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Die Steinhummel im August – unterwegs zwischen Hochsommer und Neubeginn
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Die Steinhummel im August – unterwegs zwischen Hochsommer und Neubeginn

  • Eine Begegnung am sommerwarmen Blütensaum

Es ist ein warmer Augustvormittag. Über dem Weg flimmert bereits die Hitze, und viele Pflanzen haben ihren Blühhöhepunkt überschritten. Zwischen den noch verbliebenen Blütenständen bewegt sich eine kräftige, dunkel gefärbte Hummel. Erst als sie auffliegt, wird ihr leuchtend rotorange gefärbtes Hinterleibsende sichtbar: Vor uns befindet sich eine Steinhummel (Bombus lapidarius).

Für Artenschutz in Franken® sind solche Beobachtungen weit mehr als eine kurze Begegnung mit einem auffälligen Insekt. Gerade im August zeigt sich, ob eine Landschaft ihren Blütenbesuchern auch während des Hoch- und Spätsommers noch ausreichend Nahrung bietet. Während viele Flächen bereits gemäht, gemulcht oder vollständig ausgetrocknet sind, werden die verbliebenen Blüteninseln zu wichtigen Anlaufstellen.

Im August herrscht noch reger Flugbetrieb

Die Steinhummel gehört zu den sozialen Wildbienen. Sie lebt nicht allein, sondern bildet ein Volk aus einer Königin, Arbeiterinnen und – im späteren Verlauf des Jahres – Männchen und jungen Königinnen.

Im August kann an geeigneten Standorten noch reger Flugbetrieb beobachtet werden. Arbeiterinnen sammeln weiterhin Nektar und Pollen, versorgen die im Nest heranwachsenden Tiere und sichern die Energieversorgung des Volkes. Dabei besuchen Steinhummeln unterschiedliche Blütenpflanzen. Besonders attraktiv sind im Spätsommer unter anderem Klee, Flockenblumen, Disteln, Wicken, Dost und andere nektar- oder pollenreiche Hochstauden.

Die Tiere wirken bei ihrer Nahrungssuche oft zielstrebig. Nach einer kurzen Landung arbeiten sie die Blüte ab, wechseln zum nächsten Blütenstand und fliegen schließlich mit gefüllten Pollenkörbchen zum Nest zurück. Jede dieser Flugbewegungen verbindet verschiedene Pflanzenbestände miteinander und trägt zur Bestäubung bei.

Das Hummelvolk steht vor einem Wendepunkt

Der August ist für viele Steinhummelvölker eine Zeit des Übergangs. Während im Frühjahr zunächst Arbeiterinnen herangezogen wurden, entstehen im fortgeschrittenen Sommer zunehmend Männchen und junge Königinnen. Der genaue Zeitpunkt hängt vom Witterungsverlauf, dem Nahrungsangebot und der Entwicklung des jeweiligen Volkes ab.

Die Männchen verlassen das Nest und sind anschließend vor allem mit der Suche nach paarungsbereiten Jungköniginnen beschäftigt. Sie beteiligen sich nicht mehr an der Versorgung des Volkes. Jungköniginnen nehmen dagegen große Mengen energiereicher Nahrung auf. Diese Reserven benötigen sie für die bevorstehende Überwinterung.

Nach der Paarung sucht sich jede junge Königin einen geschützten Platz. In lockerer Erde, unter Pflanzenpolstern oder in anderen frostgeschützten Strukturen verbringt sie den Winter allein. Das übrige Hummelvolk wird im Laufe des Herbstes sterben. Nur die begatteten Jungköniginnen tragen das Leben der Steinhummel in das nächste Jahr.

Die Nahrung wird knapper

Im August treffen hoher Energiebedarf und ein häufig bereits abnehmendes Blütenangebot aufeinander. Längere Trockenperioden können dazu führen, dass Pflanzen weniger Nektar bilden oder frühzeitig verblühen. Gleichzeitig werden zahlreiche Wegsäume, Böschungen und Grünflächen vollständig gemäht oder gemulcht.

Für die Steinhummel bedeutet der Verlust eines Blütensaumes nicht nur, dass einzelne Blüten verschwinden. Eine bislang verlässliche Nahrungsquelle kann innerhalb weniger Minuten vollständig ausfallen. Die Tiere müssen anschließend weitere Strecken zurücklegen. Das kostet Energie und verkürzt die Zeit, die für die Versorgung des Nestes zur Verfügung steht.

Besonders problematisch ist die gleichzeitige Bearbeitung großer Flächen. Bleiben dagegen ungemähte Teilbereiche stehen, können Hummeln, Schmetterlinge und viele weitere Insekten ausweichen. Eine zeitlich und räumlich gestaffelte Pflege ist deshalb ein wichtiger Baustein für einen wirksamen Insektenschutz.

Auch das Nest kann gefährdet sein

Steinhummeln nutzen vorhandene Hohlräume. Ihre Nester können unter Steinen, in Mauerspalten, in verlassenen Kleinsäugerbauten oder an anderen geschützten Stellen liegen. Gerade an Weg- und Grundstücksrändern bleiben solche Nistplätze häufig unbemerkt.

Bei Bodenarbeiten, beim Entfernen alter Steinhaufen oder beim tiefen Mulchen können besetzte Nester beschädigt werden. Im August wäre davon nicht nur das bestehende Volk betroffen. Unter Umständen gehen auch die jungen Königinnen verloren, von denen die nächste Generation abhängt.

Da alle heimischen Hummelarten besonders geschützt sind, dürfen ihre Nester nicht mutwillig beschädigt oder zerstört werden. Vor Pflege- und Umgestaltungsmaßnahmen lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf auffälligen Flugverkehr in Bodennähe.

Ein rotes Hinterleibsende als Signal

Die Steinhummel gilt bundesweit derzeit nicht als gefährdet. Dennoch ist auch eine häufigere Art auf ein funktionierendes Netz aus Nahrungsflächen, Nistmöglichkeiten und Überwinterungsplätzen angewiesen. Werden diese Strukturen immer kleiner und weiter voneinander getrennt, können örtliche Bestände trotz einer insgesamt noch günstigen Einstufung zurückgehen.

Unsere Augustbegegnung macht sichtbar, worauf es ankommt: spät blühende Pflanzen erhalten, Säume nicht vollständig mähen, auf großflächiges Mulchen verzichten und vermeintlich unordentliche Kleinstrukturen zulassen.

Wenn eine Steinhummel an einem heißen Augusttag zwischen den letzten Blüten unterwegs ist, trägt sie möglicherweise nicht nur Nahrung zu ihrem Nest. Vielleicht sammelt dort bereits eine junge Königin die Energiereserven, mit denen sie den Winter überstehen und im kommenden Frühjahr ein neues Volk gründen wird.

So wird aus einer kurzen Beobachtung ein Blick in die Zukunft einer ganzen Generation.

In der Aufnahme von Achim Schumacher
  •         Weibliche Steinhummeln (Bombus lapidarius) bei der Nahrungsaufnahme an den Blüten einer Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum).

Artenschutz in Franken®
Stand 06.08.2026
Die Steinhummel im August – unterwegs zwischen Hochsommer und Neubeginn
Bild zum Eintrag (1147363-160)
In der Aufnahme von Achim Schumacher
  • Zwei weibliche Steinhummeln (Bombus lapidarius) bei der Nahrungsaufnahme an den Blüten einer Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum).
Die Steinhummel im August – unterwegs zwischen Hochsommer und Neubeginn
Bild zum Eintrag (1147364-160)
In der Aufnahme von Achim Schumacher
  •     Weibliche Steinhummeln (Bombus lapidarius) bei der Nahrungsaufnahme an den Blüten einer Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum).
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