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Frühe Adonislibelle
Bild zum Eintrag (1147940-160)
Frühe Adonisjungfer – ein roter Frühlingsbote am Wasser

  • Eine kleine Begegnung im jungen Grün

Der Morgen ist noch kühl. Über dem kleinen Gewässer liegt ein feiner Schleier, und zwischen Seggen, Binsen und jungen Uferpflanzen sind zunächst kaum Tiere zu erkennen. Dann löst sich ein roter Farbtupfer aus der Vegetation. Die zierliche Libelle fliegt nur wenige Meter weit und setzt sich erneut auf einen Halm.

Es ist eine Frühe Adonisjungfer (Pyrrhosoma nymphula), die auch als Frühe Adonislibelle bezeichnet wird. Während viele andere Libellenarten noch als Larven im Wasser leben, kann sie bereits an den ersten warmen Frühlingstagen beobachtet werden. Für Artenschutz in Franken® gehört sie zu den stillen Zeichen dafür, dass an einem Gewässer ein neuer Jahreszyklus begonnen hat.

Erscheinungsbild und Bestimmung

Die Frühe Adonisjungfer gehört zu den Kleinlibellen. Ihr schlanker Körper erreicht gewöhnlich eine Länge von etwa dreieinhalb bis viereinhalb Zentimetern. Besonders auffällig ist die kräftige rote Grundfärbung, die von schwarzen Zeichnungen unterbrochen wird.

Ausgewachsene Männchen zeigen meist einen überwiegend roten Hinterleib mit einer deutlichen schwarzen Zeichnung im hinteren Bereich. Auch die Augen können intensiv rötlich erscheinen. Weibchen sind unterschiedlich gefärbt: Manche ähneln den Männchen, andere tragen deutlich größere schwarze Anteile auf dem Hinterleib.

Der Brustabschnitt besitzt dunkle, teilweise metallisch wirkende Flächen mit rötlichen Linien. Die Beine sind schwarz. Dieses Merkmal kann bei der Unterscheidung von anderen rot gefärbten Kleinlibellen hilfreich sein. In Ruhestellung werden die durchsichtigen Flügel meist dicht über dem Hinterleib zusammengelegt.

Eine sichere Bestimmung sollte sich dennoch niemals nur auf die rote Körperfarbe stützen. Geschlecht, Alter, Licht und individuelle Zeichnung können das Erscheinungsbild verändern. Im Zweifelsfall sind gute Detailaufnahmen oder die Einschätzung einer fachkundigen Person hilfreich.

Warum sie so früh erscheint

Die Frühe Adonisjungfer trägt ihren Namen zu Recht. Sie gehört zu den ersten Kleinlibellen, die im Frühjahr an unseren Gewässern fliegen. Je nach Witterung und Region können die ersten Tiere bereits im April oder Anfang Mai schlüpfen. Die Flugzeit reicht häufig bis in den Sommer.

Die Larven haben den Winter bereits weit entwickelt unter Wasser verbracht. Steigen die Temperaturen im Frühjahr, beginnt die letzte Phase ihrer Entwicklung. Zur Umwandlung in die flugfähige Libelle verlässt die Larve das Wasser und klettert an einem Pflanzenstängel empor.

Dort platzt die Larvenhaut auf und die noch weiche Libelle arbeitet sich langsam heraus. Flügel und Hinterleib müssen sich vollständig entfalten und aushärten. Zurück bleibt die leere Larvenhülle, die sogenannte Exuvie. Sie ist ein wertvoller Nachweis dafür, dass sich die Art an diesem Gewässer tatsächlich erfolgreich entwickelt hat.

Lebensraum – kleine Gewässer mit großer Bedeutung

Die Frühe Adonisjungfer nutzt unterschiedliche stehende oder langsam fließende Gewässer. Dazu gehören kleine Teiche, Tümpel, Weiher, Gräben, Moorgewässer, ruhige Bachabschnitte und teilweise auch beschattete Waldgewässer.

Wichtig sind strukturreiche Ufer mit Binsen, Seggen, Röhricht oder anderen Wasser- und Sumpfpflanzen. Diese Vegetation bietet Sitzplätze, Schutz vor Wind und geeignete Strukturen für Schlupf und Eiablage. Sowohl sonnige als auch teilweise beschattete Gewässer können besiedelt werden.

Gerade kleinere Gewässer werden in ihrer ökologischen Bedeutung häufig unterschätzt. Für die Larven der Frühen Adonisjungfer sind sie jedoch über einen langen Zeitraum der gesamte Lebensraum. Wasserqualität, Pflanzenbewuchs, Gewässerboden und Uferstruktur entscheiden darüber, ob eine neue Generation heranwachsen kann.

Zwei Lebenswelten

Libellen führen ein Leben in zwei sehr unterschiedlichen Welten. Den längsten Teil ihrer Entwicklung verbringt die Frühe Adonisjungfer als Larve im Wasser. Dort lebt sie räuberisch und erbeutet kleine Wasserorganismen. Gleichzeitig wird sie selbst zur Nahrung für größere Wasserbewohner.

Nach dem Schlupf beginnt das vergleichsweise kurze Leben als flugfähige Libelle. Auch die erwachsenen Tiere ernähren sich von kleinen Insekten, die sie im Flug oder von einer Sitzwarte aus erbeuten. Damit sind sie Teil eines vielschichtigen Nahrungsnetzes am Gewässer.

Für Artenschutz in Franken® macht gerade dieser Wechsel zwischen Wasser und Land deutlich, weshalb Libellenschutz niemals am unmittelbaren Wasserrand enden darf. Die Tiere benötigen zusätzlich geschützte Uferbereiche, Hochstauden, Säume, Wiesen und Gehölzränder als Jagd- und Reiferäume.

Fortpflanzung am Gewässer

Zur Paarung ergreift das Männchen das Weibchen mit seinen Hinterleibsanhängen hinter dem Kopf. Gemeinsam bilden beide das für Libellen charakteristische Paarungsrad.

Nach der Paarung werden die Eier in geeignetes Pflanzengewebe eingebracht. Häufig bleibt das Männchen während der Eiablage mit dem Weibchen verbunden. Auf diese Weise kann es verhindern, dass sich unmittelbar ein anderes Männchen mit dem Weibchen paart.

Aus den Eiern schlüpfen kleine Larven, die sich während ihrer Entwicklung mehrfach häuten. Wie lange diese Unterwasserphase dauert, hängt unter anderem von Temperatur, Nahrungsangebot und Gewässertyp ab. Der Winter wird in der Regel als Larve im Wasser überstanden.

Noch verbreitet – aber nicht selbstverständlich

Die Frühe Adonisjungfer wird gegenwärtig sowohl in Deutschland als auch in Bayern als ungefährdet eingestuft. Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Lebensräume keiner Aufmerksamkeit bedürfen. Auch eine noch verbreitete Art kann örtlich verschwinden, wenn ihre Fortpflanzungsgewässer trockengelegt, zugeschüttet oder grundlegend verändert werden.

Problematisch sind die vollständige Entfernung der Ufervegetation, häufige Gewässerräumungen, starke Nährstoffeinträge und der Verlust kleiner Tümpel und Gräben. Auch ein dichter Besatz mit Fischen kann die Zahl der Libellenlarven erheblich beeinflussen.

Pflegeeingriffe sollten deshalb nicht gleichzeitig am gesamten Gewässer stattfinden. Werden immer nur Teilbereiche bearbeitet, bleiben Rückzugsräume und Entwicklungsstrukturen erhalten. Besonders während der Schlupf- und Fortpflanzungszeit ist ein schonender Umgang mit der Ufervegetation wichtig.

Wie alle heimischen Libellen ist auch die Frühe Adonisjungfer besonders geschützt. Die Tiere dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Auch ihre Entwicklungsstätten sollten vor vermeidbaren Eingriffen bewahrt bleiben.

Trockenheit und Klimawandel

Steigende Temperaturen können dazu führen, dass Libellen früher im Jahr erscheinen. Eine zeitliche Verschiebung allein sagt jedoch noch nichts darüber aus, ob sich die Bedingungen für eine Art tatsächlich verbessern.

Kritisch wird es, wenn kleine Gewässer immer früher oder über längere Zeit vollständig austrocknen. Die Larven können ihren Lebensraum nicht einfach verlassen. Verschwindet das Wasser, bevor ihre Entwicklung abgeschlossen ist, kann eine ganze Generation verloren gehen.

Starkregen ersetzt dabei keinen dauerhaft funktionierenden Wasserhaushalt. Entscheidend ist, ob Niederschläge in der Landschaft gespeichert werden und Feuchtgebiete, Tümpel und Gräben ausreichend lange Wasser führen. Entwässerung, Bodenverdichtung und fehlende Pufferzonen verschärfen die Folgen längerer Trockenperioden.

Kleine Gewässer dauerhaft erhalten

Der Schutz der Frühen Adonisjungfer beginnt mit dem Erhalt ihrer Entwicklungsgewässer. Naturnahe Ufer, unterschiedliche Wassertiefen, Wasserpflanzen und ungenutzte Randstreifen schaffen vielfältige Strukturen. Auf den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sollte im Umfeld solcher Gewässer möglichst verzichtet werden.

Bei neu angelegten Kleingewässern ist es sinnvoll, auf einen künstlichen Fischbesatz zu verzichten und die natürliche Entwicklung abzuwarten. Häufig finden Libellen geeignete Gewässer selbstständig. Entscheidend ist weniger ein vollkommen aufgeräumtes Erscheinungsbild als ein Mosaik aus offenen Wasserflächen, dichterer Vegetation und störungsarmen Uferbereichen.

Für Artenschutz in Franken® ist die Frühe Adonisjungfer eine Botschafterin dieser oft übersehenen Lebensräume. Ihr roter Körper mag auffällig sein – doch die Strukturen, von denen sie abhängt, verschwinden häufig beinahe unbemerkt.

Wer kleine Gewässer schützt, bewahrt deshalb nicht nur eine einzelne Libellenart. Er erhält einen Lebensraum für Amphibien, Wasserinsekten, Vögel, Pflanzen und zahlreiche weitere Organismen.


In der Aufnahme von Bernhard Schmalisch
  • Weibchen
Frühe Adonislibelle
Bild zum Eintrag (1147941-160)
Aufnahme von Günter Neuberger
Frühe Adonislibelle
Bild zum Eintrag (1147943-160)
Aufnahme von Albert Meier
  • Die in Franken noch relativ häufig anzutreffende Libellenart „Frühe Adonislibelle“ zeichnet sich durch einen nicht sehr hohen Anspruch an ihren Lebensraum aus. Ob mehr oder minder großes Stillgewässer oder langsam dahin gleitendes Fließgewässer, beides wird regelmäßig erschlossen.Die Abmaße der Frühen Adonislibelle betragen in der Flügelspannweite bis zu 45 mm und in der Körperlänge rund 35 mm. Weibliche Libellen dieser Gattung legen ihre Eier in kleine Pflanzenöffnungen ( Wasserpflanzen ) , welche diese selbst eröffnet haben.Typische Farbgebung ist der leuchtend rote Körper mit eingestreuten schwarzen Hinterleibsprägungen, die sich bei der weiblichen Libelle auf den Abdomen zeigen.
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