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Mittlerer Weinschwärmer (Deilephila elpenor)
Bild zum Eintrag (1141033-160)
Der Mittlere Weinschwärmer

  • Wenn die Dämmerung Flügel bekommt – der Mittlere Weinschwärmer

An einem warmen Sommerabend lag der Garten schon im Halbdunkel. Das letzte Licht hing noch über den Wiesen, während die ersten Fledermäuse lautlos ihre Kreise zogen. Zwischen den Blüten von Geißblatt und Nachtkerze schien plötzlich etwas aufzuflammen – ein rascher, schwebender Flügelschlag, fast wie ein kleiner Vogel in der Abendluft. Für einen Augenblick stand das Tier scheinbar reglos vor einer Blüte, dann glitt es weiter in die Dämmerung. Erst beim genaueren Hinsehen wurde klar: Es war kein Vogel, sondern ein Nachtfalter. Ein Mittlerer Weinschwärmer.

Solche Begegnungen bleiben im Gedächtnis. Sie zeigen, dass die Dämmerung voller Leben ist – auch dann, wenn wir es im Alltag kaum wahrnehmen. Der Mittlere Weinschwärmer gehört zu jenen Arten, die vielen Menschen verborgen bleiben und gerade deshalb eine besondere Faszination ausüben. Er erscheint unerwartet, beinahe lautlos, und verschwindet oft so schnell, wie er gekommen ist.

Artbeschreibung

Der Mittlere Weinschwärmer (Deilephila elpenor) gehört zur Familie der Schwärmer (Sphingidae), einer Gruppe kräftiger und flugstarker Nachtfalter. Mit einer Flügelspannweite von etwa 45 bis 65 Millimetern zählt er zu den auffälligeren heimischen Nachtfaltern. Besonders charakteristisch ist seine Färbung: Vorderflügel und Körper zeigen markante Töne aus Olivgrün, Rosa bis Purpur. Diese Farbgebung macht ihn unverwechselbar und verleiht ihm eine beinahe exotische Erscheinung.

Im Flug erinnert der Mittlere Weinschwärmer an einen Kolibri. Er kann vor Blüten im Schwirrflug stehen und mit seinem langen Saugrüssel Nektar aufnehmen. Besonders in den Abendstunden und in der beginnenden Nacht besucht er duftende Blütenpflanzen.

Die Raupen sind ebenso bemerkenswert. Sie können eine Länge von bis zu acht Zentimetern erreichen und tragen am Hinterende das für Schwärmer typische Horn. Auffällig sind ihre großen Augenflecken am Vorderkörper. Bei Gefahr zieht die Raupe den Kopf ein und lässt die Augenflecken besonders deutlich hervortreten. Dieses Erscheinungsbild kann Fressfeinde abschrecken.

Die Raupen leben unter anderem an Weidenröschen, Labkraut, Nachtkerzen und weiteren krautigen Pflanzen. Ihre Entwicklung ist eng an strukturreiche Lebensräume gebunden: Wegränder, Brachen, feuchte Wiesen, Gebüschsäume, Waldlichtungen, naturnahe Gärten und offene Übergangsbereiche bieten Nahrung, Deckung und geeignete Entwicklungsräume.

Ein Bewohner strukturreicher Landschaften


Der Mittlere Weinschwärmer ist kein Bewohner steriler Flächen. Er braucht Übergänge: zwischen Offenland und Gehölz, zwischen Wiese und Saum, zwischen Feuchtigkeit und Wärme. Gerade diese kleinteilige Vielfalt macht viele Landschaften ökologisch wertvoll.

Wo Wegränder blühen, Säume stehen bleiben, Brennnesseln, Weidenröschen und Nachtkerzen wachsen dürfen, entstehen Lebensräume. Dort findet der Falter Nahrung für die Raupen und Blüten für die erwachsenen Tiere. Seine Anwesenheit ist deshalb oft ein Zeichen dafür, dass eine Landschaft noch ökologische Nischen, Übergänge und lebendige Strukturen besitzt.

Lebensraumveränderung und Klimawandel


Wie viele Insekten ist auch der Mittlere Weinschwärmer auf ein funktionierendes Geflecht unterschiedlicher Lebensräume angewiesen. Doch genau diese Vielfalt nimmt vielerorts ab. Blütenreiche Wegränder verschwinden, Brachen werden genutzt oder beseitigt, Säume werden häufiger gemäht, Feuchtstellen trocknen aus. Die Landschaft wird großflächiger, glatter und gleichförmiger.

Für den Mittleren Weinschwärmer bedeutet das vor allem eines: weniger Nahrung, weniger Rückzugsorte, weniger Entwicklungsräume. Besonders problematisch ist der Verlust jener unscheinbaren Strukturen, die im Landschaftsbild oft kaum auffallen, ökologisch jedoch eine zentrale Rolle spielen.

Hinzu kommt der Klimawandel. Wärmere Sommer können regional zwar vorübergehend günstige Bedingungen schaffen. Gleichzeitig nehmen jedoch Wetterextreme zu. Längere Trockenperioden belasten die Raupenfutterpflanzen. Hitze kann die Vegetation frühzeitig austrocknen. Starkregenereignisse können Raupen oder Puppen schädigen. Auch Verschiebungen im jahreszeitlichen Rhythmus können dazu führen, dass Entwicklungsphasen von Raupen, Blütenangebot und Witterung nicht mehr optimal zusammenpassen.

Die entscheidende Frage ist daher nicht allein, ob es wärmer wird. Entscheidend ist, ob die Landschaft ausreichend vielfältig bleibt, um Schwankungen auszugleichen.

Bedrohung des Mittleren Weinschwärmers

Der Mittlere Weinschwärmer gilt in vielen Regionen noch als vergleichsweise verbreitet. Dennoch bedeutet das keine Entwarnung. Auch häufigere Arten sind auf stabile Lebensräume angewiesen.

Zu den wichtigsten Gefährdungsfaktoren gehören:

  • Verlust von Säumen, Brachen, Wegrändern und blütenreichen Übergangsbereichen
  • intensive Mahd und häufige Pflegeeingriffe während empfindlicher Entwicklungsphasen
  • Entwässerung und Austrocknung feuchter Lebensräume
  • Rückgang von Raupenfutterpflanzen wie Weidenröschen, Labkraut und Nachtkerzen
  • nächtliche Lichtverschmutzung, die Orientierung, Aktivität und Fortpflanzungsverhalten beeinflussen kann
  • zunehmende Landschaftszerschneidung und der Verlust von Wanderkorridoren
  • klimabedingte Wetterextreme wie Trockenheit, Hitzeperioden und Starkregen

Gerade Nachtfalter bleiben in der öffentlichen Wahrnehmung oft unbeachtet. Doch sie erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Sie sind Bestäuber, Teil von Nahrungsketten und ein unverzichtbarer Bestandteil nächtlicher Ökosysteme.

Perspektiven für die Zukunft

Die Zukunft des Mittleren Weinschwärmers hängt eng mit der Zukunft unserer Landschaft zusammen. Entscheidend ist nicht die Schaffung einzelner isolierter Inseln, sondern die Erhaltung eines Netzes aus vielfältigen Lebensräumen.

Blühende Wegsäume, strukturreiche Wiesen, naturnahe Gräben, Brachen, Feuchtstellen, Heckenränder und extensiv gepflegte Flächen schaffen Voraussetzungen, unter denen sich auch dieser Falter halten kann. Schon kleine Maßnahmen können große Wirkung entfalten: spätere Mahdtermine, das Stehenlassen von Säumen, die Förderung heimischer Blütenpflanzen oder eine zurückhaltende Beleuchtung in der Nacht.

Naturschutz beginnt oft im Kleinen. Dort, wo Übergänge erhalten bleiben, wo Pflanzen wachsen dürfen und wo nicht jede Fläche vollständig geordnet wird, entstehen Räume für Leben.

Der Mittlere Weinschwärmer erinnert uns daran, dass biologische Vielfalt nicht nur am hellen Tag sichtbar wird. Auch die Dämmerung braucht ihre Bewohner. Und wo an warmen Sommerabenden wieder schwebende Flügel zwischen den Blüten stehen, ist mehr bewahrt als nur eine einzelne Art – dort bleibt ein Stück lebendige Landschaft erhalten.


In der Aufnahme von Albert Meier 
  • Einer der häufigsten Nachfalterarten in unseren Breiten ist der Mittlere Weinschwärmer. Der sehr schön ausgefärbte Schmetterling erreicht eine Flügelspannweite von fast 6 Zentimeter.Gegen Ende August erreicht die Hauptflugzeit bereits seinen Höhepunkt, im September / Oktober finden wir diesen Schwärmer kaum noch vor.Bevorzugte Lebensräume scheinen von schattig-feuchter Struktur sein zu müssen. In der Aufnahme erkenennen wir die Raupe des Schwärmers die sich farbgebend sehr facettenreich zeigen kann.
Fraßwerkzeug und ...
Bild zum Eintrag (22145-160)
... Dornfortsatz .... 22.08.09
Bild zum Eintrag (22146-160)
Mittlerer Weidenschwärmer
Bild zum Eintrag (24133-160)
Mittlerer Weidenschwärmer
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Mittlerer Weidenschwärmer
Bild zum Eintrag (24140-160)
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