Weberknechte (Opiliones)
Weberknechte – auf langen Beinen durch die Nacht
Die Sonne ist längst hinter den Bäumen verschwunden. Auf den Steinen einer alten Mauer liegt nur noch ein schmaler Streifen Abendlicht. Plötzlich löst sich daraus eine beinahe körperlose Gestalt: ein kleiner, rundlicher Körper, getragen von acht erstaunlich langen Beinen. Vorsichtig tastet sich das Tier über Moos, Flechten und verwitterte Fugen. Es wirkt zerbrechlich – und doch gehört es zu einer Tiergruppe, die bereits seit sehr langer Zeit auf der Erde existiert.
Solche stillen Begegnungen sind es, die uns bei Artenschutz in Franken® immer wieder daran erinnern, wie viele wenig beachtete Mitbewohner unmittelbar vor unserer Haustür leben. Weberknechte drängen sich nicht in den Vordergrund. Sie bauen keine auffälligen Netze, summen nicht über Blüten und hinterlassen kaum sichtbare Spuren. Dennoch sind sie ein fester Bestandteil unserer Lebensräume.
Spinnentier, aber keine Spinne
Weberknechte bilden innerhalb der Spinnentiere eine eigene Ordnung. Mit den eigentlichen Spinnen, den Webspinnen, sind sie verwandt, gehören aber nicht zu ihnen. Ein gut erkennbarer Unterschied liegt im Körperbau: Bei Weberknechten gehen Vorder- und Hinterkörper äußerlich breit ineinander über, sodass der Körper oft wie aus einem einzigen rundlichen Stück erscheint. Bei Webspinnen sind beide Körperabschnitte durch eine schmale Verbindung deutlich voneinander abgesetzt.
Erwachsene Weberknechte besitzen vier Beinpaare. Nicht alle Arten tragen jedoch die sprichwörtlich langen, fadenförmigen Beine. Einige heimische Formen sind kurzbeinig, gedrungen und aufgrund ihrer erdigen Färbung im Laub oder zwischen Steinen kaum zu entdecken. Viele Arten besitzen zwei Augen, die auf einem kleinen Augenhügel sitzen. Für die Orientierung sind jedoch auch Berührungen, Bodenschwingungen und chemische Reize wichtig. Vor allem das zweite Beinpaar kann beim Erkunden der Umgebung wie ein empfindliches Tastorgan eingesetzt werden.
Anders als Webspinnen verfügen Weberknechte weder über Spinndrüsen noch über Giftdrüsen. Sie bauen deshalb keine Fangnetze und können kein Gift einsetzen. Für Menschen sind heimische Weberknechte harmlos. Der gelegentlich wiederholte Mythos vom angeblich besonders giftigen Weberknecht gehört eindeutig ins Reich der Legenden.
Schutz durch Geruch und ein ungewöhnliches Ablenkungsmanöver
Wehrlos sind Weberknechte dennoch nicht. Viele Arten besitzen paarige Abwehrdrüsen. Werden die Tiere bedrängt, können sie daraus ein intensiv riechendes Sekret abgeben, das manche Angreifer abschreckt. Daneben kann ein festgehaltenes Bein an einer dafür vorgesehenen Stelle abgeworfen werden. Das abgetrennte Bein bewegt sich mitunter noch eine Weile weiter und lenkt den Angreifer ab, während der Weberknecht flieht. Ein verlorenes Bein wächst allerdings nicht wieder nach.
Diese Verteidigung hat ihren Preis. Deshalb sollten die Tiere weder an den Beinen angefasst noch aus Neugier bedrängt werden. Wer einen Weberknecht in einem Gebäude nach draußen setzen möchte, lässt ihn am besten behutsam in ein Glas laufen und verschließt dieses für den kurzen Transport mit einem Stück Papier.
Zwischen Laub, Totholz und Mauerritzen
Viele heimische Weberknechte bevorzugen schattige, geschützte und ausreichend feuchte Aufenthaltsorte. Man findet sie in Wäldern und Hecken, unter loser Rinde, in der Laubschicht, an Felsen, in Höhlen, Kellern, Holzstapeln oder den Fugen alter Mauern. Auch naturnahe Gärten können geeignete Rückzugsräume bieten. Daneben gibt es Arten, die offenere und wärmere Standorte nutzen. Von „dem“ einen Lebensraum der Weberknechte kann daher nicht gesprochen werden.
Tagsüber bleiben viele Arten verborgen. In der Dämmerung und während der Nacht werden sie aktiver. Dann laufen sie über den Boden, über Pflanzen oder senkrechte Flächen. Ihre langen Beine halten den empfindlichen Körper auf Abstand zum Untergrund und ermöglichen es ihnen, Hindernisse zu überbrücken. Manche Arten bilden zeitweise Ansammlungen an geschützten Plätzen. Ein solches Zusammentreffen ist kein Nest und auch kein Angriffsschwarm, sondern kann unter anderem dem Schutz vor Austrocknung und Feinden dienen.
Was steht auf dem Speiseplan?
Die Ernährungsweise ist innerhalb der Ordnung vielfältig. Viele Weberknechte nehmen kleine, weichhäutige Wirbellose, deren Eier oder andere leicht zu überwältigende Nahrung auf. Je nach Art gehören auch tote Tiere, Pilze und pflanzliche Bestandteile zum Spektrum. Weberknechte sind damit nicht ausschließlich Jäger, sondern können ebenso als Allesfresser und Aasnutzer auftreten.
Gerade diese Vielseitigkeit macht ihre ökologische Rolle interessant. Indem sie kleine Tiere erbeuten und abgestorbenes organisches Material aufnehmen, wirken sie an unterschiedlichen Stellen des Nahrungsnetzes mit. Zugleich dienen Weberknechte selbst anderen Tieren als Nahrung. Für Artenschutz in Franken® sind sie deshalb keine unbedeutenden Randfiguren, sondern ein Teil jener vielen leisen Verbindungen, die einen Lebensraum zusammenhalten.
Fortpflanzung und Entwicklung
Weberknechte pflanzen sich überwiegend geschlechtlich fort. Die Paarung erfolgt direkt. Die Weibchen verfügen über eine Legeröhre, mit der sie ihre Eier an geschützten Stellen ablegen können – beispielsweise in feuchter Erde, in Moospolstern, morschem Holz oder kleinen Spalten. Geeignete Feuchtigkeit ist für Eier und Jungtiere vieler Arten besonders wichtig.
Nach dem Schlupf ähneln die Jungtiere bereits kleinen Ausgaben der Erwachsenen. Bis zur Geschlechtsreife durchlaufen sie mehrere Häutungen. Zeitpunkt der Eiablage, Überwinterungsstadium und Lebensdauer unterscheiden sich zwischen den Arten. Auch hier zeigt sich: Weberknechte sind keine einheitliche Lebensform, sondern eine artenreiche Gruppe mit unterschiedlichen Strategien.
Wenn der Lebensraum immer „ordentlicher“ wird
Nach der derzeit verfügbaren bundesweiten Roten Liste gilt die Mehrzahl der bewerteten Arten als ungefährdet. Die Veröffentlichung stammt aus dem Jahr 2016 und beruht auf einem Datenstand von 2008 mit einzelnen Ergänzungen bis 2015. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass seltene Arten und Lebensraumspezialisten auf Veränderungen empfindlich reagieren können.
Entscheidend ist häufig nicht die Größe eines Gebietes allein, sondern die Qualität seines Mikroklimas: Bleiben schattige, feuchte und strukturreiche Verstecke erhalten? Gibt es eine Laubschicht, morsches Holz, bewachsene Säume und unversiegelte Rückzugsräume?
Genau diese Strukturen gehen vielerorts verloren. Laub wird vollständig entfernt, Totholz ausgeräumt, alte Mauern werden fugenlos verschlossen, Säume kurz gemäht und Gehölzbereiche bis auf den nackten Boden „gesäubert“. Hinzu kommen Bodenverdichtung, Flächenversiegelung und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Was aus menschlicher Sicht gepflegt erscheint, kann für einen Weberknecht eine ausgeräumte Landschaft ohne Deckung, Nahrung und geeignetes Kleinklima bedeuten.
Weberknechte im Klimawandel
Längere Trockenphasen und häufigere Hitzeperioden können besonders jene Arten unter Druck setzen, die auf feuchte und temperaturgepufferte Kleinstlebensräume angewiesen sind. Wo schützende Vegetation fehlt, Laub- und Humusschichten austrocknen oder alte Gehölzbestände verschwinden, werden Rückzugsräume seltener. Wärmeliebende oder anpassungsfähige Arten können von veränderten Bedingungen teilweise profitieren; empfindliche Arten müssen dagegen möglicherweise kleinräumig ausweichen oder verlieren geeignete Standorte.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® zeigt sich daran erneut, wie wichtig Wasser und Struktur selbst im kleinsten Maßstab sind. Ein beschatteter Totholzbereich, eine ungestörte Laubschicht oder eine bewachsene Mauernische können während heißer Tage zu entscheidenden Rückzugsorten werden. Klimaschutz und Artenschutz beginnen deshalb nicht erst bei großen Landschaftsprojekten. Sie beginnen auch dort, wo wir Feuchtigkeit im Boden halten und natürlichen Strukturen Zeit lassen.
Was wir für Weberknechte tun können:
Nicht jede Fläche muss bis in den letzten Winkel aufgeräumt sein. Gerade die scheinbar ungepflegten Übergänge zwischen Laub, Moos, Holz und Stein schenken vielen Kleintieren den Raum, den sie benötigen. Wer solche Orte erhält, schützt nicht nur Weberknechte, sondern zugleich zahlreiche weitere Arten des bodennahen Lebensraums.
Unser Blick auf die leisen Arten
Weberknechte werden selten zu Symbolfiguren des Naturschutzes. Vielleicht liegt gerade darin ihre Bedeutung. Sie machen sichtbar, dass biologische Vielfalt nicht nur aus auffälligen, seltenen oder besonders beliebten Arten besteht. Auch ein unscheinbares Tier auf einer nächtlichen Mauer ist Teil eines gewachsenen ökologischen Gefüges.
Artenschutz in Franken® möchte deshalb den Blick immer wieder auf jene Arten richten, an denen wir im Alltag leicht vorbeisehen. Wer einen Weberknecht beobachtet, begegnet keinem gefährlichen Eindringling, sondern einem faszinierenden Spinnentier mit einer ganz eigenen Lebensweise. Es braucht nicht viel, um ihm Raum zu lassen – manchmal genügt bereits eine unberührte Ecke.
In der Aufnahme von Volkmar Greb
- Eine Begegnung am alten Gemäuer
Die Sonne ist längst hinter den Bäumen verschwunden. Auf den Steinen einer alten Mauer liegt nur noch ein schmaler Streifen Abendlicht. Plötzlich löst sich daraus eine beinahe körperlose Gestalt: ein kleiner, rundlicher Körper, getragen von acht erstaunlich langen Beinen. Vorsichtig tastet sich das Tier über Moos, Flechten und verwitterte Fugen. Es wirkt zerbrechlich – und doch gehört es zu einer Tiergruppe, die bereits seit sehr langer Zeit auf der Erde existiert.
Solche stillen Begegnungen sind es, die uns bei Artenschutz in Franken® immer wieder daran erinnern, wie viele wenig beachtete Mitbewohner unmittelbar vor unserer Haustür leben. Weberknechte drängen sich nicht in den Vordergrund. Sie bauen keine auffälligen Netze, summen nicht über Blüten und hinterlassen kaum sichtbare Spuren. Dennoch sind sie ein fester Bestandteil unserer Lebensräume.
Spinnentier, aber keine Spinne
Weberknechte bilden innerhalb der Spinnentiere eine eigene Ordnung. Mit den eigentlichen Spinnen, den Webspinnen, sind sie verwandt, gehören aber nicht zu ihnen. Ein gut erkennbarer Unterschied liegt im Körperbau: Bei Weberknechten gehen Vorder- und Hinterkörper äußerlich breit ineinander über, sodass der Körper oft wie aus einem einzigen rundlichen Stück erscheint. Bei Webspinnen sind beide Körperabschnitte durch eine schmale Verbindung deutlich voneinander abgesetzt.
Erwachsene Weberknechte besitzen vier Beinpaare. Nicht alle Arten tragen jedoch die sprichwörtlich langen, fadenförmigen Beine. Einige heimische Formen sind kurzbeinig, gedrungen und aufgrund ihrer erdigen Färbung im Laub oder zwischen Steinen kaum zu entdecken. Viele Arten besitzen zwei Augen, die auf einem kleinen Augenhügel sitzen. Für die Orientierung sind jedoch auch Berührungen, Bodenschwingungen und chemische Reize wichtig. Vor allem das zweite Beinpaar kann beim Erkunden der Umgebung wie ein empfindliches Tastorgan eingesetzt werden.
Anders als Webspinnen verfügen Weberknechte weder über Spinndrüsen noch über Giftdrüsen. Sie bauen deshalb keine Fangnetze und können kein Gift einsetzen. Für Menschen sind heimische Weberknechte harmlos. Der gelegentlich wiederholte Mythos vom angeblich besonders giftigen Weberknecht gehört eindeutig ins Reich der Legenden.
Schutz durch Geruch und ein ungewöhnliches Ablenkungsmanöver
Wehrlos sind Weberknechte dennoch nicht. Viele Arten besitzen paarige Abwehrdrüsen. Werden die Tiere bedrängt, können sie daraus ein intensiv riechendes Sekret abgeben, das manche Angreifer abschreckt. Daneben kann ein festgehaltenes Bein an einer dafür vorgesehenen Stelle abgeworfen werden. Das abgetrennte Bein bewegt sich mitunter noch eine Weile weiter und lenkt den Angreifer ab, während der Weberknecht flieht. Ein verlorenes Bein wächst allerdings nicht wieder nach.
Diese Verteidigung hat ihren Preis. Deshalb sollten die Tiere weder an den Beinen angefasst noch aus Neugier bedrängt werden. Wer einen Weberknecht in einem Gebäude nach draußen setzen möchte, lässt ihn am besten behutsam in ein Glas laufen und verschließt dieses für den kurzen Transport mit einem Stück Papier.
Zwischen Laub, Totholz und Mauerritzen
Viele heimische Weberknechte bevorzugen schattige, geschützte und ausreichend feuchte Aufenthaltsorte. Man findet sie in Wäldern und Hecken, unter loser Rinde, in der Laubschicht, an Felsen, in Höhlen, Kellern, Holzstapeln oder den Fugen alter Mauern. Auch naturnahe Gärten können geeignete Rückzugsräume bieten. Daneben gibt es Arten, die offenere und wärmere Standorte nutzen. Von „dem“ einen Lebensraum der Weberknechte kann daher nicht gesprochen werden.
Tagsüber bleiben viele Arten verborgen. In der Dämmerung und während der Nacht werden sie aktiver. Dann laufen sie über den Boden, über Pflanzen oder senkrechte Flächen. Ihre langen Beine halten den empfindlichen Körper auf Abstand zum Untergrund und ermöglichen es ihnen, Hindernisse zu überbrücken. Manche Arten bilden zeitweise Ansammlungen an geschützten Plätzen. Ein solches Zusammentreffen ist kein Nest und auch kein Angriffsschwarm, sondern kann unter anderem dem Schutz vor Austrocknung und Feinden dienen.
Was steht auf dem Speiseplan?
Die Ernährungsweise ist innerhalb der Ordnung vielfältig. Viele Weberknechte nehmen kleine, weichhäutige Wirbellose, deren Eier oder andere leicht zu überwältigende Nahrung auf. Je nach Art gehören auch tote Tiere, Pilze und pflanzliche Bestandteile zum Spektrum. Weberknechte sind damit nicht ausschließlich Jäger, sondern können ebenso als Allesfresser und Aasnutzer auftreten.
Gerade diese Vielseitigkeit macht ihre ökologische Rolle interessant. Indem sie kleine Tiere erbeuten und abgestorbenes organisches Material aufnehmen, wirken sie an unterschiedlichen Stellen des Nahrungsnetzes mit. Zugleich dienen Weberknechte selbst anderen Tieren als Nahrung. Für Artenschutz in Franken® sind sie deshalb keine unbedeutenden Randfiguren, sondern ein Teil jener vielen leisen Verbindungen, die einen Lebensraum zusammenhalten.
Fortpflanzung und Entwicklung
Weberknechte pflanzen sich überwiegend geschlechtlich fort. Die Paarung erfolgt direkt. Die Weibchen verfügen über eine Legeröhre, mit der sie ihre Eier an geschützten Stellen ablegen können – beispielsweise in feuchter Erde, in Moospolstern, morschem Holz oder kleinen Spalten. Geeignete Feuchtigkeit ist für Eier und Jungtiere vieler Arten besonders wichtig.
Nach dem Schlupf ähneln die Jungtiere bereits kleinen Ausgaben der Erwachsenen. Bis zur Geschlechtsreife durchlaufen sie mehrere Häutungen. Zeitpunkt der Eiablage, Überwinterungsstadium und Lebensdauer unterscheiden sich zwischen den Arten. Auch hier zeigt sich: Weberknechte sind keine einheitliche Lebensform, sondern eine artenreiche Gruppe mit unterschiedlichen Strategien.
Wenn der Lebensraum immer „ordentlicher“ wird
Nach der derzeit verfügbaren bundesweiten Roten Liste gilt die Mehrzahl der bewerteten Arten als ungefährdet. Die Veröffentlichung stammt aus dem Jahr 2016 und beruht auf einem Datenstand von 2008 mit einzelnen Ergänzungen bis 2015. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass seltene Arten und Lebensraumspezialisten auf Veränderungen empfindlich reagieren können.
Entscheidend ist häufig nicht die Größe eines Gebietes allein, sondern die Qualität seines Mikroklimas: Bleiben schattige, feuchte und strukturreiche Verstecke erhalten? Gibt es eine Laubschicht, morsches Holz, bewachsene Säume und unversiegelte Rückzugsräume?
Genau diese Strukturen gehen vielerorts verloren. Laub wird vollständig entfernt, Totholz ausgeräumt, alte Mauern werden fugenlos verschlossen, Säume kurz gemäht und Gehölzbereiche bis auf den nackten Boden „gesäubert“. Hinzu kommen Bodenverdichtung, Flächenversiegelung und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Was aus menschlicher Sicht gepflegt erscheint, kann für einen Weberknecht eine ausgeräumte Landschaft ohne Deckung, Nahrung und geeignetes Kleinklima bedeuten.
Weberknechte im Klimawandel
Längere Trockenphasen und häufigere Hitzeperioden können besonders jene Arten unter Druck setzen, die auf feuchte und temperaturgepufferte Kleinstlebensräume angewiesen sind. Wo schützende Vegetation fehlt, Laub- und Humusschichten austrocknen oder alte Gehölzbestände verschwinden, werden Rückzugsräume seltener. Wärmeliebende oder anpassungsfähige Arten können von veränderten Bedingungen teilweise profitieren; empfindliche Arten müssen dagegen möglicherweise kleinräumig ausweichen oder verlieren geeignete Standorte.
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® zeigt sich daran erneut, wie wichtig Wasser und Struktur selbst im kleinsten Maßstab sind. Ein beschatteter Totholzbereich, eine ungestörte Laubschicht oder eine bewachsene Mauernische können während heißer Tage zu entscheidenden Rückzugsorten werden. Klimaschutz und Artenschutz beginnen deshalb nicht erst bei großen Landschaftsprojekten. Sie beginnen auch dort, wo wir Feuchtigkeit im Boden halten und natürlichen Strukturen Zeit lassen.
Was wir für Weberknechte tun können:
- Laub unter Hecken und Gehölzen teilweise liegen lassen
- morsches Holz, Baumstubben und einzelne Rindenstücke erhalten
- Natursteinmauern und Steinhaufen mit geschützten Hohlräumen bewahren
- Gehölzsäume nicht vollständig auslichten oder bis zum Boden mähen
- auf Pflanzenschutzmittel im Garten möglichst verzichten
- schattige, unversiegelte und strukturreiche Bereiche zulassen
- Keller- oder Hausbesucher behutsam ins Freie setzen, statt sie zu töten
Nicht jede Fläche muss bis in den letzten Winkel aufgeräumt sein. Gerade die scheinbar ungepflegten Übergänge zwischen Laub, Moos, Holz und Stein schenken vielen Kleintieren den Raum, den sie benötigen. Wer solche Orte erhält, schützt nicht nur Weberknechte, sondern zugleich zahlreiche weitere Arten des bodennahen Lebensraums.
Unser Blick auf die leisen Arten
Weberknechte werden selten zu Symbolfiguren des Naturschutzes. Vielleicht liegt gerade darin ihre Bedeutung. Sie machen sichtbar, dass biologische Vielfalt nicht nur aus auffälligen, seltenen oder besonders beliebten Arten besteht. Auch ein unscheinbares Tier auf einer nächtlichen Mauer ist Teil eines gewachsenen ökologischen Gefüges.
Artenschutz in Franken® möchte deshalb den Blick immer wieder auf jene Arten richten, an denen wir im Alltag leicht vorbeisehen. Wer einen Weberknecht beobachtet, begegnet keinem gefährlichen Eindringling, sondern einem faszinierenden Spinnentier mit einer ganz eigenen Lebensweise. Es braucht nicht viel, um ihm Raum zu lassen – manchmal genügt bereits eine unberührte Ecke.
In der Aufnahme von Volkmar Greb
- Trotz ihres Aussehens sind Weberknechte keine Webspinnen, sondern bilden eine eigene Ordnung der Spinnentiere.
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