Das Wasser muss im Wald bleiben
Das Wasser muss im Wald bleiben
Nach einer langen Trockenperiode fällt endlich Regen. Doch anstatt langsam in den Waldboden einzusickern, sammelt sich das Wasser auf verdichteten Rückegassen, fließt über Forstwege in Seitengräben und wird von dort rasch in den nächsten Bach geleitet. Innerhalb kurzer Zeit ist ein großer Teil des Niederschlags verschwunden. Wenige Tage später ist der Oberboden erneut trocken.
Solche Beobachtungen zeigen, worum es künftig gehen muss: Niederschlagswasser darf nicht möglichst schnell aus dem Wald abgeleitet werden. Es muss gebremst, verteilt, versickert und – wo es der Standort zulässt – zeitweise gespeichert werden.
Für Artenschutz in Franken® ist der Wasserrückhalt im Wald eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben des Natur- und Klimaschutzes. Dabei geht es nicht darum, jeden Wald künstlich zu vernässen. Ziel ist vielmehr, die natürliche Aufnahme- und Speicherfähigkeit der Waldböden wieder zu stärken.
Der Waldboden ist der wichtigste Wasserspeicher
Ein gesunder Waldboden funktioniert wie ein fein verzweigter Schwamm. Wurzeln, Bodenlebewesen, Pilzgeflechte, Humus und natürliche Hohlräume schaffen ein Porensystem, in das Niederschlagswasser eindringen kann. Ein Teil des Wassers bleibt im Wurzelraum verfügbar, ein anderer bewegt sich langsam durch tiefere Bodenschichten oder kann – abhängig von Untergrund, Gelände und Geologie – zur Grundwasserneubildung beitragen.
Auf ungestörten Waldböden entsteht deshalb häufig nur wenig direkter Oberflächenabfluss. Ganz anders sieht es auf verdichteten Fahrspuren, Rückegassen und stark befestigten Wegen aus. Dort kann Wasser nicht mehr ausreichend einsickern. Es wird gebündelt, beschleunigt und aus dem Wald herausgeführt. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg weist darauf hin, dass Bodenverdichtung das Infiltrations- und Speichervermögen von Waldböden vermindert und dadurch die schnelle Abflussbildung fördert.
Auch Untersuchungen zeigen, wie stark schwere Maschinen den Wasserhaushalt beeinflussen können. Eine Metaanalyse kam zu dem interessanten Ergebnis, dass forstlich verursachte Bodenverdichtung die Porosität verringert und die gesättigte Wasserleitfähigkeit der untersuchten Böden deutlich herabsetzen kann.
Warum der Wasserrückhalt immer wichtiger wird
Der Wasserhaushalt unserer Landschaft verändert sich. Längere Trockenphasen treffen auf Niederschläge, die regional zunehmend ungleichmäßig fallen. Besonders heftiger Regen hilft einem ausgetrockneten Wald nur begrenzt, wenn das Wasser oberflächlich abläuft, anstatt in den Boden einzudringen.
Über viele Jahrzehnte wurden Landschaften und auch zahlreiche Waldgebiete entwässert. Gräben wurden gezogen, Quellen gefasst, Bäche begradigt, feuchte Senken trockengelegt und Wege so gebaut, dass Wasser schnell abgeführt wird. Das Umweltbundesamt beschreibt Deutschland deshalb in weiten Teilen als eine Landschaft, in der Wasser vielfach zu rasch abgeleitet wird. Die Folgen können trockenere Böden, niedrigere Grundwasserstände und gleichzeitig höhere Abflussspitzen bei Starkregen sein. Artenschutz in Franken® informiert seit vielen Jahren über mehr oder minder interessante Prozesse innerhalb von Wirtschaftsforsten. In der entsprechenden Rubrik werden sie fündig.
Wasserrückhalt bedeutet daher nicht nur Schutz vor Dürre.
Er verbindet mehrere wichtige Aufgaben:
Wasser entscheidet über die Zukunft der Bäume
Bäume können Trockenphasen eine gewisse Zeit überstehen. Werden ihre Wasserspeicher jedoch über mehrere Jahre nicht ausreichend aufgefüllt, geraten sie zunehmend unter Stress. Das Wachstum lässt nach, Blätter oder Nadeln werden frühzeitig abgeworfen und die Abwehr gegenüber Pilzen, Insekten und weiteren Belastungen kann geschwächt werden.
Besonders kritisch wird es, wenn nicht nur der Oberboden, sondern auch tiefere Bodenschichten austrocknen. Ein kurzer Regenschauer kann dieses Defizit kaum ausgleichen. Der Niederschlag muss langsam genug versickern können, um den durchwurzelten Boden tatsächlich zu erreichen.
Mehr Wasser im Wald bedeutet allerdings nicht, dass jeder Standort möglichst nass sein sollte. Bäume benötigen neben Wasser auch Sauerstoff im Wurzelraum. Dauerhafte Staunässe kann auf dafür ungeeigneten Böden erhebliche Schäden verursachen. Wasserrückhalt muss daher immer am jeweiligen Bodentyp, Gelände, Grundwasserstand und natürlichen Waldlebensraum ausgerichtet werden.
Auch der Waldbrandvorsorge dient jeder zurückgehaltene Tropfen
Feuchte Waldböden, vitale Bäume und ein ausgeglichenes Waldinnenklima bieten bessere Voraussetzungen, um die Entstehung und Ausbreitung von Vegetationsbränden zu begrenzen. Vollständig verhindern kann Wasserrückhalt einen Waldbrand nicht. Er kann aber dazu beitragen, dass Bodenstreu, Gräser, Kräuter und feines Totholz weniger schnell vollständig austrocknen.
Besonders wichtig ist dies in aufgelichteten, geschädigten oder nadelholzreichen Beständen. Dringen Sonne und Wind weit in den Bestand ein, verlieren bodennahe Brennstoffe schneller ihre Feuchtigkeit. Wenn Niederschlagswasser zugleich über Wege und Gräben abgeführt wird, verstärkt sich die Austrocknung zusätzlich.
Waldbrandvorsorge beginnt nach unserer Auffassung deshalb nicht erst bei Löschwasserbehältern und Zufahrtswegen. Sie beginnt beim Schutz des Waldbodens und beim Wasserhaushalt des gesamten Einzugsgebietes.
Wie Wasser im Wald gehalten werden kann
1. Waldböden konsequent vor Verdichtung schützen
Der wichtigste Schritt besteht darin, die natürliche Bodenstruktur zu erhalten. Schwere Maschinen sollten sich auf dauerhaft festgelegte Erschließungslinien beschränken. Befahrungen bei nassen und besonders verformungsempfindlichen Bodenverhältnissen müssen vermieden werden.
Geschädigte Rückegassen können je nach Standort stabilisiert, aufgeraut oder vorsichtig regeneriert werden. Dabei darf Wasser nicht einfach auf benachbarte Wege oder in Bäche umgeleitet werden. Es sollte möglichst breitflächig in geeignete Waldbereiche austreten und dort langsam versickern können.
Auch Holzlagerplätze, Wendeplätze und nicht mehr benötigte Wege müssen in die Betrachtung einbezogen werden. Wo eine dauerhafte Erschließung nicht mehr erforderlich ist, kann ein fachgerechter Rückbau die Versickerungsfähigkeit verbessern.
2. Forstwege dürfen nicht länger als Entwässerungskanäle wirken
Wege und ihre Seitengräben können große Mengen Wasser sammeln. Besonders an Hängen entstehen dadurch künstliche Abflussbahnen. Das Wasser wird schneller, nimmt Bodenmaterial mit und gelangt innerhalb kurzer Zeit in Bäche oder tiefer gelegene Bereiche.
Mögliche Gegenmaßnahmen sind:
Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft untersucht im Projekt „IQFluss-Wald“, wie Gräben, Rückegassen und Forstwege den Oberflächenabfluss bündeln und wie Wasser dezentral wieder in die Waldfläche geleitet werden kann.
3. Alte Entwässerungsgräben kritisch überprüfen
Viele feuchte Waldstandorte, Quellbereiche und Waldmoore wurden früher entwässert, um sie besser bewirtschaften zu können. Diese Gräben führen bis heute Wasser aus Flächen ab, die natürlicherweise länger feucht bleiben würden.
Wo keine zwingende Schutz- oder Nutzungsfunktion entgegensteht, sollten solche Entwässerungsstrukturen erfasst und hydrologisch untersucht werden. Anschließend kann geprüft werden, ob sie vollständig zurückgebaut, abschnittsweise verschlossen, angehoben oder in ihrer Abflusswirkung vermindert werden können.
Eine solche Maßnahme darf niemals allein nach Augenschein erfolgen. Ein Graben kann Teil eines größeren Wassersystems sein. Sein Verschluss könnte angrenzende Grundstücke, Wege, Gebäude, Quellen oder geschützte Lebensräume beeinflussen. Deshalb sind Geländemodell, Boden, Abflussrichtung und mögliche Auswirkungen auf Ober- und Unterlieger zu berücksichtigen.
4. Waldmoore, Quellen und Feuchtgebiete wiederherstellen
Waldmoore, Quellsümpfe, Feuchtmulden und kleine Stillgewässer sind keine unproduktiven Restflächen. Sie sind zentrale Bestandteile eines funktionierenden Landschaftswasserhaushalts.
Wiedervernässte Moorböden können Wasser länger in der Landschaft halten. Gleichzeitig wird die Zersetzung des Torfkörpers gebremst, wodurch weniger gespeicherter Kohlenstoff freigesetzt wird. Feuchte Waldlebensräume bieten außerdem hoch spezialisierte Rückzugsräume für Amphibien, Libellen, Käfer, Moose, Farne und zahlreiche weitere Arten.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen kleine Quellaustritte. Sie dürfen nicht durch Wege, Drainagen, Bodenablagerungen oder schwere Maschinen beeinträchtigt werden. Auch scheinbar unscheinbare, nur zeitweise wasserführende Senken können für den Wasserhaushalt und den Artenschutz von großer Bedeutung sein.
5. Bäche und Auen wieder naturnäher entwickeln
Ein begradigter und eingetiefter Waldbach transportiert Wasser schnell aus seinem Einzugsgebiet. Ein naturnahes Gewässer mit wechselnden Breiten, flachen Ufern, Totholz, kleinen Verzweigungen und angrenzenden Überflutungsräumen hält es dagegen länger zurück.
Mögliche Maßnahmen sind die Verlängerung von Fließwegen, die Wiederanbindung kleiner Auenbereiche, die Entwicklung breiter Gewässerrandzonen und das Zulassen natürlicher Gewässerdynamik. Totholz kann dabei die Strömung örtlich bremsen und unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten schaffen. Sein Einsatz muss jedoch fachlich geplant werden, damit keine unerwünschten Verklausungen oder Schäden an Bauwerken entstehen.
Naturnahe Bäche sind nicht nur Wasserwege. Sie sind Lebensadern des Waldes.
6. Kleine Rückhalteräume dezentral verteilen
Statt weniger großer technischer Anlagen können zahlreiche kleine, standortgerechte Maßnahmen sinnvoll sein. Versickerungsmulden, flache Rückhalteräume und temporär wasserführende Senken bremsen den Abfluss und geben dem Wasser mehr Zeit, in den Boden einzudringen.
Auf wenig durchlässigen Böden kann zeitweise auch die Verdunstung überwiegen. Dennoch können solche Mulden Abflussspitzen verzögern und wertvolle Feuchtlebensräume schaffen. Entscheidend ist, dass Lage, Größe, Einstautiefe und Überlauf kontrolliert geplant werden.
Die FVA Baden-Württemberg stellt hierzu konkrete Maßnahmen wie Versickerungsgräben, Kleinrückhalte, Rigolen, Furten sowie Versickerungs- und Verdunstungsmulden vor. Zugleich betont sie, dass dezentraler Wasserrückhalt die Schwammfunktion stärken, extreme Dürre- oder Starkregenereignisse aber nicht vollständig verhindern kann. Waldwissen – Wasserrückhaltung im Wald
7. Humus, Bodenvegetation und natürliche Strukturen erhalten
Eine geschlossene Bodenvegetation, Laubstreu, Humus, Wurzeln und liegendes Totholz erhöhen die Rauigkeit der Bodenoberfläche. Wasser wird gebremst, verteilt und vor einem zu schnellen Abfluss geschützt. Gleichzeitig bewahren diese Strukturen den Boden vor direkter Sonneneinstrahlung und Erosion.
Flächiges Freiräumen, tiefgreifende Bodenbearbeitung und das Entfernen der organischen Auflage können den Wasserhaushalt beeinträchtigen. Ebenso problematisch sind große offene Flächen, auf denen Sonne und Wind ungehindert auf den Boden einwirken.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® muss der Waldboden deshalb als lebendiger Teil des Ökosystems behandelt werden – nicht als bloße Fahr- und Produktionsfläche.
8. Strukturreiche und standortgerechte Wälder entwickeln
Baumarten beeinflussen den Wasserhaushalt auf unterschiedliche Weise. Immergrüne Nadelbäume können auch außerhalb der Vegetationszeit einen größeren Anteil des Niederschlags in ihren Kronen zurückhalten. Laubbäume lassen während der unbelaubten Zeit vielfach mehr Wasser den Boden erreichen. Während des Sommers können jedoch auch Laubbäume erhebliche Wassermengen verdunsten.
Deshalb wäre die einfache Aussage „Laubwald speichert immer mehr Wasser“ fachlich nicht korrekt. Wasserverbrauch und Versickerung hängen von Baumart, Alter, Kronendichte, Boden, Klima und Jahreszeit ab. Neuere Untersuchungen zeigen, dass sich selbst Buche und Fichte je nach Jahreszeit und zunehmender Wasserknappheit sehr unterschiedlich auf Bodenfeuchte und Grundwasserneubildung auswirken können.
Sinnvoll sind standortgerechte Wälder mit verschiedenen Baumarten, Altersstufen, Wurzeltiefen und Kronenschichten. Sie verteilen Risiken und können unterschiedliche Bodenschichten erschließen. Großflächige Kahlschläge sollten vermieden werden. Gleichzeitig kann auch ein zu dichter Bestand sehr viel Wasser verbrauchen. Bestandsentwicklung und Durchforstung müssen deshalb an Standort und Wasserangebot angepasst werden.
Nicht jede gut gemeinte Maßnahme ist sinnvoll
Wasserrückhalt darf nicht bedeuten, wahllos Gräben zu verschließen, Bäche aufzustauen oder überall Tümpel auszuheben. Falsch platzierte Sperren können Wege unterspülen, Hänge destabilisieren, Nachbarflächen vernässen oder schützenswerte Arten und Lebensräume beeinträchtigen.
Vor jeder größeren Maßnahme müssen daher mindestens folgende Fragen beantwortet werden:
Eingriffe in Gewässer oder Entwässerungssysteme müssen mit den zuständigen Wasser-, Forst- und Naturschutzbehörden abgestimmt werden. Wasserrückhalt ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Waldbesitz, Forstwirtschaft, Kommunen, Wasserwirtschaft und Naturschutz.
Der Wald braucht einen Wechsel der Blickrichtung
Über lange Zeit lautete das technische Ziel vieler Entwässerungssysteme: Wasser möglichst schnell fortleiten. Angesichts zunehmender Trockenheit muss sich diese Blickrichtung verändern.
Künftig muss bei jedem Forstweg, jeder Rückegasse, jedem Graben und jeder Holzerntemaßnahme gefragt werden: Können wir verhindern, dass Wasser unnötig aus dem Wald abfließt? Können wir es bremsen, verteilen und dem Boden zurückgeben?
Die Nationale Wasserstrategie und das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz verfolgen ebenfalls das Ziel, den natürlichen Landschaftswasserhaushalt wiederherzustellen und die schnelle Entwässerung großer Flächen zurückzufahren. Dadurch sollen Ökosysteme widerstandsfähiger gegenüber Dürre, Waldbrand und Starkregen werden.
Unsere Verantwortung für den Wald von morgen
Wir von Artenschutz in Franken® sind überzeugt: Die Zukunft unserer Wälder entscheidet sich zu einem wesentlichen Teil im Boden und im Umgang mit dem Wasser.
Jeder zurückgehaltene Niederschlag, jede geschützte Quelle, jede wiederhergestellte Feuchtmulde und jeder hydrologisch verbesserte Forstweg kann ein Baustein sein. Einzelne Maßnahmen werden eine schwere Dürre oder ein extremes Hochwasser nicht verhindern. Viele sinnvoll geplante Maßnahmen können jedoch dazu beitragen, dass Wasser langsamer abfließt, länger in der Landschaft bleibt und den Wäldern sowie ihren Lebensgemeinschaften zur Verfügung steht.
Wir müssen den Wald wieder stärker als Wasserspeicher, Lebensraum und Teil eines gesamten Einzugsgebietes verstehen. Denn Wasser, das heute ungebremst aus dem Wald abgeleitet wird, fehlt morgen den Bäumen, den Quellen, den Bächen und den unzähligen Arten, deren Überleben von feuchten und kühlen Rückzugsräumen abhängt.
Wasser im Wald zu halten ist deshalb keine ergänzende Naturschutzmaßnahme. Es ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass unsere Wälder auch in Zukunft Wälder bleiben.
In der Aufnahme
Stand 10.08.2026
- Warum wir die natürliche Schwammfunktion unserer Wälder dringend wiederherstellen müssen
Nach einer langen Trockenperiode fällt endlich Regen. Doch anstatt langsam in den Waldboden einzusickern, sammelt sich das Wasser auf verdichteten Rückegassen, fließt über Forstwege in Seitengräben und wird von dort rasch in den nächsten Bach geleitet. Innerhalb kurzer Zeit ist ein großer Teil des Niederschlags verschwunden. Wenige Tage später ist der Oberboden erneut trocken.
Solche Beobachtungen zeigen, worum es künftig gehen muss: Niederschlagswasser darf nicht möglichst schnell aus dem Wald abgeleitet werden. Es muss gebremst, verteilt, versickert und – wo es der Standort zulässt – zeitweise gespeichert werden.
Für Artenschutz in Franken® ist der Wasserrückhalt im Wald eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben des Natur- und Klimaschutzes. Dabei geht es nicht darum, jeden Wald künstlich zu vernässen. Ziel ist vielmehr, die natürliche Aufnahme- und Speicherfähigkeit der Waldböden wieder zu stärken.
Der Waldboden ist der wichtigste Wasserspeicher
Ein gesunder Waldboden funktioniert wie ein fein verzweigter Schwamm. Wurzeln, Bodenlebewesen, Pilzgeflechte, Humus und natürliche Hohlräume schaffen ein Porensystem, in das Niederschlagswasser eindringen kann. Ein Teil des Wassers bleibt im Wurzelraum verfügbar, ein anderer bewegt sich langsam durch tiefere Bodenschichten oder kann – abhängig von Untergrund, Gelände und Geologie – zur Grundwasserneubildung beitragen.
Auf ungestörten Waldböden entsteht deshalb häufig nur wenig direkter Oberflächenabfluss. Ganz anders sieht es auf verdichteten Fahrspuren, Rückegassen und stark befestigten Wegen aus. Dort kann Wasser nicht mehr ausreichend einsickern. Es wird gebündelt, beschleunigt und aus dem Wald herausgeführt. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg weist darauf hin, dass Bodenverdichtung das Infiltrations- und Speichervermögen von Waldböden vermindert und dadurch die schnelle Abflussbildung fördert.
Auch Untersuchungen zeigen, wie stark schwere Maschinen den Wasserhaushalt beeinflussen können. Eine Metaanalyse kam zu dem interessanten Ergebnis, dass forstlich verursachte Bodenverdichtung die Porosität verringert und die gesättigte Wasserleitfähigkeit der untersuchten Böden deutlich herabsetzen kann.
- Solche Veränderungen können über viele Jahre bestehen bleiben.
Warum der Wasserrückhalt immer wichtiger wird
Der Wasserhaushalt unserer Landschaft verändert sich. Längere Trockenphasen treffen auf Niederschläge, die regional zunehmend ungleichmäßig fallen. Besonders heftiger Regen hilft einem ausgetrockneten Wald nur begrenzt, wenn das Wasser oberflächlich abläuft, anstatt in den Boden einzudringen.
Über viele Jahrzehnte wurden Landschaften und auch zahlreiche Waldgebiete entwässert. Gräben wurden gezogen, Quellen gefasst, Bäche begradigt, feuchte Senken trockengelegt und Wege so gebaut, dass Wasser schnell abgeführt wird. Das Umweltbundesamt beschreibt Deutschland deshalb in weiten Teilen als eine Landschaft, in der Wasser vielfach zu rasch abgeleitet wird. Die Folgen können trockenere Böden, niedrigere Grundwasserstände und gleichzeitig höhere Abflussspitzen bei Starkregen sein. Artenschutz in Franken® informiert seit vielen Jahren über mehr oder minder interessante Prozesse innerhalb von Wirtschaftsforsten. In der entsprechenden Rubrik werden sie fündig.
Wasserrückhalt bedeutet daher nicht nur Schutz vor Dürre.
Er verbindet mehrere wichtige Aufgaben:
- Er verbessert die Wasserverfügbarkeit für Bäume und Bodenorganismen.
- Er kann die Austrocknung der oberen Bodenschichten verlangsamen.
- Er stabilisiert Quellen, Waldtümpel, Moore und kleine Fließgewässer.
- Er kann Abflussspitzen nach Starkregen vermindern.
- Er schützt Böden vor Abschwemmung und Erosion.
- Er fördert die Versickerung und kann örtlich die Grundwasserneubildung unterstützen.
- Er erhält kühlere und feuchtere Waldlebensräume.
- Er verringert unter geeigneten Bedingungen die Entzündlichkeit bodennaher Vegetation.
- Er schafft Rückzugs- und Fortpflanzungsräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Wasser entscheidet über die Zukunft der Bäume
Bäume können Trockenphasen eine gewisse Zeit überstehen. Werden ihre Wasserspeicher jedoch über mehrere Jahre nicht ausreichend aufgefüllt, geraten sie zunehmend unter Stress. Das Wachstum lässt nach, Blätter oder Nadeln werden frühzeitig abgeworfen und die Abwehr gegenüber Pilzen, Insekten und weiteren Belastungen kann geschwächt werden.
Besonders kritisch wird es, wenn nicht nur der Oberboden, sondern auch tiefere Bodenschichten austrocknen. Ein kurzer Regenschauer kann dieses Defizit kaum ausgleichen. Der Niederschlag muss langsam genug versickern können, um den durchwurzelten Boden tatsächlich zu erreichen.
Mehr Wasser im Wald bedeutet allerdings nicht, dass jeder Standort möglichst nass sein sollte. Bäume benötigen neben Wasser auch Sauerstoff im Wurzelraum. Dauerhafte Staunässe kann auf dafür ungeeigneten Böden erhebliche Schäden verursachen. Wasserrückhalt muss daher immer am jeweiligen Bodentyp, Gelände, Grundwasserstand und natürlichen Waldlebensraum ausgerichtet werden.
Auch der Waldbrandvorsorge dient jeder zurückgehaltene Tropfen
Feuchte Waldböden, vitale Bäume und ein ausgeglichenes Waldinnenklima bieten bessere Voraussetzungen, um die Entstehung und Ausbreitung von Vegetationsbränden zu begrenzen. Vollständig verhindern kann Wasserrückhalt einen Waldbrand nicht. Er kann aber dazu beitragen, dass Bodenstreu, Gräser, Kräuter und feines Totholz weniger schnell vollständig austrocknen.
Besonders wichtig ist dies in aufgelichteten, geschädigten oder nadelholzreichen Beständen. Dringen Sonne und Wind weit in den Bestand ein, verlieren bodennahe Brennstoffe schneller ihre Feuchtigkeit. Wenn Niederschlagswasser zugleich über Wege und Gräben abgeführt wird, verstärkt sich die Austrocknung zusätzlich.
Waldbrandvorsorge beginnt nach unserer Auffassung deshalb nicht erst bei Löschwasserbehältern und Zufahrtswegen. Sie beginnt beim Schutz des Waldbodens und beim Wasserhaushalt des gesamten Einzugsgebietes.
Wie Wasser im Wald gehalten werden kann
1. Waldböden konsequent vor Verdichtung schützen
Der wichtigste Schritt besteht darin, die natürliche Bodenstruktur zu erhalten. Schwere Maschinen sollten sich auf dauerhaft festgelegte Erschließungslinien beschränken. Befahrungen bei nassen und besonders verformungsempfindlichen Bodenverhältnissen müssen vermieden werden.
Geschädigte Rückegassen können je nach Standort stabilisiert, aufgeraut oder vorsichtig regeneriert werden. Dabei darf Wasser nicht einfach auf benachbarte Wege oder in Bäche umgeleitet werden. Es sollte möglichst breitflächig in geeignete Waldbereiche austreten und dort langsam versickern können.
Auch Holzlagerplätze, Wendeplätze und nicht mehr benötigte Wege müssen in die Betrachtung einbezogen werden. Wo eine dauerhafte Erschließung nicht mehr erforderlich ist, kann ein fachgerechter Rückbau die Versickerungsfähigkeit verbessern.
2. Forstwege dürfen nicht länger als Entwässerungskanäle wirken
Wege und ihre Seitengräben können große Mengen Wasser sammeln. Besonders an Hängen entstehen dadurch künstliche Abflussbahnen. Das Wasser wird schneller, nimmt Bodenmaterial mit und gelangt innerhalb kurzer Zeit in Bäche oder tiefer gelegene Bereiche.
Mögliche Gegenmaßnahmen sind:
- häufigere und hydrologisch sinnvoll angeordnete Querabschläge,
- breitflächige Ausleitung des Wassers in geeignete Waldbestände,
- bremsende Strukturen in Wegeseitengräben,
- durchlässige Rigolen anstelle vollständig geschlossener Rohrdurchlässe,
- naturnah gestaltete Furten,
- Versickerungs- und Retentionsmulden,
- eine Erhöhung der Oberflächenrauigkeit,
- der Rückbau nicht mehr benötigter Wege,
- eine an die Topografie angepasste Wegeführung.
Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft untersucht im Projekt „IQFluss-Wald“, wie Gräben, Rückegassen und Forstwege den Oberflächenabfluss bündeln und wie Wasser dezentral wieder in die Waldfläche geleitet werden kann.
3. Alte Entwässerungsgräben kritisch überprüfen
Viele feuchte Waldstandorte, Quellbereiche und Waldmoore wurden früher entwässert, um sie besser bewirtschaften zu können. Diese Gräben führen bis heute Wasser aus Flächen ab, die natürlicherweise länger feucht bleiben würden.
Wo keine zwingende Schutz- oder Nutzungsfunktion entgegensteht, sollten solche Entwässerungsstrukturen erfasst und hydrologisch untersucht werden. Anschließend kann geprüft werden, ob sie vollständig zurückgebaut, abschnittsweise verschlossen, angehoben oder in ihrer Abflusswirkung vermindert werden können.
Eine solche Maßnahme darf niemals allein nach Augenschein erfolgen. Ein Graben kann Teil eines größeren Wassersystems sein. Sein Verschluss könnte angrenzende Grundstücke, Wege, Gebäude, Quellen oder geschützte Lebensräume beeinflussen. Deshalb sind Geländemodell, Boden, Abflussrichtung und mögliche Auswirkungen auf Ober- und Unterlieger zu berücksichtigen.
4. Waldmoore, Quellen und Feuchtgebiete wiederherstellen
Waldmoore, Quellsümpfe, Feuchtmulden und kleine Stillgewässer sind keine unproduktiven Restflächen. Sie sind zentrale Bestandteile eines funktionierenden Landschaftswasserhaushalts.
Wiedervernässte Moorböden können Wasser länger in der Landschaft halten. Gleichzeitig wird die Zersetzung des Torfkörpers gebremst, wodurch weniger gespeicherter Kohlenstoff freigesetzt wird. Feuchte Waldlebensräume bieten außerdem hoch spezialisierte Rückzugsräume für Amphibien, Libellen, Käfer, Moose, Farne und zahlreiche weitere Arten.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen kleine Quellaustritte. Sie dürfen nicht durch Wege, Drainagen, Bodenablagerungen oder schwere Maschinen beeinträchtigt werden. Auch scheinbar unscheinbare, nur zeitweise wasserführende Senken können für den Wasserhaushalt und den Artenschutz von großer Bedeutung sein.
5. Bäche und Auen wieder naturnäher entwickeln
Ein begradigter und eingetiefter Waldbach transportiert Wasser schnell aus seinem Einzugsgebiet. Ein naturnahes Gewässer mit wechselnden Breiten, flachen Ufern, Totholz, kleinen Verzweigungen und angrenzenden Überflutungsräumen hält es dagegen länger zurück.
Mögliche Maßnahmen sind die Verlängerung von Fließwegen, die Wiederanbindung kleiner Auenbereiche, die Entwicklung breiter Gewässerrandzonen und das Zulassen natürlicher Gewässerdynamik. Totholz kann dabei die Strömung örtlich bremsen und unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten schaffen. Sein Einsatz muss jedoch fachlich geplant werden, damit keine unerwünschten Verklausungen oder Schäden an Bauwerken entstehen.
Naturnahe Bäche sind nicht nur Wasserwege. Sie sind Lebensadern des Waldes.
6. Kleine Rückhalteräume dezentral verteilen
Statt weniger großer technischer Anlagen können zahlreiche kleine, standortgerechte Maßnahmen sinnvoll sein. Versickerungsmulden, flache Rückhalteräume und temporär wasserführende Senken bremsen den Abfluss und geben dem Wasser mehr Zeit, in den Boden einzudringen.
Auf wenig durchlässigen Böden kann zeitweise auch die Verdunstung überwiegen. Dennoch können solche Mulden Abflussspitzen verzögern und wertvolle Feuchtlebensräume schaffen. Entscheidend ist, dass Lage, Größe, Einstautiefe und Überlauf kontrolliert geplant werden.
Die FVA Baden-Württemberg stellt hierzu konkrete Maßnahmen wie Versickerungsgräben, Kleinrückhalte, Rigolen, Furten sowie Versickerungs- und Verdunstungsmulden vor. Zugleich betont sie, dass dezentraler Wasserrückhalt die Schwammfunktion stärken, extreme Dürre- oder Starkregenereignisse aber nicht vollständig verhindern kann. Waldwissen – Wasserrückhaltung im Wald
7. Humus, Bodenvegetation und natürliche Strukturen erhalten
Eine geschlossene Bodenvegetation, Laubstreu, Humus, Wurzeln und liegendes Totholz erhöhen die Rauigkeit der Bodenoberfläche. Wasser wird gebremst, verteilt und vor einem zu schnellen Abfluss geschützt. Gleichzeitig bewahren diese Strukturen den Boden vor direkter Sonneneinstrahlung und Erosion.
Flächiges Freiräumen, tiefgreifende Bodenbearbeitung und das Entfernen der organischen Auflage können den Wasserhaushalt beeinträchtigen. Ebenso problematisch sind große offene Flächen, auf denen Sonne und Wind ungehindert auf den Boden einwirken.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® muss der Waldboden deshalb als lebendiger Teil des Ökosystems behandelt werden – nicht als bloße Fahr- und Produktionsfläche.
8. Strukturreiche und standortgerechte Wälder entwickeln
Baumarten beeinflussen den Wasserhaushalt auf unterschiedliche Weise. Immergrüne Nadelbäume können auch außerhalb der Vegetationszeit einen größeren Anteil des Niederschlags in ihren Kronen zurückhalten. Laubbäume lassen während der unbelaubten Zeit vielfach mehr Wasser den Boden erreichen. Während des Sommers können jedoch auch Laubbäume erhebliche Wassermengen verdunsten.
Deshalb wäre die einfache Aussage „Laubwald speichert immer mehr Wasser“ fachlich nicht korrekt. Wasserverbrauch und Versickerung hängen von Baumart, Alter, Kronendichte, Boden, Klima und Jahreszeit ab. Neuere Untersuchungen zeigen, dass sich selbst Buche und Fichte je nach Jahreszeit und zunehmender Wasserknappheit sehr unterschiedlich auf Bodenfeuchte und Grundwasserneubildung auswirken können.
Sinnvoll sind standortgerechte Wälder mit verschiedenen Baumarten, Altersstufen, Wurzeltiefen und Kronenschichten. Sie verteilen Risiken und können unterschiedliche Bodenschichten erschließen. Großflächige Kahlschläge sollten vermieden werden. Gleichzeitig kann auch ein zu dichter Bestand sehr viel Wasser verbrauchen. Bestandsentwicklung und Durchforstung müssen deshalb an Standort und Wasserangebot angepasst werden.
Nicht jede gut gemeinte Maßnahme ist sinnvoll
Wasserrückhalt darf nicht bedeuten, wahllos Gräben zu verschließen, Bäche aufzustauen oder überall Tümpel auszuheben. Falsch platzierte Sperren können Wege unterspülen, Hänge destabilisieren, Nachbarflächen vernässen oder schützenswerte Arten und Lebensräume beeinträchtigen.
Vor jeder größeren Maßnahme müssen daher mindestens folgende Fragen beantwortet werden:
- Woher kommt das Wasser?
- Wohin fließt es bisher?
- Welcher Boden und welcher geologische Untergrund liegen vor?
- Kann das Wasser dort tatsächlich versickern?
- Werden Quellen, Moore oder Fließgewässer beeinflusst?
- Verändert sich die Situation für tiefer liegende Flächen?
- Sind geschützte Arten oder Biotope betroffen?
- Entsteht ein regelmäßiger Kontroll- und Unterhaltungsbedarf?
- Sind wasser-, boden- oder naturschutzrechtliche Genehmigungen erforderlich?
Eingriffe in Gewässer oder Entwässerungssysteme müssen mit den zuständigen Wasser-, Forst- und Naturschutzbehörden abgestimmt werden. Wasserrückhalt ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Waldbesitz, Forstwirtschaft, Kommunen, Wasserwirtschaft und Naturschutz.
Der Wald braucht einen Wechsel der Blickrichtung
Über lange Zeit lautete das technische Ziel vieler Entwässerungssysteme: Wasser möglichst schnell fortleiten. Angesichts zunehmender Trockenheit muss sich diese Blickrichtung verändern.
Künftig muss bei jedem Forstweg, jeder Rückegasse, jedem Graben und jeder Holzerntemaßnahme gefragt werden: Können wir verhindern, dass Wasser unnötig aus dem Wald abfließt? Können wir es bremsen, verteilen und dem Boden zurückgeben?
Die Nationale Wasserstrategie und das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz verfolgen ebenfalls das Ziel, den natürlichen Landschaftswasserhaushalt wiederherzustellen und die schnelle Entwässerung großer Flächen zurückzufahren. Dadurch sollen Ökosysteme widerstandsfähiger gegenüber Dürre, Waldbrand und Starkregen werden.
Unsere Verantwortung für den Wald von morgen
Wir von Artenschutz in Franken® sind überzeugt: Die Zukunft unserer Wälder entscheidet sich zu einem wesentlichen Teil im Boden und im Umgang mit dem Wasser.
Jeder zurückgehaltene Niederschlag, jede geschützte Quelle, jede wiederhergestellte Feuchtmulde und jeder hydrologisch verbesserte Forstweg kann ein Baustein sein. Einzelne Maßnahmen werden eine schwere Dürre oder ein extremes Hochwasser nicht verhindern. Viele sinnvoll geplante Maßnahmen können jedoch dazu beitragen, dass Wasser langsamer abfließt, länger in der Landschaft bleibt und den Wäldern sowie ihren Lebensgemeinschaften zur Verfügung steht.
Wir müssen den Wald wieder stärker als Wasserspeicher, Lebensraum und Teil eines gesamten Einzugsgebietes verstehen. Denn Wasser, das heute ungebremst aus dem Wald abgeleitet wird, fehlt morgen den Bäumen, den Quellen, den Bächen und den unzähligen Arten, deren Überleben von feuchten und kühlen Rückzugsräumen abhängt.
Wasser im Wald zu halten ist deshalb keine ergänzende Naturschutzmaßnahme. Es ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass unsere Wälder auch in Zukunft Wälder bleiben.
In der Aufnahme
Stand 10.08.2026
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