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Rotfeder
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Die Rotfeder – ein goldener Schatten zwischen den Wasserpflanzen

  • Scardinius erythrophthalmus – eine charakteristische Bewohnerin pflanzenreicher Stillgewässer

Eine Begegnung im grünen Unterwasserwald

Der Morgen lag noch still über dem kleinen Gewässer. Zwischen den Blättern der Seerosen standen einzelne Halme aus dem Wasser, und unter der Oberfläche zeichneten sich die ersten Sonnenstrahlen als helle Linien ab. Plötzlich bewegte sich etwas zwischen den Wasserpflanzen. Zunächst war nur ein goldener Schimmer zu erkennen. Dann erschien ein kleiner Schwarm Fische. Ihre Flanken glänzten im gedämpften Licht, während die rötlichen Flossen zwischen den grünen Stängeln immer wieder kurz aufleuchteten.

Für einen Augenblick hielten sich die Tiere dicht unter der Wasseroberfläche auf. Eines von ihnen nahm ein kleines Insekt auf, das auf das Wasser gefallen war. Dann verschwand der Schwarm beinahe lautlos wieder im Schutz der Pflanzen.

Es waren Rotfedern.

Für Artenschutz in Franken® steht diese Beobachtung für einen Lebensraum, dessen Wert häufig unterschätzt wird.
Flache, pflanzenreiche Gewässerzonen mögen auf den ersten Blick unordentlich oder zugewachsen erscheinen. Tatsächlich bilden sie einen vielfältigen Unterwasserwald, der Fischen, Amphibien, Libellen, Wasserkäfern und zahlreichen weiteren Arten Nahrung, Schutz und Fortpflanzungsräume bietet.

Woran lässt sich die Rotfeder erkennen?

Die Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus) gehört zur Familie der Weißfische. Ihr Körper ist seitlich abgeflacht und vergleichsweise hochrückig. Erwachsene Tiere erreichen häufig eine Länge von etwa 20 bis 30 Zentimetern. Unter besonders günstigen Bedingungen können einzelne Rotfedern deutlich größer werden. Der Rücken zeigt meist eine olivgrüne bis bräunliche Färbung. Die Flanken wirken silbrig bis goldfarben, während Bauch-, After- und Schwanzflosse auffällig orangefarben bis kräftig rot gefärbt sein können. Vor allem bei älteren Tieren und während der Fortpflanzungszeit treten diese Farben deutlich hervor.

Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist das nach oben gerichtete Maul. Es zeigt, dass die Rotfeder einen Teil ihrer Nahrung an oder unmittelbar unter der Wasseroberfläche aufnimmt. Dort erbeutet sie unter anderem Insekten, die auf das Wasser gefallen sind.

Häufig wird die Rotfeder mit dem Rotauge verwechselt. Beim Rotauge ist die Iris meist deutlich rötlich gefärbt, während das Auge der Rotfeder eher gelblich bis goldfarben erscheint. Auch die Stellung der Rückenflosse hilft bei der Unterscheidung: Bei der Rotfeder beginnt sie weiter hinten als die Bauchflossen. Hinzu kommen der stärker nach oben gerichtete Mund und der häufig goldener wirkende Körper.

Eine sichere Bestimmung sollte sich jedoch niemals auf ein einziges Merkmal stützen. Körperform, Maulstellung, Augenfarbe und Flossenposition sollten stets gemeinsam betrachtet werden.

Zwischen Wasseroberfläche und Pflanzenbestand

Die Rotfeder bevorzugt stehende oder langsam fließende Gewässer mit einer gut entwickelten Unterwasser- und Ufervegetation. Sie lebt in Seen, Weihern, Teichen, Altarmen, langsam durchströmten Flussabschnitten und größeren Gräben. Besonders wertvoll sind flache, sonnenbeschienene Bereiche mit Laichkräutern, Tausendblatt, Hornblatt, Seerosen oder anderen Wasserpflanzen. Diese Strukturen bieten Deckung vor Fressfeinden und zugleich ein reiches Nahrungsangebot.

Jüngere Rotfedern ernähren sich unter anderem von Zooplankton, kleinen Krebstieren, Insektenlarven und weiteren wirbellosen Wassertieren. Mit zunehmendem Alter gewinnt pflanzliche Nahrung häufig an Bedeutung. Dann werden auch weiche Teile höherer Wasserpflanzen, Algen und anderes pflanzliches Material aufgenommen. Die Rotfeder ist jedoch keine reine Pflanzenfresserin. Sie nutzt das Nahrungsangebot flexibel und nimmt ebenso kleine Tiere sowie Insekten von der Wasseroberfläche auf. Das oberständige Maul ermöglicht es ihr, dicht unter der Oberfläche nach Nahrung zu suchen, ohne den gesamten Körper weit aus dem Wasser heben zu müssen.

Rotfedern leben häufig in kleineren oder größeren Gruppen. Besonders Jungfische schließen sich zu Schwärmen zusammen. In der Deckung dichter Wasserpflanzen finden sie Schutz vor Hechten, Barschen, Kormoranen, Reihern und anderen Fressfeinden.

Die Kinderstube im Flachwasser

Die Fortpflanzungszeit der Rotfeder liegt überwiegend im späten Frühjahr und frühen Sommer. Der genaue Zeitpunkt hängt von der Wassertemperatur und den örtlichen Bedingungen ab. Zur Laichzeit suchen die Tiere flache, erwärmte und gut bewachsene Gewässerabschnitte auf. Die Weibchen geben zahlreiche klebrige Eier ab, die an Wasserpflanzen und anderen untergetauchten Strukturen haften bleiben. Dort entwickeln sich die Eier und später die sehr kleinen Larven.

Eine strukturreiche Flachwasserzone ist deshalb weit mehr als ein dekorativer Randbereich. Sie ist Laichplatz, Kinderstube, Nahrungsraum und Versteck zugleich. Werden Wasserpflanzen während der Fortpflanzungszeit vollständig entfernt, gehen nicht nur sichtbare Pflanzenbestände verloren. Mit ihnen können auch Fischeier, frisch geschlüpfte Larven, Insektenlarven, Schnecken und viele weitere Wasserorganismen aus dem Gewässer entnommen oder zerstört werden.

Artenschutz in Franken® richtet deshalb den Blick auf die zeitliche Dimension von Pflegemaßnahmen. Ein Eingriff, der außerhalb sensibler Entwicklungszeiten vertretbar sein kann, richtet während der Laich- und Aufwuchsphase möglicherweise erhebliche Schäden an.

Nicht überall gefährdet – aber vom Lebensraum abhängig

Die Rotfeder ist in vielen Regionen verbreitet und gilt nicht pauschal als seltene Fischart. Diese allgemeine Einordnung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass örtliche Bestände zurückgehen oder ganz verschwinden können, wenn geeignete Lebensräume verloren gehen.

Ein Gewässer kann weiterhin Wasser führen und dennoch seine Eignung für die Rotfeder verlieren. Fehlen Unterwasserpflanzen, flache Uferzonen und geschützte Laichbereiche, bleiben nur noch wenige nutzbare Strukturen zurück. Besonders problematisch ist die fortschreitende Vereinheitlichung von Gewässern. Steil befestigte Ufer, regelmäßig ausgeräumte Gräben, monotone Teiche und von ihren Auen abgetrennte Flussabschnitte bieten nur eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten.

Für Artenschutz in Franken® ist die Rotfeder deshalb auch eine Zeigerart für strukturreiche Still- und Auengewässer. Wo sie gemeinsam mit einer vielfältigen Unterwasserflora vorkommt, sind häufig auch zahlreiche andere Arten zu finden.

Wenn Gewässerpflege ihre ökologische Grundlage verliert

Pflege kann notwendig sein, damit Gräben funktionsfähig bleiben oder kleine Gewässer nicht vollständig verlanden. Entscheidend sind jedoch Umfang, Zeitpunkt und Vorgehensweise. Eine vollständige maschinelle Entfernung der Wasserpflanzen auf der gesamten Gewässerfläche lässt Fischen und anderen Wasserorganismen kaum eine Ausweichmöglichkeit. Besonders problematisch sind solche Eingriffe während der Laichzeit und der Entwicklung der Jungfische.

Auch das großflächige Ausbaggern von Gewässersohlen kann Laichplätze, Überwinterungsbereiche und Rückzugsräume zerstören. Mit dem Schlamm werden häufig Muscheln, Schnecken, Insektenlarven und andere Kleinlebewesen entnommen, die einen wichtigen Teil der Nahrungsgrundlage bilden. Ähnliches gilt für eine radikale Ufermahd, das vollständige Mulchen von Böschungen oder die Beseitigung sämtlicher Röhricht- und Hochstaudenstrukturen. Ohne schützende Ufervegetation erwärmt sich das Wasser schneller. Gleichzeitig gelangen Erde, Nährstoffe und Pflanzenschutzmittel leichter in das Gewässer.

Artenschutz in Franken® fordert deshalb eine abschnittsweise und zeitlich gestaffelte Pflege. Teilbereiche der Wasser- und Ufervegetation müssen erhalten bleiben. Von ihnen aus können sich Pflanzen und Tiere nach einem Eingriff wieder ausbreiten. Empfindliche Flachwasserzonen sollten möglichst vollständig geschont werden.

Ein gepflegtes Gewässer darf nicht mit einem ausgeräumten Gewässer verwechselt werden. Ordnung am Ufer ist kein ökologisches Qualitätsmerkmal.

Landwirtschaft und Gewässerschutz gehören zusammen

Viele Weiher, Gräben, Altarme und Kleingewässer liegen inmitten landwirtschaftlich genutzter Flächen. Dadurch sind sie besonders stark den Einflüssen ihrer Umgebung ausgesetzt. Gelangen abgeschwemmter Boden und Düngemittel in das Wasser, steigt die Nährstoffbelastung. Ein übermäßiger Nährstoffeintrag kann das Wachstum von Algen fördern und das Wasser eintrüben. Unterwasserpflanzen erhalten dann weniger Licht und gehen zurück.

Beim Abbau großer Algenmengen wird Sauerstoff verbraucht. Besonders in warmen Sommernächten können kritische Sauerstoffwerte entstehen. Für Fische wird die Situation dann lebensbedrohlich – selbst wenn am Tag noch keine Auffälligkeiten erkennbar waren.

Auch Pflanzenschutzmittel können über Abdrift, Oberflächenabfluss oder Drainagen in Gewässer gelangen. Dabei muss nicht immer unmittelbar ein Fischsterben auftreten. Schon die Beeinträchtigung von Wasserinsekten und anderen Kleintieren kann das Nahrungsnetz verändern.

Breite, dauerhaft bewachsene Uferrandstreifen können einen Teil der Einträge zurückhalten. Sie verringern den direkten Bodeneintrag, bieten Schatten und verbinden Gewässer mit angrenzenden Lebensräumen. Auf solchen Streifen sollte auf Düngung, Pflanzenschutzmittel und regelmäßiges Mulchen verzichtet werden.

Aus unserer Sicht ist es unverantwortlich, landwirtschaftliche Flächen bis unmittelbar an die Wasserlinie maximal auszunutzen. Ein schmaler Streifen, der der Natur überlassen bleibt, kann für die Funktionsfähigkeit des gesamten Gewässers entscheidend sein.

Die Rotfeder im Klimawandel

Die Rotfeder kommt grundsätzlich auch mit vergleichsweise warmem Wasser zurecht. Deshalb könnte sie in manchen Gewässern zunächst weniger empfindlich auf steigende Temperaturen reagieren als ausgesprochene Kaltwasserfische.

Doch auch für eine wärmetolerantere Art gibt es Grenzen. Je wärmer das Wasser wird, desto weniger Sauerstoff kann es aufnehmen. Gleichzeitig steigt der Sauerstoffverbrauch vieler Organismen. Kommen hohe Nährstoffbelastung, Algenwachstum und nächtlicher Sauerstoffabbau hinzu, können gefährliche Mangelsituationen entstehen.

Lange Trockenperioden lassen flache Uferzonen und Kleingewässer schrumpfen oder vollständig austrocknen. Dadurch verschwinden gerade jene warmen, bewachsenen Bereiche, die für Fortpflanzung und Jungfischentwicklung besonders wichtig sind. Niedrige Wasserstände konzentrieren Fische auf kleinerem Raum. Die Wassertemperatur steigt schneller an, Fressfeinde finden leichter Beute und Schadstoffe werden weniger verdünnt. Wird in einer solchen Situation zusätzlich Wasser entnommen, kann ein Gewässer seine ökologische Belastungsgrenze rasch überschreiten.

Starkregen bringt dagegen große Mengen Erde und Nährstoffe aus ungeschützten Flächen in Bäche, Gräben und Weiher. Feine Sedimente lagern sich auf Pflanzen und Laichstrukturen ab. Die Folgen der Klimakrise zeigen sich somit nicht nur als Hitze und Trockenheit, sondern auch in zunehmend extremen Schwankungen des Wasserhaushalts.

Die Rotfeder mag warmes, ruhiges Wasser – aber sie braucht dennoch Sauerstoff, Deckung und stabile Laichhabitate. Sie ist deshalb keineswegs automatisch eine Gewinnerin des Klimawandels.

Mehr Wasser und mehr Struktur in der Landschaft


Wirksamer Schutz beginnt mit dem Erhalt vorhandener Gewässer. Teiche, Tümpel, Altarme und wasserführende Gräben dürfen nicht verfüllt, trockengelegt oder vollständig ausgeräumt werden.

Wo es möglich ist, sollten flache Uferzonen entwickelt und ehemalige Überschwemmungsbereiche wieder an Fließgewässer angebunden werden. Wasser muss länger in der Landschaft gehalten werden, anstatt es über begradigte Gräben möglichst schnell abzuleiten. Eine vielfältige Ufervegetation spendet Schatten und stabilisiert die Böschung. Untergetauchte Pflanzen produzieren Sauerstoff, bieten Laichsubstrat und schaffen Rückzugsräume. Totholz und überhängende Äste erhöhen die Strukturvielfalt zusätzlich.

Für Artenschutz in Franken® bedeutet Gewässerschutz, natürliche Prozesse wieder zuzulassen.
Nicht jeder umgestürzte Ast muss entfernt, nicht jede Pflanzengruppe beseitigt und nicht jeder Gewässerrand kurz gehalten werden.

Ein roter Flossenschlag als Botschaft


Die Rotfeder gehört nicht zu den Arten, die in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit erhalten. Sie ist weder spektakulär groß noch außergewöhnlich selten. Dennoch erzählt ihr Vorkommen viel über den Zustand eines Gewässers. Wo Wasserpflanzen wachsen dürfen, Ufer unverbaut bleiben und Flachwasserbereiche nicht ständig bearbeitet werden, findet sie geeignete Lebensbedingungen. Wo dagegen Gewässer ausgeräumt, belastet und von ihrer Umgebung abgeschnitten werden, verliert auch eine ehemals häufige Art ihren Platz.

Artenschutz in Franken® möchte mit dem Blick auf die Rotfeder verdeutlichen, dass Naturschutz nicht erst beim letzten Vorkommen beginnen darf. Es ist wesentlich sinnvoller, noch vorhandene Lebensräume frühzeitig zu sichern, als später mit großem Aufwand verlorene Strukturen rekonstruieren zu müssen.

Wenn unter einer Seerose ein goldener Fisch mit roten Flossen erscheint, sehen wir deshalb mehr als nur eine Rotfeder. Wir sehen eine Botschafterin lebendiger Gewässer – und eine Erinnerung daran, wie eng Wasser, Pflanzen, Tiere und die Nutzung der umgebenden Landschaft miteinander verbunden sind.

In der Aufnahme von Peter Hoffmann

  • Die Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus) ist an ihren goldfarbenen Flanken und den auffällig rötlichen Flossen zu erkennen.
Rotfeder
Bild zum Eintrag (1149786-160)
In der Aufnahme von Peter Hoffmann
  • Flache, sonnenbeschienene Gewässerbereiche bilden eine wichtige Kinderstube für den Fischnachwuchs.
Rotfeder
Bild zum Eintrag (1149787-160)
In der Aufnahme von Peter Hoffmann
  • Die Rotfeder steht sinnbildlich für strukturreiche Weiher, Altarme und langsam fließende Gewässer.