Presseinformation Stiftung Menschen für
Bäume
Die Vogel-Kirsche ist „Baum des Jahres 2010“
Begleiter
des Menschen und „Schneeweiße Blütenkönigin“
Berlin. Die Vogel-Kirsche wurde zum „Baum
des Jahres 2010“ ernannt. Bei der Proklamation am heutigen Donnerstag im
Berliner Zoo wies der Präsident der Stiftung Menschen für Bäume, Dr. Silvius
Wodarz, darauf hin, dass die Vogel-Kirsche (Prunus avium L.) seit Jahrtausenden ein Begleiter des Menschen sei.
Sie mache uns viele Male im Jahr große Freude: Im April strahle sie weiß leuchtend
weithin ins Land, im Sommer liefere sie begehrte Früchte und im Herbst orange
bis rote, feurige Blattfarben. Kurz: Wenn es um Ästhetik geht, spiele die Kirsche
ganz vorne mit. Und beim Geschmack auch: Die Vogel-Kirsche sei die Mutter aller
Süß-Kirschen, denn diese seien eine Varietät (Zuchtform) von ihr.
Im
Jahr der Vogel-Kirsche, diesem bei Kindern sehr beliebten Baum, möchte die Stiftung
die begonnene Zusammenarbeit mit
Waldkindergärten besonders forcieren, und auf alle Kindergärten ausdehnen, unter dem Motto
Kinder in die Natur - Natur zu den Kindern
Wer macht mit? Wer unterstützt? Gefragt sind alle Entscheidungsträger, Medien,
Förderer!!
Die Vogel-Kirsche verfügt
über viele bemerkenswerte Eigenschaften. In der Krone einer freistehenden,
erwachsenen Vogel-Kirsche können sich bis
zu einer Million Blüten befinden! Sie sind für Bienen, Hummeln und andere
Insekten eine der wichtigsten Nektarquellen, weshalb Imker die Kirschblüte sehr
schätzen. Aber auch für uns Menschen gilt: Was wäre ein Frühling ohne
Kirschblüte? Wilde Vogel-Kirschen kommen vor
allem am Waldrand und in der freien Landschaft vor, wo sie allerdings von
Kultur-Kirschen schwer zu unterscheiden sind. Die Früchte der Wildform sind jedoch
deutlich kleiner (nur 1 cm dick), die Kronen schlanker. Oft erkennt man bei
Kulturkirschen am Stamm, meist in etwa 2 m Stammhöhe, knollenartige
Verdickungen an der Stelle, an der die Bäume gepfropft wurden.
Die Früchte
sind wegen ihrer Inhaltsstoffe sehr wertvoll für uns Menschen, aber auch bei Tieren
sehr begehrt. Bis zu ihrer Reife muss ein Kirschbaum allerdings viele Klippen erfolgreich
umschiffen: Spätfrost oder Regen während der Blüte, Trockenheit, Hagel, Fraßfeinde
und Schädlinge. Kirschen werden nicht nur für Schwarzwälder Kirschtorte und
tausende anderer Leckereien verwendet, sondern neuerdings auch für Landes-,
Deutschland- und Weltmeisterschaften im Kirschkern-Weitspucken
– der Rekord liegt derzeit bei 21,71 m.
Für so genannte Barbarazweige schneidet man Anfang Dezember – am 4.12. ist Namenstag
der Heiligen Barbara – ein paar Kirschzweige ab, stellt sie im Zimmer in die
Vase, und dann blühen sie (mit etwas Glück) zu Weihnachten.
Ein ästhetisches Highlight der Vogel- und
Süß-Kirsche ist ihre Herbstfärbung:
sie kann leuchtend orange bis feuerrot werden und damit Ende Oktober für einen
herbstlichen Höhepunkt in der Landschaft sorgen, fast wie der „Indian Summer“
in Nordamerika (dort sind es allerdings Ahorne, die das Feuerrot verbreiten).
Vogel-Kirschbäume können im Wald bis 30 m, im
Freistand bis 20 m hoch und maximal 150 Jahre alt werden. Der Stamm kann oberhalb der Wurzelanläufe
etwa einen Meter dick werden. Etwas sehr Schönes sind Kirschbaum-Alleen in der Landschaft. Man findet sie aber heute
äußerst selten, da diese Baumart nicht die optimale für schnell und stärker befahrene
Straßen ist. Umso wertvoller sind die wenigen an Nebenstraßen und Feldwegen verbliebenen.
Aber auch in Städten gibt es ab und an Kirsch-Alleen, so zum Beispiel im Berliner
Stadtteil Prenzlauer Berg.
Hinsichtlich der Ansprüche an Nährstoffe und Feuchtigkeit ist die Vogel-Kirsche sehr
genügsam, sie kann sogar als Pionierbaum auf Schuttflächen wachsen. Aufgrund ihrer
Hitze- und Trockenheitstoleranz kann sie tendenziell vom Klimawandel eher profitieren, weil sie dadurch gegenüber anderen
Baumarten konkurrenzkräftiger wird.
Im Wald ist die Vogel-Kirsche derzeit eher eine seltene Baumart, die unbedingt
mehr beachtet werden sollte – nicht nur, weil das Holz sehr gute Preise erzielt. Es hat einen rötlichen
Farbton, der sehr gesucht ist, und dient als Möbelholz sowie für wertvolle
Furniere. (Biedermeiermöbel).
Auch ökologisch ist die Kirsche sehr wertvoll, so können alte, angefaulte Stämme
vom seltenen Hirschkäfer besiedelt werden.
Süß-Kirschen im Obstbau werden grundsätzlich durch Veredlung erzeugt, dabei werden
besonders blühwillige Zweige auf die Vogel-Kirsche gepfropft. In Mitteleuropa eingeführt
wurde die Kulturkirsche bereits von den Römern kurz nach der Zeitenwende. Pro
Baum können jährlich etwa 20 kg Früchte geerntet werden. Heute beträgt die
Jahresernte an Süßkirschen weltweit etwa 2 Mio. Tonnen, in Europa ist Deutschland
das Land mit den größten Mengen (2008 gut 60.000 t ohne die privaten Kirschbäume).
Bis vor gar nicht so langer Zeit gab es in einigen Regionen schulfrei zur
Kirschenernte.
Auch als Ziergehölz
ist der Kirschbaum sehr beliebt. Das edelste Baumpaar im Garten sind Kirschbaum
und Walnuss; sie ergänzen sich ideal, sowohl was ihr Äußeres betrifft als auch
ihre Nutzung.
Kirschkerne werden von absoluten Spezialisten zum
Schnitzen verwendet. So befindet sich im „Grünen Gewölbe“ in Dresden ein
Kirschkern aus dem Jahre 1589 mit 185 (!!) geschnitzten Gesichtern. Damals
hatten die Menschen noch Zeit… Kirschkernkissen
erleben derzeit eine Renaissance als guter Wärmflaschenersatz: Die getrockneten
Kerne werden in Leinensäckchen oder Kissen gefüllt, in der Mikrowelle, im
Backofen oder Ofen erhitzt und zum Wärmen ins Bett oder auf empfindliche Körperstellen
gelegt – das hilft bei Rheuma, Schmerzen, Hexenschuss und kalten Füßen. Viele
schwören auf den wohltuenden Schlaf auf Kirschkernkissen, die sich übrigens
auch für Allergiker eignen.
Im Jahr der Kirsche sollten auch bei uns am Tag
des Baumes (25. April) Kirschblütenfeste
gefeiert werden. In Japan wird das seit etwa 1.000 Jahren alljährlich getan,
wenn die dort heimischen Blütenkirschen das Land in ein Meer von Rosa-, Pink-
und Weißtönen tauchen. Dafür gibt es dort sogar meist einen freien Arbeitstag,
im April ist nichts anderes so wichtig wie die Kirschblüte.
Es gibt also jede Menge guter Gründe, warum
die Vogel-Kirsche „Baum des Jahres“ geworden ist – Zeit, einen Kirschbaum zu
pflanzen! Wenn Menschen mehr auf die Kirschbäume in der Landschaft achten, erleben
sie die Jahreszeiten intensiver und noch schöner. Und in diesem Jahr schmeckt
die Schwarzwälder Kirschtorte besonders gut…
Weitere
Informationen erhalten Sie auf der website der Stiftung Menschen für Bäume, www.baum-des-jahres.de
Für die
gelisteten Darstellungen trägt der Autor die redaktionelle Verantwortung.
Die
Informationen geben ausnahmslos die Meinung des Verfassers, nicht eine
Stellungnahme unserer Organisation wieder.
Artenschutz
im Steigerwald