Schleie
Die Schleie (Tinca tinca)
Wenn sich im Wasser kaum etwas bewegt …
Ein warmer Morgen liegt über einem kleinen, von Wasserpflanzen gesäumten Gewässer. Über der Oberfläche ziehen einzelne Libellen ihre Bahnen, aus dem Röhricht klingt der Ruf eines Teichrohrsängers, und zwischen den Blättern der Schwimmblattpflanzen scheint sich zunächst kaum etwas zu regen.
Doch unterhalb der Wasseroberfläche sieht die Welt anders aus.
Dort, wo das Licht bereits schwächer wird und sich zwischen Pflanzenstängeln, Wurzeln und weichem Gewässergrund ein eigener Lebensraum entwickelt hat, bewegt sich langsam ein kräftiger Fisch durch das Wasser. Keine hektische Flucht, kein auffälliges Auftreten. Fast lautlos sucht er den Grund nach Nahrung ab.
Es ist eine Schleie.
Gerade diese Zurückhaltung macht sie für uns von Artenschutz in Franken® zu einer besonders interessanten Art. Die Schleie gehört nicht zu jenen Tieren, die sich dem Betrachter unmittelbar präsentieren. Wer sie kennenlernen möchte, muss sich zunächst mit ihrem Lebensraum beschäftigen.
Und genau dort beginnt für uns Naturschutz.
Denn wo Schleien geeignete Lebensbedingungen finden, treffen wir häufig auf Gewässer, die mehr sind als lediglich mit Wasser gefüllte Vertiefungen. Es sind strukturreiche Lebensräume mit Unterwasserpflanzen, Röhrichten, flachen Uferzonen, unterschiedlichen Wassertiefen und Bereichen, in denen sich natürliche Sedimente entwickeln dürfen.
Solche Strukturen sind heute keineswegs selbstverständlich.
Die Schleie – angepasst an ein Leben zwischen Pflanzen und Gewässergrund
Die Schleie (Tinca tinca) gehört zur Familie der Karpfenfische und ist in weiten Teilen Europas verbreitet.
Ihr Körper wirkt kräftig und gedrungen. Besonders charakteristisch ist die meist olivgrüne bis dunkelgrüne Färbung, die hervorragend zu den häufig pflanzenreichen Gewässern passt, in denen die Art lebt. Die sehr kleinen Schuppen liegen tief in einer vergleichsweise dicken Haut und werden von einer auffälligen Schleimschicht bedeckt. Dadurch besitzt die Schleie eine besonders glatte Körperoberfläche.
Die Augen erscheinen häufig rötlich bis orangefarben und setzen einen bemerkenswerten Kontrast zur dunklen Körperfärbung. Am Maul befinden sich kleine Barteln, die bei der Nahrungssuche eine Rolle spielen. Schleien halten sich bevorzugt in stehenden oder langsam fließenden Gewässern auf. Dazu können Teiche, Weiher, Altarme, Seen, langsam fließende Gewässerabschnitte oder andere strukturreiche Stillgewässer gehören.
Besonders wichtig sind Bereiche mit dichter Wasser- und Ufervegetation.
Zwischen Pflanzenbeständen findet die Schleie Deckung und Nahrung. Gleichzeitig entstehen dort Lebensräume für zahlreiche weitere Organismen – von Insektenlarven und Schnecken bis zu Amphibien und anderen Fischarten.
Leben am Gewässergrund
Die Schleie sucht einen großen Teil ihrer Nahrung unmittelbar am oder im Gewässergrund.Mit ihrem Maul nimmt sie kleine Bodentiere und andere Nahrung auf. Dazu gehören beispielsweise Insektenlarven, Würmer, kleine Schnecken oder andere wirbellose Organismen.Beim Durchsuchen des Sediments können kleine Wolken aus feinem Schlamm entstehen. Was für den oberflächlichen Beobachter unscheinbar erscheinen mag, zeigt die enge Verbindung dieser Fischart mit der Struktur eines Gewässers.
Ein natürlicher oder naturnaher Gewässergrund ist eben kein wertloser Schlamm.
Er ist Lebensraum.
Zwischen organischem Material, Pflanzenresten, Wurzeln und Sedimentschichten leben unzählige kleine Organismen. Sie bilden einen wichtigen Bestandteil des Nahrungsnetzes.
Wer Gewässer ausschließlich unter dem Gesichtspunkt einer möglichst „sauberen“ oder technisch gepflegten Wasserfläche betrachtet, übersieht deshalb schnell einen erheblichen Teil ihrer ökologischen Bedeutung.
Fortpflanzung im Schutz der Wasserpflanzen
Mit steigenden Wassertemperaturen beginnt für die Schleie die Fortpflanzungszeit.
Die Tiere suchen bevorzugt flache, vegetationsreiche Bereiche auf. Dort können die Weibchen ihre zahlreichen kleinen Eier an Wasserpflanzen ablegen.Damit wird unmittelbar sichtbar, welche Bedeutung strukturreiche Flachwasserbereiche besitzen.Fehlen Pflanzenbestände oder werden Uferzonen regelmäßig vollständig freigeräumt, gehen genau jene Strukturen verloren, die für die Fortpflanzung vieler Wasserbewohner von entscheidender Bedeutung sein können.
Für uns von Artenschutz in Franken® gehört deshalb der Schutz von Flachwasserzonen zu den wichtigsten Bausteinen eines funktionierenden Gewässerschutzes. Ein Teich oder Weiher besteht ökologisch betrachtet nicht allein aus seiner offenen Wasserfläche.
Seine wertvollsten Bereiche liegen vielfach dort, wo Wasser und Land ineinandergreifen.
Die Schleie und die Veränderung unserer Gewässer
Über lange Zeit wurden zahlreiche Gewässer verändert. Ufer wurden befestigt, Flachwasserzonen beseitigt, kleinere Stillgewässer verfüllt oder trockengelegt. Bäche wurden begradigt und Altarme von ihrer natürlichen Dynamik abgeschnitten. Hinzu kommen intensive Nutzungen im unmittelbaren Umfeld vieler Gewässer.
Nährstoffe und Bodenmaterial können aus angrenzenden Flächen eingetragen werden. Gleichzeitig verschwinden Pufferstreifen, Röhrichte, Hochstaudenfluren und andere Übergangsbereiche. Für die Schleie bedeutet dies einen schleichenden Verlust geeigneter Lebensräume.
Dabei zeigt gerade diese Art sehr deutlich, dass ein Gewässer nicht nur Wasser benötigt.
Und es braucht Übergangszonen, die nicht ständig verändert werden.
Wenn Wasserpflanzen plötzlich als „Unordnung“ gelten
Ein Problem begegnet uns im praktischen Naturschutz immer wieder.
Gewässer sollen möglichst ordentlich aussehen. Unterwasserpflanzen werden entfernt, Röhrichte zurückgeschnitten, Ufer gemäht und Totholz beseitigt. Mitunter werden selbst kleinste naturnahe Strukturen als störend empfunden.
Für zahlreiche Tierarten kann genau diese vermeintliche Ordnung jedoch einen massiven Lebensraumverlust bedeuten. Wasserpflanzen sind keine störende Dekoration. Sie produzieren Sauerstoff, bieten Verstecke, dienen als Eiablageplatz und schaffen dreidimensionale Strukturen innerhalb des Gewässers.
Auch abgestorbene Pflanzenteile gehören zum natürlichen Kreislauf.
Artenschutz in Franken® setzt sich deshalb dafür ein, Gewässer nicht allein nach menschlichen Ordnungsvorstellungen zu bewerten.
Ein ökologisch wertvoller Lebensraum darf anders aussehen als ein Gartenteich aus einem Katalog.
Die Schleie im Klimawandel
Die Schleie gilt grundsätzlich als vergleichsweise anpassungsfähige Fischart.
Sie kann auch mit höheren Wassertemperaturen und zeitweise geringeren Sauerstoffgehalten besser umgehen als manche andere heimische Fischarten. Doch Anpassungsfähigkeit ist nicht grenzenlos. Der Klimawandel verändert unsere Gewässer zunehmend.
Längere Hitzeperioden lassen kleinere Teiche und Weiher stark erwärmen. Gleichzeitig können sinkende Wasserstände dazu führen, dass Flachwasserbereiche austrocknen. Besonders kritisch wird es, wenn mehrere Belastungen gleichzeitig auftreten. Hohe Wassertemperaturen verringern den Sauerstoffgehalt des Wassers. Gleichzeitig können erhöhte Nährstoffeinträge ein starkes Pflanzen- oder Algenwachstum fördern. Beim Abbau großer Mengen organischen Materials wird wiederum Sauerstoff verbraucht.
Damit kann sich innerhalb kurzer Zeit eine Situation entwickeln, in der selbst vergleichsweise robuste Arten an ihre Grenzen gelangen.
Hitze verändert ganze Lebensgemeinschaften
Für uns von Artenschutz in Franken® ist dabei wichtig, nicht nur auf einzelne Arten zu schauen.
Wenn ein Kleingewässer während einer sommerlichen Trockenphase seinen Wasserstand verliert, betrifft dies nicht allein die Schleie.
Auch Amphibien, Libellen, Wasserinsekten, Schnecken, Wasservögel und zahlreiche Mikroorganismen sind betroffen.
Das Gewässer ist ein zusammenhängendes System.
Der Klimawandel macht deshalb deutlich, wie wichtig stabile und miteinander verbundene Lebensräume sind. Ein einzelnes tiefes Gewässer kann wertvoll sein. Ein Netzwerk aus Teichen, Tümpeln, Altarmen, Überschwemmungsflächen, Feuchtwiesen und naturnahen Bachabschnitten ist jedoch weitaus widerstandsfähiger. Genau solche Strukturen müssen wir wieder stärker in unsere Landschaft integrieren.
Mehr Wasser in der Landschaft halten
Eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Jahre wird es aus unserer Sicht sein, Wasser länger in der Landschaft zu halten.
Niederschläge müssen möglichst dort zurückgehalten werden, wo sie fallen. Naturnahe Feuchtflächen, Überschwemmungsräume, Kleingewässer und strukturreiche Bachauen können dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Damit helfen wir nicht allein Fischen wie der Schleie.
Wir unterstützen gleichzeitig Amphibien, Insekten, Vögel, Pflanzen und zahlreiche weitere Organismen. Gewässerschutz und Klimaanpassung lassen sich deshalb kaum voneinander trennen.
Bedrohungen der Schleie
Die Schleie ist vielerorts noch vorhanden. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass geeignete Lebensräume zunehmend unter Druck geraten.
Zu den bedeutenden Belastungsfaktoren zählen aus unserer Sicht insbesondere:
Dabei entsteht die größte Gefahr häufig nicht durch einen einzigen Eingriff.
Es ist die Summe vieler kleiner Veränderungen.
Jeder einzelne Eingriff erscheint möglicherweise überschaubar. Doch zusammengenommen verändern diese Maßnahmen ganze Landschaften.
Gewässerpflege braucht Augenmaß
Natürlich können auch an Gewässern Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen notwendig sein. Entscheidend ist jedoch, wie diese durchgeführt werden. Eine vollständige Räumung eines Gewässerabschnittes kann innerhalb weniger Stunden Strukturen zerstören, die sich über Jahre entwickelt haben.
Aus unserer Sicht sollte deshalb möglichst abschnittsweise gearbeitet werden.
Naturverträgliche Pflege bedeutet nicht, überhaupt nichts mehr zu tun.
Sie bedeutet, Eingriffe so zu gestalten, dass die ökologischen Funktionen eines Lebensraumes erhalten bleiben.
Die Schleie als Botschafterin stiller Gewässer
Vielleicht liegt gerade darin die besondere Bedeutung dieser Fischart.
Die Schleie lebt dort, wo Wasser Zeit bekommt.
Sie erinnert uns daran, dass wertvolle Natur nicht immer spektakulär sein muss.
Manche Lebensräume wirken von außen ruhig und unscheinbar. Doch unter ihrer Oberfläche findet ein komplexes Zusammenspiel unzähliger Organismen statt.
Unsere Perspektive – Artenschutz in Franken®
Für Artenschutz in Franken® bedeutet moderner Gewässerschutz deshalb weit mehr als den Schutz einzelner Fischarten. Wir müssen wieder lernen, Gewässer als vollständige Lebensräume wahrzunehmen.
Dazu gehören das offene Wasser ebenso wie der Gewässergrund, das Röhricht, die Unterwasserpflanzen, die schlammigen Randbereiche, angrenzende Hochstaudenfluren und feuchte Wiesen. Gerade in einer Landschaft, die vielerorts immer stärker genutzt, entwässert und technisch gestaltet wird, gewinnen solche Bereiche eine enorme Bedeutung.
Die Schleie kann dabei stellvertretend für viele Arten stehen, deren Lebensräume langsam aus unserer Landschaft verschwinden.
Ihr Schutz beginnt deshalb nicht erst unter der Wasseroberfläche.
Und er beginnt bei unserer Bereitschaft, Natur auch dort Raum zu geben, wo sie nicht unseren Vorstellungen von Ordnung entspricht.
Wenn an einem warmen Morgen zwischen Wasserpflanzen eine Schleie langsam über den Gewässergrund zieht, sehen wir vielleicht nur für wenige Sekunden einen Fisch. Doch eigentlich sehen wir sehr viel mehr. Wir sehen ein Stück funktionierenden Lebensraum.
Und genau diesen gilt es zu erhalten.
In der Aufnahme von Andreas Gehrig
Artenschutz in Franken®
- Ein stiller Bewohner zwischen Wasserpflanzen, Schlammgrund und schwindenden Rückzugsräumen
Wenn sich im Wasser kaum etwas bewegt …
Ein warmer Morgen liegt über einem kleinen, von Wasserpflanzen gesäumten Gewässer. Über der Oberfläche ziehen einzelne Libellen ihre Bahnen, aus dem Röhricht klingt der Ruf eines Teichrohrsängers, und zwischen den Blättern der Schwimmblattpflanzen scheint sich zunächst kaum etwas zu regen.
Doch unterhalb der Wasseroberfläche sieht die Welt anders aus.
Dort, wo das Licht bereits schwächer wird und sich zwischen Pflanzenstängeln, Wurzeln und weichem Gewässergrund ein eigener Lebensraum entwickelt hat, bewegt sich langsam ein kräftiger Fisch durch das Wasser. Keine hektische Flucht, kein auffälliges Auftreten. Fast lautlos sucht er den Grund nach Nahrung ab.
Es ist eine Schleie.
Gerade diese Zurückhaltung macht sie für uns von Artenschutz in Franken® zu einer besonders interessanten Art. Die Schleie gehört nicht zu jenen Tieren, die sich dem Betrachter unmittelbar präsentieren. Wer sie kennenlernen möchte, muss sich zunächst mit ihrem Lebensraum beschäftigen.
Und genau dort beginnt für uns Naturschutz.
Denn wo Schleien geeignete Lebensbedingungen finden, treffen wir häufig auf Gewässer, die mehr sind als lediglich mit Wasser gefüllte Vertiefungen. Es sind strukturreiche Lebensräume mit Unterwasserpflanzen, Röhrichten, flachen Uferzonen, unterschiedlichen Wassertiefen und Bereichen, in denen sich natürliche Sedimente entwickeln dürfen.
Solche Strukturen sind heute keineswegs selbstverständlich.
Die Schleie – angepasst an ein Leben zwischen Pflanzen und Gewässergrund
Die Schleie (Tinca tinca) gehört zur Familie der Karpfenfische und ist in weiten Teilen Europas verbreitet.
Ihr Körper wirkt kräftig und gedrungen. Besonders charakteristisch ist die meist olivgrüne bis dunkelgrüne Färbung, die hervorragend zu den häufig pflanzenreichen Gewässern passt, in denen die Art lebt. Die sehr kleinen Schuppen liegen tief in einer vergleichsweise dicken Haut und werden von einer auffälligen Schleimschicht bedeckt. Dadurch besitzt die Schleie eine besonders glatte Körperoberfläche.
Die Augen erscheinen häufig rötlich bis orangefarben und setzen einen bemerkenswerten Kontrast zur dunklen Körperfärbung. Am Maul befinden sich kleine Barteln, die bei der Nahrungssuche eine Rolle spielen. Schleien halten sich bevorzugt in stehenden oder langsam fließenden Gewässern auf. Dazu können Teiche, Weiher, Altarme, Seen, langsam fließende Gewässerabschnitte oder andere strukturreiche Stillgewässer gehören.
Besonders wichtig sind Bereiche mit dichter Wasser- und Ufervegetation.
Zwischen Pflanzenbeständen findet die Schleie Deckung und Nahrung. Gleichzeitig entstehen dort Lebensräume für zahlreiche weitere Organismen – von Insektenlarven und Schnecken bis zu Amphibien und anderen Fischarten.
Leben am Gewässergrund
Die Schleie sucht einen großen Teil ihrer Nahrung unmittelbar am oder im Gewässergrund.Mit ihrem Maul nimmt sie kleine Bodentiere und andere Nahrung auf. Dazu gehören beispielsweise Insektenlarven, Würmer, kleine Schnecken oder andere wirbellose Organismen.Beim Durchsuchen des Sediments können kleine Wolken aus feinem Schlamm entstehen. Was für den oberflächlichen Beobachter unscheinbar erscheinen mag, zeigt die enge Verbindung dieser Fischart mit der Struktur eines Gewässers.
Ein natürlicher oder naturnaher Gewässergrund ist eben kein wertloser Schlamm.
Er ist Lebensraum.
Zwischen organischem Material, Pflanzenresten, Wurzeln und Sedimentschichten leben unzählige kleine Organismen. Sie bilden einen wichtigen Bestandteil des Nahrungsnetzes.
Wer Gewässer ausschließlich unter dem Gesichtspunkt einer möglichst „sauberen“ oder technisch gepflegten Wasserfläche betrachtet, übersieht deshalb schnell einen erheblichen Teil ihrer ökologischen Bedeutung.
Fortpflanzung im Schutz der Wasserpflanzen
Mit steigenden Wassertemperaturen beginnt für die Schleie die Fortpflanzungszeit.
Die Tiere suchen bevorzugt flache, vegetationsreiche Bereiche auf. Dort können die Weibchen ihre zahlreichen kleinen Eier an Wasserpflanzen ablegen.Damit wird unmittelbar sichtbar, welche Bedeutung strukturreiche Flachwasserbereiche besitzen.Fehlen Pflanzenbestände oder werden Uferzonen regelmäßig vollständig freigeräumt, gehen genau jene Strukturen verloren, die für die Fortpflanzung vieler Wasserbewohner von entscheidender Bedeutung sein können.
Für uns von Artenschutz in Franken® gehört deshalb der Schutz von Flachwasserzonen zu den wichtigsten Bausteinen eines funktionierenden Gewässerschutzes. Ein Teich oder Weiher besteht ökologisch betrachtet nicht allein aus seiner offenen Wasserfläche.
Seine wertvollsten Bereiche liegen vielfach dort, wo Wasser und Land ineinandergreifen.
Die Schleie und die Veränderung unserer Gewässer
Über lange Zeit wurden zahlreiche Gewässer verändert. Ufer wurden befestigt, Flachwasserzonen beseitigt, kleinere Stillgewässer verfüllt oder trockengelegt. Bäche wurden begradigt und Altarme von ihrer natürlichen Dynamik abgeschnitten. Hinzu kommen intensive Nutzungen im unmittelbaren Umfeld vieler Gewässer.
Nährstoffe und Bodenmaterial können aus angrenzenden Flächen eingetragen werden. Gleichzeitig verschwinden Pufferstreifen, Röhrichte, Hochstaudenfluren und andere Übergangsbereiche. Für die Schleie bedeutet dies einen schleichenden Verlust geeigneter Lebensräume.
Dabei zeigt gerade diese Art sehr deutlich, dass ein Gewässer nicht nur Wasser benötigt.
- Es braucht Struktur.
- Es braucht Ruhebereiche.
- Es braucht Vegetation.
Und es braucht Übergangszonen, die nicht ständig verändert werden.
Wenn Wasserpflanzen plötzlich als „Unordnung“ gelten
Ein Problem begegnet uns im praktischen Naturschutz immer wieder.
Gewässer sollen möglichst ordentlich aussehen. Unterwasserpflanzen werden entfernt, Röhrichte zurückgeschnitten, Ufer gemäht und Totholz beseitigt. Mitunter werden selbst kleinste naturnahe Strukturen als störend empfunden.
Für zahlreiche Tierarten kann genau diese vermeintliche Ordnung jedoch einen massiven Lebensraumverlust bedeuten. Wasserpflanzen sind keine störende Dekoration. Sie produzieren Sauerstoff, bieten Verstecke, dienen als Eiablageplatz und schaffen dreidimensionale Strukturen innerhalb des Gewässers.
Auch abgestorbene Pflanzenteile gehören zum natürlichen Kreislauf.
Artenschutz in Franken® setzt sich deshalb dafür ein, Gewässer nicht allein nach menschlichen Ordnungsvorstellungen zu bewerten.
Ein ökologisch wertvoller Lebensraum darf anders aussehen als ein Gartenteich aus einem Katalog.
Die Schleie im Klimawandel
Die Schleie gilt grundsätzlich als vergleichsweise anpassungsfähige Fischart.
Sie kann auch mit höheren Wassertemperaturen und zeitweise geringeren Sauerstoffgehalten besser umgehen als manche andere heimische Fischarten. Doch Anpassungsfähigkeit ist nicht grenzenlos. Der Klimawandel verändert unsere Gewässer zunehmend.
Längere Hitzeperioden lassen kleinere Teiche und Weiher stark erwärmen. Gleichzeitig können sinkende Wasserstände dazu führen, dass Flachwasserbereiche austrocknen. Besonders kritisch wird es, wenn mehrere Belastungen gleichzeitig auftreten. Hohe Wassertemperaturen verringern den Sauerstoffgehalt des Wassers. Gleichzeitig können erhöhte Nährstoffeinträge ein starkes Pflanzen- oder Algenwachstum fördern. Beim Abbau großer Mengen organischen Materials wird wiederum Sauerstoff verbraucht.
Damit kann sich innerhalb kurzer Zeit eine Situation entwickeln, in der selbst vergleichsweise robuste Arten an ihre Grenzen gelangen.
Hitze verändert ganze Lebensgemeinschaften
Für uns von Artenschutz in Franken® ist dabei wichtig, nicht nur auf einzelne Arten zu schauen.
Wenn ein Kleingewässer während einer sommerlichen Trockenphase seinen Wasserstand verliert, betrifft dies nicht allein die Schleie.
Auch Amphibien, Libellen, Wasserinsekten, Schnecken, Wasservögel und zahlreiche Mikroorganismen sind betroffen.
Das Gewässer ist ein zusammenhängendes System.
Der Klimawandel macht deshalb deutlich, wie wichtig stabile und miteinander verbundene Lebensräume sind. Ein einzelnes tiefes Gewässer kann wertvoll sein. Ein Netzwerk aus Teichen, Tümpeln, Altarmen, Überschwemmungsflächen, Feuchtwiesen und naturnahen Bachabschnitten ist jedoch weitaus widerstandsfähiger. Genau solche Strukturen müssen wir wieder stärker in unsere Landschaft integrieren.
Mehr Wasser in der Landschaft halten
Eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Jahre wird es aus unserer Sicht sein, Wasser länger in der Landschaft zu halten.
Niederschläge müssen möglichst dort zurückgehalten werden, wo sie fallen. Naturnahe Feuchtflächen, Überschwemmungsräume, Kleingewässer und strukturreiche Bachauen können dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Damit helfen wir nicht allein Fischen wie der Schleie.
Wir unterstützen gleichzeitig Amphibien, Insekten, Vögel, Pflanzen und zahlreiche weitere Organismen. Gewässerschutz und Klimaanpassung lassen sich deshalb kaum voneinander trennen.
Bedrohungen der Schleie
Die Schleie ist vielerorts noch vorhanden. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass geeignete Lebensräume zunehmend unter Druck geraten.
Zu den bedeutenden Belastungsfaktoren zählen aus unserer Sicht insbesondere:
- Verlust und Trockenlegung kleiner Stillgewässer
- Beseitigung von Altarmen und natürlichen Überschwemmungsbereichen
- starke Veränderung oder technische Gestaltung von Uferzonen
- Entfernung von Wasserpflanzen und Röhrichten
- Nährstoff- und Stoffeinträge aus angrenzenden Flächen
- Verschlammung durch Bodeneinträge
- lang anhaltende Niedrigwasserphasen
- extreme Erwärmung kleiner Gewässer
- Sauerstoffmangel während Hitzeperioden
- fehlende Vernetzung zwischen geeigneten Lebensräumen
- unangepasste Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen
Dabei entsteht die größte Gefahr häufig nicht durch einen einzigen Eingriff.
Es ist die Summe vieler kleiner Veränderungen.
- Ein Uferstreifen verschwindet hier.
- Ein Röhricht wird dort beseitigt.
- Ein Kleingewässer wird verfüllt.
- Ein Bach wird ausgeräumt.
- Eine Feuchtfläche entwässert.
Jeder einzelne Eingriff erscheint möglicherweise überschaubar. Doch zusammengenommen verändern diese Maßnahmen ganze Landschaften.
Gewässerpflege braucht Augenmaß
Natürlich können auch an Gewässern Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen notwendig sein. Entscheidend ist jedoch, wie diese durchgeführt werden. Eine vollständige Räumung eines Gewässerabschnittes kann innerhalb weniger Stunden Strukturen zerstören, die sich über Jahre entwickelt haben.
Aus unserer Sicht sollte deshalb möglichst abschnittsweise gearbeitet werden.
- Rückzugsbereiche müssen erhalten bleiben.
- Vegetationsbestände sollten nicht vollständig entfernt werden.
- Auch der Zeitpunkt eines Eingriffes spielt eine entscheidende Rolle.
Naturverträgliche Pflege bedeutet nicht, überhaupt nichts mehr zu tun.
Sie bedeutet, Eingriffe so zu gestalten, dass die ökologischen Funktionen eines Lebensraumes erhalten bleiben.
Die Schleie als Botschafterin stiller Gewässer
Vielleicht liegt gerade darin die besondere Bedeutung dieser Fischart.
Die Schleie lebt dort, wo Wasser Zeit bekommt.
- Wo Pflanzen wachsen dürfen.
- Wo Sedimente nicht ständig entfernt werden.
- Wo Wurzeln, Röhrichte und Unterwasserstrukturen erhalten bleiben.
Sie erinnert uns daran, dass wertvolle Natur nicht immer spektakulär sein muss.
Manche Lebensräume wirken von außen ruhig und unscheinbar. Doch unter ihrer Oberfläche findet ein komplexes Zusammenspiel unzähliger Organismen statt.
Unsere Perspektive – Artenschutz in Franken®
Für Artenschutz in Franken® bedeutet moderner Gewässerschutz deshalb weit mehr als den Schutz einzelner Fischarten. Wir müssen wieder lernen, Gewässer als vollständige Lebensräume wahrzunehmen.
Dazu gehören das offene Wasser ebenso wie der Gewässergrund, das Röhricht, die Unterwasserpflanzen, die schlammigen Randbereiche, angrenzende Hochstaudenfluren und feuchte Wiesen. Gerade in einer Landschaft, die vielerorts immer stärker genutzt, entwässert und technisch gestaltet wird, gewinnen solche Bereiche eine enorme Bedeutung.
Die Schleie kann dabei stellvertretend für viele Arten stehen, deren Lebensräume langsam aus unserer Landschaft verschwinden.
Ihr Schutz beginnt deshalb nicht erst unter der Wasseroberfläche.
- Er beginnt auf den angrenzenden Flächen.
- Er beginnt bei der Art, wie wir Wasser zurückhalten.
- Er beginnt bei der Frage, ob wir natürliche Ufervegetation zulassen.
Und er beginnt bei unserer Bereitschaft, Natur auch dort Raum zu geben, wo sie nicht unseren Vorstellungen von Ordnung entspricht.
Wenn an einem warmen Morgen zwischen Wasserpflanzen eine Schleie langsam über den Gewässergrund zieht, sehen wir vielleicht nur für wenige Sekunden einen Fisch. Doch eigentlich sehen wir sehr viel mehr. Wir sehen ein Stück funktionierenden Lebensraum.
Und genau diesen gilt es zu erhalten.
In der Aufnahme von Andreas Gehrig
- Die Schleie sucht einen großen Teil ihrer Nahrung unmittelbar am oder im Gewässergrund.
Artenschutz in Franken®
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- Die Schleie gilt grundsätzlich als vergleichsweise anpassungsfähige Fischart.
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