Nationalpark Steigerwald!?
Pro und Contra
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Wir möchten Ihnen auf dieser Seite Veröffentlichungen in der regionalen Presse vorstellen, welche die jeweiligen Sichtweisen aufzeigen.
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Publikatuionen im Fränkischen Tag
„Darauf wäre ganz Franken stolz“
Die Anmeldung zum Weltnaturerbe deutscher Buchenwälder hat der Steigerwald knapp verpasst.
Dennoch
gibt es noch Aussicht auf den Titel.
Eine Machbarkeitsstudie bescheinigt der Waldregion international hohen Stellenwert.
Bamberg —Wird der Steigerwald künftig in einer Reihe mit dem Grand Canyon und dem Großen Barriereriff in Australien stehen?
Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat das Waldareal an der Grenze von Ober-, Unter und Mittelfranken an einem Auswahlverfahren für den Titel Weltnaturerbe der Menschheit teilgenommen.
Mit großem Erfolg:
Die naturnahen Buchenwälder nördlich von Ebrach erhielten unter 24 Waldgebieten Deutschlands die fünftbeste Einstufung und dieNote 2,7 . Dennoch wurde der Steigerwald bei der Nominierung deutscher Buchenwälder für das Weltnaturerbe der Menschheit vor wenigen Tagen nicht berücksichtigt.
Auf einer ersten Vorschlagsliste stehen die Nationalparks Kellerwald in Hessen, Hainich in Thüringen und das
Biosphärenreservat Schorfheide- Chorin in Brandenburg; letzteres hatte in der Bewertung der Fachleute nur die Note 3,1 erhalten, also schwächer als der Steigerwald abgeschnitten. Doch noch ist aus regionaler Sicht nichts verloren. Nach Informationen unserer Zeitung besteht noch die Chance, dass die Wälder zwischen Eltmann
und Ebrach zu internationalen Ehren kommen. Denn die endgültige Vorschlagsliste soll erst 2009 bei der Unesco in Paris eingereicht werden; bis dahin wäre noch genug Zeit, das Interesse der Region in einer Bewerbung deutlich zu machen. Derzeit gibt es in Deutschland nur ein Weltnaturerbe: den Fossilienfundort
Grube Messel bei Darmstadt.
Voraussetzung, dass der Steigerwald doch noch in die Vorschlagsliste für die Unesco gelangt und in die Bundesliga deutscher Naturlandschaften, ist die Errichtung eines Großschutzgebietes in Form eines
Nationalparks wie im Bayerischen Wald oder eines Biosphärenreservats wie in der Rhön.
Ein solches Schutzgebiet müsste eine Größe von über 5000 Hektar haben. Die vom Bundesumweltministerium in einer Machbarkeitsstudie untersuchten Wälder im Steigerwald besitzen insgesamt 11000 Hektar Fläche. Das für einen Nationalpark Steigerwald in Frage kommende Areal befindet sich im südwestlichen Landkreis Bamberg, im südlichen Landkreis Haßberge und zum kleineren Teil im Gebiet des Landkreises Schweinfurt. Wichtige Kernzonen wären die Naturwaldreservate bei Ebrach,der Böhlgrund bei Zell am Ebersberg sowie dasWaldgebiet Kleinengelein bei Obersteinbach mit 400 Jahre alten Buchen.
Die Chancen dafür, dass ein Teil der großen Laubwälder im Steigerwald tatsächlich unter Naturschutz
gestellt werden, sind vergleichsweise günstig. Das Gebiet nördlich des ehemaligen Zisterzienserklosters
Ebrach ist von wenigen Straßen durchzogen und dünn besiedelt. Zu dem: Die Waldflächen, die aus der forstlichen Nutzung herausgenommen werden müssten, gehören dem Freistaat Bayern.
Auch die Politik zeigte sich in einer ersten Stellungnahme begeistert über die Chancen, die in einer solchen Auszeichnung liegen. Das Ziel, den Steigerwald bei der Unesco als Naturerbe nachzumelden, sollte nach Ansicht von Dr. Günther Denzler, Landrat des Landkreises Denzler, mit allen Mitteln verfolgt werden. „Ich bin fasziniert von diesem Gedanken und verspreche mir einen Riesenschub für unsere Region, wenn es gelänge,
Teil des Weltnaturerbes der Unesco zu werden. Das wäre ein touristischer Magnet, auf den ganz Franken stolz sein könnte.“
Auch der Landrat des Landkreises Haßberge, Rudolf Handwerker, könnte sich für ein Weltnaturerbe vor den Toren von Haßfurt begeistern. Er spracht gegenüber unserer Zeitung von einer „unglaublichen Chance“. Denzler wie Handwerker erhoffen sich von einem Titel vor allem touristische Aufwertung der strukturschwachen
Region. Ein Nationalpark Steigerwald und noch mehr ein Weltnaturerbe könne im Wettbewerb der Regionen neben dem Weltkulturerbe Bamberg zu einem herausragenden Anziehungspunkt werden.
Donnersdorf
Burgwindheim
Untersteinbach
Oberschwarzach
Oberschleichach
Donnersdorf Burgwindheim Untersteinbach Dingolshausen Oberschwarzach Ebrach Oberschleichach
Die grüne Fläche zeigt die Grenzen eines möglichen Nationalparks Steigerwald mit ca. 11 000 Hektar Wald,
der sich ausschließlich im Besitz des Freistaats befindet.
Nationalpark würde auch Bamberg beflügeln
Bund-Naturschutz-Chef Hubert Weiger sieht vor allem den Freistaat in der Pflicht.
Bamberg — Zwei der wichtigsten bayerischen Naturschützer, Hubert Weinzierl und Hubert Weiger, haben sich im Gespräch mit dem „fränkischen Tag“ für ein Großschutzgebiet im Steigerwald stark gemacht Hubert Weiger, Vorsitzender
des Bund Naturschutz mit rund 170 000 Mitgliedern, zeigte sich überzeugt, dass die Verknüpfung des Weltkulturerbes Bamberg und eines möglichen Weltnaturerbes
Steigerwald den Tourismus in der ganzen Region beflügeln könnte.
Der Bund Naturschutz begrüße die Initiative wichtiger Kommunalpolitiker der Region, Teile des Steigerwald als Großschutzgebiet für Laubwälder auszuweisen sehr, sagte Weiger. Buchenwälder seien Deutschlands
wichtigster natürlicher Lebensraum; die Region um Ebrach sei wissenschaftlich bestens erforscht und habe hervorragende Bewertungen erhalten. Eine Unterschutzstellung als nationales Erbe könne auch ein wichtiges Signal für die Biodiversitätskonferenz sein die kommendes Jahr als Nachfolgeveranstaltung
von „Rio“ in Deutschland stattfindet.
Weil es sich bei der fraglichen Fläche im nördlichen Steigerwald um Staatswald handelt, sieht Hubert Weiger vor allem die Staatsregierung in der Pflicht. Es stehe nichts dagegen, dass das Parlament schon im kommenden Jahr in einer
Rechtsverordnung die Errichtung eines Nationalparks beschließt.
Weiger hofft auch, dass der designierte bayerische Ministerpräsident
Günther Beckstein es sich zum eigenen Anliegen macht, dass erstmals auch ein Gebiet in Franken in die höchste Schutzkategorie erhoben wird.
Mit einem Nationalpark im Steigerwald wären die wichtigsten bayerischen Lebensräume dauerhaft gesichert.
„Das wertvollste Laubwaldgebiet, das die Bayern haben“
GESPRÄCH Hubert Weinzierl unterstützt die Idee eines Großschutzgebietes „Fränkische Wälder“ im Steigerwald.
Bamberg — Hubert Weinzierl war lange Jahre Chef des Bund Naturschutz und bekleidet auch heute noch wichtige Ämter. Ein "FT" Gespräch mit dem Mann, der als einer der profiliertesten deutschen Naturschützer gilt.
Herr Weinzierl, unterstützen Sie die Idee, Teile des Steigerwalds in Franken zum Nationalpark zu erklären?
Hubert Weinzierl: Ich kenne den Steigerwald seit vielen Jahren. Er hat es von der Wertigkeit auf jeden Fall verdient. In Bayern fehlt ein Großschutzgebiet Laubwälder und der Steigerwald ist noch vor dem Spessart in dieser Hinsicht das wertvollste Laubwaldgebiet, das wir in Bayern haben. Es zu schützen, verpflichtet uns auch die bayerische Verfassung. Und es wäre auch ein Ausgleich der regionalen Interessen. Denn die bisherigen Nationalparks liegen alle in Altbayern.
Was fehlt, ist ein Großschutzgebiet in Franken.
Was bringt ein Nationalpark der Bevölkerung?
Solche Parks sind Juwelen, die den Begriff Heimat erst mit Inhalt füllen.
Es gibt außerdem weltweite Erfahrungen, dass Nationalparks auch zum Besuchermagnet werden und damit den Tourismus fördern. Zudem werden die Urlaubsgebiete in der Heimat künftig eine Renaissance erleben. Wegen des
Klimaschutz-Debatte und der steigenden Preise werden wir weniger fliegen. Da steht ein Paradigmenwechsel an.
Was wären die Besonderheiten eines Großschutzgebietes „Fränkische Wälder“?
Es gibt dort wunderschöne Eichen und Buchen, eine Tierwelt, die viele seltene Arten wie die Wildkatze beherbergt. Zudem ist sie sogar vielfältiger als die
Landschaft der Alpen.
Der Steigerwald ist das Urbild einer schönen deutschen Landschaft.
Es gibt immer auch Befürchtungen gegen einen Nationalpark.
Das ist richtig, und man muss diese Ängste ernst nehmen. Nur wenn sich die Bevölkerung vor Ort mit einem solchen Schutzgebiet identifiziert, hat es eine
Chance. Aber hier kann ich beruhigen: Bei keinem der 16 deutschen Nationalparks wurde den Menschen etwas weggenommen. Im Gegenteil, sie haben etwas bekommen.
„Nationalpark wäre ein Knaller“
Dieter Schneider, Erster Bürgermeister von Ebrach, sieht mehr Vorteile aus einem Nationalpark Steigerwald als Nachteile. Vor allem hofft Schneider auf zusätzliche Arbeitsplätze.
Ebrach — Noch ist der Nationalpark Steigerwald nur eine Idee und schon hat sich eine rege Debatte
darum entzündet. Doch wie denken die Menschen vor Ort?
Auch in der Gemeinde Ebrach, auf deren Gebiet sich rund 4500 Hektar des für ein Schutzgebiet in Frage kommenden Staatsforstes befinden, wird derzeit rege und kontrovers diskutiert.
Der Erste Bürgermeister in Ebrach, Max-Dieter Schneider, steht der Einrichtung eines Großschutzgebietes sehr positiv gegenüber, wie er dem FT auf Anfrage berichtet. Er verspreche sich vor allem in und um Ebrach eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation und eine Stabilisierung der Bevölkerungszahlen, die derzeit
eher durch Stagnation bestimmt seien. Der Staatsforst habe in den vergangenen Jahren stark Personal abgebaut. Allein die Zahl der Waldarbeiter sei von 60 auf jetzt zwölf heruntergegangen.
Schneider geht davon aus, dass eine Nationalparkverwaltung mindestens die dreifache Zahl an Arbeitsplätzen
in den strukturschwachen Steigerwald bringen werde. Von den Beschränkungen durch einen möglichen Nationalpark wären laut Schneider die Holzwerber betroffen, die jetzt noch ihr Brennholz in den Buchenwäldern
einschlagen und die kleinen Sägewerke in der Region, von denen eine Handvoll existierten. „Diese Nachteile
werden nach meinem Dafürhalten aber durch die Pluspunkte mehr als aufgewogen.“.
Denn Schneider erhofft sich durch die erhöhte Aufmerksamkeit in ganz Deutschland, die von einem Nationalpark ausgeht, deutlichen Zuwachs für den Tourismus. „Ein solcher Park würde viele Gäste in den
Steigerwald bringen, die ihn jetzt noch gar nicht kennen.“
Nach Schneiders Meinung gibt es zum Ausbau des sanften Tourismus keine Alternative, weil die Aussichten auf Ansiedelung neuer Betrieben in der Region nur sehr gering seien. Die letzten Jahre seien von Rückgang
geprägt gewesen. „Die meisten Firmen, die in den Landkreis Bamberg kamen, wollten neben die Autobahn bauen“, sagte Schneider.
Als eine Riesenchance wertet er die Möglichkeit, Nationalpark und Weltnaturerbe in einem zu werden – eine Vision.
„Wir wären das erste Weltnaturerbe zwischen zwei Weltkulturerbestätten, zwischen der Altstadt
Bamberg und der Würzburger Residenz .“
Schneider schätzt die Meinungen in der Bevölkerung derzeit als geteilt ein, wobei er glaubt, die Mehrheit überzeugen zu können, wenn man offen diskutiert. Zusammen mit Bürgermeisterkollegen will Schneider
demnächst zu einer Aufklärungsveranstaltung einladen.
Kleiner Urwald für große Pläne
Der Bund Naturschutz bringt 20 Hektar Schutzgebiet in den Nationalpark ein.
Bamberg — „Wir haben in Franken keine hohen Berge, keine großen Seen, aber wir haben
diese wunderschönen Laubwaldgebiete, ganz besonders im Steigerwald.“ Hubert Weiger,
Landesvorsitzender des Bund Naturschutz , hat vor wenigen Tagen in einer Pressekonferenz in Bamberg gefordert, dass 11 000 Hektar Laubwaldfläche im Steigerwald zum ersten Nationalpark in Franken erklärt werden sollen.
„Ein Nationalpark und ein mögliches Weltnaturerbe wären hervorragende weiche Standortfaktoren für die Region. Sie wären ein Geschenk des Freistaats an die Franken“, sagte Weiger.
Eine Morgengabe hat der Bund Naturschutz gestern seinerseits in den möglichen Nationalpark eingebracht: Das rund 20 Hektar große Naturschutzgebiet „Spitalgrund“ bei Prüßberg in Unterfranken, das der Bund Naturschutz vor 25 Jahren mit Hilfe
des Filmemachers und Nationalparkpioniers Bernhard Grzimek erworben hat.
Die steilen Schluchtwälder und idyllische Wiesengrund am Oberlauf der Volkach zeigen bereits heute den urigen Anblick, den ein Großschutzgebiet nach Jahren auf großer Fläche entfalten würde.
Hier leben so seltene Arten wie Zaunkönig und Kolkraben, Sperlingskauz und Mittelspecht,
aber auch spektakuläre Pilze wie der Stachelbart, Großkäfer wie der Eremit und der Feuersalamander.
„Hier wurde nie gewirtschaftet, und es herrschen noch urtümliche, urwaldartige Zustände“, berichtete Dr. Georg Sperber, einer der besten Kenner des Steigerwalds.
Der Bund Naturschutz ist die größte Naturschutzorganisation Bayerns und zählt rund 170 000
Mitglieder. Wie Weiger erklärte, setzt sich seine Organisation auch deshalb für einen Nationalpark Steigerwald ein, weil ein großes Laubwaldgebiet auf der bayerischen Naturschutzkarte noch fehlt:
Nach zwei Nationalparks in Altbayern müsse ein fränkisches Laubwaldgebiet die höchste Schutzkategorie erhalten.
Dies sei wichtig für das Selbstwertgefühl einer Region, aber auch eine Verpflichtung, die
sich aus der Artenschutzkonvention ergebe, die Deutschland 1992 in Rio unterschrieben habe.
Der Steigerwald erfüllt laut Weiger alle Voraussetzungen für einen Nationalpark; er ist groß
genug und habe bei einer Studie die beste Bewertung aller bayerischen Laubwälder erhalten; zudem handele es sich ausschließlich um Staatswald.
Fränkische Buchen für China
Wenn es um den Schutz der Wälder dieser Erde geht, sind die Europäer gewohnt,
mit dem Finger auf die Länder der Tropen zu zeigen. Die Verluste an Natur rund
um den Äquator sind in der Tat beängstigend: Jährlich werden in Südamerika und
Asien riesige Regenwälder unwiederbringlich ausgelöscht.
Doch sind die Industrienationen wirklich besser? Wenn 2008 die Nachfolgekonferenz
von „Rio de Janeiro“ in Deutschland stattfindet, könnten uns beispielsweise die
Brasilianer die Frage stellen, was denn die Deutschen zum Erhalt ihres Buchenwald-Erbes
getan haben, zu dem sie sich in der Konvention zum Artenschutz in Rio 1992 verpflichteten.
Dann wird sich herausstellen. Unsere Bilanz ist ebenfalls beschämend. Mit Ausnahme weniger Flecken wie zum Beispiel im Steigerwald ist die ursprünglich in Deutschland am meisten beheimatete Baumart, die Buche, weitgehend verschwunden.
So erhält die Diskussion um den ersten fränkischen Nationalpark auch weltpolitische
Brisanz. Wenn schon die Industrienationen ihre Hausaufgaben nicht machen, wie
wollen sie glaubhaft Umwelt- und Klimaschutz von den Ländern einfordern, die nicht
einmal ihre Bevölkerung ernähren können?
Kritiker eines Nationalparks Steigerwald argumentieren damit, dass man Holz nicht dem natürlichen Verfall preisgeben dürfe. Sicher sollten Bürger, die gewohnt sind, hinter dem Haus ihr Brennholz zu schlagen, einen Ausgleich erhalten.
Andererseits ist es Fakt, dass die Masse des Holzes aus dem Steigerwald nicht in der Region verarbeitet wird, sondern von österreichischen Sägewerken.
Und wenn wir schon von internationalem Holz -Handel reden: Viele der dicken Furnierbuchen sind in den letzten Jahren aus dem Steigerwald nach China exportiert worden.
Naturschutz sieht große Chance
Die Debatte um den Nationalpark schlägt erste Wellen. Sebastian von Rotenhan kritisiert das Betretungsverbot.
Bund Naturschutz und der Landrat werben für ein Schutzgebiet.
Lkrs. Bamberg — Die Geschichte des deutschen Buchenwalds ist eine Geschichte des Abholzens. Von der einstigen Mutter des Waldes, wie die Buche auch genannt wird, die auf 75 Prozent der Landesfläche stockte, sind heute nur noch 4,3 Prozent übrig geblieben.
Dies rechnete Naturschützer und Forstexperte Dr. Georg Sperber bei der gestrigen Nationalpark-Pressekonferenz des Bundes Naturschutzes vor. Zieht man von dieser Bilanz
noch die dünnen Buchen ab, bleiben sogar nur 0,7 Prozent der Landesfläche.
Genau das ist der Schatz des Steigerwalds.
Denn unter dem Schutz der Zisterziensermönche, die im Ebracher Tal seit dem 12. Jahrhundert siedelten, hat sich hier auf wenigen Quadratkilometern ein ursprünglicher Laubwaldbestand erhalten, der bundesweit seinesgleichen sucht.
Die Zeichen stehen gut, dass die Franken sich dieses Reichtums bewusst werden. Doch es
gibt auch kritische Stimmen. Aus den Haßbergen meldete sich gestern der Landtagsabgeordnete und Besitzer großer Wälder, Sebastian von Rotenhan, zu Wort.
Steigender Tourismus infolge eines Nationalparks bringe nur der Gastronomie Vorteile,
während alle sich mit steigenden Preisen abfinden müssten, glaubt Rotenhan und forderte
dazu auf, die Vor- und Nachteile einer solchen Entscheidung gründlich abzuwägen. Seine
Kritik an einem Nationalpark richtet sich auch gegen das Betretungsverbot, das den freien
Zugang zu den Wäldern nach seinen Worten einschränkt.
„Wollen wir das wirklich?“, fragt der Politiker und verweist auf den Nationalpark Bayerischer
Wald, wo zum Schutze des Birkwildes teilweise Betretungsverbot herrscht.
Hubert Weiger und Georg Sperber beantworteten unsere Frage nach dem Betretungsverbot in einem Nationalpark mit der Feststellung, dass ein solches Schutzgebiet nicht bedeutet, dass hier der Mensch ausgeklammert wird.
Im Gegenteil: Es gehe um eine höhere Erlebnisqualität durch Information, durch Verbesserung des Angebots und mehr naturnahe Wege. Im Konfliktfall genieße die Natur Vorrang vor den Interessen der Besucher. Gewerbliches Pilzesammeln beispielsweise gehöre zu den verbotenen Dingen.
Aber auch im Buchenwald-Nationalpark Hainich im benachbarten Thüringen gebe es bislang kein Betretungsverbot.
Laut Hubert Weiger und Georg Sperber bedeute der Schutzstatus, das bei einer Gesamtfläche
des Nationalparks von 11 000 Hektar rund 6000 Hektar aus der Nutzung genommen werden.
Dies sei weniger als fünf Prozent der gesamten Wälder des jetzigen Naturparks Steigerwald,
die eine Fläche von 128 000 Hektar einnehmen.
Doch was ist mit den Brennholzwerbern, die bisher gewohnt waren, ihr Holz aus dem
Wald zu holen? Diesem auch von Sebastian von Rotenhan vorgebrachten Argument sah sich
Landrat Dr. Günther Denzler bereits im Gespräch mit den Bayerischen Staatsforsten gegenüber.
Doch der Landkreischef lässt sich dadurch nicht beeindrucken. Wegen des Brennholzes werde sich eine Lösung finden lassen, ist Denzler überzeugt. Er glaubt an die großen Chancen durch einen Nationalpark und ein mögliches Weltnaturerbe Steigerwald.
Weiger bestätigte, dass die Verwaltung eines Nationalparks eine große Zahl von Arbeitsplätzen schafft und ein wichtiger weicher Standortfaktor ist. „Im Bayerischen Wald zählt die Nationalparkverwaltung mittlerweile 220 Mitarbeiter“, sagte Weiger.
Damit verbunden seien auch erhebliche Investitionen in Forschung und Infrastruktur. In Berchtesgaden sei im vergangenen Jahr ein Infozentrum für sieben Millionen Euro eröffnet worden.
Autor
MICHAELWEHNER
Artikel in autorisierter Abstimmung mit allen am Projekt beteiligten Instititionen. Für die hier gelistetetn Darstellungen tragen die jeweiligen Autoren die Verantwortung.