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Wechselkröte 05/2020
Bild zum Eintrag (1135781-160)
Die Hüterin der Pfützen

Als der erste warme Regen im April auf den staubigen Boden fiel, regte sich etwas zwischen Kieselsteinen und jungen Gräsern. Unter einem flachen Stein öffnete eine kleine Wechselkröte langsam ihre Augen. Wochenlang hatte sie im Erdreich überwintert, nun lockte sie die feuchte Nacht hinaus in die Welt. Die Luft vibrierte vor Leben. In der Ferne glitzerte eine frische Regenpfütze, kaum größer als ein Gartenteich – doch für sie war es ein Versprechen. Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen. Ihr Rücken schimmerte in unregelmäßigen grünen Flecken, als hätte jemand ein Stück Wiese auf hellem Sand gemalt. Zwischen den Steinen war sie fast unsichtbar.

Der Weg war nicht ungefährlich. Wo früher eine offene Brache lag, führte nun eine Straße entlang. Die Kröte wartete geduldig, bis es still wurde, und huschte dann mit erstaunlicher Entschlossenheit hinüber. Jede Nacht zählte. Das Wasser würde nicht lange bleiben – vielleicht nur ein paar Wochen.Am Rand der Pfütze angekommen, hörte sie das leise Trillern eines Männchens. Es war ein sanfter, anhaltender Ruf, der über das Wasser schwebte. Bald würde hier neues Leben entstehen: lange Laichschnüre im klaren Flachwasser, kleine Kaulquappen, die sich im warmen Sonnenlicht rasch entwickeln.

Die Wechselkröte wusste nichts von Bebauungsplänen oder Klimadiagrammen. Doch sie spürte Veränderungen. Manche Jahre waren trockener als andere. Manchmal verdunstete das Wasser schneller, als ihre Nachkommen wachsen konnten. Manchmal aber schenkte ein kühler, regenreicher Frühling ihren Kaulquappen genug Zeit, Beine zu entwickeln und das Ufer zu erobern.

Als die Sonne aufging, verschwand sie wieder zwischen Steinen und in einer selbst gescharrten Mulde. Unspektakulär, leise, kaum beachtet – und doch unverzichtbar. Denn mit jedem Insekt, das sie fraß, mit jeder Generation, die sie hervorbrachte, war sie Teil eines empfindlichen Netzes aus Boden, Wasser und Licht.

Die Wechselkröte ist eine Spezialistin für das Vorübergehende. Sie braucht keine großen Seen, keine dichten Wälder. Ihr reichen flache Gewässer, offene Flächen, ein bisschen Wärme – und Zeit. Zeit, die wir ihr lassen können. Wenn wir Baustellenbrachen nicht sofort versiegeln, wenn wir kleine Tümpel erhalten oder neu anlegen, wenn wir Lebensräume miteinander verbinden, dann helfen wir nicht nur einer einzelnen Art. Wir bewahren kleine Wunder am Rand unserer Städte und Dörfer.

Und vielleicht, an einem milden Frühlingsabend, hören wir dann wieder dieses leise, vibrierende Trillern aus einer unscheinbaren Pfütze – das Lied einer Überlebenskünstlerin, die uns zeigt, wie wertvoll selbst die kleinsten Lebensräume sein können.




In der Aufnahme von Michael Horn
  • Männliche Wechselkröte während der nächtlichen Rufphase.
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