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Polyommatus icarus - Hauhechel-Bläuling
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Gewöhnlicher / Hauhechel Bläuling
Gewöhnlicher / Hauhechel Bläuling
Der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) – ein vertrautes Blau, das nicht selbstverständlich bleiben darf
An einem warmen Vormittag genügt manchmal eine kleine Bewegung am Rand einer Wiese, um unsere Aufmerksamkeit zu wecken. Knapp über den Blüten fliegt ein winziger Falter, setzt sich für wenige Augenblicke auf einen Halm und öffnet seine Flügel. Plötzlich liegt ein intensives Blau zwischen Gräsern, Klee und verblühten Samenständen.
Es ist ein Hauhechel-Bläuling – eine Art, die vielerorts noch angetroffen werden kann und dennoch eine wichtige Botschaft trägt: Auch vermeintlich häufige Arten bleiben nur dort häufig, wo ihre Lebensräume erhalten werden.
Für Artenschutz in Franken® gehört der Hauhechel-Bläuling deshalb zu jenen Arten, denen wir besondere Aufmerksamkeit schenken. Nicht, weil er gegenwärtig zu den seltensten Schmetterlingen zählt, sondern weil seine Zukunft unmittelbar davon abhängt, wie wir mit Wiesen, Säumen, Böschungen und anderen offenen Lebensräumen umgehen.
Ein kleiner Falter mit auffälligen Unterschieden
Der Hauhechel-Bläuling gehört zur Familie der Bläulinge. Mit einer Flügelspannweite von ungefähr 25 bis 30 Millimetern bleibt er vergleichsweise klein.
Männchen und Weibchen können sehr unterschiedlich aussehen. Die Flügeloberseiten der Männchen leuchten meist kräftig blau bis blauviolett. Ein schmaler dunkler Rand und helle Fransen schließen die Flügel nach außen ab. Weibchen erscheinen dagegen häufig überwiegend braun. Je nach Individuum und regionaler Ausprägung können ihre Flügel jedoch unterschiedlich stark blau überstäubt sein. Am Rand der Hinterflügel befinden sich oftmals orangefarbene Flecken.
Die Flügelunterseiten sind bei beiden Geschlechtern deutlich zurückhaltender gefärbt. Auf graubraunem Grund zeigen sich mehrere schwarze, hell umrandete Punkte sowie orangefarbene Flecken entlang der Flügelränder. Gerade diese Anordnung der Punkte ist für eine sichere Bestimmung wichtig.
Da in Mitteleuropa mehrere ähnlich aussehende Bläulingsarten vorkommen, sollte eine Bestimmung nicht allein anhand der blauen Flügeloberseite erfolgen. Besonders hilfreich sind scharfe Aufnahmen der vollständig sichtbaren Flügelunterseiten.
Lebensräume zwischen Wiese, Wegrand und Böschung
Der Hauhechel-Bläuling ist vergleichsweise anpassungsfähig. Er besiedelt sonnige, offene und blütenreiche Bereiche, sofern dort geeignete Raupenfutterpflanzen vorkommen. Zu seinen Lebensräumen zählen unter anderem:
Entscheidend ist weniger die Bezeichnung einer Fläche als deren tatsächliche Struktur. Der Falter benötigt ein Mosaik aus niedrigwüchsigen Bereichen, blühenden Pflanzen, windgeschützten Ruheplätzen und zeitweise ungestörten Rückzugsräumen.
In intensiv gedüngtem, häufig gemähtem oder artenarmem Grünland fehlen diese Voraussetzungen meist. Auch eine scheinbar grüne Fläche kann für den Hauhechel-Bläuling nahezu wertlos sein, wenn dort weder geeignete Futterpflanzen noch ein ausreichendes Blütenangebot vorhanden sind.
Vom Ei zum Falter
Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an geeigneten Schmetterlingsblütlern ab. Eine wichtige Rolle spielen dabei insbesondere Gewöhnlicher Hornklee, verschiedene Kleearten, Luzerne und Hauhechelarten. Die jungen Raupen ernähren sich von Blättern, Knospen und Blüten ihrer Wirtspflanzen.
Der Name des Falters darf deshalb nicht zu der Annahme verleiten, dass seine Raupen ausschließlich auf Hauhecheln angewiesen wären. Tatsächlich nutzt die Art mehrere Pflanzen aus der Familie der Hülsenfrüchtler.
In Mitteleuropa überwintert der Hauhechel-Bläuling gewöhnlich als Raupe in der bodennahen Vegetation. Damit wird verständlich, weshalb vollständig kurz gemähte, gemulchte oder im Herbst intensiv bearbeitete Flächen zu einem erheblichen Problem werden können. Was oberirdisch nach „aufgeräumter Pflege“ aussieht, kann gleichzeitig den Überwinterungsraum einer ganzen Faltergeneration beseitigen.
Abhängig von Witterung und Region entwickelt die Art meist mehrere Generationen im Jahr. Die ersten Falter können im Frühjahr erscheinen, weitere Generationen folgen während des Sommers. In günstigen Jahren sind einzelne Tiere bis weit in den Herbst hinein zu beobachten.
Eine bemerkenswerte Verbindung zu Ameisen
Die Raupen des Hauhechel-Bläulings können zeitweise von Ameisen begleitet werden. Dabei geben sie über besondere Drüsen zuckerhaltige Ausscheidungen ab, die von den Ameisen aufgenommen werden. Im Gegenzug können die Ameisen die Raupen gegenüber Fressfeinden und bestimmten Parasiten verteidigen.
Diese Verbindung ist beim Hauhechel-Bläuling nicht so zwingend wie bei einigen hoch spezialisierten Ameisenbläulingen. Dennoch zeigt sie, wie eng selbst eine vergleichsweise häufige Schmetterlingsart mit anderen Bestandteilen ihres Lebensraums verbunden sein kann.
Wer einen Bläuling schützen möchte, darf deshalb nicht nur auf den erwachsenen Falter schauen. Benötigt werden geeignete Pflanzen, passende Vegetationshöhen, ein gesundes Bodenleben, Ameisen, ungestörte Entwicklungsplätze und ein kontinuierliches Blütenangebot.
Noch häufig – aber nicht unverwundbar
Der Hauhechel-Bläuling gilt in Deutschland gegenwärtig als ungefährdet und ist vielerorts noch verbreitet. Das ist erfreulich und sollte fachlich klar benannt werden. Gleichzeitig deuten aktuelle Monitoringdaten darauf hin, dass auch bei dieser Art die Zahl der beobachteten Individuen zurückgehen kann.
Gerade bei ehemals häufigen Arten werden Veränderungen oft erst spät wahrgenommen. Einzelne Tiere können noch an vielen Orten erscheinen, während größere, dauerhaft reproduzierende Bestände bereits seltener werden.
Zu den wichtigsten Belastungen zählen:
Problematisch ist vor allem die Gleichzeitigkeit vieler Eingriffe. Wird eine Wiese vollständig gemäht, der angrenzende Wegrand gemulcht und auch der Saum an der Hecke beseitigt, bleibt dem Falter kaum eine Ausweichmöglichkeit.
Klimawandel – längere Flugzeit, aber nicht automatisch bessere Bedingungen
Steigende Temperaturen können dazu führen, dass der Hauhechel-Bläuling früher im Jahr erscheint, seine Flugzeit verlängert oder unter günstigen Bedingungen eine weitere Generation hervorbringt. Auf den ersten Blick könnte die Art damit zu den Gewinnern wärmerer Sommer gehören.
Diese Betrachtung greift jedoch zu kurz. Langanhaltende Hitze und Trockenheit können Raupenfutterpflanzen frühzeitig vertrocknen lassen. Blüten bilden weniger Nektar oder verschwinden bereits, bevor eine neue Faltergeneration ausreichend Nahrung findet. Auch Eier und junge Raupen sind gegenüber extremen Bedingungen nicht unbegrenzt widerstandsfähig.
Hinzu kommt die Gefahr zeitlicher Verschiebungen: Entwickeln sich Falter und Pflanzen nicht mehr im gleichen Rhythmus, können geeignete Eiablagepflanzen oder Blüten zur entscheidenden Zeit fehlen.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® liegt die Antwort deshalb nicht allein in der Erhaltung einzelner warmer Standorte. Wir brauchen vielfältige Lebensräume mit trockenen und etwas feuchteren Bereichen, unterschiedlichen Vegetationshöhen, zeitlich versetzter Blüte und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten. Eine strukturreiche Landschaft kann klimatische Extreme wesentlich besser abfedern als eine vollständig vereinheitlichte Fläche.
Was dem Hauhechel-Bläuling wirklich hilft
Der Schutz dieser Art kann mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen beginnen:
Entscheidend ist eine Pflege, die nicht überall zur gleichen Zeit und mit gleicher Intensität erfolgt. Der Hauhechel-Bläuling benötigt sowohl niedrigwüchsige Stellen für Eiablage und Raupenentwicklung als auch höhere, ungestörte Bereiche für Ruhe, Überwinterung und Schutz.
Ein vertrauter Falter als Gradmesser unserer Landschaft
Der Hauhechel-Bläuling ist vielleicht kein Symbol größter Seltenheit. Gerade darin liegt jedoch seine Bedeutung. Er zeigt uns, ob die alltägliche Kulturlandschaft noch genügend Raum für ein vollständiges Insektenleben bereithält.
Wenn selbst eine anpassungsfähige Art nach und nach aus Wiesen, Wegrändern und Böschungen verschwindet, ist dies ein Warnsignal. Bleibt sie dagegen mit mehreren Generationen und stabilen Beständen erhalten, spricht vieles dafür, dass auch zahlreiche andere Insekten von diesen Strukturen profitieren.
Für Artenschutz in Franken® bedeutet moderner Artenschutz deshalb nicht, erst dann zu handeln, wenn eine Art unmittelbar vor dem Verschwinden steht. Unser Anspruch muss es sein, auch heute noch verbreitete Arten so zu schützen, dass sie nicht zu den Seltenheiten von morgen werden.
Der kleine blaue Falter über einer sommerlichen Wiese ist mehr als ein schöner Augenblick. Er ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass Blüten, Raupenfutterpflanzen, Rückzugsräume und ökologische Beziehungen noch vorhanden sind. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass dieses Blau auch in Zukunft über unsere Landschaften fliegt.
In der Aufnahme von Bernhard Schmalisch
An einem warmen Vormittag genügt manchmal eine kleine Bewegung am Rand einer Wiese, um unsere Aufmerksamkeit zu wecken. Knapp über den Blüten fliegt ein winziger Falter, setzt sich für wenige Augenblicke auf einen Halm und öffnet seine Flügel. Plötzlich liegt ein intensives Blau zwischen Gräsern, Klee und verblühten Samenständen.
Es ist ein Hauhechel-Bläuling – eine Art, die vielerorts noch angetroffen werden kann und dennoch eine wichtige Botschaft trägt: Auch vermeintlich häufige Arten bleiben nur dort häufig, wo ihre Lebensräume erhalten werden.
Für Artenschutz in Franken® gehört der Hauhechel-Bläuling deshalb zu jenen Arten, denen wir besondere Aufmerksamkeit schenken. Nicht, weil er gegenwärtig zu den seltensten Schmetterlingen zählt, sondern weil seine Zukunft unmittelbar davon abhängt, wie wir mit Wiesen, Säumen, Böschungen und anderen offenen Lebensräumen umgehen.
Ein kleiner Falter mit auffälligen Unterschieden
Der Hauhechel-Bläuling gehört zur Familie der Bläulinge. Mit einer Flügelspannweite von ungefähr 25 bis 30 Millimetern bleibt er vergleichsweise klein.
Männchen und Weibchen können sehr unterschiedlich aussehen. Die Flügeloberseiten der Männchen leuchten meist kräftig blau bis blauviolett. Ein schmaler dunkler Rand und helle Fransen schließen die Flügel nach außen ab. Weibchen erscheinen dagegen häufig überwiegend braun. Je nach Individuum und regionaler Ausprägung können ihre Flügel jedoch unterschiedlich stark blau überstäubt sein. Am Rand der Hinterflügel befinden sich oftmals orangefarbene Flecken.
Die Flügelunterseiten sind bei beiden Geschlechtern deutlich zurückhaltender gefärbt. Auf graubraunem Grund zeigen sich mehrere schwarze, hell umrandete Punkte sowie orangefarbene Flecken entlang der Flügelränder. Gerade diese Anordnung der Punkte ist für eine sichere Bestimmung wichtig.
Da in Mitteleuropa mehrere ähnlich aussehende Bläulingsarten vorkommen, sollte eine Bestimmung nicht allein anhand der blauen Flügeloberseite erfolgen. Besonders hilfreich sind scharfe Aufnahmen der vollständig sichtbaren Flügelunterseiten.
Lebensräume zwischen Wiese, Wegrand und Böschung
Der Hauhechel-Bläuling ist vergleichsweise anpassungsfähig. Er besiedelt sonnige, offene und blütenreiche Bereiche, sofern dort geeignete Raupenfutterpflanzen vorkommen. Zu seinen Lebensräumen zählen unter anderem:
- extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden,
- blütenreiche Weg- und Ackerränder,
- Bahndämme und Straßenböschungen,
- Magerrasen und trockene Hänge,
- Brachen und ehemalige Abbauflächen,
- lichte Bereiche an Waldrändern,
- naturnah gestaltete Grünflächen innerhalb von Siedlungen.
Entscheidend ist weniger die Bezeichnung einer Fläche als deren tatsächliche Struktur. Der Falter benötigt ein Mosaik aus niedrigwüchsigen Bereichen, blühenden Pflanzen, windgeschützten Ruheplätzen und zeitweise ungestörten Rückzugsräumen.
In intensiv gedüngtem, häufig gemähtem oder artenarmem Grünland fehlen diese Voraussetzungen meist. Auch eine scheinbar grüne Fläche kann für den Hauhechel-Bläuling nahezu wertlos sein, wenn dort weder geeignete Futterpflanzen noch ein ausreichendes Blütenangebot vorhanden sind.
Vom Ei zum Falter
Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an geeigneten Schmetterlingsblütlern ab. Eine wichtige Rolle spielen dabei insbesondere Gewöhnlicher Hornklee, verschiedene Kleearten, Luzerne und Hauhechelarten. Die jungen Raupen ernähren sich von Blättern, Knospen und Blüten ihrer Wirtspflanzen.
Der Name des Falters darf deshalb nicht zu der Annahme verleiten, dass seine Raupen ausschließlich auf Hauhecheln angewiesen wären. Tatsächlich nutzt die Art mehrere Pflanzen aus der Familie der Hülsenfrüchtler.
In Mitteleuropa überwintert der Hauhechel-Bläuling gewöhnlich als Raupe in der bodennahen Vegetation. Damit wird verständlich, weshalb vollständig kurz gemähte, gemulchte oder im Herbst intensiv bearbeitete Flächen zu einem erheblichen Problem werden können. Was oberirdisch nach „aufgeräumter Pflege“ aussieht, kann gleichzeitig den Überwinterungsraum einer ganzen Faltergeneration beseitigen.
Abhängig von Witterung und Region entwickelt die Art meist mehrere Generationen im Jahr. Die ersten Falter können im Frühjahr erscheinen, weitere Generationen folgen während des Sommers. In günstigen Jahren sind einzelne Tiere bis weit in den Herbst hinein zu beobachten.
Eine bemerkenswerte Verbindung zu Ameisen
Die Raupen des Hauhechel-Bläulings können zeitweise von Ameisen begleitet werden. Dabei geben sie über besondere Drüsen zuckerhaltige Ausscheidungen ab, die von den Ameisen aufgenommen werden. Im Gegenzug können die Ameisen die Raupen gegenüber Fressfeinden und bestimmten Parasiten verteidigen.
Diese Verbindung ist beim Hauhechel-Bläuling nicht so zwingend wie bei einigen hoch spezialisierten Ameisenbläulingen. Dennoch zeigt sie, wie eng selbst eine vergleichsweise häufige Schmetterlingsart mit anderen Bestandteilen ihres Lebensraums verbunden sein kann.
Wer einen Bläuling schützen möchte, darf deshalb nicht nur auf den erwachsenen Falter schauen. Benötigt werden geeignete Pflanzen, passende Vegetationshöhen, ein gesundes Bodenleben, Ameisen, ungestörte Entwicklungsplätze und ein kontinuierliches Blütenangebot.
Noch häufig – aber nicht unverwundbar
Der Hauhechel-Bläuling gilt in Deutschland gegenwärtig als ungefährdet und ist vielerorts noch verbreitet. Das ist erfreulich und sollte fachlich klar benannt werden. Gleichzeitig deuten aktuelle Monitoringdaten darauf hin, dass auch bei dieser Art die Zahl der beobachteten Individuen zurückgehen kann.
Gerade bei ehemals häufigen Arten werden Veränderungen oft erst spät wahrgenommen. Einzelne Tiere können noch an vielen Orten erscheinen, während größere, dauerhaft reproduzierende Bestände bereits seltener werden.
Zu den wichtigsten Belastungen zählen:
- häufige und großflächige Mahd,
- Mulchen während der Entwicklungs- und Flugzeit,
- vollständiges Abräumen der Vegetation,
- intensive Düngung,
- Einsatz von Herbiziden und Insektiziden,
- Verlust blütenreicher Säume,
- Umwandlung artenreicher Wiesen in monotone Nutzflächen,
- Verbuschung oder Aufforstung offener Lebensräume,
- Zerschneidung und räumliche Isolation geeigneter Flächen.
Problematisch ist vor allem die Gleichzeitigkeit vieler Eingriffe. Wird eine Wiese vollständig gemäht, der angrenzende Wegrand gemulcht und auch der Saum an der Hecke beseitigt, bleibt dem Falter kaum eine Ausweichmöglichkeit.
Klimawandel – längere Flugzeit, aber nicht automatisch bessere Bedingungen
Steigende Temperaturen können dazu führen, dass der Hauhechel-Bläuling früher im Jahr erscheint, seine Flugzeit verlängert oder unter günstigen Bedingungen eine weitere Generation hervorbringt. Auf den ersten Blick könnte die Art damit zu den Gewinnern wärmerer Sommer gehören.
Diese Betrachtung greift jedoch zu kurz. Langanhaltende Hitze und Trockenheit können Raupenfutterpflanzen frühzeitig vertrocknen lassen. Blüten bilden weniger Nektar oder verschwinden bereits, bevor eine neue Faltergeneration ausreichend Nahrung findet. Auch Eier und junge Raupen sind gegenüber extremen Bedingungen nicht unbegrenzt widerstandsfähig.
Hinzu kommt die Gefahr zeitlicher Verschiebungen: Entwickeln sich Falter und Pflanzen nicht mehr im gleichen Rhythmus, können geeignete Eiablagepflanzen oder Blüten zur entscheidenden Zeit fehlen.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® liegt die Antwort deshalb nicht allein in der Erhaltung einzelner warmer Standorte. Wir brauchen vielfältige Lebensräume mit trockenen und etwas feuchteren Bereichen, unterschiedlichen Vegetationshöhen, zeitlich versetzter Blüte und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten. Eine strukturreiche Landschaft kann klimatische Extreme wesentlich besser abfedern als eine vollständig vereinheitlichte Fläche.
Was dem Hauhechel-Bläuling wirklich hilft
Der Schutz dieser Art kann mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen beginnen:
- Wiesen abschnittsweise und zeitlich versetzt mähen,
- bei jedem Pflegedurchgang ungemähte Rückzugsbereiche stehen lassen,
- Säume nicht gleichzeitig mit angrenzenden Flächen bearbeiten,
- auf Mulchen möglichst verzichten,
- Düngung und chemische Pflanzenschutzmittel vermeiden,
- Hornklee, Kleearten und andere heimische Schmetterlingsblütler erhalten,
- ein durchgängiges Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Herbst ermöglichen,
- kurzrasige Bereiche mit höherer Vegetation kombinieren,
- magere Böschungen, Wegränder und kleine Brachen als Lebensräume anerkennen,
- mehrere geeignete Flächen miteinander vernetzen.
Entscheidend ist eine Pflege, die nicht überall zur gleichen Zeit und mit gleicher Intensität erfolgt. Der Hauhechel-Bläuling benötigt sowohl niedrigwüchsige Stellen für Eiablage und Raupenentwicklung als auch höhere, ungestörte Bereiche für Ruhe, Überwinterung und Schutz.
Ein vertrauter Falter als Gradmesser unserer Landschaft
Der Hauhechel-Bläuling ist vielleicht kein Symbol größter Seltenheit. Gerade darin liegt jedoch seine Bedeutung. Er zeigt uns, ob die alltägliche Kulturlandschaft noch genügend Raum für ein vollständiges Insektenleben bereithält.
Wenn selbst eine anpassungsfähige Art nach und nach aus Wiesen, Wegrändern und Böschungen verschwindet, ist dies ein Warnsignal. Bleibt sie dagegen mit mehreren Generationen und stabilen Beständen erhalten, spricht vieles dafür, dass auch zahlreiche andere Insekten von diesen Strukturen profitieren.
Für Artenschutz in Franken® bedeutet moderner Artenschutz deshalb nicht, erst dann zu handeln, wenn eine Art unmittelbar vor dem Verschwinden steht. Unser Anspruch muss es sein, auch heute noch verbreitete Arten so zu schützen, dass sie nicht zu den Seltenheiten von morgen werden.
Der kleine blaue Falter über einer sommerlichen Wiese ist mehr als ein schöner Augenblick. Er ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass Blüten, Raupenfutterpflanzen, Rückzugsräume und ökologische Beziehungen noch vorhanden sind. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass dieses Blau auch in Zukunft über unsere Landschaften fliegt.
In der Aufnahme von Bernhard Schmalisch
- Eine unserer häufigsten Bläulinge ist der Gewöhnliche, oder auch Hauhechel Bläuling. Sein Lebensraum ist vielfältig und zeigt sowohl trockene als auch feuchte Bestandteile auf.Die Flügelspannweite liegt um 3 Zentimeter. Fliegend erkennen wir den Falter von April bis Oktober.
... Gewöhnlicher oder auch Hauhechel Bläuling ...
Aufnahme von Albert Meier
... die häufigste Art unserer Bläulinge ... 03.09.09
Aufnahme von Albert Meier
Hauhechel Bläuling
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Hauhechel Bläuling
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