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C-Falter (Polygonia c-album)
Bild zum Eintrag (1138458-160)
Im Morgengrauen eines warmen Frühlingstages liegt noch Tau auf den Blättern, und der Wald wirkt still, fast schlafend. Zwischen den Zweigen eines alten Brombeerstrauchs regt sich ein kleines Wesen. Vorsichtig entfaltet ein C-Falter seine Flügel. Sie sehen aus wie vertrocknete Blätter, zerknittert und unscheinbar – perfekt, um nicht entdeckt zu werden. Doch als die ersten Sonnenstrahlen auf ihn fallen, leuchtet plötzlich die Oberseite seiner Flügel in warmen Orange- und Brauntönen auf. Für einen Moment wirkt es, als hätte sich ein Stück Herbst in den Frühling verirrt.

Der Falter hat den Winter überstanden, verborgen in einer geschützten Ecke, vielleicht in einer Baumhöhle oder unter einem Holzstapel. Nun beginnt für ihn ein neues Jahr. Er fliegt durch lichte Wälder, über Wiesenränder und durch Gärten, immer auf der Suche nach Nahrung. Anders als viele seiner Verwandten zieht es ihn nicht nur zu Blüten. Auch süßer Baumsaft oder überreifes Obst geben ihm die Energie, die er braucht.

Schon bald wird er auf Brennnesseln treffen – unscheinbare Pflanzen, die für ihn von großer Bedeutung sind. Dort legt er seine Eier ab, aus denen später Raupen schlüpfen. Diese fressen sich durch die Blätter, wachsen, verpuppen sich und werden schließlich selbst zu Faltern. In einem guten Jahr entstehen so zwei Generationen, eine im Frühling und eine im Sommer, jede ein wenig anders geformt und gefärbt.

Doch während der C-Falter scheinbar unbeschwert durch die Landschaft tanzt, verändert sich seine Welt. Die Winter werden milder, die Sommer heißer. Das erlaubt ihm zwar, länger aktiv zu sein und neue Gebiete zu besiedeln, sogar weiter im Norden und in höheren Lagen. Aber nicht alles ist zu seinem Vorteil. Plötzliche Kälteeinbrüche im Frühling oder lange Trockenperioden können ihm und seinem Nachwuchs schaden.

Auch die Landschaft selbst wandelt sich. Wo einst Hecken standen und wilde Pflanzen wuchsen, breiten sich Felder, Straßen und Siedlungen aus. Viele Gärten sind ordentlich und aufgeräumt, doch für den Falter bedeuten sie oft leere Räume ohne Nahrung oder Verstecke. Pestizide nehmen ihm zusätzlich die Lebensgrundlage, indem sie Pflanzen und Insekten gleichermaßen treffen.

Selbst in der Nacht findet er nicht immer Ruhe. Künstliches Licht verändert die Dunkelheit, an die sich Generationen von Faltern angepasst haben. Es lenkt, verwirrt und stört die natürlichen Rhythmen.

Und doch fliegt der C-Falter weiter. Er passt sich an, sucht neue Wege, neue Orte. In einem naturnahen Garten mit wilden Ecken, in einer Hecke am Feldrand oder in einem kleinen Waldstück kann er noch immer ein Zuhause finden.

Vielleicht sitzt er auch eines Morgens wieder auf einem Blatt, scheinbar unsichtbar, bis die Sonne ihn berührt. Dann zeigt er für einen kurzen Augenblick seine ganze Schönheit – als leiser Hinweis darauf, wie eng sein Schicksal mit dem unserer Landschaft verbunden ist.

Aufnahme von Dieter Zinßer
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Polygonia c-album, C-Falter
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