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Glänzender Käfer in misslicher Lage ...
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Glänzender Käfer in misslicher Lage – kleine Starthilfe für einen Rosenkäfer

  • Manchmal beginnt praktischer Artenschutz nicht mit einem umfangreichen Projekt, sondern mit einem Käfer, der buchstäblich auf dem Rücken liegt.

Genau so fanden wir einen Goldglänzenden Rosenkäfer (Cetonia aurata): den schimmernden Panzer nach unten, alle sechs Beine in der Luft und offenbar ohne überzeugenden Plan, wie sich diese wenig vorteilhafte Lage beenden ließe. Seine Beinbewegungen erinnerten ein wenig an einen sehr eifrigen Dirigenten – nur fehlten sowohl Orchester als auch Publikum. Dafür waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Goldener Panzer, sechs Beine – aber keine Bodenhaftung

So eindrucksvoll der Goldglänzende Rosenkäfer von oben erscheint, so hilflos kann er in Rückenlage wirken. Auf einem glatten oder ungünstig beschaffenen Untergrund finden seine Beine manchmal keinen Halt. Der prächtige Käfer kann dann rudern, strampeln und sich redlich bemühen – ohne dabei seinem Ziel auch nur einen Millimeter näherzukommen.

Wir mussten daher nicht lange überlegen. Mit einer vorsichtigen kleinen Hilfestellung befreiten wir den Käfer aus seiner misslichen Situation und brachten ihn wieder in die für Käfer deutlich angemessenere Position: sechs Beine auf dem Boden und den glänzenden Rücken zur Sonne.

Ein kurzer Moment der Neuorientierung schien noch notwendig zu sein. Vielleicht musste sich unser kleiner Patient erst davon überzeugen, dass die Welt tatsächlich wieder richtig herumstand. Dann konnte er seinen Weg aus eigener Kraft fortsetzen. Große Rettungsaktion? Sicherlich nicht. Für diesen einen Käfer dürfte der kleine Handgriff dennoch einen erheblichen Unterschied gemacht haben.

Ein fliegendes Schmuckstück unserer Landschaft

Der Goldglänzende Rosenkäfer gehört zur Familie der Blatthornkäfer. Seine meist grünlich bis kupferfarben schimmernde Oberseite wirkt je nach Lichteinfall beinahe metallisch. Feine helle Zeichnungen auf den Flügeldecken machen jedes Tier zu einem kleinen Kunstwerk der Natur.

Besonders bemerkenswert ist seine Flugweise. Anders als viele andere Käfer hebt er seine festen Flügeldecken beim Fliegen nicht vollständig an. Die darunterliegenden Hautflügel werden seitlich entfaltet. Was am Boden in Rückenlage ein wenig unbeholfen aussehen kann, verwandelt sich in der Luft in erstaunliche Flugkunst.

Ausgewachsene Rosenkäfer besuchen unter anderem die Blüten von Rosen, Holunder, Weißdorn, Disteln und verschiedenen Doldenblütlern. Dort nehmen sie Pollen, Pflanzensäfte und weiche Blütenteile auf. Ihre Larven entwickeln sich unter anderem in verrottendem Pflanzenmaterial, Mulm und Kompost. Dadurch sind sie an natürlichen Abbauprozessen und an der Humusbildung beteiligt.

Auch häufigere Arten verdienen Aufmerksamkeit

Der Goldglänzende Rosenkäfer wird in der aktuellen Roten Liste Deutschlands als ungefährdet und gegenwärtig mit stabilem Bestand geführt. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass ein einzelnes Tier bedeutungslos wäre. Artenschutz darf sich nicht ausschließlich jenen Arten zuwenden, deren Bestände bereits unmittelbar vor dem Zusammenbruch stehen.

Eine lebendige Landschaft braucht auch die heute noch häufigeren Arten. Sie übernehmen Aufgaben innerhalb ökologischer Kreisläufe, besuchen Blüten und tragen als Larven zum Abbau organischen Materials bei. Verlieren wir erst dann unser Interesse, wenn eine Art selten geworden ist, beginnt unser Handeln regelmäßig zu spät.

Die kleinen Begegnungen bleiben in Erinnerung

Unser Fund war eine dieser unscheinbaren Begegnungen, die kaum länger als wenige Minuten dauern und dennoch zum Nachdenken anregen. Wir Menschen übersehen kleine Tiere häufig, weil unser Blick auf größere und vermeintlich spektakulärere Arten gerichtet ist. Dabei spielen sich direkt vor unseren Füßen unzählige kleine Dramen ab.

Nicht jedes Tier benötigt unsere Hilfe. Vielfach ist es am besten, Wildtiere nicht zu stören und ihnen ihren natürlichen Weg zu lassen. Wenn ein Insekt jedoch erkennbar in einer ausweglosen Situation feststeckt, kann bereits ein behutsam angebotener Zweig, ein Blatt oder eine andere geeignete Kletterhilfe genügen. Wichtig ist, ruhig und vorsichtig vorzugehen und das Tier nicht unnötig anzufassen oder weit von seinem Fundort fortzutragen.

Für uns von Artenschutz in Franken® zeigt diese kleine Begebenheit sehr schön, worum es beim Naturschutz im Alltag ebenfalls geht: aufmerksam hinsehen, Situationen richtig einschätzen und dort helfen, wo Hilfe tatsächlich notwendig ist.

Unser Goldglänzender Rosenkäfer benötigte weder ein aufwendiges Rettungskonzept noch einen mehrseitigen Maßnahmenplan. Es reichte ein kurzer Moment menschlicher Aufmerksamkeit. Danach stand er wieder auf seinen eigenen sechs Beinen – vermutlich ein wenig würdevoller als zuvor.

Und wir? Wir gingen mit dem Gedanken weiter, dass selbst eine scheinbar kleine Hilfestellung für das betroffene Lebewesen die ganze Welt wieder auf die richtige Seite drehen kann.

In der Aufnahme von V. Greb
  • In misslicher Rückenlage
    Sechs Beine in der Luft und keine Möglichkeit, sich aus eigener Kraft umzudrehen: So fanden wir den Goldglänzenden Rosenkäfer (Cetonia aurata). Sein energisches Strampeln war eindrucksvoll – brachte ihn seinem Ziel jedoch keinen Schritt näher.
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