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Als plötzlich der Schutz verloren ging
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Als plötzlich der Schutz verloren ging

  • Ein verborgenes Nest der Haus-Feldwespe wird unerwartet freigelegt

Es war lediglich ein leises metallisches Knacken. Eine Befestigungsschraube der Gartenschlauchhalterung war über die Jahre hinweg stark korrodiert und schließlich durchgerostet. Die Halterung kippte von der Wand ab – und gab den Blick auf etwas frei, das bis zu diesem Augenblick vollkommen verborgen geblieben war.

Hinter der Halterung befand sich das kleine, offene Wabennest einer Haus-Feldwespe (Polistes dominula). Mehrere Tiere saßen auf den Waben, zwischen denen sich vermutlich Eier, Larven und Puppen befanden. Was für den Menschen zunächst wie ein gewöhnlicher Schaden an einer Garteninstallation aussah, entwickelte sich innerhalb weniger Sekunden zu einer kleinen artenschutzfachlichen Herausforderung.

Das Nest, das bislang durch die Halterung vor unmittelbaren Witterungseinflüssen und unbeabsichtigten Berührungen geschützt gewesen war, lag nun plötzlich offen. Doch gerade in einer solchen Situation gilt: Ruhe bewahren und nicht vorschnell handeln.

Eine friedliche Wespenart in einer schwierigen Lage

Die Haus-Feldwespe zählt zu den friedfertigeren Wespenarten. Sie besitzt einen schlanken Körper, orangefarbene Fühler und lange Beine, die während des Fluges auffällig nach unten hängen. Anders als die Deutsche oder die Gemeine Wespe interessiert sie sich gewöhnlich kaum für Kuchen, Limonade oder Grillgut.

Für ihre Brut erbeutet sie unter anderem kleinere Raupen, Fliegen und Spinnen. Darüber hinaus besucht sie Blüten und beteiligt sich dabei an deren Bestäubung. Damit übernimmt die Haus-Feldwespe eine wertvolle Funktion innerhalb des ökologischen Gefüges unserer Gärten und Siedlungsräume.

Ihr Nest besteht aus papierähnlichen Pflanzenfasern und besitzt keine schützende Außenhülle. Die offenen Wabenzellen sind lediglich über einen dünnen Neststiel mit dem Untergrund verbunden. Aus diesem Grund wählen die Tiere häufig warme, möglichst geschützte Nischen – beispielsweise unter Dachvorsprüngen, hinter Verkleidungen oder, wie in diesem Fall, hinter einer Gartenschlauchhalterung.

Wird dieser Schutz unvermittelt beseitigt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass das Volk verloren ist. Starkregen, Wind, intensive Sonneneinstrahlung und weitere Erschütterungen können die Situation jedoch verschärfen.

Was ist jetzt zu tun?


Zunächst sollte die Gartenschlauchhalterung nicht angefasst oder eigenmächtig wieder befestigt werden. Auch der Gartenschlauch sollte vorerst nicht benutzt werden, wenn dadurch Bewegungen oder Erschütterungen im unmittelbaren Nestbereich entstehen könnten.

Nach Möglichkeit ist der Bereich weiträumig abzusperren. Kinder, Haustiere und unbeteiligte Personen sollten ferngehalten werden. Ein Abstand von mehreren Metern bietet Sicherheit und gibt den Wespen zugleich die notwendige Ruhe.

Das Nest darf weder berührt noch mit Wasser besprüht, angepustet oder mit Insektenspray behandelt werden. Ebenso sollte niemand versuchen, es mit einem Gefäß abzudecken. Eine improvisierte Abdeckung kann den Flugweg versperren, Wärme stauen oder das empfindliche Nest zusätzlich beschädigen.

Aus sicherer Entfernung kann zunächst beobachtet werden, ob die Tiere weiterhin auf den Waben sitzen und das Nest versorgen. Ein Foto mit ausreichendem Abstand oder mithilfe einer Zoomfunktion kann einer fachkundigen Person die Einschätzung erleichtern.

Anschließend sollte Kontakt zu einer regionalen Wespenberatung, einem erfahrenen Hautflüglerfachmann oder der Unteren Naturschutzbehörde aufgenommen werden. Vor Ort lässt sich beurteilen, ob die ursprüngliche Schutzsituation gefahrlos wiederhergestellt werden kann. Falls das Nest unmittelbar an der abgekippten Halterung befestigt ist, muss besonders vorsichtig vorgegangen werden. Eine Sicherung oder gegebenenfalls notwendige Umsetzung gehört dann ausschließlich in fachkundige Hände.

Kann der Bereich vorübergehend abgesperrt und das Nest an seinem Standort belassen werden, ist dies häufig die schonendste Lösung. Das Volk besteht nur während der warmen Jahreszeit. Im weiteren Verlauf des Jahres endet sein natürlicher Lebenszyklus; lediglich begattete Jungköniginnen überwintern an geschützten Stellen. Erst wenn eindeutig keine Aktivität mehr festzustellen ist, können Halterung und Befestigung dauerhaft erneuert werden.

Nicht bekämpfen, sondern besonnen helfen

Auch wenn die Haus-Feldwespe nicht zu den besonders geschützten Wespenarten zählt, unterliegt sie – wie alle wild lebenden Tiere – dem allgemeinen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Tiere dürfen nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden. Eine Bekämpfung wäre in der geschilderten Situation weder notwendig noch angemessen.

Für Artenschutz in Franken® zeigt dieser kleine Vorfall erneut, wie eng menschliche Alltagsgegenstände und tierische Lebensstätten miteinander verbunden sein können. Hinter einer scheinbar unscheinbaren Garteneinrichtung kann sich über Wochen hinweg ein vollständiges kleines Sozialgefüge entwickeln – von uns unbemerkt und dennoch von großer ökologischer Bedeutung.

Als die rostige Schraube nachgab, wurde nicht nur ein technischer Defekt sichtbar. Sichtbar wurde auch unsere Verantwortung. Sie beginnt häufig genau dort, wo wir innehalten, Abstand gewinnen und uns gegen eine schnelle, bequeme Lösung entscheiden.

Manchmal besteht wirksamer Artenschutz nicht darin, sofort einzugreifen. Manchmal bedeutet er, einen Bereich für einige Zeit nicht zu nutzen, fachkundigen Rat einzuholen und einem kleinen Wespenvolk die Chance zu geben, seinen natürlichen Jahreszyklus zu vollenden.

Aufnahme von Volkmar Greb
  • Eine durchgerostete Befestigungsschraube brachte die Gartenschlauchhalterung zum Abkippen. Dahinter kam völlig unerwartet das bislang geschützte Nest einer Haus-Feldwespe (Polistes dominula) zum Vorschein.


Artenschutz in Franken®
Stand 29.08.2026
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