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Heller Rostfarben-Blattspanner
Bild zum Eintrag (1146055-160)
Helle Rostfarben-Blattspanner (Xanthorhoe spadicearia) – Ein Meister der stillen Tarnung

An einem warmen Sommerabend senkte sich langsam die Dämmerung über eine blütenreiche Wiese. Während die letzten Hummeln zu ihren Nestern zurückkehrten und eine Fledermaus lautlos über den Himmel strich, erwachte eine andere Welt. Unscheinbar löste sich ein kleiner Falter von einem Grashalm und flatterte mit ruhigen Flügelschlägen zwischen den Pflanzen hindurch. Kaum setzte er sich wieder nieder, verschwand er förmlich vor den Augen des Betrachters. Seine rostbraune Zeichnung verschmolz mit welken Blättern und trockenen Halmen. Nur wer ganz genau hinsieht, entdeckt den Hellen Rostfarben-Blattspanner – einen Nachtfalter, dessen größte Stärke darin besteht, unauffällig zu bleiben.

Artbeschreibung


Der Helle Rostfarben-Blattspanner (Xanthorhoe spadicearia) gehört zur Familie der Spanner (Geometridae), einer der artenreichsten Schmetterlingsfamilien Europas. Mit einer Flügelspannweite von etwa 20 bis 28 Millimetern zählt er zu den kleineren Nachtfaltern.

Seine Vorderflügel zeigen eine harmonische Kombination aus cremefarbenen, grauen und rostbraunen Bereichen. Besonders auffällig ist das breite, dunkelbraune bis rotbraune Mittelband, das von helleren Querlinien eingerahmt wird. Diese Zeichnung dient nicht der Schönheit allein, sondern vor allem der Tarnung. Auf Baumrinde, abgestorbenem Laub oder zwischen vertrockneten Pflanzen wird der Falter nahezu unsichtbar.

Wie viele Spanner besitzt auch diese Art einen schlanken Körperbau und breite Flügel, die im Ruhezustand flach ausgebreitet werden. Die Raupen sind ebenfalls hervorragend getarnt. Mit ihrer gestreckten Haltung erinnern sie an kleine Zweige – ein wirksamer Schutz vor hungrigen Vögeln.

Die Flugzeit reicht meist von Mai bis August, regional können sogar zwei Generationen auftreten. Die nachtaktiven Falter werden häufig vom Licht angezogen und besuchen in den Abendstunden auch Blüten, um Nektar aufzunehmen.

Die Raupen ernähren sich von verschiedenen krautigen Pflanzen. Gerade diese Anpassungsfähigkeit macht die Art zwar vergleichsweise flexibel, dennoch ist sie auf strukturreiche Lebensräume angewiesen.

Lebensraum

Der Helle Rostfarben-Blattspanner besiedelt eine Vielzahl halboffener Landschaften. Besonders häufig findet man ihn an:


  • artenreichen Wiesen
  • Waldrändern
  • Heckenlandschaften
  • Böschungen
  • extensiv genutzten Grünflächen
  • Lichtungen
  • Wegrändern
  • naturnahen Gärten

Wichtig ist ein abwechslungsreicher Lebensraum, in dem Blütenpflanzen, Raupenfutterpflanzen und Rückzugsorte dicht beieinanderliegen.

Ein Falter zwischen Anpassung und Veränderung

Über viele Jahrtausende konnte sich der Helle Rostfarben-Blattspanner an natürliche Veränderungen seiner Umwelt anpassen. Jahreszeiten wechselten, Wälder breiteten sich aus oder gingen zurück, Wiesen entstanden und verschwanden wieder. Heute verlaufen Veränderungen jedoch deutlich schneller.

Der Klimawandel verändert Blühzeiten, Vegetationsperioden und Niederschlagsmuster. Lange Trockenphasen lassen viele Wiesen früher austrocknen. Pflanzen entwickeln sich schneller oder verschwinden regional ganz. Für einen Falter, dessen Raupen auf bestimmte Entwicklungsstadien ihrer Nahrungspflanzen angewiesen sind, kann bereits eine zeitliche Verschiebung erhebliche Folgen haben.

Steigende Durchschnittstemperaturen können zudem dazu führen, dass sich Flugzeiten verändern oder zusätzliche Generationen entstehen. Das klingt zunächst positiv, erhöht jedoch gleichzeitig den Energiebedarf und macht Populationen anfälliger für Spätfröste oder sommerliche Hitzeperioden.

Auch Starkregenereignisse nehmen vielerorts zu. Sie können Eier und junge Raupen von ihren Nahrungspflanzen spülen oder kleine Populationen erheblich schwächen.

Bedrohungen

Obwohl der Helle Rostfarben-Blattspanner derzeit nicht zu den bekanntesten gefährdeten Nachtfaltern zählt, nehmen viele Belastungen seiner Lebensräume stetig zu.

Zu den wichtigsten Gefährdungsursachen gehören:

  • Verlust artenreicher Wiesen durch intensive Landwirtschaft
  • häufige Mahd während der Entwicklungszeit der Raupen
  • Einsatz von Insektiziden und Herbiziden
  • Zerschneidung von Lebensräumen
  • Versiegelung und Bebauung naturnaher Flächen
  • Verarmung blütenreicher Säume
  • Lichtverschmutzung in der Nacht
  • Auswirkungen des Klimawandels mit längeren Trockenperioden und Wetterextremen

Vor allem die zunehmende Vereinheitlichung unserer Landschaft nimmt vielen Nachtfaltern ihre Lebensgrundlage. Wo früher blühende Wiesen, Hecken und Brachen ein enges Netz bildeten, dominieren heute oftmals intensiv genutzte Flächen ohne ausreichende Rückzugsmöglichkeiten.

Warum Nachtfalter so wichtig sind


Nachtfalter werden häufig unterschätzt. Dabei übernehmen sie zahlreiche ökologische Aufgaben. Viele Arten bestäuben Blüten während der Nacht und ergänzen damit die Arbeit von Wildbienen, Schmetterlingen und Schwebfliegen am Tage.

Ihre Raupen stellen zudem eine bedeutende Nahrungsquelle für zahlreiche Vogelarten, Fledermäuse, Spinnen und räuberische Insekten dar. Damit bilden sie einen wichtigen Bestandteil funktionierender Nahrungsketten.

Jede erhaltene Wiese, jeder naturnahe Wegrand und jede blütenreiche Böschung trägt dazu bei, dass Arten wie der Helle Rostfarben-Blattspanner auch künftig ihren Platz in unserer Kulturlandschaft behalten.

Schutzmaßnahmen


Der Schutz des Hellen Rostfarben-Blattspanners beginnt mit dem Erhalt strukturreicher Landschaften.

Dazu gehören:

  • extensive Bewirtschaftung von Wiesen
  • gestaffelte Mahd mit Rückzugsflächen
  • Erhalt heimischer Wildkräuter
  • Anlage blütenreicher Säume
  • Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel
  • Reduzierung unnötiger Außenbeleuchtung
  • Vernetzung kleiner Lebensräume durch Hecken und Blühstreifen
  • Förderung naturnaher Gärten

Schon kleine Maßnahmen können dazu beitragen, dass dieser unauffällige Nachtfalter auch in Zukunft durch warme Sommernächte flattert.

In der Aufnahme von Albert Meier 
  • Seine rostbraune Flügelzeichnung sorgt für eine perfekte Tarnung zwischen welken Blättern und auf Sandböden.
Heller Rostfarben-Blattspanner
Bild zum Eintrag (1146056-160)
In der Aufnahme von Albert Meier 
  • Der Helle Rostfarben-Blattspanner ist hervorragend an das Leben in strukturreichen Wiesen angepasst.