Sie alle engagieren sich gemeinsam mit Artenschutz in Franken® für eine intakte Umwelt
ARTENSCHUTZ IN FRANKEN®

Im Sinne uns nachfolgender Generationen
Ausgezeichnet

Home

Über Uns

Aktuelles

Der Steigerwald

Diverses

Pflanzen

Projekte

Publikationen

Tiere

Umweltbildung

Webcams
Sie befinden sich hier:
Pflanzen
>
Orchideen
>
Orchideenarten
>
Großes Zweiblatt
Seite:
1
|
2
Orchideen in Franken
Bild zum Eintrag (1148772-160)
Das Große Zweiblatt (Neottia ovata) – eine stille Kostbarkeit unserer Landschaft

Ein heller Frühsommertag liegt über einer fränkischen Waldwiese. Zwischen Gräsern, Kräutern und den ersten Schatten der Laubbäume erhebt sich eine Pflanze, die leicht übersehen werden kann. Ihre Blüten leuchten weder kräftig noch fallen sie durch besondere Größe auf. Erst bei näherem Hinsehen zeigt sich, wie außergewöhnlich dieses unscheinbare Gewächs tatsächlich ist: das Große Zweiblatt (Neottia ovata), eine heimische Orchidee.

Für Artenschutz in Franken® sind es gerade solche stillen Arten, die den besonderen Wert naturnaher Lebensräume sichtbar machen. Sie erinnern uns daran, dass biologische Vielfalt nicht immer auffällig auftreten muss. Manchmal zeigt sie sich in kleinen grünlichen Blüten, in zwei beinahe gegenüberstehenden Blättern und in einer Pflanze, die auf das Zusammenspiel von Boden, Pilzen, Insekten, Feuchtigkeit und einer angepassten Nutzung angewiesen ist.

Zwei Blätter geben der Orchidee ihren Namen

Das Große Zweiblatt gehört zur Familie der Orchideengewächse. Seinen deutschen Namen verdankt es den beiden auffallend breiten, eiförmigen Laubblättern, die sich im unteren Bereich des Stängels nahezu gegenüberstehen. Zwischen ihnen wächst der aufrechte Blütenstand empor, der gewöhnlich eine Höhe von etwa 20 bis 60 Zentimetern erreicht.

Von Mai bis Juli erscheinen zahlreiche kleine, gelblich grüne bis grünbraune Einzelblüten. Besonders charakteristisch ist die längliche, tief zweigeteilte Lippe der Blüte. Ihre zurückhaltende Färbung sorgt dafür, dass das Große Zweiblatt zwischen der umgebenden Vegetation hervorragend getarnt bleibt. Während viele andere Orchideenarten durch intensive Farben auf sich aufmerksam machen, setzt diese Art auf dezente Formen und feine Duft- und Nektarsignale.

Die Blüten werden von unterschiedlichen Insekten besucht. Dazu gehören unter anderem kleine Käfer, Fliegen und verschiedene Hautflügler. Damit wird das Große Zweiblatt zu einem Bestandteil eines weit verzweigten ökologischen Beziehungsgefüges. Nach erfolgreicher Bestäubung entwickeln sich Samenkapseln, in denen unzählige sehr feine, beinahe staubartige Samen heranreifen.

Ohne Pilzpartner kein neues Leben

Wie andere Orchideen produziert auch das Große Zweiblatt Samen, die kaum eigene Nährstoffreserven besitzen. Damit ein solcher Samen keimen und sich zu einer jungen Pflanze entwickeln kann, benötigt er die Unterstützung bestimmter Bodenpilze. Diese sogenannte Mykorrhiza-Verbindung versorgt den Keimling während seiner frühen Entwicklung mit lebenswichtigen Nährstoffen.

Dieser kaum sichtbare Vorgang macht deutlich, wie empfindlich das ökologische Netzwerk rund um eine Orchidee ist. Wird der Boden tiefgreifend verändert, verdichtet, entwässert oder mit Nährstoffen überlastet, können nicht nur die sichtbaren Pflanzen verschwinden. Auch die für ihre Entwicklung notwendigen Pilzgemeinschaften können beeinträchtigt werden.

Aus Sicht von Artenschutz in Franken® genügt es deshalb nicht, ausschließlich die einzelne Orchidee zu betrachten. Wir müssen ihren gesamten Lebensraum schützen – vom Boden über den Wasserhaushalt bis hin zu den bestäubenden Insekten.

Lebensräume zwischen Wald und Wiese

Das Große Zweiblatt besiedelt unterschiedliche, meist frische und basenreiche Standorte. Es findet sich in lichten Laub- und Mischwäldern, an Waldrändern, in Gebüschen, auf extensiv genutzten Wiesen sowie gelegentlich in feuchten Magerrasen. Entscheidend ist, dass die Standorte nicht dauerhaft austrocknen, gleichzeitig aber auch nicht durch übermäßigen Nährstoffeintrag und dichte Konkurrenzvegetation verändert werden.

Die Art kann regional noch vergleichsweise regelmäßig auftreten und gehört nicht überall zu den seltensten heimischen Orchideen. Dennoch darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass geeignete Lebensräume zunehmend verloren gehen oder voneinander isoliert werden. Auch größere Bestände können innerhalb weniger Jahre zurückgehen, wenn sich Nutzung, Bodenverhältnisse oder Wasserhaushalt grundlegend verändern.

Zwischen Nutzungsintensivierung und Nutzungsaufgabe


Eine zu frühe oder zu häufige Mahd kann verhindern, dass die Pflanzen ihre Blüte und Samenreife abschließen. Düngung fördert hochwüchsige Gräser und nährstoffliebende Stauden, die das Große Zweiblatt beschatten und verdrängen können. Entwässerung, Bodenverdichtung, schwere Maschinen sowie die Umwandlung artenreicher Wiesen und lichter Waldränder gefährden weitere Vorkommen.

Doch auch eine vollständige Nutzungsaufgabe kann problematisch werden. Verbuschen offene oder halboffene Standorte immer stärker, verliert das Große Zweiblatt den notwendigen Raum. Entscheidend ist deshalb eine sorgfältig abgestimmte Pflege, die sowohl die Entwicklungszeiten der Orchidee als auch die Bedürfnisse der begleitenden Tier- und Pflanzenarten berücksichtigt.

Das Große Zweiblatt im Klimawandel


Längere Trockenperioden, hohe Sommertemperaturen und veränderte Niederschlagsverläufe können besonders jene Standorte beeinträchtigen, die bisher durch eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit geprägt waren. Trocknen Waldränder, Wiesen und lichte Gehölzbereiche wiederholt aus, geraten nicht nur die ausgewachsenen Pflanzen unter Druck. Auch Bodenpilze, Keimlinge und bestäubende Insekten können betroffen sein.

Gleichzeitig können milde Winter und frühere Vegetationsbeginne die zeitliche Abstimmung zwischen Blüte und Insektenaktivität verändern. Wie stark sich diese Entwicklungen langfristig auf das Große Zweiblatt auswirken werden, hängt wesentlich davon ab, ob ausreichend große, naturnahe und miteinander verbundene Lebensräume erhalten bleiben.

Schutz beginnt mit Aufmerksamkeit

Das Große Zweiblatt sollte an seinem Standort weder gepflückt noch ausgegraben werden. Heimische Orchideen sind geschützt und entfalten ihren ökologischen Wert ausschließlich dort, wo sie sich über viele Jahre hinweg entwickeln und vermehren können. Auch das Umsetzen einer Pflanze ist keine sinnvolle Schutzmaßnahme, weil dabei das empfindliche Zusammenspiel mit Boden und Pilzpartnern gestört wird.

Vorkommen sollten möglichst früh erkannt, bei Pflegearbeiten berücksichtigt und über längere Zeit beobachtet werden. Eine angepasste Mahd, der Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutzmittel, der Erhalt lichter Waldstrukturen sowie ein möglichst natürlicher Wasserhaushalt können wesentlich dazu beitragen, die Art zu bewahren.

Artenschutz in Franken® setzt sich dafür ein, nicht nur auffällige und seltene Arten in den Mittelpunkt zu rücken. Das Große Zweiblatt zeigt eindrucksvoll, wie viel Leben sich im Verborgenen entfaltet. Seine grünlichen Blüten mögen unscheinbar erscheinen – doch sie stehen für ein hochkomplexes Geflecht, das über viele Jahre gewachsen ist.

Wo diese Orchidee noch ihren Platz findet, sollten wir aufmerksam werden. Denn ihr Schutz bewahrt weit mehr als eine einzelne Pflanze: Er erhält lebendige Böden, vielfältige Insektengemeinschaften, strukturreiche Waldsäume und extensiv genutzte Wiesen. Genau darin liegt die Verantwortung, der sich Artenschutz in Franken® mit seiner praktischen und öffentlichkeitswirksamen Arbeit stellt.

In der Aufnahme von Albert Meier 

... die Linke will heuer nicht blühen ... die Rechte ist noch eingesperrt .. 03.05.09
Großes Zweiblatt
Bild zum Eintrag (1148773-160)

In der Aufnahme von Albert Meier 
  • Das Große Zweiblatt liebt es feucht.Ob Feuchtwiesen oder Auenwälder hier liebt es zu wachsen. Nahe an 60 Zentimeter heran kann diese Pflanze reichen.Blütezeit Mai und Juni.
Seite:
1
|
2