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Windkraft im Wald – wenn Klimaschutz und Artenschutz aufeinandertreffen
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Windkraft im Wald – wenn Klimaschutz und Artenschutz aufeinandertreffen

  • Warum naturnahe Wälder besonders sensibel sind und Windenergieanlagen in intensiv bewirtschafteten Forsten anders bewertet werden müssen.

Zwischen herbstlichen Baumwipfeln und rotierenden Flügeln


Es ist einer jener Oktobertage, an denen sich die Wälder Frankens von ihrer besonders eindrucksvollen Seite zeigen. Goldgelbe Laubkronen wechseln sich mit dem dunklen Grün der Nadelbäume ab. Über den bewaldeten Höhenzügen ziehen Wolken hinweg, während das Sonnenlicht einzelne Waldabschnitte hervorhebt. Doch über dem scheinbar geschlossenen Blätterdach ist noch etwas anderes zu erkennen: die Rotoren von Windkraftanlagen, die sich weithin sichtbar über die Baumkronen erheben.

Ein Bild, das inzwischen vielerorts zum Erscheinungsbild unserer Kulturlandschaft gehört.

Für uns von Artenschutz in Franken® stellt sich bei solchen Anblicken jedoch eine Frage, die weit über die persönliche Wahrnehmung von Landschaft hinausgeht: Wie lässt sich die notwendige Nutzung erneuerbarer Energien mit dem ebenso notwendigen Erhalt unserer biologischen Vielfalt vereinbaren?

Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Und genau deshalb halten wir es für falsch, sämtliche Waldstandorte für Windenergieanlagen nach denselben Maßstäben zu beurteilen.

Denn Wald ist nicht gleich Wald.


  • Naturnahe Wälder – Lebensräume, die sich nicht beliebig ersetzen lassen

Wer einen naturnahen Laub- oder Mischwald aufmerksam betrachtet, erkennt sehr schnell, dass es sich dabei um weit mehr als eine Ansammlung von Bäumen handelt. Alte Buchen und Eichen, abgestorbene Baumteile, unterschiedliche Altersstufen, natürliche Verjüngungsbereiche und ein vielfach gegliederter Waldboden bilden gemeinsam ein Ökosystem, das sich über Jahrzehnte und teilweise Jahrhunderte entwickelt hat. In alten Baumhöhlen ziehen Vögel ihre Jungen auf. Fledermäuse nutzen Spalten und Höhlungen als Quartiere. Zahlreiche Käferarten sind auf alterndes oder abgestorbenes Holz angewiesen. Pilze, Moose und Kleinstlebewesen übernehmen wichtige Aufgaben im Stoffkreislauf des Waldes.

Was für einen flüchtigen Betrachter wie ein Stück abgestorbenes Holz aussieht, kann für zahlreiche Arten ein unverzichtbarer Lebensraum sein.

Gerade in solchen Wäldern betrachten wir die Errichtung von Windenergieanlagen äußerst kritisch.

Denn es bleibt nicht bei der eigentlichen Anlage. Für Fundamente, Montageflächen, Kranstellplätze, Zuwegungen und die erforderliche technische Infrastruktur müssen gegebenenfalls Flächen gerodet, Wege verbreitert und Böden verändert werden. Damit können wertvolle Waldstrukturen verlorengehen. Neue Waldränder entstehen, bislang geschlossene Bestände werden geöffnet, und es verändern sich örtlich Lichtverhältnisse, Windbewegungen und das Mikroklima. Besonders problematisch ist dabei der Verlust alter Habitatbäume. Eine über viele Jahrzehnte entstandene Baumhöhle lässt sich nicht innerhalb weniger Jahre gleichwertig ersetzen.

Ein naturnaher Wald ist kein beliebig austauschbarer Standort für technische Infrastruktur. Er ist selbst ein bedeutender Bestandteil unseres natürlichen Klimaschutzes.

Wenn der Luftraum über dem Wald zur Gefahrenzone wird

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Auswirkungen auf die Vogelwelt und auf Fledermäuse.

Zu den potenziell durch Windenergieanlagen gefährdeten Vogelarten gehören beispielsweise Rotmilan, Schwarzmilan und weitere kollisionsgefährdete Greifvogelarten. Entscheidend ist dabei nicht allein, ob eine solche Art unmittelbar im Wald brütet. Viele Vögel nutzen größere Landschaftsräume und bewegen sich regelmäßig zwischen ihren Brutplätzen, Jagdgebieten und weiteren wichtigen Lebensräumen. Windenergieanlagen können insbesondere dort problematisch werden, wo regelmäßig genutzte Flugwege durch die vom Rotor überstrichenen Bereiche führen.

  • Hinzu kommt die besondere Bedeutung von Fledermäusen.

Gerade Wälder bieten zahlreichen Fledermausarten Quartiere und Jagdlebensräume. Während manche Arten vorwiegend innerhalb geschlossener Waldbestände unterwegs sind, nutzen andere regelmäßig den freien Luftraum über den Baumkronen. Für hochfliegende und wandernde Fledermausarten können rotierende Rotoren eine erhebliche Kollisionsgefahr darstellen. Bei stärker an den Wald gebundenen Arten kommen mögliche Beeinträchtigungen durch Quartierverluste, Veränderungen ihrer Jagdhabitate und Störungen hinzu. Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2026 zur Bechsteinfledermaus verdeutlicht, dass die Tiere Waldgebiete mit Windenergieanlagen zwar weiterhin besiedeln können, sich ihre Raumnutzung und ihr Jagdverhalten jedoch verändern können.

Gerade diese Erkenntnis sollte nach unserer Auffassung stärker in die Betrachtung einfließen: Nicht jede ökologische Beeinträchtigung ist unmittelbar sichtbar. Ein Lebensraum kann an Qualität verlieren, obwohl die betroffene Art dort weiterhin nachgewiesen wird.
Wirtschaftswald ist nicht automatisch mit naturnahem Wald gleichzusetzen Bei der Diskussion um Windkraftanlagen innerhalb von Waldflächen wird nach unserer Wahrnehmung häufig ein wesentlicher Unterschied nicht ausreichend berücksichtigt.

  • Ein intensiv bewirtschafteter, strukturarmer Nadelholzforst unterscheidet sich hinsichtlich seiner ökologischen Ausstattung vielfach deutlich von einem alten, naturnahen Laubmischwald.

In manchen reinen Wirtschaftswäldern wurden über Jahrzehnte Baumarten auf größeren Flächen vergleichsweise einheitlich angebaut. Gleichförmige Altersstrukturen, regelmäßige Holznutzung und ein bereits bestehendes Netz forstwirtschaftlicher Wege haben diese Bestände stark geprägt. Solche Flächen können aus naturschutzfachlicher Sicht unter bestimmten Voraussetzungen für die Errichtung von Windenergieanlagen eher geeignet sein.Das gilt insbesondere dann, wenn bereits erschlossene Standorte genutzt werden können und zusätzliche Rodungen sowie neue Wege auf ein möglichst geringes Maß begrenzt bleiben.

Allerdings wäre es fachlich ebenso falsch, einen intensiv genutzten Wirtschaftswald pauschal als ökologisch unbedeutend einzustufen.

Auch dort können geschützte Vogelarten brüten, Fledermäuse Quartiere beziehen oder wertvolle Lebensraumstrukturen entstanden sein. Selbst ehemalige Schadflächen und Waldlichtungen können sich zu bedeutsamen Lebensräumen entwickeln. Eine geringere Naturnähe bedeutet deshalb nicht automatisch eine geringe artenschutzfachliche Bedeutung.

Für uns ergibt sich daraus eine klare Differenzierung: Wo Windenergieanlagen innerhalb von Waldgebieten überhaupt in Betracht gezogen werden, sollten vorrangig bereits vorbelastete und naturschutzfachlich weniger empfindliche Standorte geprüft werden.
Vogelflugkorridore – wenn auch ein Wirtschaftswald zum Problemstandort wird

Eine besondere Rolle spielt die Lage einer geplanten Windenergieanlage innerhalb der Landschaft.

Selbst ein intensiv bewirtschafteter Nadelholzforst kann sich als ungeeigneter Standort erweisen, wenn er innerhalb eines regelmäßig genutzten Vogelflugkorridors liegt. Solche Bereiche können beispielsweise entlang von Höhenzügen, Talräumen oder zwischen wichtigen Rast-, Brut- und Nahrungsgebieten verlaufen. Nicht jede Zugvogelart ist gleichermaßen kollisionsgefährdet. Flugverhalten, Flughöhe, Witterungsverhältnisse und die konkrete Lage der Anlagen bestimmen wesentlich, ob erhöhte Risiken entstehen.

Neben dem saisonalen Vogelzug sind insbesondere die regelmäßig genutzten Flugverbindungen kollisionsgefährdeter Brutvogelarten zu berücksichtigen. Auch bedeutende Wanderbewegungen von Fledermäusen dürfen bei der Standortbewertung nicht übersehen werden.

Gerade deshalb reicht es aus unserer Sicht keinesfalls aus, eine Waldfläche lediglich anhand ihrer forstwirtschaftlichen Nutzung zu beurteilen. Entscheidend ist nicht nur, welcher Wald unter einer Windenergieanlage steht, sondern auch, welche Arten den Luftraum darüber nutzen.

Klimaschutz darf nicht zulasten besonders wertvoller Lebensräume gehen

Wir von Artenschutz in Franken® erkennen ausdrücklich an, dass der Ausbau erneuerbarer Energien einen wichtigen Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels leisten kann. Steigende Temperaturen, zunehmende Trockenperioden und veränderte Niederschlagsverhältnisse setzen auch unseren heimischen Waldökosystemen erheblich zu.

  • Damit stellt der Klimawandel selbst eine ernsthafte Bedrohung für die biologische Vielfalt dar.

Gerade deshalb halten wir es für notwendig, Klimaschutz und Artenschutz gemeinsam zu betrachten.

Es wäre aus unserer Sicht wenig überzeugend, wenn für die Gewinnung erneuerbarer Energie ausgerechnet jene besonders wertvollen Waldlebensräume erheblich beeinträchtigt würden, deren Erhaltung für die biologische Vielfalt, die Speicherung von Kohlenstoff und die Stabilität des Naturhaushalts von großer Bedeutung ist.

Andererseits dürfen wir die Möglichkeiten einer naturverträglichen Energiegewinnung nicht grundsätzlich verwerfen, wenn geeignete, bereits deutlich anthropogen geprägte Standorte zur Verfügung stehen.

  • Eine verantwortungsbewusste Planung muss daher frühzeitig nach Lösungen suchen, die erhebliche Eingriffe vermeiden.

Dazu gehören eine fundierte Untersuchung der vorkommenden Arten, die Berücksichtigung wichtiger Flugbewegungen, eine möglichst geringe Flächeninanspruchnahme und wirksame technische Schutzmaßnahmen. Insbesondere bedarfsgerechte Abschaltungen während Zeiten erhöhter Fledermausaktivität können einen wesentlichen Beitrag zur Risikominderung leisten. Wo erhebliche artenschutzfachliche Konflikte trotz entsprechender Maßnahmen bestehen bleiben, muss jedoch auch die Entscheidung möglich sein, auf einen Standort zu verzichten.

Unsere Position: Erst den Lebensraum verstehen, dann über den Standort entscheiden

Aus unserer praktischen Naturschutzarbeit wissen wir, wie viel Zeit und Engagement erforderlich sind, um wertvolle Lebensraumstrukturen zu erhalten oder neu zu entwickeln. Manchmal beschäftigen wir uns über Jahre mit der Wiederherstellung vergleichsweise kleiner Biotopflächen. Wir schaffen Nistmöglichkeiten, sichern Altgrasbestände, erhalten Totholz und bemühen uns darum, Lebensräume miteinander zu verbinden.

Vor diesem Hintergrund ist es für uns selbstverständlich, bei großflächigeren Eingriffen in bestehende Waldökosysteme besonders sorgfältig hinzusehen.

Ein über viele Jahrzehnte gewachsener naturnaher Waldbestand besitzt einen ökologischen Wert, der sich nicht allein in Quadratmetern oder anhand seines wirtschaftlich nutzbaren Holzvorrats ausdrücken lässt. Für besonders strukturreiche, alte und weitgehend unzerschnittene Waldlebensräume sprechen wir uns deshalb für eine konsequente Vermeidung neuer Windenergiestandorte aus.In intensiv genutzten Wirtschaftswäldern kann die Situation dagegen anders zu bewerten sein. Dort sehen wir unter geeigneten Voraussetzungen durchaus Möglichkeiten, Windenergiegewinnung und Naturschutz miteinander zu vereinbaren.

Voraussetzung bleibt eine sorgfältige Einzelfallprüfung. Besonders sensible Brutgebiete, bedeutende Flugkorridore, wichtige Fledermauslebensräume und andere ökologisch hochwertige Strukturen müssen dabei angemessen berücksichtigt werden. Die gesetzlichen Anforderungen des Natur- und Artenschutzes gelten selbstverständlich auch im Wirtschaftswald.
Was wir kommenden Generationen hinterlassen möchten

Die Energiewende ist eine große gesellschaftliche Aufgabe. Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist es nicht weniger.

  • Beide Herausforderungen werden die Lebensbedingungen zukünftiger Generationen wesentlich beeinflussen.

Für uns von Artenschutz in Franken® besteht verantwortungsvoller Naturschutz daher nicht darin, technische Entwicklungen grundsätzlich abzulehnen. Ebenso wenig kann er bedeuten, jeden Eingriff in die Natur allein mit dem Hinweis auf eine klimafreundliche Energiegewinnung zu rechtfertigen. Wir brauchen Standorte, die fachlich überzeugen, Planungen, die ökologische Zusammenhänge ernst nehmen, und Entscheidungen, die auch langfristige Folgen berücksichtigen. Denn ein Windrad kann an einem geeigneten Standort über viele Jahre klimafreundlichen Strom erzeugen. Ein verlorener alter Waldlebensraum dagegen lässt sich innerhalb vergleichbarer Zeiträume häufig nicht wiederherstellen.

Unser Anspruch sollte deshalb sein, erneuerbare Energie dort zu gewinnen, wo sie mit möglichst geringen ökologischen Verlusten verbunden ist – und besonders wertvolle Lebensräume dort zu bewahren, wo ihre Bedeutung für die Natur keinen gleichwertigen Ersatz zulässt.


In der Darstellung - Hinweis: Originalaufnahme · illustrative KI-Bearbeitung auf Grundlage einer Originalaufnahme. Windenergie über den herbstlichen Waldlandschaften Frankens – nicht allein die sichtbaren Rotoren, sondern vor allem die ökologische Beschaffenheit des Waldes und die Nutzung des Luftraums entscheiden darüber, wie naturverträglich ein Standort tatsächlich ist. “

Artenschutz in Franken® - 24.10.2026

Artenschutz in Franken® – weil Klimaschutz und der Schutz unserer heimischen Artenvielfalt gemeinsam gedacht werden müssen.