großflächige Bestände, kann dies auf eine hohe Nährstoffverfügbarkeit hinweisen. Konkurrenzschwächere Pflanzen feuchter Standorte können dadurch verdrängt werden. Vorgesehen ist deshalb keine vollständige Entfernung, sondern eine abschnittsweise und sorgfältig beobachtete Regulierung. Ausreichende Brennnesselbereiche bleiben als wertvolle Lebensraumstrukturen erhalten, während auf ausgewählten Teilflächen wieder Raum für eine größere pflanzliche Vielfalt geschaffen wird.

Totholz bleibt Teil des Lebensraumes

Das bei notwendigen Gehölzarbeiten anfallende stärkere Holz soll nicht vollständig aus dem Biotop entfernt werden. An geeigneten, ökologisch sinnvollen Stellen abgelegte Stämme und Äste entwickeln sich zu wertvollen Totholzstrukturen.

Sie können Amphibien und Reptilien als Versteck dienen, der Ringelnatter Rückzugs- und Sonnenplätze anbieten und zahlreichen Insekten, Pilzen und anderen Organismen Lebensraum geben. Unter und zwischen den Holzstrukturen entstehen geschützte Bereiche mit einem besonderen Kleinklima. Was für den Menschen wie abgestorbenes Material wirkt, ist in einem funktionierenden Ökosystem häufig voller Leben.

Pflege mit Rücksicht auf die Bewohner

Die Hochstaudenflur soll extensiv, abschnittsweise und möglichst mosaikartig gepflegt werden. Nicht die gesamte Fläche wird gleichzeitig gemäht. Wechselnde Altstaudenbereiche bleiben stehen und bieten Insekten und anderen Kleintieren auch nach einem Pflegeeingriff Deckung, Entwicklungsräume und Überwinterungsmöglichkeiten.

Das Mahdgut wird aus den Bereichen entfernt, in denen eine schrittweise Nährstoffreduzierung erreicht werden soll. Auf Düngemittel und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel wird verzichtet. Notwendige Gehölzarbeiten erfolgen außerhalb sensibler Brut- und Fortpflanzungszeiten und werden auf das fachlich erforderliche Maß begrenzt.

Das Kleingewässer bildet das Herzstück des Lebensraumkomplexes. Offene Wasserbereiche, naturnahe Ufer und eine ausreichende Besonnung sollen erhalten bleiben. Eingriffe erfolgen jedoch nur dann, wenn Beschattung, Gehölzaufwuchs oder Verlandung die ökologische Funktion tatsächlich beeinträchtigen. Nicht jeder natürliche Veränderungsprozess verlangt ein Eingreifen.

Monitoring statt starrer Pflege

Lebensräume entwickeln sich nicht nach einem unveränderlichen Plan. Niederschlagsmengen, Trockenperioden, Temperaturen, Pflanzenbestände und die Nutzung durch Tiere können sich von Jahr zu Jahr deutlich verändern. Deshalb wird die Fläche regelmäßig beobachtet und dokumentiert.

Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Entwicklung des Großen Wiesenknopfes, die Zusammensetzung der Hochstaudenflur, der Umfang der Brennnesselbestände, der Gehölzaufwuchs sowie der Zustand des Kleingewässers. Ergänzend sollen Beobachtungen von Ringelnattern, Amphibien, Libellen und weiteren Insektenarten einbezogen werden.

Dieses Monitoring ermöglicht es, Pflegeentscheidungen an der tatsächlichen Entwicklung auszurichten. Maßnahmen, die sich bewähren, können fortgeführt werden. Zeigen sich unerwünschte Auswirkungen, muss die Vorgehensweise angepasst werden. Ein solches lernendes Flächenmanagement ist aus Sicht der Kooperationspartner wesentlich verantwortungsvoller als eine schematische Pflege nach starren Terminen.

Artenschutz bedeutet, Lebensräume funktionsfähig zu halten

Eine Fläche allein deshalb als Biotop zu bezeichnen, genügt nicht. Entscheidend ist, ob sie ihre Funktionen für Tiere und Pflanzen dauerhaft erfüllen kann. Ein vollständig beschattetes und verlandetes Kleingewässer, eine lückenlos verbuschte Hochstaudenflur oder eine einheitlich und gleichzeitig gemähte Vegetation verlieren einen erheblichen Teil ihres ökologischen Wertes.

Funktionaler Artenschutz bedeutet deshalb, genau hinzusehen: Wo braucht es Ruhe? Wo muss eine Entwicklung zugelassen werden? Wo ist ein begrenzter Eingriff notwendig? Und welche Strukturen müssen miteinander verbunden bleiben?

Artenschutz in Franken®, die TUN Stiftung Tier Umwelt Natur Zollernalb und Turmstationen Deutschland e. V. verstehen die Entwicklung dieser Fläche als gemeinsame und langfristige Verantwortung. Durch behutsames Gehölzmanagement, eine extensive und abschnittsweise Mahd, den Erhalt von Totholz, den Schutz des Kleingewässers und ein kontinuierliches Monitoring soll ein vielfältiger Feuchtlebensraum erhalten und weiterentwickelt werden.

Gerade in Zeiten zunehmender Trockenperioden, fortschreitender Lebensraumverluste und einer immer stärkeren Vereinheitlichung unserer Landschaft gewinnen solche Flächen an Bedeutung. Sie sind Rückzugsraum, Kinderstube, Nahrungsfläche und Verbindungselement zugleich. Ihre funktionale Sicherung ist deshalb kein nebensächlicher Pflegeaufwand, sondern ein konkreter Beitrag zum Erhalt der regionalen biologischen Vielfalt.

Die Kooperation zeigt: Wenn Verantwortung geteilt, Fachwissen zusammengeführt und eine Fläche über viele Jahre begleitet wird, kann auch auf vergleichsweise kleinem Raum eine dauerhaft wirksame Perspektive für zahlreiche Arten entstehen.

Artenschutz in Franken® · TUN Stiftung Tier Umwelt Natur Zollernalb · Turmstationen Deutschland e. V. – gemeinsam für funktionale Lebensräume und den Erhalt der biologischen Vielfalt.

Redaktionelle Ausarbeitung:
Artenschutz in Franken® · Stand 26.08.2026