Sie alle engagieren sich gemeinsam mit Artenschutz in Franken® für eine intakte Umwelt
ARTENSCHUTZ IN FRANKEN®

Im Sinne uns nachfolgender Generationen
Ausgezeichnet

Home

Über Uns

Aktuelles

Der Steigerwald

Diverses

Pflanzen

Projekte

Publikationen

Tiere

Umweltbildung

Webcams
Seite:
1
|
2
|
3
Hochstaudenfluren – Wo aus scheinbarem Wildwuchs wertvoller Lebensraum wird
Bild zum Eintrag (1151986-160)
Hochstaudenfluren – Wo aus scheinbarem Wildwuchs wertvoller Lebensraum wird

  • Artenschutz in Franken® – Naturschutz beginnt dort, wo wir natürliche Vielfalt wieder zulassen.

Ein Lebensraum, der nicht ordentlich aussehen muss

Wer im Spätsommer oder Herbst entlang eines naturnahen Bachlaufes unterwegs ist, kann sie noch entdecken: hoch aufgewachsene Pflanzenbestände, deren Stängel sich ineinanderschieben und die selbst nach dem Ende der Blütezeit eine bemerkenswerte Strukturvielfalt erkennen lassen.

Zwischen Mädesüß, Blutweiderich, Gilbweiderich und anderen hochwüchsigen Pflanzenarten entstehen Lebensräume, die weit mehr sind als eine Ansammlung von Kräutern. Unter den Blättern finden sich geschützte Bereiche. An den Stängeln bewegen sich kleine Insekten. Spinnen nutzen die Vegetation als Verankerung für ihre Netze. In Bodennähe herrscht ein anderes Kleinklima als auf einer kurz gemähten Wiesenfläche. Und gerade dort, wo die Vegetation über den Herbst hinaus stehen bleiben darf, entstehen zusätzliche Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeiten.

Für uns von Artenschutz in Franken® sind solche Flächen deshalb keine ungepflegten Restflächen, sondern wichtige Bestandteile einer vielfältigen Kulturlandschaft.

Was macht eine Hochstaudenflur eigentlich aus?

Hochstaudenfluren werden überwiegend von mehrjährigen, krautigen und meist hochwüchsigen Pflanzen geprägt. Sie entwickeln sich unter anderem entlang von Bächen, an feuchten Waldrändern, auf ausreichend wasserversorgten Wiesenbrachen oder in Bereichen, die keiner intensiven landwirtschaftlichen Nutzung unterliegen.

Besonders charakteristisch für feuchte Hochstaudenfluren sind Pflanzenarten wie:

  • Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria)

  • Gewöhnlicher Blutweiderich (Lythrum salicaria)

  • Gewöhnlicher Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris)

  • Gewöhnlicher Wasserdost (Eupatorium cannabinum)

  • Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)

  • Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre)

Welche Arten tatsächlich auftreten, hängt von den Standortbedingungen ab. Wasserhaushalt, Bodenbeschaffenheit, Nährstoffangebot, Lichtverhältnisse und bisherige Nutzung spielen dabei eine entscheidende Rolle. Manche naturnahen feuchten Hochstaudenfluren sind sogar dem europäisch geschützten FFH-Lebensraumtyp 6430 zuzuordnen. Allerdings erfüllt nicht jeder hoch aufgewachsene Pflanzenbestand automatisch die entsprechenden fachlichen Kriterien.

Ein gedeckter Tisch für zahlreiche Insekten

Besonders während der Sommermonate entfalten blütenreiche Hochstaudenfluren ihre Bedeutung.

Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und zahlreiche weitere Insekten nutzen das Blütenangebot als Nahrungsquelle. Dabei bestehen teilweise erstaunlich enge Beziehungen zwischen bestimmten Pflanzen und ihren Besuchern.

Ein Beispiel ist der Gewöhnliche Gilbweiderich. Seine Blüten werden von spezialisierten Schenkelbienen besucht, die dort Blütenöl und Pollen sammeln. Auch der Blutweiderich besitzt für spezialisierte Wildbienen eine besondere Bedeutung.

Solche Beziehungen verdeutlichen, weshalb wir eine Pflanze nicht ausschließlich nach ihrer äußeren Erscheinung bewerten sollten.

Mit dem Verlust einer einzigen Pflanzenart können zugleich Nahrungsgrundlagen für spezialisierte Insekten verschwinden.Die Bewahrung artenreicher Hochstaudenfluren ist deshalb immer auch ein Beitrag zur Sicherung komplexer ökologischer Beziehungen.

Wenn die Blüte endet, beginnt eine weitere wichtige Lebensphase

Ein Punkt wird bei der Betrachtung von Hochstaudenfluren häufig übersehen: Ihre ökologische Bedeutung endet keineswegs mit dem Verblühen der letzten Blüte.

  • Ganz im Gegenteil.

Abgestorbene Pflanzenstängel, trockene Blätter und die über den Winter erhaltene Vegetation können für verschiedene Insekten wichtige Entwicklungs- und Überwinterungsstrukturen darstellen. Manche Wildbienenarten nutzen geeignete markhaltige oder hohle Pflanzenstängel zur Anlage ihrer Brutzellen. Andere Insekten überdauern ungünstige Jahreszeiten als Ei, Larve oder Puppe an beziehungsweise zwischen Pflanzenteilen. Spinnen finden geschützte Bereiche, während Vögel von verbliebenen Samenständen und den in der Vegetation lebenden Wirbellosen profitieren können.

Auch für Amphibien und kleinere Säugetiere können dicht bewachsene, bodennahe Strukturen geeignete Deckungsmöglichkeiten schaffen.

Wer eine solche Fläche im Herbst vollständig abmäht oder mulcht, entfernt daher nicht lediglich abgestorbenes Pflanzenmaterial.

  • Er verändert möglicherweise gleichzeitig die Lebensgrundlage zahlreicher Tiere.

Hochstaudenfluren und ihre Bedeutung für den Biotopverbund


In unserer Kulturlandschaft werden naturnahe Lebensräume zunehmend voneinander getrennt.

Breite Verkehrswege, intensiv bewirtschaftete Äcker, versiegelte Flächen und strukturarme Wiesen können für viele wenig mobile Tierarten erhebliche Hindernisse darstellen.

  • Hier gewinnen Hochstaudenfluren eine zusätzliche Bedeutung.

Insbesondere dann, wenn sie sich entlang von Gewässern, Gräben oder Waldrändern entwickeln, können sie verbindende Landschaftsstrukturen bilden.Sie schaffen geschützte Übergangsbereiche zwischen unterschiedlichen Lebensräumen und ermöglichen es verschiedenen Tierarten, geeignete Nahrungs- und Rückzugsräume innerhalb einer Landschaft besser zu erreichen.

Eine Hochstaudenflur muss deshalb nicht besonders groß sein, um ökologisch bedeutsam zu werden. Auch schmale, gut miteinander verbundene Vegetationssäume können einen wichtigen Beitrag zum Biotopverbund leisten.

Warum Wasser eine so große Rolle spielt

Gerade feuchte Hochstaudenfluren sind eng mit dem Wasserhaushalt ihres Standortes verbunden.

Wo der Boden über längere Zeit ausreichend feucht bleibt, können sich Pflanzengesellschaften entwickeln, die auf trockenen Flächen keine vergleichbaren Bedingungen vorfinden. Die Vegetation beschattet den Boden, kann die oberflächennahe Austrocknung vermindern und trägt mit ihrem Wurzelgeflecht dazu bei, den Boden zu stabilisieren.

  • An Gewässerrändern können solche Bestände zudem eine wichtige Pufferfunktion erfüllen.

Wird ein Standort dagegen entwässert oder der Wasserhaushalt dauerhaft verändert, verschieben sich häufig auch seine Pflanzengesellschaften.

Deshalb betrachten wir von Artenschutz in Franken® den Erhalt und die Entwicklung feuchter Hochstaudenfluren immer im Zusammenhang mit dem Schutz des Wassers.

Wo natürliche Feuchtigkeit verloren geht, verschwindet häufig auch ein Teil jener biologischen Vielfalt, die auf sie angewiesen ist.

Müssen Hochstaudenfluren überhaupt gepflegt werden?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.

An manchen Standorten können sich geeignete Hochstaudenfluren über längere Zeit ohne regelmäßige Eingriffe erhalten. Andernorts kann eine gelegentliche Mahd erforderlich sein, um eine zunehmende Gehölzentwicklung oder die Ausbreitung einzelner dominanter Pflanzenarten zu begrenzen.

Entscheidend ist dabei nicht, dass eine Fläche möglichst regelmäßig geschnitten wird. Entscheidend ist, welche Lebensraumqualität erhalten oder entwickelt werden soll.

Aus unserer Sicht verdienen besonders folgende Grundsätze Beachtung:

  • Möglichst keine flächendeckende Mahd während wichtiger Entwicklungsphasen der Tier- und Pflanzenwelt. 
  • Wo eine Pflege erforderlich ist, möglichst abschnittsweise und zeitlich versetzt arbeiten. 
  • Geeignete Altstängel- und Rückzugsbereiche über den Winter erhalten.
  • Schonende Mähtechnik bevorzugen und unnötige Bodenverdichtung vermeiden.
  • Pflegeintervalle an die tatsächliche Entwicklung des Standortes anpassen.

Dabei kann eine jährlich notwendige Pflege auf bestimmten Flächen durchaus sinnvoll sein. Für andere, gut entwickelte feuchte Hochstaudenfluren sind dagegen mehrjährige Pflegeabstände oder lediglich einzelne gezielte Eingriffe geeigneter.

Ein festes Pflegeschema für alle Standorte wäre fachlich nicht sinnvoll.

Nicht die möglichst vollständige Entfernung der Vegetation sollte das Ziel sein, sondern der langfristige Erhalt eines funktionsfähigen Lebensraumes.

Wenn aus Naturschutz plötzlich ein Pflegeproblem wird

Wir erleben immer wieder, dass hoch aufgewachsene Vegetationsbestände allein deshalb kritisch betrachtet werden, weil sie nicht dem verbreiteten Bild einer kurz gehaltenen und übersichtlichen Landschaft entsprechen. Was hoch steht, soll entfernt werden. Was verblüht ist, gilt als unansehnlich. Was im Herbst stehen bleibt, wird häufig als mangelnde Pflege wahrgenommen.

Doch gerade diese Vorstellungen können mit den Bedürfnissen zahlreicher Tierarten in Konflikt geraten.

  • Eine Schmetterlingspuppe benötigt keinen ordentlich gemulchten Randstreifen.

  • Eine Wildbiene, deren Nachwuchs in einem Pflanzenstängel heranwächst, profitiert nicht von dessen vollständiger Entfernung.

  • Und ein Amphibium findet auf einer offenen, kurz geschnittenen Fläche häufig deutlich weniger Deckung als in einer strukturreichen Vegetation.

Wir sollten deshalb lernen, zwischen tatsächlich notwendiger Landschaftspflege und unnötigen Eingriffen zu unterscheiden.

Nicht jede Fläche muss gleich aussehen.

  • Und nicht jede Pflanze muss entfernt werden, sobald ihre Blütezeit vorüber ist.

Hochstaudenfluren brauchen mehr Wertschätzung

Für uns steht fest: Der Schutz solcher Lebensräume darf sich nicht allein auf besonders auffällige Pflanzenarten beschränken.

Es geht um das gesamte Beziehungsgefüge.

  • Um Blüten und ihre Besucher.

  • Um Stängel und ihre verborgenen Bewohner.

  • Um feuchte Böden und die Tiere, die dort Schutz suchen.

  • Und um die Verbindung einzelner Lebensräume innerhalb einer zunehmend intensiv genutzten Landschaft.

Gerade kleine, bislang wenig beachtete Hochstaudenflächen können sich unter geeigneten Bedingungen zu wertvollen Rückzugsräumen entwickeln.

Dafür braucht es nicht immer umfangreiche technische Eingriffe.


Manchmal ist es wesentlich wichtiger, vorhandene Strukturen zu bewahren, unnötige Störungen zu vermeiden und natürliche Entwicklungen bewusst zuzulassen.

Unser Fazit von Artenschutz in Franken®

Hochstaudenfluren zeigen uns eindrucksvoll, dass biologische Vielfalt nicht zwangsläufig dort am größten ist, wo eine Landschaft besonders ordentlich und gepflegt erscheint. Ihr ökologischer Wert entsteht durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Pflanzen, Strukturen, Feuchtigkeitsverhältnisse und tierischer Lebensgemeinschaften.

Wenn wir solche Lebensräume schützen wollen, müssen wir bereit sein, ihnen dauerhaft Raum zu geben.

  • Raum zum Wachsen.
  • Raum zum Blühen.
  • Raum zum Verblühen.

Und Raum, um auch während der kalten Jahreszeit als Lebensraum erhalten zu bleiben.

Denn eine Hochstaudenflur ist nicht einfach eine Wiese, die zu lange nicht gemäht wurde. Sie kann ein eigenständiger, hoch wertvoller Lebensraum sein, dessen Bedeutung weit über seine sichtbare Pflanzendecke hinausreicht.

In der Aufnahme
  • Verborgene Vielfalt im hohen Bewuchs - Eine naturnahe Hochstaudenflur bietet weit mehr als einen dichten Pflanzenbestand. Zwischen Blättern, Stängeln und bodennahen Strukturen entstehen Lebensräume für zahlreiche Insekten, Spinnen und andere Kleintiere.

Artenschutz in Franken® – Wir schützen Lebensräume nicht nur dann, wenn sie blühen. Sondern auch dann, wenn sich das Leben in ihnen unseren Blicken entzieht.


Artenschutz in Franken® - 31. Oktober 2026
Seite:
1
|
2
|
3