Nördlicher Kammmolch – auf trockenem Boden zwischen zwei Welten
Nördlicher Kammmolch – auf trockenem Boden zwischen zwei Welten
Langsam bewegt sich ein männlicher Nördlicher Kammmolch (Triturus cristatus) über den Boden. Doch unter seinen Füßen befindet sich kein feuchtes Moos, kein schützendes Laub und keine kühle Erdspalte. Der Untergrund ist knochentrocken, hart und von der anhaltenden Trockenheit gezeichnet. Jeder Schritt führt das Tier über eine offene Fläche, auf der es kaum Schutz vor Sonne, Austrocknung und natürlichen Feinden findet.
Das Bild wirkt still – und gerade deshalb so eindringlich. Ein Kammmolch, dessen Lebenszyklus eng mit Wasser und feuchten Rückzugsräumen verbunden ist, bewegt sich durch eine Landschaft, der die Feuchtigkeit sichtbar abhandengekommen ist.
Für Artenschutz in Franken® steht diese Aufnahme beispielhaft für die Situation zahlreicher Amphibien im Jahr 2026. In vielen Regionen unseres Landes sind Böden ausgetrocknet, Kleingewässer geschrumpft oder vollständig verschwunden. Der Deutsche Wetterdienst dokumentierte bereits im Sommer eine weitere deutliche Abnahme der Bodenfeuchte, besonders in weiten Teilen des Südens und der südlichen Mitte Deutschlands.
Der größte heimische Molch
Der Nördliche Kammmolch gehört zu den größten heimischen Molcharten. Weibchen können eine Gesamtlänge von bis zu etwa 18 Zentimetern erreichen, Männchen bleiben meist etwas kleiner. Die Oberseite ist dunkelbraun bis nahezu schwarz gefärbt und häufig mit kleinen hellen Punkten versehen. Die Flanken zeigen eine feine weiße Tüpfelung.
Besonders auffällig ist die gelblich-orange bis kräftig orange gefärbte Bauchseite mit unregelmäßigen dunklen Flecken. Dieses Muster ist bei jedem Tier individuell und kann bei wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wiedererkennung einzelner Individuen genutzt werden.
Während der Paarungszeit entwickelt das Männchen einen hohen, gezackten Rückenkamm. Dieser ist im Bereich der Schwanzwurzel unterbrochen und setzt sich als breiter Saum am Schwanz fort. Ein helles, silbrig bis perlmuttfarben wirkendes Längsband am Schwanz verstärkt das eindrucksvolle Erscheinungsbild. Nach dem Verlassen des Laichgewässers bildet sich der auffällige Kamm wieder deutlich zurück.
Das abgebildete Männchen befindet sich auf dem Land. Dies ist grundsätzlich ein natürlicher Abschnitt im Jahreslauf des Kammmolches. Problematisch ist daher nicht allein, dass das Tier über Land läuft. Beunruhigend sind vielmehr der völlig ausgetrocknete, ungeschützte Untergrund und das erkennbare Fehlen feuchter Rückzugsräume.
Ein Leben zwischen Wasser und Land
Der Kammmolch ist auf einen Verbund unterschiedlicher Teillebensräume angewiesen. Zur Fortpflanzung benötigt er geeignete Gewässer. Diese sollten möglichst fischfrei, ausreichend tief, zumindest teilweise besonnt und reich an Wasserpflanzen sein. Die Vegetation bietet den Tieren Deckung und dient den Weibchen zur Eiablage.
Jedes Ei wird einzeln an ein geeignetes Blatt geheftet und von der Pflanze umgefaltet. Nach dem Schlupf entwickeln sich die Larven über mehrere Monate im Wasser. Erst nach Abschluss der Metamorphose können die jungen Molche das Gewässer verlassen.
Trocknet ein Laichgewässer zu früh aus, endet die Entwicklung für Eier und Larven häufig tödlich. Ein Gewässer, das im Spätsommer zeitweise trockenfällt, kann durchaus wertvoll und weitgehend fischfrei bleiben. Entscheidend ist jedoch, dass es während der Fortpflanzungs- und Larvenzeit lange genug Wasser führt. Verschiebt sich das Austrocknen durch Hitze und Niederschlagsmangel immer weiter in das Frühjahr oder den Frühsommer, geht dieser zeitliche Schutz verloren.
Nach der Fortpflanzungszeit wechseln viele Kammmolche in ihre Landlebensräume. Dort benötigen sie strukturreiche, möglichst feuchte und kühle Verstecke. Sie halten sich beispielsweise unter Totholz, größeren Steinen, in Wurzelhohlräumen, Kleinsäugerbauen oder tiefen Laubschichten auf. Hecken, Säume, Feuchtgrünland, Brachen und lichte Gehölzbereiche können wertvolle Bestandteile ihres Jahreslebensraumes sein.
Ein Laichgewässer allein genügt somit nicht. Ohne geeignete Landlebensräume und sichere Verbindungen zwischen ihnen bleibt ein Kammmolchbestand nicht dauerhaft überlebensfähig.
Trockenheit trifft Amphibien mehrfach
Amphibien besitzen eine empfindliche, durchlässige Haut. Diese spielt nicht nur für den Wasserhaushalt, sondern auch für den Gasaustausch eine wichtige Rolle. Auf offenen, stark erwärmten und ausgetrockneten Flächen verlieren die Tiere schneller Feuchtigkeit. Gleichzeitig fehlen Verstecke, in denen sie ungünstige Tageszeiten überdauern können.
Für den Kammmolch wirkt sich extreme Trockenheit auf mehreren Ebenen aus:
Ein erwachsenes Tier kann vorübergehend auf ungünstige Bedingungen reagieren und einen anderen Unterschlupf suchen. Doch wenn geeignete Rückzugsorte weit auseinanderliegen oder vollständig fehlen, wird selbst eine kurze Wanderung zu einem hohen Risiko.
Das gezeigte Männchen auf dem knochentrockenen Untergrund macht diese Problematik sichtbar. Wir können anhand eines einzelnen Fotos nicht sicher feststellen, weshalb sich das Tier genau an dieser Stelle befand oder wie stark es bereits beeinträchtigt war. Die Aufnahme zeigt jedoch sehr deutlich, welchen Bedingungen Amphibien ausgesetzt sein können, wenn Feuchtigkeit und schützende Bodenstrukturen aus der Landschaft verschwinden.
Eine ohnehin gefährdete Art
Der Nördliche Kammmolch wird in der Roten Liste Deutschlands als gefährdet und in Bayern als stark gefährdet geführt. Darüber hinaus ist er in den Anhängen II und IV der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgeführt. Damit zählt er zu den Arten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung Schutzgebiete auszuweisen sind und die zugleich einem strengen Schutz unterliegen.
Bereits vor den zunehmend spürbaren Folgen des Klimawandels war der Kammmolch zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Kleingewässer wurden verfüllt, entwässert, beschattet oder mit Fischen besetzt. Straßen und intensiv bewirtschaftete Flächen zerschneiden seine Wanderwege. Pestizide verringern das Nahrungsangebot, während das Entfernen von Totholz, Hecken und Altgrasbeständen wichtige Verstecke vernichtet.
Besonders kritisch ist die Isolation kleiner Vorkommen. Kann zwischen benachbarten Gewässern und Landlebensräumen kein Austausch mehr stattfinden, steigt das Risiko, dass lokale Bestände nach einzelnen schlechten Jahren vollständig erlöschen.
Die extreme Trockenheit trifft somit keine unbelastete Art. Sie verstärkt vielmehr bereits vorhandene Probleme.
Klimawandel verändert den Lebensrhythmus
Mit steigenden Temperaturen verlängert sich die Vegetationsperiode. Gleichzeitig nehmen in vielen Regionen Niederschlagsextreme zu. Längere trockene Abschnitte können von kurzen Starkregenereignissen unterbrochen werden. Doch ein heftiger Regenguss ersetzt keinen dauerhaft funktionsfähigen Wasserhaushalt.
Auf ausgetrockneten oder verdichteten Böden fließt Starkregen häufig rasch oberflächlich ab. Er füllt einen Tümpel möglicherweise kurzfristig, sichert aber noch keine ausreichende Wasserführung bis zum Abschluss der Larvenentwicklung. Werden Niederschläge unregelmäßiger, kann die zeitliche Abstimmung zwischen Wanderung, Paarung, Eiablage und Gewässerentwicklung verloren gehen.
Mildere Winter bergen ebenfalls Risiken. Werden Molche während warmer Phasen aktiv und folgt darauf ein erneuter Frost, können zusätzliche Energieverluste entstehen. Gleichzeitig verändern sich die Lebensbedingungen ihrer Beutetiere, Fressfeinde und Krankheitserreger.
Die Reaktion einzelner Bestände kann regional sehr unterschiedlich ausfallen. Gerade deshalb benötigt es ein langfristiges Monitoring, das nicht nur die Zahl erwachsener Tiere, sondern auch Wasserstände, Fortpflanzungserfolg und die Qualität der angrenzenden Landlebensräume erfasst.
Was jetzt notwendig ist
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® müssen Amphibiengewässer und ihre Umgebung künftig noch stärker auf längere Trockenperioden vorbereitet werden. Dabei geht es nicht um das wahllose Vertiefen jedes Tümpels. Unterschiedlich tiefe, räumlich miteinander verbundene Gewässer können gemeinsam ein widerstandsfähigeres Lebensraumnetz bilden.
Während flache Bereiche rasch warm werden und eine hohe biologische Produktivität entwickeln, können tiefere Zonen länger Wasser halten. Wichtig bleiben strukturreiche Ufer, eine gute Unterwasservegetation sowie der weitgehende Verzicht auf Fischbesatz. Gleichzeitig dürfen die Landlebensräume nicht vergessen werden.
Erforderlich sind:
Wo Gewässer in einem außergewöhnlich trockenen Jahr frühzeitig Wasser verlieren, sind Entscheidungen über mögliche Hilfsmaßnahmen ausschließlich in Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden und fachkundigen Amphibienschützern zu treffen. Eigenmächtiges Umsetzen, Einfangen oder Verbringen der Tiere ist keine geeignete Lösung und kann gegen artenschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen.
Ein Bild, das uns nicht gleichgültig lassen darf
Der männliche Kammmolch auf dem ausgetrockneten Boden ist mehr als ein außergewöhnliches Tiermotiv. Die Aufnahme hält einen Moment fest, der sinnbildlich für eine grundlegende Veränderung unserer Landschaft steht.
Wenn selbst ehemals feuchte Rückzugsräume austrocknen und Gewässer ihre Funktion als Kinderstuben verlieren, geraten ganze Amphibiengemeinschaften unter Druck. Dabei verschwinden die Tiere häufig leise. Ein Gewässer bleibt im Frühjahr ohne Balzrufe, Larven fehlen, und irgendwann führt kein nächtlicher Wanderweg mehr dorthin.
Artenschutz in Franken® möchte mit dieser Aufnahme nicht allein Betroffenheit auslösen. Sie soll zum Handeln anregen. Wasserrückhalt, der Schutz von Kleingewässern und die Wiederherstellung strukturreicher Landlebensräume müssen zu zentralen Aufgaben des praktischen Artenschutzes werden.
Der Kammmolch kann trockene Landabschnitte überwinden. Doch er kann keine dauerhaft ausgetrocknete und ausgeräumte Landschaft ersetzen. Es liegt an uns, wieder ein Netz aus Wasser, Schatten, Deckung und sicheren Wanderwegen zu schaffen – damit dieser eindrucksvolle „Wasserdrache“ auch künftig zwischen seinen beiden Welten bestehen kann.
Aufnahme von Volkmar Greb am 06.09.2026
Stand 06.09.2026
- Wenn der schützende Lebensraum fehlt
Langsam bewegt sich ein männlicher Nördlicher Kammmolch (Triturus cristatus) über den Boden. Doch unter seinen Füßen befindet sich kein feuchtes Moos, kein schützendes Laub und keine kühle Erdspalte. Der Untergrund ist knochentrocken, hart und von der anhaltenden Trockenheit gezeichnet. Jeder Schritt führt das Tier über eine offene Fläche, auf der es kaum Schutz vor Sonne, Austrocknung und natürlichen Feinden findet.
Das Bild wirkt still – und gerade deshalb so eindringlich. Ein Kammmolch, dessen Lebenszyklus eng mit Wasser und feuchten Rückzugsräumen verbunden ist, bewegt sich durch eine Landschaft, der die Feuchtigkeit sichtbar abhandengekommen ist.
Für Artenschutz in Franken® steht diese Aufnahme beispielhaft für die Situation zahlreicher Amphibien im Jahr 2026. In vielen Regionen unseres Landes sind Böden ausgetrocknet, Kleingewässer geschrumpft oder vollständig verschwunden. Der Deutsche Wetterdienst dokumentierte bereits im Sommer eine weitere deutliche Abnahme der Bodenfeuchte, besonders in weiten Teilen des Südens und der südlichen Mitte Deutschlands.
Der größte heimische Molch
Der Nördliche Kammmolch gehört zu den größten heimischen Molcharten. Weibchen können eine Gesamtlänge von bis zu etwa 18 Zentimetern erreichen, Männchen bleiben meist etwas kleiner. Die Oberseite ist dunkelbraun bis nahezu schwarz gefärbt und häufig mit kleinen hellen Punkten versehen. Die Flanken zeigen eine feine weiße Tüpfelung.
Besonders auffällig ist die gelblich-orange bis kräftig orange gefärbte Bauchseite mit unregelmäßigen dunklen Flecken. Dieses Muster ist bei jedem Tier individuell und kann bei wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wiedererkennung einzelner Individuen genutzt werden.
Während der Paarungszeit entwickelt das Männchen einen hohen, gezackten Rückenkamm. Dieser ist im Bereich der Schwanzwurzel unterbrochen und setzt sich als breiter Saum am Schwanz fort. Ein helles, silbrig bis perlmuttfarben wirkendes Längsband am Schwanz verstärkt das eindrucksvolle Erscheinungsbild. Nach dem Verlassen des Laichgewässers bildet sich der auffällige Kamm wieder deutlich zurück.
Das abgebildete Männchen befindet sich auf dem Land. Dies ist grundsätzlich ein natürlicher Abschnitt im Jahreslauf des Kammmolches. Problematisch ist daher nicht allein, dass das Tier über Land läuft. Beunruhigend sind vielmehr der völlig ausgetrocknete, ungeschützte Untergrund und das erkennbare Fehlen feuchter Rückzugsräume.
Ein Leben zwischen Wasser und Land
Der Kammmolch ist auf einen Verbund unterschiedlicher Teillebensräume angewiesen. Zur Fortpflanzung benötigt er geeignete Gewässer. Diese sollten möglichst fischfrei, ausreichend tief, zumindest teilweise besonnt und reich an Wasserpflanzen sein. Die Vegetation bietet den Tieren Deckung und dient den Weibchen zur Eiablage.
Jedes Ei wird einzeln an ein geeignetes Blatt geheftet und von der Pflanze umgefaltet. Nach dem Schlupf entwickeln sich die Larven über mehrere Monate im Wasser. Erst nach Abschluss der Metamorphose können die jungen Molche das Gewässer verlassen.
Trocknet ein Laichgewässer zu früh aus, endet die Entwicklung für Eier und Larven häufig tödlich. Ein Gewässer, das im Spätsommer zeitweise trockenfällt, kann durchaus wertvoll und weitgehend fischfrei bleiben. Entscheidend ist jedoch, dass es während der Fortpflanzungs- und Larvenzeit lange genug Wasser führt. Verschiebt sich das Austrocknen durch Hitze und Niederschlagsmangel immer weiter in das Frühjahr oder den Frühsommer, geht dieser zeitliche Schutz verloren.
Nach der Fortpflanzungszeit wechseln viele Kammmolche in ihre Landlebensräume. Dort benötigen sie strukturreiche, möglichst feuchte und kühle Verstecke. Sie halten sich beispielsweise unter Totholz, größeren Steinen, in Wurzelhohlräumen, Kleinsäugerbauen oder tiefen Laubschichten auf. Hecken, Säume, Feuchtgrünland, Brachen und lichte Gehölzbereiche können wertvolle Bestandteile ihres Jahreslebensraumes sein.
Ein Laichgewässer allein genügt somit nicht. Ohne geeignete Landlebensräume und sichere Verbindungen zwischen ihnen bleibt ein Kammmolchbestand nicht dauerhaft überlebensfähig.
Trockenheit trifft Amphibien mehrfach
Amphibien besitzen eine empfindliche, durchlässige Haut. Diese spielt nicht nur für den Wasserhaushalt, sondern auch für den Gasaustausch eine wichtige Rolle. Auf offenen, stark erwärmten und ausgetrockneten Flächen verlieren die Tiere schneller Feuchtigkeit. Gleichzeitig fehlen Verstecke, in denen sie ungünstige Tageszeiten überdauern können.
Für den Kammmolch wirkt sich extreme Trockenheit auf mehreren Ebenen aus:
- Laichgewässer führen kürzer Wasser oder trocknen vollständig aus.
- Eier und Larven können ihre Entwicklung nicht abschließen.
- Feuchte Tagesverstecke im Landlebensraum gehen verloren.
- Harte und ausgetrocknete Böden erschweren das Eingraben und Verbergen.
- Wirbellose Beutetiere werden seltener oder ziehen sich in tiefere Bodenschichten zurück.
- Wanderungen zwischen Gewässer, Sommerlebensraum und Winterquartier werden gefährlicher.
- Kleine und voneinander isolierte Bestände können Verluste schlechter ausgleichen.
Ein erwachsenes Tier kann vorübergehend auf ungünstige Bedingungen reagieren und einen anderen Unterschlupf suchen. Doch wenn geeignete Rückzugsorte weit auseinanderliegen oder vollständig fehlen, wird selbst eine kurze Wanderung zu einem hohen Risiko.
Das gezeigte Männchen auf dem knochentrockenen Untergrund macht diese Problematik sichtbar. Wir können anhand eines einzelnen Fotos nicht sicher feststellen, weshalb sich das Tier genau an dieser Stelle befand oder wie stark es bereits beeinträchtigt war. Die Aufnahme zeigt jedoch sehr deutlich, welchen Bedingungen Amphibien ausgesetzt sein können, wenn Feuchtigkeit und schützende Bodenstrukturen aus der Landschaft verschwinden.
Eine ohnehin gefährdete Art
Der Nördliche Kammmolch wird in der Roten Liste Deutschlands als gefährdet und in Bayern als stark gefährdet geführt. Darüber hinaus ist er in den Anhängen II und IV der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgeführt. Damit zählt er zu den Arten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung Schutzgebiete auszuweisen sind und die zugleich einem strengen Schutz unterliegen.
Bereits vor den zunehmend spürbaren Folgen des Klimawandels war der Kammmolch zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Kleingewässer wurden verfüllt, entwässert, beschattet oder mit Fischen besetzt. Straßen und intensiv bewirtschaftete Flächen zerschneiden seine Wanderwege. Pestizide verringern das Nahrungsangebot, während das Entfernen von Totholz, Hecken und Altgrasbeständen wichtige Verstecke vernichtet.
Besonders kritisch ist die Isolation kleiner Vorkommen. Kann zwischen benachbarten Gewässern und Landlebensräumen kein Austausch mehr stattfinden, steigt das Risiko, dass lokale Bestände nach einzelnen schlechten Jahren vollständig erlöschen.
Die extreme Trockenheit trifft somit keine unbelastete Art. Sie verstärkt vielmehr bereits vorhandene Probleme.
Klimawandel verändert den Lebensrhythmus
Mit steigenden Temperaturen verlängert sich die Vegetationsperiode. Gleichzeitig nehmen in vielen Regionen Niederschlagsextreme zu. Längere trockene Abschnitte können von kurzen Starkregenereignissen unterbrochen werden. Doch ein heftiger Regenguss ersetzt keinen dauerhaft funktionsfähigen Wasserhaushalt.
Auf ausgetrockneten oder verdichteten Böden fließt Starkregen häufig rasch oberflächlich ab. Er füllt einen Tümpel möglicherweise kurzfristig, sichert aber noch keine ausreichende Wasserführung bis zum Abschluss der Larvenentwicklung. Werden Niederschläge unregelmäßiger, kann die zeitliche Abstimmung zwischen Wanderung, Paarung, Eiablage und Gewässerentwicklung verloren gehen.
Mildere Winter bergen ebenfalls Risiken. Werden Molche während warmer Phasen aktiv und folgt darauf ein erneuter Frost, können zusätzliche Energieverluste entstehen. Gleichzeitig verändern sich die Lebensbedingungen ihrer Beutetiere, Fressfeinde und Krankheitserreger.
Die Reaktion einzelner Bestände kann regional sehr unterschiedlich ausfallen. Gerade deshalb benötigt es ein langfristiges Monitoring, das nicht nur die Zahl erwachsener Tiere, sondern auch Wasserstände, Fortpflanzungserfolg und die Qualität der angrenzenden Landlebensräume erfasst.
Was jetzt notwendig ist
Aus Sicht von Artenschutz in Franken® müssen Amphibiengewässer und ihre Umgebung künftig noch stärker auf längere Trockenperioden vorbereitet werden. Dabei geht es nicht um das wahllose Vertiefen jedes Tümpels. Unterschiedlich tiefe, räumlich miteinander verbundene Gewässer können gemeinsam ein widerstandsfähigeres Lebensraumnetz bilden.
Während flache Bereiche rasch warm werden und eine hohe biologische Produktivität entwickeln, können tiefere Zonen länger Wasser halten. Wichtig bleiben strukturreiche Ufer, eine gute Unterwasservegetation sowie der weitgehende Verzicht auf Fischbesatz. Gleichzeitig dürfen die Landlebensräume nicht vergessen werden.
Erforderlich sind:
- die Erhaltung und Neuanlage geeigneter, möglichst fischfreier Laichgewässer,
- unterschiedliche Gewässertiefen innerhalb eines Lebensraumverbundes,
- ausreichend breite und unbewirtschaftete Pufferzonen,
- Hecken, Säume und extensiv gepflegte Feuchtflächen,
- Totholz-, Stein- und Laubstrukturen als Tages- und Winterverstecke,
- sichere Wanderkorridore zwischen benachbarten Lebensräumen,
- der Verzicht auf Pestizide und unnötige Bodenbearbeitung,
- regelmäßige Kontrollen der Wasserführung und des Fortpflanzungserfolges.
Wo Gewässer in einem außergewöhnlich trockenen Jahr frühzeitig Wasser verlieren, sind Entscheidungen über mögliche Hilfsmaßnahmen ausschließlich in Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden und fachkundigen Amphibienschützern zu treffen. Eigenmächtiges Umsetzen, Einfangen oder Verbringen der Tiere ist keine geeignete Lösung und kann gegen artenschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen.
Ein Bild, das uns nicht gleichgültig lassen darf
Der männliche Kammmolch auf dem ausgetrockneten Boden ist mehr als ein außergewöhnliches Tiermotiv. Die Aufnahme hält einen Moment fest, der sinnbildlich für eine grundlegende Veränderung unserer Landschaft steht.
Wenn selbst ehemals feuchte Rückzugsräume austrocknen und Gewässer ihre Funktion als Kinderstuben verlieren, geraten ganze Amphibiengemeinschaften unter Druck. Dabei verschwinden die Tiere häufig leise. Ein Gewässer bleibt im Frühjahr ohne Balzrufe, Larven fehlen, und irgendwann führt kein nächtlicher Wanderweg mehr dorthin.
Artenschutz in Franken® möchte mit dieser Aufnahme nicht allein Betroffenheit auslösen. Sie soll zum Handeln anregen. Wasserrückhalt, der Schutz von Kleingewässern und die Wiederherstellung strukturreicher Landlebensräume müssen zu zentralen Aufgaben des praktischen Artenschutzes werden.
Der Kammmolch kann trockene Landabschnitte überwinden. Doch er kann keine dauerhaft ausgetrocknete und ausgeräumte Landschaft ersetzen. Es liegt an uns, wieder ein Netz aus Wasser, Schatten, Deckung und sicheren Wanderwegen zu schaffen – damit dieser eindrucksvolle „Wasserdrache“ auch künftig zwischen seinen beiden Welten bestehen kann.
Aufnahme von Volkmar Greb am 06.09.2026
Stand 06.09.2026
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