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Wenn das Blau fliegen lernt
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Wenn das Blau fliegen lernt

  • Die Geschichte einer Blauen Federlibelle am Bach

Es ist früher Morgen, als der Bach noch leise spricht. Das Wasser gluckst zwischen Kieseln, feiner Nebel liegt über dem Ufer, und die Welt scheint den Atem anzuhalten. Genau hier, an einem unscheinbaren Halm im flachen Wasser, beginnt ein kleines Wunder.

Seit vielen Monaten lebt die Larve der Blauen Federlibelle (Platycnemis pennipes) verborgen unter der Oberfläche. Zwischen Wasserpflanzen und Steinen hat sie gejagt, ist gewachsen und hat den Winter überstanden. Nun ist die Zeit gekommen. Langsam klettert sie aus dem Wasser, hinauf ins Licht. Ihre Larvenhaut platzt auf, und aus dem engen Panzer schiebt sich ein neues Wesen – zerbrechlich, blass und doch voller Leben.

Der Schlupf ist ein Moment größter Anstrengung. Nichts darf schiefgehen. Die junge Libelle hängt kopfüber, zieht Bein um Bein aus der alten Hülle, während ihre Flügel sich entfalten wie feines Glas. Noch kann sie nicht fliegen. Noch ist sie schutzlos.

Und Gefahren gibt es viele.

Ein falscher Schritt, und sie fällt ins Wasser zurück – wo Fische auf leichte Beute warten. Am Ufer krabbeln Ameisen, die keinen Unterschied machen zwischen Wunder und Mahlzeit. Ein Vogel entdeckt die Bewegung im Schilf. Selbst der Mensch kann zur Bedrohung werden, wenn Ufer gemäht, Pflanzen entfernt oder Steine bewegt werden, genau dort, wo Libellen ihren Neubeginn wagen.

Die Sonne steigt höher. Wärme durchströmt den kleinen Körper. Die Flügel härten aus, das zarte Blau gewinnt an Farbe. Stunde um Stunde vergeht, bis der große Augenblick kommt: Ein erstes Zittern, ein Sprung – und dann trägt die Luft die Blaue Federlibelle davon.

Nun beginnt ihr kurzes, freies Leben über dem Wasser. Sie jagt kleine Insekten, ruht auf Gräsern und tanzt in der Luft mit Artgenossen. Ihre breiten, hell gefärbten Beine machen sie unverwechselbar. Doch auch jetzt ist ihr Leben kein leichtes. Regen, Wind, Hunger und neue Feinde begleiten jeden Tag.

Vor allem aber braucht sie eines: einen intakten Lebensraum.


Saubere, langsam fließende Gewässer, naturnahe Ufer, Pflanzenvielfalt und Ruhe sind die Grundlage für ihr Dasein. Doch genau diese Orte werden seltener. Bäche werden begradigt, Uferstreifen zu oft gemäht, Feuchtgebiete entwässert. Freizeitnutzung bringt Unruhe an Gewässer, die eigentlich Rückzugsräume sein sollten.

Der Klimawandel verschärft die Lage zusätzlich. Längere Trockenperioden lassen Gewässer austrocknen, bevor Larven sich entwickeln können. Plötzliche Hochwasser spülen sie fort. Steigende Temperaturen verändern das empfindliche Gleichgewicht von Wasser, Pflanzen und Insekten.

Die Blaue Federlibelle ist damit mehr als nur ein schönes Insekt. Sie ist ein Zeichen. Wo sie lebt, ist das Wasser meist sauber, das Ufer lebendig. Wo sie verschwindet, stimmt etwas nicht.

Vielleicht sieht ein Kind sie eines Tages am Bach sitzen, staunt über ihr leuchtendes Blau und fragt, woher sie kommt. Die Antwort liegt im Schutz unserer Landschaften. Jede naturnahe Uferzone, jeder ungemähte Randstreifen und jeder renaturierte Bach schenkt ihr eine Chance.

Damit auch morgen noch irgendwo am frühen Morgen eine kleine Libelle aus ihrer Hülle schlüpft – und das Blau wieder fliegen lernt.

In er Aufnahme von Dieter Zinßer
  • Federlibelle - schlüpfende Federlibelle - an grünem Halm 
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