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Wald ist nicht gleich Wald – warum naturnahe Laubwälder Feuer bremsen können
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Wald ist nicht gleich Wald – warum naturnahe Laubwälder Feuer bremsen können

Wenn von Waldbränden gesprochen wird, entsteht häufig der Eindruck, jeder Wald müsse bei großer Hitze früher oder später zwangsläufig in Flammen aufgehen. Doch diese Vorstellung greift zu kurz. Wälder unterscheiden sich erheblich darin, wie leicht sie sich entzünden, wie schnell sich ein Feuer in ihnen ausbreitet und ob aus einem Bodenbrand ein schwer kontrollierbarer Kronenbrand entstehen kann.

Aus der Sicht von Artenschutz in Franken® ist deshalb eine klare Unterscheidung notwendig: Ein naturnaher, ausreichend mit Wasser versorgter Laubwald ist unter den in Mitteleuropa lange Zeit typischen Bedingungen vergleichsweise schwer entflammbar. Er ist allerdings nicht unbrennbar. Nach langen Dürreperioden können auch Laubwälder Feuer fangen – besonders dann, wenn Laubstreu, Gräser, Reisig und abgestorbene Pflanzen vollständig ausgetrocknet sind.

Warum feuchte Laubwälder Feuer eher bremsen

Während der Vegetationszeit enthalten die Blätter sommergrüner Laubbäume viel Wasser. Ein geschlossenes Kronendach beschattet außerdem den Waldboden, verringert die direkte Sonneneinstrahlung und kann dazu beitragen, Temperaturspitzen sowie die Austrocknung der bodennahen Vegetation zu begrenzen.

Unter einer intakten Laubwalddecke entsteht vielfach ein ausgeglicheneres Waldinnenklima. Die Luft ist häufig feuchter, der Wind wird gebremst und organisches Material bleibt länger mit Bodenfeuchtigkeit in Kontakt. Das bedeutet nicht, dass dort nichts brennen kann. Es bedeutet aber, dass einem Feuer unter normalen Bedingungen weniger leicht ein zusammenhängender, rasch entzündlicher Brennstoffteppich zur Verfügung steht.

Auch die Beschaffenheit der Streu spielt eine Rolle. Ob sich Feuer entzündet und ausbreitet, hängt nicht allein von der vorhandenen Brennstoffmenge ab. Entscheidend sind ebenso Feuchtigkeit, Größe, chemische Eigenschaften, Lagerungsdichte und Belüftung des Materials. Locker liegende Nadeln und feine Zweige können gut mit Sauerstoff versorgt werden, während flächig aufliegendes Laub Feuer unter feuchteren Bedingungen häufig weniger schnell weiterträgt. Untersuchungen zeigen, dass die Eigenschaften der Blätter und Nadeln sowie der daraus entstehenden Streuschicht das Brandverhalten wesentlich beeinflussen können. Journal of Ecology – Flammability of forest litter beds

Weshalb nadelholzreiche Bestände kritischer sein können

Besonders anfällig können trockene, nadelholzreiche Forstbestände sein. Kiefern, Fichten und andere Koniferen bilden große Mengen feiner Brennstoffe: Nadeln, kleine Zweige, Rindenschuppen und abgestorbene Äste. Gerade dieses dünne Material verliert rasch Feuchtigkeit und kann leicht entzündet werden.

Hinzu kommen bei manchen Beständen tief ansetzende oder abgestorbene Äste. Sie können eine Verbindung zwischen Waldboden, Unterwuchs und Baumkrone herstellen. Fachlich wird dabei von einer vertikalen Brennstoffkontinuität gesprochen. Ein zunächst niedriges Bodenfeuer erhält dadurch die Möglichkeit, stufenweise in höhere Vegetationsschichten aufzusteigen. Erreicht das Feuer die Kronen, können Wind, Hitze und Funkenflug seine Ausbreitung erheblich beschleunigen.

Harze, Wachse und ätherische Bestandteile können die Brennbarkeit bestimmter Nadelbaumarten zusätzlich beeinflussen. 


Entscheidend ist jedoch immer das Zusammenwirken mehrerer Faktoren:

  • anhaltende Trockenheit,
  • geringe Feuchtigkeit der Nadeln und Bodenstreu,
  • große Mengen feiner abgestorbener Pflanzenteile,
  • trockener Gras- oder Strauchbewuchs,
  • niedrige Äste als Verbindung zur Krone,
  • starke Sonneneinstrahlung und Wind,
  • geschädigte oder bereits abgestorbene Bäume,
  • ein möglichst ununterbrochen vorhandener Brennstoffteppich.

Treffen diese Bedingungen zusammen,
kann ein nadelholzreicher Bestand tatsächlich wie ein Brandbeschleuniger wirken. Das liegt aber nicht allein daran, dass dort Koniferen wachsen. Ausschlaggebend sind Baumarten, Bestandsstruktur, Vitalität, Feuchtigkeit, Witterung und die räumliche Verbindung der brennbaren Materialien.

Studien zeigen, dass nadelbaumdominierte Bestände bei Bränden stärker geschädigt werden können als laubholzreiche Wälder. Mit einem steigenden Anteil an Laubbäumen kann die Widerstandsfähigkeit eines Bestandes gegenüber Feuer zunehmen. 

Mischwald ist nicht automatisch brandgefährlich

Der Begriff „Mischwald“ darf deshalb nicht pauschal mit einer erhöhten Brandgefahr verbunden werden. Im Gegenteil: Ein standortgerechter, strukturreicher Mischwald mit einem bedeutenden Anteil heimischer Laubbäume kann die Ausbreitung eines Feuers erschweren und die Widerstandskraft des gesamten Waldökosystems erhöhen.

Problematisch sind eher Bestände, die trotz einzelner Laubbäume weiterhin weitgehend von Kiefer, Fichte oder anderen Nadelbäumen geprägt werden. Einige eingestreute Laubbäume verwandeln einen gleichförmigen Nadelholzforst noch nicht in einen ökologisch stabilen Mischwald.

Auch zwischen den einzelnen Nadel- und Laubbaumarten bestehen erhebliche Unterschiede. Ebenso wichtig sind Alter, Dichte und Aufbau des Bestandes. Eine pauschale Einteilung in „Laubbaum gleich sicher“ und „Nadelbaum gleich gefährlich“ wäre daher wissenschaftlich nicht haltbar.

Belastbar ist dagegen folgende Aussage: Laubholzreiche, ausreichend feuchte und strukturell vielfältige Wälder besitzen in Mitteleuropa vielfach günstigere Voraussetzungen, um die Entstehung intensiver Feuer und deren Übergang in die Baumkronen zu begrenzen. Untersuchungen aus Europa dokumentieren, dass die Brandintensität beim Übergang aus Kiefernbeständen in benachbarte Laubwälder deutlich zurückgehen kann. Forest Ecology and Management – Wildfire severity in different forest types

Auch Laubwälder können brennen

Trotzdem dürfen wir uns nicht in falscher Sicherheit wiegen. Wenn Böden über Wochen austrocknen, Bäche und Quellbereiche kaum noch Wasser führen und selbst tiefere Humusschichten ihre Feuchtigkeit verlieren, verändert sich auch ein Laubwald. Welke Blätter, dürre Kräuter, trockene Äste und abgestorbenes Feinmaterial können dann einen entzündlichen Brennstoffvorrat bilden.

Besonders kritisch kann die Zeit vor dem vollständigen Laubaustrieb sein. Das alte Falllaub ist trocken, die beschattende Wirkung des Kronendachs fehlt noch und Sonne sowie Wind erreichen den Waldboden leichter. Auch geschädigte, aufgelichtete Laubwälder können schneller austrocknen als geschlossene, vitale Bestände.

Ein Waldbrand entsteht jedoch nicht allein durch Wärme. Trockenheit schafft die Voraussetzungen – zum Feuer gehört zusätzlich eine Zündquelle. Neben seltenen natürlichen Auslösern wie Blitzschlag spielen menschliche Einwirkungen eine bedeutende Rolle. Die deutsche Waldbrandstatistik unterscheidet unter anderem Fahrlässigkeit, vorsätzliche Brandstiftung und ungeklärte Ursachen. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung – Waldbrandstatistik

Totholz nicht vorschnell zum Hauptverursacher erklären

Auch beim Totholz ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Starkes, dickes Totholz ist ökologisch außerordentlich wertvoll. Es bietet Lebensraum für Pilze, Käfer, Vögel, Fledermäuse und zahlreiche weitere Organismen. Große Holzstücke entzünden sich meist nicht so schnell wie trockene Nadeln, Gräser, dünne Zweige oder feines Reisig.

Für die schnelle Entstehung und Ausbreitung eines Feuers sind vor allem trockene Feinbrennstoffe bedeutsam. Deshalb wäre es fachlich falsch, das pauschale Entfernen von Totholz als zentrale Lösung gegen Waldbrände darzustellen. Nach großflächigen Störungen kann eine Räumung sogar weiterhin erhebliche Mengen feiner, gut entzündlicher Materialien zurücklassen. Der europäische Forschungsbericht zu Totholz und Waldbrandrisiken hebt genau diese notwendige Unterscheidung zwischen starkem Totholz und Feinmaterial hervor. 

Wasser entscheidet über die Widerstandskraft des Waldes

Für Artenschutz in Franken® beginnt Waldbrandvorsorge deshalb nicht erst bei Löschwegen, Technik oder dem Entfernen von Pflanzenmaterial. Sie beginnt beim Wasserhaushalt der Landschaft.

Wasser muss länger in Waldböden, Quellbereichen, Feuchtmulden und angrenzenden Lebensräumen gehalten werden. Entwässerungsstrukturen, verdichtete Rückegassen, großflächige Auflichtungen und stark besonnte Waldränder können die Austrocknung örtlich fördern. Gleichzeitig müssen Wälder so entwickelt werden, dass sie ein eigenes, möglichst stabiles Innenklima bewahren können.

Dazu gehören standortgerechte Baumarten, unterschiedliche Altersstufen, ein bedeutender Anteil heimischer Laubbäume, geschlossene und gestufte Waldränder sowie die Vermeidung großflächiger, gleichförmiger Nadelholzbestände. Ein Wald, der Wasser halten kann, schützt nicht nur sich selbst besser vor Feuer. Er bewahrt auch Bodenleben, Quellen, Kleingewässer und die unzähligen Arten, die auf ein kühles und feuchtes Waldklima angewiesen sind.

Unser Blick auf den Wald

Wir von Artenschutz in Franken® erleben Wälder nicht als bloße Ansammlungen verwertbarer Bäume. Sie sind lebendige Systeme, deren Stabilität aus dem Zusammenspiel von Wasser, Boden, Pilzen, Pflanzen, Tieren und unterschiedlichen Entwicklungsphasen entsteht.

Die entscheidende Botschaft lautet daher nicht: „Laubwälder brennen niemals.



Richtig ist vielmehr: Naturnahe, vitale und ausreichend feuchte Laubwälder unserer Breiten sind unter gewöhnlichen Bedingungen vergleichsweise schwer entflammbar und können die Ausbreitung von Feuer deutlich bremsen. Nadelholzreiche, trockene und strukturell gleichförmige Forstbestände können dagegen günstige Voraussetzungen für eine schnelle Brandentwicklung schaffen.


Doch mit zunehmender Hitze und lang anhaltender Trockenheit geraten auch bislang wenig brandanfällige Waldökosysteme an ihre Grenzen

Wer das Waldbrandrisiko dauerhaft verringern möchte, muss daher mehr tun, als nur über Brandbekämpfung zu sprechen. Wir müssen den Wald wieder stärker als Lebensraum behandeln, Wasser in der Landschaft halten und aus anfälligen Forststrukturen vielfältige, standortgerechte und widerstandsfähige Wälder entwickeln.

In der Aufnahme ... wenn Wirtschaftsforste - und industrielle Landwirtschaft an ihre Grenzen geraten ...

Stand 10.08.2026