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Ein stiller Abschied im August – der Kleine Perlmuttfalter
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Ein stiller Abschied im August – der Kleine Perlmuttfalter

Es war einer jener heißen Augusttage, an denen die Landschaft beinahe stillzustehen schien. Zwischen trocken gewordenen Gräsern und den letzten blühenden Pflanzen lag ein Kleiner Perlmuttfalter, auch Kleiner Perlmutterfalter genannt (Issoria lathonia), regungslos am Boden. Unmittelbar bei ihm hielt sich ein zweiter Falter auf. Er entfernte sich nur kurz, kehrte wieder zurück und verharrte wiederholt neben seinem offenbar verstorbenen Artgenossen.

Für uns von Artenschutz in Franken® war dies ein bewegender Augenblick. Das Verhalten vermittelte beinahe den Eindruck, als könne sich der lebende Falter von seinem Artgenossen nicht lösen. Es wirkte wie ein stilles Innehalten – vielleicht sogar wie eine Form des Abschieds.

Können Schmetterlinge trauern?

Ob Schmetterlinge tatsächlich Trauer in einem mit menschlichen oder anderen hoch entwickelten sozialen Tieren vergleichbaren Sinn empfinden können, ist wissenschaftlich bislang nicht belegt. Deshalb wäre es fachlich nicht vertretbar, das beobachtete Verhalten eindeutig als Trauer zu bezeichnen.

Möglicherweise reagierte der Falter auf die Gestalt, die Färbung oder noch vorhandene chemische Signale seines Artgenossen. Auch ein Zusammenhang mit Paarungs-, Revier- oder Erkundungsverhalten ist denkbar. Ebenso könnte der Ort für beide Tiere aufgrund seiner Temperatur, der Bodenbeschaffenheit oder vorhandener Nahrungsquellen attraktiv gewesen sein.

Dennoch sollten wir solche Beobachtungen nicht vorschnell als bedeutungslos abtun. Auch Insekten nehmen ihre Umwelt differenziert wahr, erkennen bestimmte Reize und verändern daraufhin ihr Verhalten. Was wir als Trauer empfinden, bleibt wissenschaftlich offen. Der stille Augenblick berührt uns jedoch – und er erinnert daran, dass auch das kurze Leben eines Schmetterlings einen eigenen Wert besitzt.

Perlmuttglanz in der Augustsonne

Der Kleine Perlmuttfalter gehört zur Familie der Edelfalter. Mit einer Flügelspannweite von etwa 35 bis 45 Millimetern zählt er zu den mittelgroßen heimischen Tagfaltern. Seine orange- bis gelbbraunen Flügeloberseiten tragen zahlreiche rundliche schwarze Flecken. Besonders auffällig ist die Unterseite der Hinterflügel: Große, silbrig glänzende Flecken reflektieren das Licht und erinnern an schimmerndes Perlmutt. Sie gaben der gesamten Faltergruppe ihren deutschen Namen.

Im August lässt sich die Art besonders gut auf warmen, offenen und nur lückig bewachsenen Flächen beobachten. Der Kleine Perlmuttfalter sonnt sich gerne auf trockenem, unbewachsenem Boden, an Wegrändern oder zwischen niedriger Vegetation. Mitunter breitet er dort seine Flügel weit aus, sodass seine orangefarbene Oberseite weithin sichtbar wird. Klappt er die Flügel zusammen, treten dagegen die großen silbrigen Perlmuttflecken hervor.

Der Falter kann in mehreren Generationen von Frühjahr bis Herbst auftreten. Gerade im Spätsommer kann die Zahl der beobachteten Tiere deutlich zunehmen. Der Kleine Perlmuttfalter ist zudem sehr mobil und kann geeignete Lebensräume auch über größere Entfernungen hinweg erreichen.

Ein Falter der offenen und unvollkommenen Landschaft

Seine bevorzugten Lebensräume sind Brachen, Trockenrasen, magere Böschungen, Ackerränder, Stoppeläcker und andere schütter bewachsene Offenlandflächen. Was in den Augen vieler Menschen ungepflegt oder unvollständig erscheint, kann für diesen Schmetterling von besonderem Wert sein.

Die Raupen ernähren sich vor allem von Stiefmütterchen und verschiedenen Veilchenarten. Eine wichtige Rolle spielt das Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis), das auf lückigen Ackerflächen, an Feldrändern und auf Brachen wachsen kann. Die erwachsenen Falter besuchen unterschiedliche Blüten, darunter Flockenblumen, Disteln, Klee, Schafgarbe und andere nektarreiche Pflanzen.

Damit benötigt die Art eine Landschaft, in der nicht jede Fläche dicht bewachsen, intensiv genutzt oder bis an den letzten Rand bearbeitet wird. Kleine Störstellen, offene Bodenbereiche, ungespritzte Ackerränder und vorübergehend brachliegende Flächen sind keine wertlosen Restbereiche. Sie können über das Fortbestehen einer lokalen Population entscheiden.

Ein anpassungsfähiger Falter unter wachsendem Druck

Der Kleine Perlmuttfalter wird deutschlandweit derzeit nicht als gefährdet eingestuft. Das bedeutet jedoch nicht, dass seine Lebensräume dauerhaft gesichert sind. In intensiv bewirtschafteten Landschaften können lokale Vorkommen schnell verschwinden, wenn Raupennahrungspflanzen, Nektarquellen und geeignete Entwicklungsflächen gleichzeitig verloren gehen.

Herbizide beseitigen Acker-Stiefmütterchen und andere Wildpflanzen. Häufiges Mulchen vernichtet Blüten und Entwicklungsstadien. Das sofortige Umbrechen von Stoppelfeldern lässt kaum Rückzugsräume bestehen. Auch die Überdüngung der Landschaft führt dazu, dass konkurrenzstarke Pflanzen die für den Falter wichtigen offenen Bodenstellen überwachsen.

Der Klimawandel kann die Flugzeit zunächst verlängern und zusätzliche Generationen ermöglichen. Gleichzeitig bedrohen lang anhaltende Trockenheit und extreme Hitze jedoch die Nektarpflanzen und Raupennahrung. Vertrocknen Blüten und junge Pflanzen bereits im Sommer, finden weder die erwachsenen Falter noch ihre Nachkommen ausreichend Nahrung. Ein warmer Sommer ist deshalb nicht automatisch ein guter Schmetterlingssommer.

Was von einem stillen Augenblick bleibt

Ob der Kleine Perlmuttfalter neben seinem verstorbenen Artgenossen tatsächlich etwas empfand, das wir Trauer nennen würden, können wir nicht beantworten. Vielleicht reagierte er lediglich auf optische oder chemische Reize. Vielleicht war es Zufall. Vielleicht verstehen wir aber auch noch längst nicht jede Form tierischer Wahrnehmung.

Artenschutz in Franken® möchte diese Beobachtung deshalb weder vermenschlichen noch ihrer Wirkung berauben. Wir sehen darin einen stillen Hinweis darauf, genauer hinzuschauen. Denn jedes dieser Tiere ist Teil eines fein abgestimmten Lebensraumes, dessen Zusammenhänge wir noch immer nicht vollständig erfasst haben.

Der kleine Falter am Boden wird nicht mehr weiterfliegen. Der andere erhob sich schließlich wieder in die Augustsonne. Zurück blieb ein Bild, das uns daran erinnert, wie kurz und verletzlich das Leben vieler Insekten ist – und wie groß unsere Verantwortung bleibt, ihnen auch künftig Raum zum Leben zu geben.

In der Aufnahme von Bernhard Schmalisch
  • Immer wieder kehrte der Kleine Perlmuttfalter zu seinem regungslosen Artgenossen zurück. Möglicherweise reagierte er auf dessen Gestalt oder noch vorhandene chemische Signale; für uns von Artenschutz in Franken® blieb dennoch das berührende Bild einer besonderen Verbundenheit.

Stand 23.08.2026
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