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Steinhummel (Bombus lapidarius)
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Die Steinhummel – schwarzer Pelz und leuchtend rotes Hinterteil

  • Ein warmer Vormittag am Blütensaum

Die Sonne hat den Wegsaum bereits erwärmt. Zwischen Klee, Disteln und anderen Wildblumen bewegt sich eine kräftige Hummel von Blüte zu Blüte. Ihr Körper erscheint beinahe vollständig schwarz – bis sie auffliegt und ihre leuchtend rot gefärbte Hinterleibsspitze sichtbar wird. Für einen Augenblick steht sie brummend in der Luft, richtet sich neu aus und landet auf der nächsten Blüte.

Solche Begegnungen gehören für uns von Artenschutz in Franken® zu den kleinen, aber besonders eindrucksvollen Beobachtungen in einer vielfältigen Landschaft. Die Steinhummel (Bombus lapidarius) fällt durch ihre kontrastreiche Färbung auf. Gleichzeitig erinnert sie uns daran, wie wichtig blütenreiche Säume, ungestörte Bodenbereiche und unscheinbare Hohlräume für das Überleben heimischer Wildbienen sind.

Eine unverwechselbare Erscheinung?

Königinnen und Arbeiterinnen der Steinhummel besitzen überwiegend eine samtig schwarze Körperbehaarung. Besonders auffällig ist die intensiv rot bis rotorange gefärbte Spitze des Hinterleibs. Die im Sommer erscheinenden Männchen zeigen häufig zusätzlich gelbliche Haare im Gesicht und eine helle Binde im vorderen Brustbereich.

Trotz ihrer markanten Färbung ist eine sichere Bestimmung nicht in jedem Fall einfach. Auch andere Hummelarten können einen dunklen Körper und ein rötliches Hinterleibsende tragen. Körpergröße, Behaarung, Färbung der Beine und weitere Merkmale müssen deshalb gemeinsam betrachtet werden.

Die Steinhummel ist in Deutschland weit verbreitet. Sie besiedelt offene und halboffene Landschaften, Wiesen, Weiden, Böschungen, Feldraine, Waldränder, Gärten, Parkanlagen und Siedlungsbereiche. Entscheidend ist weniger die Bezeichnung des Lebensraumes als dessen tatsächliche Qualität: Die Tiere benötigen über viele Monate hinweg erreichbare Blüten und einen geschützten Platz für ihr Nest.

Woher die Steinhummel ihren Namen hat

Die Steinhummel legt ihr Nest gerne in vorhandenen Hohlräumen an. Diese können sich unter Steinhaufen, in Mauerspalten oder in verlassenen Bauten kleiner Säugetiere befinden. Gelegentlich werden auch andere geschützte Strukturen genutzt.

Der Name darf jedoch nicht zu der Annahme verleiten, die Art sei ausschließlich an steinige Lebensräume gebunden. Entscheidend sind ein trockener, geschützter Hohlraum und geeignetes Material, mit dem die Königin den Nestbereich auspolstern kann.

Gerade alte Mauern, locker geschichtete Steine und unversiegelte Randbereiche besitzen deshalb einen hohen ökologischen Wert. Was für uns ungeordnet oder unbedeutend erscheinen mag, kann für eine Hummelkönigin die Grundlage eines ganzen Volkes sein.

Der Beginn eines neuen Hummeljahres

Im Frühjahr verlässt eine junge, bereits im Vorjahr begattete Königin ihr Winterquartier. Sie ist zu diesem Zeitpunkt die einzige Überlebende ihres früheren Volkes. Zunächst muss sie ihre Energiereserven auffüllen. Früh blühende Pflanzen sind deshalb von besonderer Bedeutung.

Nach der Nahrungssuche beginnt die Königin mit der Suche nach einem geeigneten Nistplatz. Hat sie einen passenden Hohlraum gefunden, formt sie aus Pflanzenmaterial und anderen weichen Bestandteilen einen geschützten Nestbereich. Anschließend trägt sie Pollen und Nektar ein und zieht die ersten Larven zunächst allein auf.

Diese Phase ist besonders empfindlich. Fehlen Blüten, wird der Nistplatz zerstört oder verschlechtert sich das Wetter über längere Zeit, kann der Aufbau des jungen Volkes bereits scheitern.

Arbeitsteilung im Hummelvolk

Aus der ersten Brut schlüpfen Arbeiterinnen. Sie übernehmen zunehmend das Sammeln von Pollen und Nektar, versorgen die Larven, regulieren das Nestklima und verteidigen den Nesteingang. Die Königin konzentriert sich nun vor allem auf die Eiablage.

Ein Steinhummelvolk kann im Laufe des Sommers aus mehreren Hundert Tieren bestehen. Die Arbeiterinnen besuchen zahlreiche Wild- und Kulturpflanzen. Dabei übertragen sie Pollen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Fortpflanzung vieler Pflanzenarten.

Auch an kühleren Tagen können Steinhummeln unterwegs sein. Ihre dichte Behaarung und die Fähigkeit, ihre Flugmuskulatur aufzuwärmen, ermöglichen ihnen Aktivitäten bei Temperaturen, bei denen viele andere Insekten noch kaum zu sehen sind.

Vorbereitung auf die nächste Generation

Im späteren Verlauf des Sommers verändert sich das Geschehen im Nest. Nun werden Männchen und junge Königinnen herangezogen. Die Männchen verlassen das Nest und suchen nach paarungsbereiten Königinnen. Nach der Paarung nehmen die jungen Königinnen noch einmal energiereiche Nahrung auf.

Anschließend suchen sie geschützte Überwinterungsplätze im Boden, unter Pflanzenpolstern oder in anderen frostgeschützten Strukturen. Das alte Volk endet dagegen mit dem fortschreitenden Herbst. Die Arbeiterinnen, die Männchen und die alte Königin sterben. Nur die begatteten Jungköniginnen tragen den Lebenszyklus in das kommende Jahr.

Nicht akut gefährdet – und dennoch abhängig von intakten Lebensräumen

Die Steinhummel wird in der bundesweiten Roten Liste derzeit als ungefährdet geführt. Das darf jedoch nicht mit völliger Sicherheit verwechselt werden. Auch eine noch häufige Art kann örtlich verschwinden, wenn ihre Lebensgrundlagen schrittweise verloren gehen.

Zu den wichtigsten Belastungen zählen:

  • der Verlust blütenreicher Wiesen, Säume und Böschungen,
  • häufiges und großflächiges Mähen oder Mulchen,
  • das Entfernen von Steinhaufen, Mauerspalten und ungestörten Randstrukturen,
  • die Versiegelung offener Bodenbereiche,
  • der Einsatz von Insektenbekämpfungsmitteln,
  • ein lückenhaftes Blütenangebot während des Sommers,
  • lang anhaltende Hitze- und Trockenperioden.

Besonders problematisch ist es, wenn Nahrungspflanzen und Nistmöglichkeiten räumlich voneinander getrennt liegen. Ein geeigneter Nistplatz allein genügt nicht, wenn im Umfeld über Wochen kaum Blüten vorhanden sind.

Was wir für die Steinhummel tun können

Steinhummeln profitieren von naturnahen Gärten, blütenreichen Wegsäumen, extensiv gepflegten Grünflächen und einer zeitlich gestaffelten Mahd. Nicht jede Fläche muss gleichzeitig gemäht werden. Stehenbleibende Teilbereiche sichern Nahrung, Deckung und Rückzugsmöglichkeiten.

Auch heimische Kleearten, Flockenblumen, Disteln, Taubnesseln, Wicken und viele weitere Wildpflanzen können zu einem verlässlichen Blütenangebot beitragen. Alte Steinhaufen und trockene Mauerbereiche sollten erhalten bleiben, sofern von ihnen keine Gefahr ausgeht.

Die Steinhummel steht wie alle heimischen Bienen- und Hummelarten unter besonderem Schutz. Tiere und Nester dürfen daher nicht mutwillig beschädigt oder zerstört werden.

Eine häufige Art als Botschafterin

Für Artenschutz in Franken® ist die Steinhummel eine Botschafterin jener Lebensräume, die leicht übersehen werden: eines blühenden Randstreifens, einer alten Mauer, eines ungestörten Böschungsbereiches oder einer kleinen, nur selten gepflegten Gartenfläche.

Noch begegnet uns diese Hummel vergleichsweise häufig. Damit das so bleibt, sollten wir nicht erst handeln, wenn auch vertraute Arten selten geworden sind. Wirksamer Artenschutz beginnt dort, wo wir alltäglichen Strukturen wieder Raum, Zeit und Wert zugestehen.

Aufnahme von Klaus Sanwald
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