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Furchenbiene an Thymian Blüte 05/2022
Bild zum Eintrag (1140684-160)
Furchenbiene an Thymian Blüte

An einem sonnigen Frühsommertag wirkt ein sandiger Weg zunächst still. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt ein reges Treiben: Winzige Bienen schwirren dicht über dem Boden, verschwinden in kleinen Löchern und tauchen kurz darauf wieder auf. Es ist ein geschäftiges Kommen und Gehen, fast wie in einer verborgenen Stadt. Hier leben sie – die Furchenbienen der Gattungen Halictus und Lasioglossum.

Artbeschreibung

Furchenbienen gehören zu den häufigsten Wildbienen Mitteleuropas und umfassen eine große Vielfalt an Arten. Die Gattungen Halictus und Lasioglossum unterscheiden sich in Details, teilen jedoch viele gemeinsame Merkmale: Sie sind meist klein bis mittelgroß, oft unscheinbar gefärbt und reichen von schwarz bis metallisch glänzend grün oder blau. Charakteristisch ist ihre Lebensweise im Boden. Sie graben verzweigte Nestsysteme in offene, lockere Erde. Einige Arten leben solitär, während andere einfache soziale Strukturen ausbilden – mit arbeitsteiliger Brutpflege, die als eine frühe Form sozialer Organisation gilt.

Furchenbienen sind wichtige Bestäuber und besuchen eine Vielzahl von Blütenpflanzen. Anders als spezialisierte Arten sind viele von ihnen relativ flexibel in ihrer Nahrungsauswahl, was ihnen grundsätzlich eine gewisse Anpassungsfähigkeit verleiht.

Lebensraum und ökologische Perspektive

Die Furchenbienen der Gattungen Halictus und Lasioglossum besiedeln ein breites Spektrum an Lebensräumen: von Wiesen und Waldrändern über Flussufer bis hin zu Gärten und städtischen Grünflächen. Entscheidend sind dabei offene Bodenstellen und ein ausreichendes Angebot an Blütenpflanzen. Doch genau diese Voraussetzungen geraten zunehmend unter Druck. Durch Versiegelung, intensive Landwirtschaft und die Vereinheitlichung von Landschaften verschwinden geeignete Nistplätze und Nahrungsquellen.

Der Klimawandel bringt zusätzliche Veränderungen mit sich. Verschobene Blühzeiten, längere Trockenperioden und extreme Wetterereignisse beeinflussen sowohl die Pflanzenwelt als auch die Aktivitätsphasen der Bienen. Während einige anpassungsfähige Arten profitieren könnten, geraten andere unter Stress, wenn ihre Lebenszyklen nicht mehr mit dem Nahrungsangebot übereinstimmen.

Bedrohung durch den Menschen

Auch wenn viele Furchenbienenarten noch relativ häufig sind, zeigt sich ein langfristiger Rückgang bei Insekten insgesamt – und damit auch bei ihnen. Die Hauptursachen sind menschengemacht.

Der Verlust offener Bodenflächen durch Bebauung oder intensive Pflege nimmt den Bienen ihre Nistmöglichkeiten. Gleichzeitig reduziert der Einsatz von Pestiziden nicht nur die Blütenvielfalt, sondern kann auch direkt schädlich für die Tiere sein.

Hinzu kommt die zunehmende „Ordnung“ in Gärten und Landschaften: Kurz gemähte Rasen, entfernte Wildkräuter und versiegelte Flächen bieten kaum Lebensraum. Selbst kleine Strukturen wie unbefestigte Wege oder Böschungen, die früher selbstverständlich waren, gehen verloren.

Da viele Arten der Gattungen Halictus und Lasioglossum im Boden nisten, reagieren sie besonders empfindlich auf Bodenverdichtung und Störungen.

Ausblick

Der Schutz von Furchenbienen beginnt oft im Kleinen. Offene Bodenstellen, vielfältige Blühpflanzen und ein reduzierter Pflegeaufwand können bereits viel bewirken. Naturnahe Gärten, extensiv genutzte Flächen und der Verzicht auf Pestizide fördern stabile Populationen.

Die Furchenbienen sind unscheinbar, aber ökologisch von großer Bedeutung. Ihr leises Summen am Boden ist ein Zeichen für lebendige Böden und funktionierende Kreisläufe – und damit für eine Umwelt, die auch für viele andere Arten lebensfähig bleibt.


In der Aufnahme
  • Rund 90 Furchenbienen der Gattungen Halictus und Lasioglossum mit einer Körperlänge von 4 - 16 mm. sind in Deutschland bekannt. Körperlänge circa 8 - 9 mm.

Aufnahme und Autor
Willibald Lang