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Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)
Bild zum Eintrag (1141142-160)
Der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Am Rand eines flachen Teiches liegt die Luft schwer von Sommerwärme. Über dem Wasser schimmern feine Lichtreflexe, zwischen Schilfhalmen steigen kleine Insekten auf. Plötzlich huscht ein kräftiger Schatten über die Uferzone. Für einen Augenblick setzt sich eine Libelle auf einen sonnengewärmten Stein. Ihr Hinterleib leuchtet hellblau, die durchsichtigen Flügel glitzern im Licht. Kaum zur Ruhe gekommen, startet sie wieder. In schnellem, geradlinigem Flug patrouilliert sie über das Wasser, dreht ab, kehrt zurück und verteidigt entschlossen ihr kleines Revier. Der Große Blaupfeil gehört zu jenen Arten, die warme Gewässerlandschaften im Sommer unverwechselbar machen.

Der Große Blaupfeil, wissenschaftlich Orthetrum cancellatum, ist eine auffällige Libellenart aus der Familie der Segellibellen. Er ist in weiten Teilen Europas verbreitet und besiedelt bevorzugt sonnige, offene Gewässer mit flachen Uferbereichen. Typische Lebensräume sind Teiche, Kiesgruben, Weiher, langsam fließende Gewässer und naturnahe Abgrabungsgewässer.

Ausgewachsene Männchen sind leicht an ihrem blau bereiften Hinterleib zu erkennen. Die Weibchen und jüngeren Tiere zeigen eher gelblich-braune bis bräunliche Färbungen mit dunkleren Zeichnungen. Charakteristisch für die Art ist ihr kräftiger Körperbau. Häufig sitzen die Tiere auf freien Bodenstellen, Steinen oder niedrigen Pflanzen und starten von dort aus zu kurzen Kontrollflügen.

Die Entwicklung des Großen Blaupfeils beginnt im Wasser. Die Larven leben am Gewässergrund oder zwischen Pflanzen und ernähren sich räuberisch von kleinen Wasserorganismen. Nach mehreren Entwicklungsstadien verlassen sie das Wasser, um sich an Uferpflanzen oder festen Strukturen in die flugfähige Libelle zu verwandeln. Für eine erfolgreiche Entwicklung sind daher sowohl geeignete Wasserbereiche als auch strukturreiche Uferzonen wichtig.

Als erwachsene Libellen jagen Große Blaupfeile kleine fliegende Insekten. Dabei spielen offene, sonnige Ufer eine bedeutende Rolle. Die Art ist eng an Gewässer gebunden, benötigt aber gleichzeitig ein Mosaik aus offenen Bodenflächen, Vegetation und besonnten Sitzwarten.

Die Zukunft des Großen Blaupfeils hängt eng mit der Qualität seiner Lebensräume zusammen. Viele Kleingewässer sind in den vergangenen Jahrzehnten verschwunden, wurden verbaut oder durch intensive Nutzung verändert. Werden flache Ufer befestigt, Gewässer beschattet oder strukturreiche Randbereiche beseitigt, verliert die Art wichtige Entwicklungs- und Jagdflächen.

Der Klimawandel wirkt dabei in unterschiedliche Richtungen. Wärmere Sommer können in manchen Regionen zunächst günstige Bedingungen schaffen, da der Große Blaupfeil wärmeliebend ist. Gleichzeitig nehmen jedoch Trockenperioden zu. Sinkende Wasserstände, das zeitweise Austrocknen kleiner Gewässer oder starke Schwankungen im Wasserhaushalt können die Entwicklung der Larven beeinträchtigen. Gerade Kleingewässer reagieren empfindlich auf solche Veränderungen.

Auch Nährstoffeinträge und Belastungen durch Schadstoffe können problematisch sein. Wenn Gewässer überdüngt werden, sich Wasserpflanzen stark verändern oder Sauerstoffmangel entsteht, verschlechtern sich die Lebensbedingungen für viele wassergebundene Organismen. Davon ist auch der Große Blaupfeil betroffen.

Eine weitere Bedrohung ergibt sich aus dem Verlust naturnaher Uferstrukturen. Dicht gemähte Ränder, versiegelte Uferbereiche oder intensive Freizeitnutzung können Rückzugsräume und Entwicklungsplätze verringern. Für Libellen ist nicht allein das offene Wasser entscheidend, sondern das Zusammenspiel von Wasser, Ufervegetation, Bodenstruktur und Besonnung.

Der Schutz des Großen Blaupfeils beginnt deshalb bei vielfältigen Gewässerlandschaften. Flache Uferzonen, besonnte Randbereiche, geringe Störungen und eine gute Wasserqualität schaffen wichtige Voraussetzungen. Wo Gewässer naturnah bleiben oder wieder entwickelt werden, profitieren neben Libellen auch Amphibien, Wasserkäfer, Wasserpflanzen und viele andere Arten.

Der Große Blaupfeil ist damit mehr als ein auffälliger Sommergast am Teich. Er ist ein sichtbarer Hinweis darauf, dass ein Gewässer noch ökologische Vielfalt und funktionierende Lebensräume bietet.

Aufnahme von Dieter Zinßer
  • Der Große Blaupfeil ist ein typischer Bewohner warmer Gewässerlandschaften.
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