Sie alle engagieren sich gemeinsam mit Artenschutz in Franken® für eine intakte Umwelt
ARTENSCHUTZ IN FRANKEN®

Im Sinne uns nachfolgender Generationen
Ausgezeichnet

Home

Über Uns

Aktuelles

Der Steigerwald

Diverses

Pflanzen

Projekte

Publikationen

Tiere

Umweltbildung

Webcams
Seite:
1
|
2
Gerandete Jagdspinne (Dolomedes !mbriatus)
Bild zum Eintrag (1150888-160)
Die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus)

  • Wenn das Wasser zum Jagdrevier wird – eine außergewöhnliche Überlebenskünstlerin zwischen Feuchtwiesen, Mooren und schwindenden Lebensräumen

Eine lautlose Jägerin am Rande des Wassers


Es ist ein früher Sommermorgen. Noch liegen feine Nebelschleier über einer kleinen, weitgehend unberührten Feuchtfläche. Zwischen Seggen, Binsen und den Blättern der Ufervegetation glitzern unzählige Tautropfen. Das Leben scheint für einen kurzen Augenblick stillzustehen. Doch dieser Eindruck täuscht.

Unmittelbar am Rand einer flachen Wasserstelle verharrt eine auffallend große Spinne. Ihre langen Beine sind weit ausgestreckt, ein Teil davon berührt vorsichtig die Wasseroberfläche. Ihr dunkelbrauner Körper trägt zwei helle, nahezu durchgehende Längsbänder. Es ist die Gerandete Jagdspinne, eine jener faszinierenden Tierarten, die sich im Laufe ihrer Entwicklung in bemerkenswerter Weise an das Leben zwischen Land und Wasser angepasst haben.

Plötzlich entsteht eine kaum wahrnehmbare Bewegung. Ein kleines Insekt ist auf die Wasseroberfläche gefallen und versucht, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Winzige Wellen breiten sich aus. Was für den menschlichen Betrachter kaum sichtbar erscheint, ist für die Spinne ein deutliches Signal.

Innerhalb eines Augenblicks setzt sich die Jägerin in Bewegung. Mit erstaunlicher Sicherheit gleitet sie über das Wasser, erreicht ihre Beute und überwältigt sie. Wenige Sekunden später kehrt wieder Ruhe ein. Was sich hier im Kleinen abspielt, ist Teil eines hochkomplexen ökologischen Zusammenspiels. Ein Zusammenspiel, das sich über unzählige Generationen entwickeln konnte und dessen Fortbestand heute zunehmend infrage steht.

Denn genau jene Lebensräume, welche die Gerandete Jagdspinne benötigt, gehören mittlerweile zu den besonders stark veränderten Landschaftselementen unserer Kulturlandschaft.

Eine außergewöhnliche Spinnenart unserer heimischen Natur

Die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) gehört zur Familie der Jagdspinnen (Pisauridae) und zählt zu den größten heimischen Spinnenarten.

Ausgewachsene Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 15 bis 22 Millimetern, während die Männchen mit rund 10 bis 13 Millimetern deutlich kleiner bleiben. Einschließlich ihrer langen Beine kann die Spinne eine durchaus beeindruckende Erscheinung darstellen.

Ihre Körperfärbung reicht von gelblichbraunen bis zu dunkelbraunen Farbtönen. Besonders charakteristisch sind die häufig deutlich erkennbaren hellen Seitenstreifen, die sowohl den Vorderkörper als auch den Hinterleib begrenzen. Diese Zeichnung gab der Art ihren deutschen Namen. Allerdings können die auffälligen Streifen bei einzelnen Exemplaren auch nur schwach ausgeprägt sein oder vollständig fehlen.

Anders als zahlreiche andere Spinnenarten errichtet die Gerandete Jagdspinne kein Fangnetz, um darin auf Beute zu warten. Sie ist vielmehr eine aktive Jägerin, deren Körperbau und Verhalten hervorragend an ihren Lebensraum angepasst sind. Bevorzugt besiedelt sie strukturreiche Feuchtgebiete, darunter Moorlandschaften, Sümpfe, Feuchtwiesen, Bruchwälder sowie die Uferzonen stehender und langsam fließender Gewässer.

Hier nutzt sie das Zusammenspiel aus Vegetation, Bodenfeuchtigkeit und offenen Wasserflächen.

Eine besondere Anpassung stellt ihre Fähigkeit dar, sich auf dem Wasser fortzubewegen. Dank ihrer wasserabweisenden Körperbehaarung kann sie die Oberflächenspannung des Wassers nutzen und sich auf dessen Oberfläche halten. Selbst ein zeitweiliges Abtauchen ist möglich.

Diese Eigenschaft dient sowohl dem Beutefang als auch dem Schutz vor möglichen Fressfeinden.

Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Insekten und andere kleine Wirbellose. Unter günstigen Bedingungen können jedoch auch Kaulquappen und sehr kleine Fische erbeutet werden. Damit nimmt die Gerandete Jagdspinne eine interessante Stellung innerhalb des Nahrungsgefüges naturnaher Feuchtlebensräume ein.

Fürsorge statt Gleichgültigkeit – die bemerkenswerte Fortpflanzung

Besonders eindrucksvoll ist das Fortpflanzungsverhalten dieser Spinnenart.

Nach der Paarung fertigt das Weibchen einen kugelförmigen Eikokon an, der zahlreiche Eier enthalten kann. Diesen trägt sie über einen längeren Zeitraum mit ihren Mundwerkzeugen vor dem Körper. Eine beachtliche Leistung, denn der Kokon muss nicht nur transportiert, sondern auch vor äußeren Einflüssen und möglichen Gefahren geschützt werden. Kurz bevor die Jungspinnen schlüpfen, befestigt das Weibchen den Kokon in der Vegetation und errichtet ein schützendes Gespinst. In diesem sogenannten Kinderstubennetz entwickeln sich die Jungspinnen zunächst weiter, während das Muttertier in der Nähe bleibt und die Kinderstube bewacht.

Gerade diese Phase verdeutlicht, wie eng die Art mit dem Vorhandensein geeigneter Pflanzenstrukturen verbunden ist. Werden Seggenbestände, Hochstauden oder andere Uferpflanzen während dieser empfindlichen Entwicklungsphase vollständig entfernt, verschwinden nicht nur Versteckmöglichkeiten, sondern unter Umständen auch jene Strukturen, an denen die nächste Generation heranwächst.

Was aus menschlicher Sicht lediglich als eine Pflegemaßnahme erscheint, kann für die Tiere den Verlust ihrer gesamten Fortpflanzungsstätte bedeuten.


Aufnahme von Helga Zinnecker
  • Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus)
Gerandete Jagdspinne (Dolomedes !mbriatus)
Bild zum Eintrag (1150889-160)
Wenn Lebensräume verschwinden – eine Art unter zunehmendem Druck

  • Aus der Perspektive von Artenschutz in Franken® muss die Entwicklung dieser Spinnenart unmittelbar im Zusammenhang mit dem Zustand unserer Feuchtlebensräume betrachtet werden.

Über Jahrzehnte hinweg wurden große Teile ehemals wassergeprägter Landschaften trockengelegt, landwirtschaftlich intensiviert oder durch technische Eingriffe grundlegend verändert. Kleine Tümpel verschwanden. Feuchte Senken wurden verfüllt. Gräben vertieft und entwässert. Naturnahe Uferzonen mussten befestigten oder regelmäßig geräumten Gewässerrändern weichen. Hinzu kommt eine Form der Landschaftspflege, die vielerorts kaum noch Rücksicht auf die tatsächlichen Lebenszyklen der dort vorkommenden Tierarten nimmt.

Besonders problematisch bewerten wir großflächige Mulcharbeiten und das vollständige Abräumen von Ufervegetation, Feuchtwiesenrändern und Grabenbegleitstrukturen. Wo innerhalb weniger Stunden nahezu sämtliche Pflanzenbestände entfernt werden, gehen wertvolle Rückzugsräume verloren. Tiere können unmittelbar verletzt oder getötet werden. Darüber hinaus verändert sich das Mikroklima am Boden.

Die vormals beschatteten und luftfeuchten Bereiche liegen plötzlich weitgehend ungeschützt in der Sonne. Feuchtigkeit entweicht schneller, und die Temperaturen innerhalb der bodennahen Vegetationsschicht können deutlich ansteigen. Für eine Tierart, deren Lebensweise eng an feuchte, strukturreiche Standorte gebunden ist, entstehen dadurch zusätzliche Belastungen.

Dabei stellt sich eine grundlegende Frage:

Weshalb werden noch immer Lebensräume in einer Weise gepflegt, die zwar kurzfristig ein aufgeräumtes Landschaftsbild erzeugt, zugleich jedoch wesentliche Voraussetzungen für das Überleben zahlreicher Arten beseitigt?

  • Aus unserer Sicht bedarf es hier eines grundlegend anderen Verständnisses von Landschaftspflege.

Nicht jede Pflanze muss entfernt, nicht jeder Gewässerrand freigestellt und nicht jede Feuchtfläche einer möglichst intensiven Nutzung unterworfen werden. Vielfach wäre bereits ein kleinräumiges, zeitlich angepasstes und fachlich begleitetes Pflegemanagement ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

Der Klimawandel – wenn selbst feuchte Lebensräume austrocknen

Zusätzliche Herausforderungen ergeben sich durch die fortschreitenden klimatischen Veränderungen. Längere Trockenperioden, höhere Sommertemperaturen und regional veränderte Niederschlagsmuster wirken sich zunehmend auf den Wasserhaushalt unserer Landschaften aus. Gerade flache Gewässer und kleinräumige Feuchtlebensräume können besonders empfindlich auf solche Entwicklungen reagieren.

Sinkende Grundwasserstände und längere Niedrigwasserphasen führen dazu, dass Feuchtgebiete ihren ursprünglichen Charakter teilweise oder vollständig verlieren.

  • Für die Gerandete Jagdspinne entstehen daraus mehrere Probleme gleichzeitig.

Zum einen verkleinert sich ihr bevorzugter Lebensraum. Zum anderen verändern sich die dort vorhandenen Beutetiergemeinschaften. Auch die für ihre Entwicklung und Fortpflanzung wichtigen Vegetationsstrukturen können durch anhaltende Austrocknung beeinträchtigt werden. Besonders kritisch wird die Situation dort, wo bereits entwässerte und stark zergliederte Lebensräume zusätzlich unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden.

Einzelne Populationen können dadurch zunehmend voneinander isoliert werden. Der Austausch zwischen geeigneten Lebensräumen wird erschwert, während die Möglichkeiten zur Wiederbesiedlung verloren gegangener Standorte abnehmen. Dabei darf nicht übersehen werden, dass höhere Temperaturen allein keineswegs automatisch günstigere Bedingungen für eine wärmeliebende Tierwelt schaffen. Entscheidend ist vielmehr, ob jene komplexen Lebensraumstrukturen erhalten bleiben, die für das Überleben einer Art tatsächlich erforderlich sind.

Für die Gerandete Jagdspinne bedeutet dies vor allem eines: Ohne ausreichend feuchte, strukturreiche und möglichst dauerhaft wassergeprägte Lebensräume bleibt ihre Zukunft ungewiss.


Aufnahme von Helga Zinnecker
  •     Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus)
Gerandete Jagdspinne (Dolomedes !mbriatus)
Bild zum Eintrag (1150890-160)
Eine Art mit Warnsignal

Die Gerandete Jagdspinne ist in Deutschland besonders geschützt. In der bundesweiten Roten Liste der Spinnen aus dem Jahr 2016 wird sie auf der Vorwarnliste geführt. Diese Einstufung macht deutlich, dass die Art zwar nicht als bundesweit gefährdet eingestuft wurde, ihre Bestandsentwicklung jedoch Aufmerksamkeit verlangt. Langfristig wurde bereits ein starker Rückgang festgestellt.

Für Artenschutz in Franken® ist dies ein wichtiges Signal.

Denn wir dürfen nicht erst dann aktiv werden, wenn eine Tierart unmittelbar vom Aussterben bedroht ist. Gerade jene Arten, deren Rückgänge sich über längere Zeiträume vollziehen, verdienen frühzeitig Beachtung. Ihr Verschwinden erfolgt häufig unauffällig. Zunächst fehlen einzelne Tiere an bekannten Standorten. Später bleiben geeignete Lebensräume unbesiedelt. Und irgendwann gehört eine Art, die früher noch regelmäßig anzutreffen war, zu den seltenen Erscheinungen unserer Landschaft.

  • Diese Entwicklung lässt sich nicht allein anhand spektakulärer Artenverluste erfassen.

Sie vollzieht sich vielfach im Verborgenen – an kleinen Tümpeln, entlang unscheinbarer Gräben, in Feuchtwiesen oder innerhalb jener Übergangsbereiche, die bei vielen Planungen noch immer eine untergeordnete Rolle spielen.

Was wir für die Gerandete Jagdspinne tun können

  • Aus Sicht von Artenschutz in Franken® ist der wirksamste Schutz dieser Art untrennbar mit dem Erhalt und der ökologischen Entwicklung geeigneter Feuchtlebensräume verbunden.

Dabei kommt es insbesondere darauf an, vorhandene Wasserflächen zu sichern, bestehende Entwässerungen kritisch zu überprüfen und naturnahe Ufervegetation dauerhaft zu erhalten. Wo dies standörtlich sinnvoll und fachlich möglich ist, können die Wiedervernässung geschädigter Feuchtflächen und die Entwicklung zusätzlicher Kleingewässer einen wertvollen Beitrag leisten.

  • Mindestens ebenso bedeutsam ist jedoch die Art und Weise, wie solche Bereiche gepflegt werden.

Statt flächiger Eingriffe sollten zeitlich und räumlich abgestufte Maßnahmen zum Einsatz kommen. Rückzugsbereiche sind zu erhalten, sensible Fortpflanzungsphasen müssen berücksichtigt werden, und die Entwicklung strukturreicher Vegetationsbestände sollte ausreichend Raum erhalten. Auch der Verzicht auf unnötige Eingriffe in vorhandene Gewässer- und Uferstrukturen stellt einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz dar.

Dort, wo eine Beweidung oder Mahd erforderlich ist, müssen Intensität, Zeitpunkt und räumlicher Umfang an den tatsächlichen Lebensraumansprüchen der vorkommenden Arten ausgerichtet werden. Eine naturnahe Feuchtfläche benötigt keine jederzeit vollständig gepflegt erscheinende Vegetationsdecke. Vielmehr liegt ihr ökologischer Wert häufig gerade in jener Vielfalt aus offenen Wasserstellen, höheren Pflanzenbeständen, feuchten Bodenbereichen und weitgehend ungestörten Rückzugsräumen.

Wir müssen deshalb wieder lernen, Landschaften nicht ausschließlich nach ihrem Nutzungs- oder Ordnungszustand zu beurteilen, sondern nach ihrer tatsächlichen Fähigkeit, Leben zu ermöglichen.

Unser Blick nach vorn – Artenschutz beginnt im Kleinen

Die Gerandete Jagdspinne steht beispielhaft für eine Vielzahl von Lebewesen, deren Überleben von Landschaftsstrukturen abhängt, denen wir Menschen häufig nur wenig Aufmerksamkeit schenken. Es sind nicht immer die großen Wälder, ausgedehnten Seen oder weithin sichtbaren Schutzgebiete, die über den Fortbestand einer Tierart entscheiden.

Mitunter ist es eine kleine wasserführende Senke, ein ungestörter Grabenabschnitt oder eine unscheinbare Feuchtwiese, die über Generationen hinweg als Lebensraum dient.

  • Gerade solche Strukturen bilden wertvolle Bestandteile eines funktionierenden Biotopverbundes.

Artenschutz in Franken® setzt sich deshalb dafür ein, diese oftmals letzten Rückzugsräume nicht nur zu erhalten, sondern sie dort, wo es möglich ist, wieder miteinander zu verbinden.

Der Schutz einer einzelnen Spinnenart steht dabei stellvertretend für den Erhalt eines gesamten Lebensraumes. Denn wo die Gerandete Jagdspinne geeignete Bedingungen vorfindet, können auch zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten von strukturreichen, wassergeprägten Lebensräumen profitieren.

Vielleicht lohnt es sich gerade deshalb, beim nächsten Besuch eines kleinen Gewässers einen Augenblick länger stehen zu bleiben. Dort, wo sich Wasser und Vegetation berühren, könnte eine Gerandete Jagdspinne nahezu regungslos auf ihre nächste Beute warten. Eine bemerkenswerte Überlebenskünstlerin, die uns zugleich vor Augen führt, wie verletzlich die ökologischen Beziehungen innerhalb unserer Landschaft geworden sind.

Aufnahme von Helga Zinnecker
  •         Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus)

Unser Anspruch sollte es sein, solche Lebensräume zu bewahren, bevor aus einer noch vorhandenen Art eine Erinnerung an das wird, was unsere Natur einst auszeichnete.

Artenschutz in Franken®

Arten schützen – Lebensräume erhalten – biologische Vielfalt bewahren.
Seite:
1
|
2