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Hornisse im Kleinvogelnistkasten
Bild zum Eintrag (1149302-160)
Wenn der Vogelnistkasten zum Hornissenbau wird

Was ursprünglich als kleiner Nistplatz für Vögel gedacht war, hat im Verlauf des Sommers vollkommen andere Bewohner gefunden. Hornissen haben den Nistkasten als geschützten Standort für die Gründung ihres Volkes ausgewählt. Im Frühherbst 2026 zeigt sich nun eindrucksvoll, welche Entwicklung im Inneren stattgefunden hat.

Das Hornissenvolk hat zu dieser Jahreszeit seine höchste oder annähernd höchste Individuenzahl erreicht. Der ursprünglich vorhandene Innenraum reicht für die zahlreichen Waben und die heranwachsenden Tiere längst nicht mehr aus. Deshalb haben die Hornissen damit begonnen, ihr Nest über die Grenzen des Kastens hinaus zu erweitern. Schicht für Schicht umgeben sie den Baukörper mit einer papierartig wirkenden Nesthülle. Dabei entsteht der faszinierende Eindruck, als würde sich der gesamte Vogelnistkasten allmählich in ein einziges großes Hornissennest verwandeln.

Das Baumaterial stellen die Tiere selbst her. Mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen lösen sie feine Fasern von verwittertem Holz, vermischen diese mit Speichel und verarbeiten die Masse zu dünnen, erstaunlich stabilen Nestschichten. Die unterschiedliche Herkunft der Holzfasern lässt auf der Oberfläche feine Farbabstufungen, Linien und Muster entstehen. Was auf den ersten Blick wie graubraunes Papier aussieht, ist somit ein vollständig von den Hornissen geschaffenes Naturbauwerk.

Unter dieser schützenden Hülle verbirgt sich ein komplex aufgebautes Nest mit mehreren Wabenetagen. Während einige Arbeiterinnen Baumaterial heranschaffen oder Nahrung suchen, kümmern sich andere um die Brut, regulieren die Temperatur oder bewachen den Nesteingang. Jeder Teil des Volkes trägt dazu bei, dass dieser nur wenige Monate bestehende Insektenstaat funktioniert.

Für Artenschutz in Franken® ist dieser außergewöhnlich umgestaltete Nistkasten ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie flexibel Wildtiere auf das vorhandene Angebot an geeigneten Lebensräumen reagieren. Natürliche Baumhöhlen, alte Obstbäume und andere ausreichend große Hohlräume sind in vielen Landschaften selten geworden. Ersatzstrukturen können deshalb auch von Arten angenommen werden, für die sie ursprünglich gar nicht vorgesehen waren.

Das Hornissenvolk sollte nun möglichst ungestört bleiben. Ruhiges Verhalten und ein ausreichender Abstand zum Nest ermöglichen in vielen Fällen ein konfliktarmes Miteinander. Erschütterungen, Manipulationen am Kasten und das Blockieren der Flugbahn müssen unbedingt vermieden werden. Befindet sich das Nest an einer problematischen Stelle, sollte fachkundiger Rat eingeholt werden.

Mit dem weiteren Verlauf des Herbstes nähert sich der Entwicklungszyklus des Volkes seinem natürlichen Ende. Nur die jungen, begatteten Königinnen überwintern an geschützten Orten und können im folgenden Frühjahr einen neuen Staat gründen. Das alte Nest wird dagegen nicht erneut bezogen.

Der nahezu vollständig von einer papierartigen Nesthülle umgebene Vogelkasten macht sichtbar, welche beeindruckenden Leistungen selbst vergleichsweise kleine Tiere vollbringen können. Wo wir ihnen Raum lassen und mit Aufmerksamkeit begegnen, entstehen unmittelbar vor unseren Augen faszinierende Einblicke in die Vielfalt des Lebens.

Aufnahme vom 08.09.2026 von Volkmar Greb


Artenschutz in Franken® - 11.09.2026
Hornisse im Kleinvogelnistkasten
Bild zum Eintrag (1149303-160)
Aufnahme vom 08.09.2026 von Volkmar Greb
Hornisse im Kleinvogelnistkasten
Bild zum Eintrag (1149304-160)
Aufnahme vom 08.09.2026 von Volkmar Greb
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