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Skabiosenschwärmer (Hemaris tityus)
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Der Skabiosenschwärmer (Hemaris tityus) 

  • Ein flüchtiger Sommergast – der Skabiosenschwärmer

Es war ein stiller Juninachmittag. Die Sonne stand hoch über der Wiese, und zwischen Gräsern, Margeriten und Witwenblumen lag dieses leise, unaufhörliche Summen, das nur an warmen Sommertagen die Luft erfüllt. Über den Blüten schwebten Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen. Dann schoss ein kleiner, schneller Schatten heran. Für einen Augenblick stand das Tier reglos vor einer Blüte, die Flügel so schnell, dass sie kaum noch zu erkennen waren. Im nächsten Moment war es schon weitergezogen.

Wer ihm zum ersten Mal begegnet, glaubt oft an eine Hummel. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein anderer, überraschender Besucher der Sommerwiesen: der Skabiosenschwärmer (Hemaris tityus). Er ist einer jener Falter, die man leicht übersieht, obwohl sie mit ihrem schwirrenden Flug und ihren transparenten Flügeln zu den eindrucksvollsten Insekten unserer heimischen Landschaft gehören.

Artbeschreibung

Der Skabiosenschwärmer (Hemaris tityus) gehört zur Familie der Schwärmer (Sphingidae). Mit einer Flügelspannweite von etwa 35 bis 45 Millimetern zählt er zu den kleineren Vertretern dieser Familie. Seine Gestalt ist gedrungen, kräftig und hervorragend an schnellen, ausdauernden Flug angepasst.

Typisch für die Art sind die weitgehend transparenten Flügel. Frisch geschlüpfte Tiere besitzen zunächst noch feine Schuppen auf den Flügelflächen. Bereits nach kurzer Flugzeit lösen sich diese weitgehend ab und geben die charakteristischen glasartigen Flügel frei. Der dicht behaarte Körper ist meist olivgrün bis bräunlich gefärbt, häufig mit rötlichen oder gelblichen Partien. Zusammen mit dem schnellen, summenden Flug entsteht so eine auffallende Ähnlichkeit zu Hummeln.

Anders als viele Nachtfalter ist der Skabiosenschwärmer tagaktiv. Er fliegt vor allem an warmen, sonnigen Tagen. Mit seinem langen Saugrüssel besucht er Blüten im Schwirrflug und nimmt dabei Nektar auf. Besonders häufig wird er an Witwenblumen, Skabiosen, Klee und anderen nektarreichen Wiesenpflanzen beobachtet.

Die Raupen entwickeln sich an verschiedenen krautigen Pflanzen, vor allem an Witwenblumen und Skabiosen sowie weiteren nah verwandten Arten. Die Verpuppung erfolgt am Boden, meist in lockerer Streu oder geschützter niedriger Vegetation.

Ein Bewohner blütenreicher Wiesenlandschaften

Der Skabiosenschwärmer ist eng an blütenreiche, warme und strukturreiche Offenlandlebensräume gebunden. Besonders geeignet sind extensiv genutzte Wiesen, Magerwiesen, Säume, lichte Böschungen, Trockenhänge und Übergangsbereiche zwischen Offenland und Gehölz.

Solche Lebensräume zeichnen sich nicht nur durch ein reiches Blütenangebot aus. Ebenso wichtig ist ihre kleinräumige Vielfalt. Unterschiedliche Wuchshöhen, offene Bodenstellen, gestufte Vegetation und das Nebeneinander verschiedener Pflanzenarten schaffen genau jene Bedingungen, auf die die Art angewiesen ist.

Der Skabiosenschwärmer ist deshalb mehr als nur ein schöner Falter. Sein Vorkommen weist häufig auf ökologisch wertvolle, artenreiche Wiesenlandschaften hin.

Lebensraumveränderung und Klimawandel

Gerade diese Lebensräume sind in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts seltener geworden. Artenreiche Wiesen wurden intensiviert, umgebrochen oder durch häufige Mahd stark verändert. Säume verschwanden, Brachen gingen verloren, Übergangsbereiche wurden eingeebnet oder verbuschten. Wo einst ein kleinteiliges Mosaik unterschiedlicher Strukturen vorhanden war, dominieren heute oft gleichförmigere Flächen.

Für den Skabiosenschwärmer hat das unmittelbare Folgen. Er benötigt das enge Zusammenspiel von Nektarpflanzen, Raupenfutterpflanzen, Rückzugsbereichen und geeigneten Bodenstrukturen. Werden diese Bausteine voneinander getrennt oder gehen verloren, werden Lebensräume instabil.

Hinzu kommt der Klimawandel. Längere Trockenphasen können das Blütenangebot verkürzen und die Entwicklung krautiger Futterpflanzen beeinträchtigen. Hitzeperioden verändern die Vegetationsstruktur. Starkregen kann empfindliche Entwicklungsstadien schädigen. Auch Verschiebungen im jahreszeitlichen Ablauf können problematisch sein, wenn Flugzeit, Blüte und Raupenentwicklung nicht mehr optimal zusammenfallen.

Wärmere Sommer allein schaffen deshalb nicht automatisch bessere Bedingungen. Entscheidend bleibt, ob Landschaften ausreichend vielfältig und widerstandsfähig bleiben.

Bedrohung des Skabiosenschwärmers

Der Skabiosenschwärmer gilt vielerorts als empfindlicher Indikator artenreicher Offenlandlebensräume. Sein Bestand hängt stark von der Qualität, Größe und Vernetzung geeigneter Lebensräume ab.

Zu den wichtigsten Gefährdungsfaktoren gehören:

  • Verlust artenreicher Wiesen, Säume und Magerstandorte
  • intensive oder zu häufige Mahd während sensibler Entwicklungsphasen
  • Rückgang von Witwenblumen, Skabiosen und anderen Raupen- und Nektarpflanzen
  • Verbuschung oder strukturelle Vereinheitlichung offener Flächen
  • Zerschneidung und Isolierung geeigneter Lebensräume
  • Trockenheit, Hitzeperioden und Wetterextreme infolge des Klimawandels
  • Rückgang kleinräumiger Übergangsstrukturen in der Kulturlandschaft

Besonders problematisch ist, dass sich diese Veränderungen oft schleichend vollziehen. Lebensräume verschwinden nicht immer plötzlich. Häufig werden sie zunächst kleiner, artenärmer und weniger belastbar. Erst später wird sichtbar, dass auch charakteristische Arten zurückgehen.

Perspektiven für die Zukunft

Die Zukunft des Skabiosenschwärmers hängt eng mit dem Erhalt blütenreicher Wiesenlandschaften zusammen. Naturschutz bedeutet hier vor allem, Vielfalt im Kleinen zu bewahren.

Extensiv genutzte Wiesen, gestufte Säume, blütenreiche Böschungen, strukturreiche Magerstandorte und naturnahe Übergänge zwischen Offenland und Gehölz schaffen wichtige Voraussetzungen. Bereits vergleichsweise einfache Maßnahmen können helfen: spätere Mahdtermine, abschnittsweise Pflege, das Stehenlassen blühender Säume, die Förderung heimischer Wildpflanzen und das Zulassen kleinräumiger Strukturvielfalt.

Wichtig ist dabei auch die Vernetzung. Einzelne Flächen reichen langfristig oft nicht aus. Erst wenn Lebensräume miteinander verbunden bleiben, können Populationen stabil bleiben und sich an veränderte Bedingungen anpassen.

Der Skabiosenschwärmer zeigt, wie eng biologische Vielfalt an das Gesicht einer Landschaft gebunden ist. Dort, wo Wiesen blühen, Übergänge bestehen bleiben und Raum für natürliche Entwicklung bleibt, entstehen Lebensräume – nicht nur für einen Falter, sondern für viele Arten.

Und wenn an einem warmen Sommertag wieder ein flirrendes Summen über den Witwenblumen steht, dann ist das ein kleines, aber deutliches Zeichen dafür, dass die Landschaft noch lebt.



Aufnahme von Helga Zinnecker 
  • Ein tagaktiver Schwärmer blütenreicher Offenlandlebensräume.
Skabiosenschwärmer
Bild zum Eintrag (1141058-160)
Aufnahme von Helga Zinnecker 
  • Die transparenten Flügel sind typisch für Hemaris tityus.
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