Karpfen
Der Karpfen (Cyprinus carpio) – Ein stiller Bewohner unserer Gewässer im Wandel der Zeit
Wenn sich unter der Wasseroberfläche das Leben bewegt – Eine kleine Geschichte
Es ist ein ruhiger Oktobermorgen in Franken. Über einem alten, von Schilf und Weiden gesäumten Weiher liegt ein feiner Nebelschleier. Die ersten herbstlich gefärbten Blätter treiben auf der Wasseroberfläche, während sich am gegenüberliegenden Ufer bereits die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg durch die aufsteigenden Nebelschwaden bahnen.
Auf den ersten Blick scheint der Weiher nahezu leblos.
Doch wer sich etwas Zeit nimmt und aufmerksam beobachtet, entdeckt schon bald eine Bewegung, die von einem Leben unter der Wasseroberfläche erzählt. Zwischen den abgestorbenen Stängeln der Wasserpflanzen steigen kleine Luftblasen auf. Wenig später trübt sich das Wasser an einer Stelle leicht ein. Ein dunkler Schatten bewegt sich langsam über den Gewässergrund.
Ein Karpfen.
Mit seinen empfindlichen Barteln erkundet er den weichen Untergrund und sucht nach Nahrung. Immer wieder nimmt er kleine Mengen Bodenschlamm auf, prüft dessen Inhalt und gibt unverwertbare Bestandteile wieder ab. Nichts an seinem Verhalten wirkt besonders spektakulär. Keine hastige Bewegung, kein auffälliger Laut, kein Verhalten, das unsere Aufmerksamkeit unbedingt auf sich ziehen möchte. Und dennoch spielt sich hier, verborgen unter der Wasseroberfläche, ein faszinierender Teil des natürlichen Lebens ab.
Seit Generationen gehören Karpfen zu vielen unserer fränkischen Weiherlandschaften. Sie sind Bestandteil einer jahrhundertealten Teichwirtschaft und zugleich ein Beispiel dafür, wie eng menschliche Landnutzung, Gewässerentwicklung und die Lebensgemeinschaften unserer Kulturlandschaft miteinander verbunden sein können. Doch auch für diesen scheinbar robusten Bewohner unserer Gewässer verändern sich die Lebensbedingungen. Denn der Weiher von heute ist vielerorts längst nicht mehr jener Lebensraum, den wir noch aus vergangenen Jahrzehnten kennen. Die Sommer werden heißer, Niederschläge fallen unregelmäßiger, die Wasserstände schwanken zunehmend und Nährstoffeinträge aus den angrenzenden Nutzflächen beeinflussen das empfindliche Gleichgewicht der Gewässer.
Wir von Artenschutz in Franken® möchten deshalb den Blick auf eine Fischart richten, die zwar weithin bekannt ist, deren ökologische Bedeutung und Lebensraumansprüche jedoch häufig nur unzureichend wahrgenommen werden.
Der Karpfen – Ein faszinierender Fisch mit langer Geschichte
Der Karpfen (Cyprinus carpio) gehört zur Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) und zählt zu den bekanntesten Süßwasserfischen Europas. Sein Körper ist kräftig gebaut, seine Färbung reicht von goldbraunen und bronzefarbenen Tönen bis hin zu dunkleren, olivgrünen Farbschattierungen. Während der Rücken meist deutlich dunkler erscheint, zeigen die Flanken häufig einen metallischen Glanz.
Eine Besonderheit sind die vier Barteln im Bereich seines vorstülpbaren Maules. Sie unterstützen den Fisch bei der Orientierung und Nahrungssuche, insbesondere in trüberen Gewässerbereichen. Mit seinem empfindlichen Sinnesapparat kann der Karpfen Nahrung aufspüren, die unseren Augen vollständig verborgen bleibt. Die Größe dieser Fischart hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter Nahrungsangebot, Wassertemperatur, Alter und genetische Herkunft. Während viele Tiere Längen von etwa 40 bis 70 Zentimetern erreichen, können einzelne Exemplare deutlich größer werden und ein beachtliches Gewicht entwickeln.
Auch hinsichtlich ihrer äußeren Erscheinung gibt es Unterschiede.
Neben dem vollständig beschuppten Schuppenkarpfen existieren verschiedene Zuchtformen, darunter Spiegelkarpfen mit unregelmäßig verteilten großen Schuppen sowie Lederkarpfen, deren Schuppenkleid weitgehend reduziert ist. Eine besondere Bedeutung besitzt die ursprüngliche Wildform des Karpfens. Sie weist im Vergleich zu vielen Zuchtformen einen länglicheren, weniger hochrückigen Körper auf. Gerade diese ursprünglichen Wildbestände verdienen aus unserer Sicht besondere Aufmerksamkeit, denn ihre Gefährdungssituation unterscheidet sich erheblich von jener der weitverbreiteten Zuchtkarpfen.
Ein Leben zwischen Wasserpflanzen und weichem Gewässergrund
Der Karpfen bevorzugt überwiegend stehende oder langsam fließende Gewässer mit vergleichsweise warmem Wasser. Naturnahe Altarme, pflanzenreiche Seen, Weiher und langsam durchströmte Flussabschnitte können geeignete Lebensräume darstellen.
Besonders wichtig sind strukturreiche Gewässerzonen, in denen sich offene Wasserflächen, weiche Sedimente, Unterwasserpflanzen und geschützte Uferbereiche abwechseln.
Diese unterschiedlichen Strukturen erfüllen zahlreiche Funktionen.
Sie bieten Nahrung, Rückzugsmöglichkeiten und geeignete Bedingungen für die Fortpflanzung. Der Karpfen ist ein Allesfresser, dessen Nahrungsspektrum wesentlich von der Verfügbarkeit natürlicher Nahrungsquellen bestimmt wird.
Zu seiner Nahrung zählen unter anderem:
Bei seiner Nahrungssuche durchwühlt er den weichen Gewässergrund. Damit beeinflusst er zugleich die Verteilung von Sedimenten und Nährstoffen innerhalb seines Lebensraumes. Ein Verhalten, das unter natürlichen und ausgewogenen Bedingungen Teil des ökologischen Geschehens sein kann, bei überhöhten Bestandsdichten jedoch auch zu erheblichen Belastungen des Gewässers führen kann. Gerade deshalb muss die Bedeutung des Karpfens immer im Zusammenhang mit der jeweiligen Gewässerstruktur und dem vorhandenen Fischbestand betrachtet werden.
Die Fortpflanzung – Wenn flache Uferzonen zur Kinderstube werden
Mit zunehmender Erwärmung des Wassers beginnt im späten Frühjahr beziehungsweise Frühsommer die Fortpflanzungszeit des Karpfens. Wassertemperaturen von ungefähr 18 bis 20 Grad Celsius und darüber schaffen günstige Voraussetzungen für das Laichgeschehen. Die Tiere suchen dann bevorzugt flache, pflanzenreiche Gewässerabschnitte auf.
Hier kann es zu auffälligen Bewegungen und kräftigem Wasserplatschen kommen, wenn sich die Fische während des Laichvorgangs dicht zwischen den Pflanzen aufhalten. Die Weibchen geben zahlreiche Eier ab, die nach der Befruchtung an Wasserpflanzen, überfluteten Gräsern oder anderen geeigneten Strukturen haften bleiben. Diese Bereiche sind für die Entwicklung der nächsten Generation von entscheidender Bedeutung.
Doch genau hier zeigt sich bereits eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.
Denn in zahlreichen Gewässern fehlen inzwischen jene natürlichen Flachwasserbereiche, die für eine erfolgreiche Fortpflanzung erforderlich sind. Ehemals überschwemmte Wiesen wurden trockengelegt, Ufer befestigt, Gewässer vertieft und natürliche Wasserstandsschwankungen durch technische Eingriffe verändert. Wo früher ausgedehnte, zeitweise überflutete Vegetationszonen vorhanden waren, treffen wir heute nicht selten auf steile Uferböschungen oder weitgehend strukturlose Gewässerränder.
Für die natürliche Fortpflanzung ursprünglicher Karpfenbestände kann dies schwerwiegende Folgen haben.
Ein Fisch kann noch so viele Eier hervorbringen – fehlen die geeigneten Lebensräume für ihre Entwicklung, wird die nächste Generation dennoch ausbleiben. Diese Erkenntnis gilt nicht allein für den Karpfen. Sie betrifft zahlreiche Fischarten unserer heimischen Gewässer.
Klimawandel – Wird der wärmeliebende Karpfen zum Gewinner?
Bei der Betrachtung des Klimawandels nimmt der Karpfen eine besondere Stellung ein. Im Gegensatz zu kaltwasserliebenden Fischarten, beispielsweise der Bachforelle, kommt er mit höheren Wassertemperaturen vergleichsweise gut zurecht. Wärmere Frühjahre können den Beginn der Fortpflanzung begünstigen, während längere Wärmephasen unter geeigneten Bedingungen das Wachstum der Tiere fördern.
Es wäre deshalb durchaus nachvollziehbar, den Karpfen zunächst als möglichen Gewinner der klimatischen Veränderungen einzustufen.
Doch eine solche Betrachtung greift aus unserer Sicht zu kurz.
Denn die Erwärmung unserer Gewässer stellt lediglich einen Teil jener Veränderungen dar, die der Klimawandel mit sich bringt.
Wenn dem Wasser der Sauerstoff ausgeht
Mit steigender Wassertemperatur verringert sich die Menge an Sauerstoff, die im Wasser gelöst werden kann. Gleichzeitig können biologische Abbauprozesse beschleunigt werden, wodurch zusätzlicher Sauerstoff verbraucht wird. Besonders problematisch wird diese Entwicklung in flachen, nährstoffreichen Gewässern. Dort können während längerer Hitzeperioden Bedingungen entstehen, unter denen selbst vergleichsweise tolerante Fischarten erheblich unter Stress geraten.
Der Karpfen verfügt zwar über eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit gegenüber zeitweise geringeren Sauerstoffkonzentrationen.
Doch auch diese Fähigkeit besitzt natürliche Grenzen.Gerade wenn hohe Wassertemperaturen, geringe Wasserstände und eine starke Belastung mit organischen Stoffen zusammentreffen, steigt das Risiko eines kritischen Sauerstoffmangels. Hinzu können verstärkte Algenentwicklungen und Veränderungen der Wasserchemie kommen.
Ein warmes Gewässer ist deshalb nicht automatisch ein gesundes Gewässer.
Diese Unterscheidung erscheint uns besonders wichtig, wenn über mögliche Gewinner und Verlierer des Klimawandels gesprochen wird.
Trockenheit – Eine wachsende Gefahr für unsere Weiherlandschaften
Mit großer Sorge betrachten wir die zunehmenden Niedrigwasserphasen, die sich auch in Teilen Frankens immer deutlicher bemerkbar machen. Kleinere Weiher verlieren während längerer Trockenperioden beträchtliche Wassermengen durch Verdunstung.Zuflüsse führen zeitweise nur noch wenig Wasser, während der Wasserbedarf angrenzender Nutzungen bestehen bleibt.Sinkende Wasserstände können dazu führen, dass sich ohnehin flache Gewässer noch stärker erwärmen.
Gleichzeitig verkleinern sich die verfügbaren Lebensräume.
Flachwasserbereiche können vollständig trockenfallen, während sich die verbleibenden Fischbestände auf immer kleinere Wasserflächen konzentrieren. Dadurch können zusätzlicher Stress und eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Krankheiten entstehen.
Auch die Konzentration eingetragener Schad- und Nährstoffe kann bei abnehmendem Wasservolumen steigen.
Wir von Artenschutz in Franken® sehen deshalb in der Sicherung eines möglichst naturnahen Wasserhaushaltes eine der zentralen Aufgaben des zukünftigen Artenschutzes.
Dabei geht es nicht allein um einzelne Fischarten. Es geht darum, Wasser wieder länger in unseren Landschaften zu halten und die natürlichen Funktionen unserer Gewässer dauerhaft zu sichern.
Die Gefährdung des Karpfens – Nicht jeder Bestand ist gleichermaßen betroffen
Wer sich mit dem Gefährdungsstatus des Karpfens beschäftigt, begegnet zunächst einem scheinbaren Widerspruch. Einerseits wird diese Fischart in vielen Ländern gezüchtet, regelmäßig in Gewässer eingesetzt und als wichtiger Speisefisch genutzt. Andererseits stehen ursprüngliche Wildkarpfenbestände regional unter erheblichem Druck. Besonders die natürlichen Wildbestände des Donau-Einzugsgebietes und anderer ursprünglicher Verbreitungsräume sind durch Lebensraumveränderungen und die Vermischung mit Zuchtformen gefährdet.
Aus naturschutzfachlicher Sicht ist es deshalb erforderlich, zwischen weitverbreiteten Zuchtbeständen und den genetisch sowie ökologisch bedeutsamen Wildpopulationen zu unterscheiden.
Verlust natürlicher Gewässerstrukturen
Die Begradigung von Flüssen, die Abtrennung von Altarmen und die Regulierung natürlicher Wasserstände haben zahlreiche Lebensräume dauerhaft verändert. Insbesondere der Verlust zeitweise überschwemmter Auenbereiche beeinträchtigt die natürlichen Fortpflanzungsmöglichkeiten. Wo Flüsse nicht mehr über ihre Ufer treten dürfen, verschwinden vielerorts auch jene temporären Flachwasserlandschaften, die ursprünglich einen wichtigen Bestandteil der Lebenszyklen verschiedener Fischarten darstellten.
Nährstoffeinträge und Gewässerbelastung
Ein weiteres Problem stellen überhöhte Nährstoffeinträge dar. Besonders dort, wo intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen unmittelbar an Gewässer angrenzen und ausreichend breite, bewachsene Pufferstreifen fehlen, können Nährstoffe und abgeschwemmte Bodenbestandteile in die Gewässer gelangen.
Dadurch wird das natürliche Gleichgewicht verändert.
Verstärkte Algenentwicklung, Sauerstoffschwankungen und eine Beeinträchtigung der Unterwasservegetation können die Folge sein.
Derartige Entwicklungen betreffen nicht nur den Karpfen, sondern die gesamte Lebensgemeinschaft des Gewässers.
Krankheiten und genetische Veränderungen
Auch Krankheiten können Karpfenbestände beeinträchtigen. Dazu zählt unter anderem die Koi-Herpesvirus-Erkrankung, die bei empfänglichen Karpfen zu erheblichen Verlusten führen kann. Durch unsachgemäßen Fischbesatz und den Austausch von Fischen zwischen Gewässern können Krankheitserreger verbreitet werden. Gleichzeitig stellt die Vermischung ursprünglicher Wildkarpfen mit domestizierten Zuchtformen eine Gefahr für die genetische Eigenständigkeit natürlicher Populationen dar.
Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Besatzmaßnahme erscheint, kann langfristig weitreichende Auswirkungen auf den Erhalt ursprünglicher Bestände haben.
Karpfen und Biodiversität – Eine differenzierte Betrachtung ist notwendig
Im praktischen Artenschutz begegnen uns immer wieder Situationen, in denen Fischbesatz als grundsätzlich positive Maßnahme bewertet wird. Doch nicht jedes Gewässer benötigt Fische. Besonders kleinere, ursprünglich fischfreie Stillgewässer erfüllen häufig eine herausragende Funktion als Fortpflanzungslebensräume für Amphibien und als Lebensraum zahlreicher wirbelloser Wassertiere.
Werden solche Gewässer ohne ausreichende ökologische Prüfung mit Karpfen besetzt, kann dies erhebliche Auswirkungen auf ihre Lebensgemeinschaften haben. Karpfen können durch ihre Nahrungssuche Sedimente aufwirbeln, Wasserpflanzen beeinträchtigen und die Zusammensetzung der wirbellosen Fauna verändern.
Bei hohen Bestandsdichten können diese Effekte besonders stark ausfallen.
Für empfindliche Amphibienarten oder spezialisierte Wasserinsekten können daraus deutliche Nachteile entstehen.
Wir von Artenschutz in Franken® vertreten deshalb eine klare Position:
Artenschutz bedeutet nicht, möglichst viele Tiere einer bestimmten Art in ein Gewässer einzubringen. Artenschutz bedeutet, die ökologischen Anforderungen des jeweiligen Lebensraumes zu verstehen und seine natürliche Artenvielfalt zu erhalten. Traditionell bewirtschaftete Karpfenteiche können bei angepasster Bewirtschaftung wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sein.
Strukturreiche Uferzonen, ausgedehnte Röhrichtbestände und eine standortgerechte Nutzungsintensität können dazu beitragen, solche Gewässer als ökologisch bedeutsame Bestandteile unserer Kulturlandschaft zu erhalten. Wo hingegen überhöhte Fischbestände, intensive Zufütterung oder eine weitgehende Entfernung natürlicher Vegetationsstrukturen das Gewässer prägen, können erhebliche ökologische Konflikte entstehen.
Entscheidend ist deshalb nicht allein das Vorkommen des Karpfens, sondern die Frage, wie sich seine Bestandsdichte und die Gewässerbewirtschaftung auf das gesamte Ökosystem auswirken. ...
In der Aufnahme von Peter Hoffmann
- Zwischen jahrhundertealter Kulturlandschaft, faszinierender Anpassungsfähigkeit und den zunehmenden Herausforderungen durch Lebensraumverlust und Klimawandel
Wenn sich unter der Wasseroberfläche das Leben bewegt – Eine kleine Geschichte
Es ist ein ruhiger Oktobermorgen in Franken. Über einem alten, von Schilf und Weiden gesäumten Weiher liegt ein feiner Nebelschleier. Die ersten herbstlich gefärbten Blätter treiben auf der Wasseroberfläche, während sich am gegenüberliegenden Ufer bereits die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg durch die aufsteigenden Nebelschwaden bahnen.
Auf den ersten Blick scheint der Weiher nahezu leblos.
Doch wer sich etwas Zeit nimmt und aufmerksam beobachtet, entdeckt schon bald eine Bewegung, die von einem Leben unter der Wasseroberfläche erzählt. Zwischen den abgestorbenen Stängeln der Wasserpflanzen steigen kleine Luftblasen auf. Wenig später trübt sich das Wasser an einer Stelle leicht ein. Ein dunkler Schatten bewegt sich langsam über den Gewässergrund.
Ein Karpfen.
Mit seinen empfindlichen Barteln erkundet er den weichen Untergrund und sucht nach Nahrung. Immer wieder nimmt er kleine Mengen Bodenschlamm auf, prüft dessen Inhalt und gibt unverwertbare Bestandteile wieder ab. Nichts an seinem Verhalten wirkt besonders spektakulär. Keine hastige Bewegung, kein auffälliger Laut, kein Verhalten, das unsere Aufmerksamkeit unbedingt auf sich ziehen möchte. Und dennoch spielt sich hier, verborgen unter der Wasseroberfläche, ein faszinierender Teil des natürlichen Lebens ab.
Seit Generationen gehören Karpfen zu vielen unserer fränkischen Weiherlandschaften. Sie sind Bestandteil einer jahrhundertealten Teichwirtschaft und zugleich ein Beispiel dafür, wie eng menschliche Landnutzung, Gewässerentwicklung und die Lebensgemeinschaften unserer Kulturlandschaft miteinander verbunden sein können. Doch auch für diesen scheinbar robusten Bewohner unserer Gewässer verändern sich die Lebensbedingungen. Denn der Weiher von heute ist vielerorts längst nicht mehr jener Lebensraum, den wir noch aus vergangenen Jahrzehnten kennen. Die Sommer werden heißer, Niederschläge fallen unregelmäßiger, die Wasserstände schwanken zunehmend und Nährstoffeinträge aus den angrenzenden Nutzflächen beeinflussen das empfindliche Gleichgewicht der Gewässer.
Wir von Artenschutz in Franken® möchten deshalb den Blick auf eine Fischart richten, die zwar weithin bekannt ist, deren ökologische Bedeutung und Lebensraumansprüche jedoch häufig nur unzureichend wahrgenommen werden.
Der Karpfen – Ein faszinierender Fisch mit langer Geschichte
Der Karpfen (Cyprinus carpio) gehört zur Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) und zählt zu den bekanntesten Süßwasserfischen Europas. Sein Körper ist kräftig gebaut, seine Färbung reicht von goldbraunen und bronzefarbenen Tönen bis hin zu dunkleren, olivgrünen Farbschattierungen. Während der Rücken meist deutlich dunkler erscheint, zeigen die Flanken häufig einen metallischen Glanz.
Eine Besonderheit sind die vier Barteln im Bereich seines vorstülpbaren Maules. Sie unterstützen den Fisch bei der Orientierung und Nahrungssuche, insbesondere in trüberen Gewässerbereichen. Mit seinem empfindlichen Sinnesapparat kann der Karpfen Nahrung aufspüren, die unseren Augen vollständig verborgen bleibt. Die Größe dieser Fischart hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter Nahrungsangebot, Wassertemperatur, Alter und genetische Herkunft. Während viele Tiere Längen von etwa 40 bis 70 Zentimetern erreichen, können einzelne Exemplare deutlich größer werden und ein beachtliches Gewicht entwickeln.
Auch hinsichtlich ihrer äußeren Erscheinung gibt es Unterschiede.
Neben dem vollständig beschuppten Schuppenkarpfen existieren verschiedene Zuchtformen, darunter Spiegelkarpfen mit unregelmäßig verteilten großen Schuppen sowie Lederkarpfen, deren Schuppenkleid weitgehend reduziert ist. Eine besondere Bedeutung besitzt die ursprüngliche Wildform des Karpfens. Sie weist im Vergleich zu vielen Zuchtformen einen länglicheren, weniger hochrückigen Körper auf. Gerade diese ursprünglichen Wildbestände verdienen aus unserer Sicht besondere Aufmerksamkeit, denn ihre Gefährdungssituation unterscheidet sich erheblich von jener der weitverbreiteten Zuchtkarpfen.
Ein Leben zwischen Wasserpflanzen und weichem Gewässergrund
Der Karpfen bevorzugt überwiegend stehende oder langsam fließende Gewässer mit vergleichsweise warmem Wasser. Naturnahe Altarme, pflanzenreiche Seen, Weiher und langsam durchströmte Flussabschnitte können geeignete Lebensräume darstellen.
Besonders wichtig sind strukturreiche Gewässerzonen, in denen sich offene Wasserflächen, weiche Sedimente, Unterwasserpflanzen und geschützte Uferbereiche abwechseln.
Diese unterschiedlichen Strukturen erfüllen zahlreiche Funktionen.
Sie bieten Nahrung, Rückzugsmöglichkeiten und geeignete Bedingungen für die Fortpflanzung. Der Karpfen ist ein Allesfresser, dessen Nahrungsspektrum wesentlich von der Verfügbarkeit natürlicher Nahrungsquellen bestimmt wird.
Zu seiner Nahrung zählen unter anderem:
- Insektenlarven und andere kleine wirbellose Wassertiere
- Würmer und kleine Weichtiere
- Pflanzliche Bestandteile und Samen
- Weitere organische Nahrungspartikel
Bei seiner Nahrungssuche durchwühlt er den weichen Gewässergrund. Damit beeinflusst er zugleich die Verteilung von Sedimenten und Nährstoffen innerhalb seines Lebensraumes. Ein Verhalten, das unter natürlichen und ausgewogenen Bedingungen Teil des ökologischen Geschehens sein kann, bei überhöhten Bestandsdichten jedoch auch zu erheblichen Belastungen des Gewässers führen kann. Gerade deshalb muss die Bedeutung des Karpfens immer im Zusammenhang mit der jeweiligen Gewässerstruktur und dem vorhandenen Fischbestand betrachtet werden.
Die Fortpflanzung – Wenn flache Uferzonen zur Kinderstube werden
Mit zunehmender Erwärmung des Wassers beginnt im späten Frühjahr beziehungsweise Frühsommer die Fortpflanzungszeit des Karpfens. Wassertemperaturen von ungefähr 18 bis 20 Grad Celsius und darüber schaffen günstige Voraussetzungen für das Laichgeschehen. Die Tiere suchen dann bevorzugt flache, pflanzenreiche Gewässerabschnitte auf.
Hier kann es zu auffälligen Bewegungen und kräftigem Wasserplatschen kommen, wenn sich die Fische während des Laichvorgangs dicht zwischen den Pflanzen aufhalten. Die Weibchen geben zahlreiche Eier ab, die nach der Befruchtung an Wasserpflanzen, überfluteten Gräsern oder anderen geeigneten Strukturen haften bleiben. Diese Bereiche sind für die Entwicklung der nächsten Generation von entscheidender Bedeutung.
Doch genau hier zeigt sich bereits eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.
Denn in zahlreichen Gewässern fehlen inzwischen jene natürlichen Flachwasserbereiche, die für eine erfolgreiche Fortpflanzung erforderlich sind. Ehemals überschwemmte Wiesen wurden trockengelegt, Ufer befestigt, Gewässer vertieft und natürliche Wasserstandsschwankungen durch technische Eingriffe verändert. Wo früher ausgedehnte, zeitweise überflutete Vegetationszonen vorhanden waren, treffen wir heute nicht selten auf steile Uferböschungen oder weitgehend strukturlose Gewässerränder.
Für die natürliche Fortpflanzung ursprünglicher Karpfenbestände kann dies schwerwiegende Folgen haben.
Ein Fisch kann noch so viele Eier hervorbringen – fehlen die geeigneten Lebensräume für ihre Entwicklung, wird die nächste Generation dennoch ausbleiben. Diese Erkenntnis gilt nicht allein für den Karpfen. Sie betrifft zahlreiche Fischarten unserer heimischen Gewässer.
Klimawandel – Wird der wärmeliebende Karpfen zum Gewinner?
Bei der Betrachtung des Klimawandels nimmt der Karpfen eine besondere Stellung ein. Im Gegensatz zu kaltwasserliebenden Fischarten, beispielsweise der Bachforelle, kommt er mit höheren Wassertemperaturen vergleichsweise gut zurecht. Wärmere Frühjahre können den Beginn der Fortpflanzung begünstigen, während längere Wärmephasen unter geeigneten Bedingungen das Wachstum der Tiere fördern.
Es wäre deshalb durchaus nachvollziehbar, den Karpfen zunächst als möglichen Gewinner der klimatischen Veränderungen einzustufen.
Doch eine solche Betrachtung greift aus unserer Sicht zu kurz.
Denn die Erwärmung unserer Gewässer stellt lediglich einen Teil jener Veränderungen dar, die der Klimawandel mit sich bringt.
Wenn dem Wasser der Sauerstoff ausgeht
Mit steigender Wassertemperatur verringert sich die Menge an Sauerstoff, die im Wasser gelöst werden kann. Gleichzeitig können biologische Abbauprozesse beschleunigt werden, wodurch zusätzlicher Sauerstoff verbraucht wird. Besonders problematisch wird diese Entwicklung in flachen, nährstoffreichen Gewässern. Dort können während längerer Hitzeperioden Bedingungen entstehen, unter denen selbst vergleichsweise tolerante Fischarten erheblich unter Stress geraten.
Der Karpfen verfügt zwar über eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit gegenüber zeitweise geringeren Sauerstoffkonzentrationen.
Doch auch diese Fähigkeit besitzt natürliche Grenzen.Gerade wenn hohe Wassertemperaturen, geringe Wasserstände und eine starke Belastung mit organischen Stoffen zusammentreffen, steigt das Risiko eines kritischen Sauerstoffmangels. Hinzu können verstärkte Algenentwicklungen und Veränderungen der Wasserchemie kommen.
Ein warmes Gewässer ist deshalb nicht automatisch ein gesundes Gewässer.
Diese Unterscheidung erscheint uns besonders wichtig, wenn über mögliche Gewinner und Verlierer des Klimawandels gesprochen wird.
Trockenheit – Eine wachsende Gefahr für unsere Weiherlandschaften
Mit großer Sorge betrachten wir die zunehmenden Niedrigwasserphasen, die sich auch in Teilen Frankens immer deutlicher bemerkbar machen. Kleinere Weiher verlieren während längerer Trockenperioden beträchtliche Wassermengen durch Verdunstung.Zuflüsse führen zeitweise nur noch wenig Wasser, während der Wasserbedarf angrenzender Nutzungen bestehen bleibt.Sinkende Wasserstände können dazu führen, dass sich ohnehin flache Gewässer noch stärker erwärmen.
Gleichzeitig verkleinern sich die verfügbaren Lebensräume.
Flachwasserbereiche können vollständig trockenfallen, während sich die verbleibenden Fischbestände auf immer kleinere Wasserflächen konzentrieren. Dadurch können zusätzlicher Stress und eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Krankheiten entstehen.
Auch die Konzentration eingetragener Schad- und Nährstoffe kann bei abnehmendem Wasservolumen steigen.
Wir von Artenschutz in Franken® sehen deshalb in der Sicherung eines möglichst naturnahen Wasserhaushaltes eine der zentralen Aufgaben des zukünftigen Artenschutzes.
Dabei geht es nicht allein um einzelne Fischarten. Es geht darum, Wasser wieder länger in unseren Landschaften zu halten und die natürlichen Funktionen unserer Gewässer dauerhaft zu sichern.
Die Gefährdung des Karpfens – Nicht jeder Bestand ist gleichermaßen betroffen
Wer sich mit dem Gefährdungsstatus des Karpfens beschäftigt, begegnet zunächst einem scheinbaren Widerspruch. Einerseits wird diese Fischart in vielen Ländern gezüchtet, regelmäßig in Gewässer eingesetzt und als wichtiger Speisefisch genutzt. Andererseits stehen ursprüngliche Wildkarpfenbestände regional unter erheblichem Druck. Besonders die natürlichen Wildbestände des Donau-Einzugsgebietes und anderer ursprünglicher Verbreitungsräume sind durch Lebensraumveränderungen und die Vermischung mit Zuchtformen gefährdet.
Aus naturschutzfachlicher Sicht ist es deshalb erforderlich, zwischen weitverbreiteten Zuchtbeständen und den genetisch sowie ökologisch bedeutsamen Wildpopulationen zu unterscheiden.
Verlust natürlicher Gewässerstrukturen
Die Begradigung von Flüssen, die Abtrennung von Altarmen und die Regulierung natürlicher Wasserstände haben zahlreiche Lebensräume dauerhaft verändert. Insbesondere der Verlust zeitweise überschwemmter Auenbereiche beeinträchtigt die natürlichen Fortpflanzungsmöglichkeiten. Wo Flüsse nicht mehr über ihre Ufer treten dürfen, verschwinden vielerorts auch jene temporären Flachwasserlandschaften, die ursprünglich einen wichtigen Bestandteil der Lebenszyklen verschiedener Fischarten darstellten.
Nährstoffeinträge und Gewässerbelastung
Ein weiteres Problem stellen überhöhte Nährstoffeinträge dar. Besonders dort, wo intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen unmittelbar an Gewässer angrenzen und ausreichend breite, bewachsene Pufferstreifen fehlen, können Nährstoffe und abgeschwemmte Bodenbestandteile in die Gewässer gelangen.
Dadurch wird das natürliche Gleichgewicht verändert.
Verstärkte Algenentwicklung, Sauerstoffschwankungen und eine Beeinträchtigung der Unterwasservegetation können die Folge sein.
Derartige Entwicklungen betreffen nicht nur den Karpfen, sondern die gesamte Lebensgemeinschaft des Gewässers.
Krankheiten und genetische Veränderungen
Auch Krankheiten können Karpfenbestände beeinträchtigen. Dazu zählt unter anderem die Koi-Herpesvirus-Erkrankung, die bei empfänglichen Karpfen zu erheblichen Verlusten führen kann. Durch unsachgemäßen Fischbesatz und den Austausch von Fischen zwischen Gewässern können Krankheitserreger verbreitet werden. Gleichzeitig stellt die Vermischung ursprünglicher Wildkarpfen mit domestizierten Zuchtformen eine Gefahr für die genetische Eigenständigkeit natürlicher Populationen dar.
Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Besatzmaßnahme erscheint, kann langfristig weitreichende Auswirkungen auf den Erhalt ursprünglicher Bestände haben.
Karpfen und Biodiversität – Eine differenzierte Betrachtung ist notwendig
Im praktischen Artenschutz begegnen uns immer wieder Situationen, in denen Fischbesatz als grundsätzlich positive Maßnahme bewertet wird. Doch nicht jedes Gewässer benötigt Fische. Besonders kleinere, ursprünglich fischfreie Stillgewässer erfüllen häufig eine herausragende Funktion als Fortpflanzungslebensräume für Amphibien und als Lebensraum zahlreicher wirbelloser Wassertiere.
Werden solche Gewässer ohne ausreichende ökologische Prüfung mit Karpfen besetzt, kann dies erhebliche Auswirkungen auf ihre Lebensgemeinschaften haben. Karpfen können durch ihre Nahrungssuche Sedimente aufwirbeln, Wasserpflanzen beeinträchtigen und die Zusammensetzung der wirbellosen Fauna verändern.
Bei hohen Bestandsdichten können diese Effekte besonders stark ausfallen.
Für empfindliche Amphibienarten oder spezialisierte Wasserinsekten können daraus deutliche Nachteile entstehen.
Wir von Artenschutz in Franken® vertreten deshalb eine klare Position:
Artenschutz bedeutet nicht, möglichst viele Tiere einer bestimmten Art in ein Gewässer einzubringen. Artenschutz bedeutet, die ökologischen Anforderungen des jeweiligen Lebensraumes zu verstehen und seine natürliche Artenvielfalt zu erhalten. Traditionell bewirtschaftete Karpfenteiche können bei angepasster Bewirtschaftung wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sein.
Strukturreiche Uferzonen, ausgedehnte Röhrichtbestände und eine standortgerechte Nutzungsintensität können dazu beitragen, solche Gewässer als ökologisch bedeutsame Bestandteile unserer Kulturlandschaft zu erhalten. Wo hingegen überhöhte Fischbestände, intensive Zufütterung oder eine weitgehende Entfernung natürlicher Vegetationsstrukturen das Gewässer prägen, können erhebliche ökologische Konflikte entstehen.
Entscheidend ist deshalb nicht allein das Vorkommen des Karpfens, sondern die Frage, wie sich seine Bestandsdichte und die Gewässerbewirtschaftung auf das gesamte Ökosystem auswirken. ...
In der Aufnahme von Peter Hoffmann
- Karpfen (Cyprinus carpio)
Karpfen
Was wir verändern müssen – Gewässerschutz beginnt nicht erst am Ufer
Wenn wir unsere Weiher, Seen und langsam fließenden Gewässer langfristig als Lebensräume erhalten möchten, müssen wir den Blick weit über die eigentliche Wasserfläche hinaus richten. Die Qualität eines Gewässers wird wesentlich durch die Nutzung seines Einzugsgebietes bestimmt. Was auf angrenzenden Flächen geschieht, beeinflusst häufig unmittelbar die Lebensbedingungen der dort vorkommenden Tiere.
Deshalb benötigen wir aus unserer Sicht eine Gewässerentwicklung, die natürliche Prozesse wieder stärker zulässt. Breite, naturnah bewachsene Uferrandstreifen können Nährstoff- und Sedimenteinträge verringern. Eine strukturreiche Ufervegetation schafft Rückzugsräume und bietet zahlreichen Arten Nahrung. Der Erhalt und die Wiederherstellung natürlicher Überschwemmungsflächen ermöglichen eine bessere Verbindung zwischen Gewässer und Aue.
Ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasserentnahmen ist insbesondere während längerer Trockenperioden unverzichtbar. Zugleich müssen Fischbesatz und Gewässerbewirtschaftung stärker an den ökologischen Anforderungen des jeweiligen Standortes ausgerichtet werden.
Auch die Erhaltung historischer Teichlandschaften verdient besondere Aufmerksamkeit.
Denn zahlreiche dieser Gewässer sind nicht nur Zeugnisse einer über Generationen gewachsenen Kulturlandschaft, sondern können sich bei naturnaher Bewirtschaftung zu bemerkenswert vielfältigen Lebensräumen entwickeln. Unser Ziel sollte deshalb nicht darin bestehen, traditionelle Nutzungsformen pauschal abzulehnen. Vielmehr gilt es, ihre ökologischen Potenziale zu erkennen und dort Verbesserungen einzufordern, wo die biologische Vielfalt hinter kurzfristigen Nutzungsinteressen zurückstehen muss.
Eine Perspektive für die Zukunft – Wie viel Veränderung verträgt der Karpfen?
Der Karpfen ist ein anpassungsfähiger Fisch. Seine Fähigkeit, unterschiedliche Lebensräume zu nutzen und vergleichsweise hohe Wassertemperaturen zu tolerieren, verschafft ihm gegenüber zahlreichen empfindlicheren Fischarten gewisse Vorteile.Doch Anpassungsfähigkeit darf niemals mit Unverletzlichkeit verwechselt werden.
Auch der Karpfen benötigt Wasser in ausreichender Menge und Qualität.
Er benötigt geeignete Nahrungsgrundlagen, Rückzugsräume und – für seine natürliche Fortpflanzung – entsprechend strukturierte Ufer- und Überschwemmungsbereiche. Gerade der Klimawandel verdeutlicht, wie eng diese Anforderungen miteinander verbunden sind.
Wir sollten deshalb nicht nur darüber sprechen, welche Arten möglicherweise vom Klimawandel profitieren. Wir sollten vor allem darüber nachdenken, wie sich ganze Lebensgemeinschaften verändern und welche Verantwortung wir für diese Entwicklung tragen.
Denn ein funktionierendes Gewässer besteht niemals allein aus seiner Fischfauna.
Es lebt von einem komplexen Zusammenspiel aus Wasserpflanzen, Mikroorganismen, Wirbellosen, Fischen, Amphibien und zahlreichen weiteren Lebewesen. Erst dieses Zusammenspiel macht aus einer Wasserfläche einen lebendigen Lebensraum.
Unser Fazit – Artenschutz in Franken®
Kehren wir noch einmal zurück an jenen stillen fränkischen Weiher, an dem unsere kleine Geschichte begonnen hat. Der Nebel hat sich inzwischen verzogen. Die Herbstsonne spiegelt sich auf der Wasseroberfläche, während sich zwischen den Schilfhalmen eine leichte Bewegung erkennen lässt.Vielleicht ist es derselbe Karpfen, der bereits am frühen Morgen den Gewässergrund nach Nahrung abgesucht hat.Vielleicht ist es ein anderer. Für uns spielt das in diesem Moment keine entscheidende Rolle.
Viel wichtiger erscheint die Frage, ob auch kommende Generationen noch die Gelegenheit besitzen werden, an solchen Gewässern zu stehen und die Vielfalt des dortigen Lebens unmittelbar zu erleben. Denn der Karpfen steht beispielhaft für eine Entwicklung, die uns im praktischen Naturschutz zunehmend beschäftigt.
Wir Menschen haben gelernt, Gewässer aufzustauen, Wasser abzuleiten, Landschaften trockenzulegen und natürliche Lebensräume unseren wirtschaftlichen Vorstellungen anzupassen. Doch wir haben noch längst nicht überall gelernt, mit den ökologischen Folgen dieses Handelns verantwortungsvoll umzugehen. Gerade in Zeiten des Klimawandels wird deutlich, wie begrenzt die Belastbarkeit unserer natürlichen Lebensgrundlagen tatsächlich ist.
Ein Weiher lässt sich technisch anlegen. Ein Damm lässt sich errichten. Fische lassen sich einsetzen. Doch ein über Jahrzehnte gewachsenes, ökologisch funktionierendes Gewässersystem lässt sich nicht einfach auf Knopfdruck wiederherstellen.
Es benötigt Zeit, Raum, natürliche Entwicklungsprozesse und vor allem die Bereitschaft des Menschen, nicht jeden Quadratmeter Landschaft bis an seine Belastungsgrenze nutzen zu wollen.
Für uns von Artenschutz in Franken® ist deshalb klar:
Der Schutz unserer Gewässer darf sich nicht allein auf einzelne Fischarten beschränken. Er muss die gesamte Lebensgemeinschaft umfassen – vom unscheinbaren Wasserinsekt über die Amphibien bis hin zu den großen Fischen, die sich unter der Wasseroberfläche bewegen. Und er muss dort beginnen, wo wir Menschen Einfluss auf diese Lebensräume nehmen: bei der Flächennutzung, bei der Gewässerpflege, beim Wasserverbrauch und bei der Entscheidung, wie viel natürliche Entwicklung wir überhaupt noch zulassen möchten.
Der Karpfen benötigt keine perfekt gestaltete Wasserlandschaft nach menschlichen Vorstellungen. Er benötigt – wie zahlreiche seiner Begleitarten – einen Lebensraum, dessen ökologische Funktionen langfristig erhalten bleiben. Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber nachdenken, wie wir unsere Gewässer noch intensiver nutzen können, und uns häufiger fragen, was wir tun müssen, damit sie auch morgen noch lebendig sind. Denn letztlich wird sich die Qualität unseres Handelns nicht allein daran messen lassen, welche Arten wir gezielt fördern konnten. Sie wird sich vor allem daran zeigen, wie viel natürliche Vielfalt wir in unserer Landschaft dauerhaft erhalten haben.
In der Aufnahme von Peter Hoffmann
Artenschutz in Franken® – Nicht allein das Überleben einer Art ist unser Anspruch, sondern die Bewahrung jener natürlichen Zusammenhänge, die Leben in seiner ganzen Vielfalt ermöglichen.
Wenn wir unsere Weiher, Seen und langsam fließenden Gewässer langfristig als Lebensräume erhalten möchten, müssen wir den Blick weit über die eigentliche Wasserfläche hinaus richten. Die Qualität eines Gewässers wird wesentlich durch die Nutzung seines Einzugsgebietes bestimmt. Was auf angrenzenden Flächen geschieht, beeinflusst häufig unmittelbar die Lebensbedingungen der dort vorkommenden Tiere.
Deshalb benötigen wir aus unserer Sicht eine Gewässerentwicklung, die natürliche Prozesse wieder stärker zulässt. Breite, naturnah bewachsene Uferrandstreifen können Nährstoff- und Sedimenteinträge verringern. Eine strukturreiche Ufervegetation schafft Rückzugsräume und bietet zahlreichen Arten Nahrung. Der Erhalt und die Wiederherstellung natürlicher Überschwemmungsflächen ermöglichen eine bessere Verbindung zwischen Gewässer und Aue.
Ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasserentnahmen ist insbesondere während längerer Trockenperioden unverzichtbar. Zugleich müssen Fischbesatz und Gewässerbewirtschaftung stärker an den ökologischen Anforderungen des jeweiligen Standortes ausgerichtet werden.
Auch die Erhaltung historischer Teichlandschaften verdient besondere Aufmerksamkeit.
Denn zahlreiche dieser Gewässer sind nicht nur Zeugnisse einer über Generationen gewachsenen Kulturlandschaft, sondern können sich bei naturnaher Bewirtschaftung zu bemerkenswert vielfältigen Lebensräumen entwickeln. Unser Ziel sollte deshalb nicht darin bestehen, traditionelle Nutzungsformen pauschal abzulehnen. Vielmehr gilt es, ihre ökologischen Potenziale zu erkennen und dort Verbesserungen einzufordern, wo die biologische Vielfalt hinter kurzfristigen Nutzungsinteressen zurückstehen muss.
Eine Perspektive für die Zukunft – Wie viel Veränderung verträgt der Karpfen?
Der Karpfen ist ein anpassungsfähiger Fisch. Seine Fähigkeit, unterschiedliche Lebensräume zu nutzen und vergleichsweise hohe Wassertemperaturen zu tolerieren, verschafft ihm gegenüber zahlreichen empfindlicheren Fischarten gewisse Vorteile.Doch Anpassungsfähigkeit darf niemals mit Unverletzlichkeit verwechselt werden.
Auch der Karpfen benötigt Wasser in ausreichender Menge und Qualität.
Er benötigt geeignete Nahrungsgrundlagen, Rückzugsräume und – für seine natürliche Fortpflanzung – entsprechend strukturierte Ufer- und Überschwemmungsbereiche. Gerade der Klimawandel verdeutlicht, wie eng diese Anforderungen miteinander verbunden sind.
- Was nützt eine für die Fortpflanzung günstige Wassertemperatur, wenn die benötigten Flachwasserzonen bereits im Frühjahr trockenfallen?
- Was nützt eine hohe Toleranz gegenüber Sauerstoffschwankungen, wenn ein Gewässer infolge dauerhafter Belastung seine biologische Funktionsfähigkeit verliert?
- Und was nützt der Erhalt einzelner Karpfenbestände, wenn dabei die natürliche Vielfalt ihrer Lebensräume nicht ausreichend berücksichtigt wird?
Wir sollten deshalb nicht nur darüber sprechen, welche Arten möglicherweise vom Klimawandel profitieren. Wir sollten vor allem darüber nachdenken, wie sich ganze Lebensgemeinschaften verändern und welche Verantwortung wir für diese Entwicklung tragen.
Denn ein funktionierendes Gewässer besteht niemals allein aus seiner Fischfauna.
Es lebt von einem komplexen Zusammenspiel aus Wasserpflanzen, Mikroorganismen, Wirbellosen, Fischen, Amphibien und zahlreichen weiteren Lebewesen. Erst dieses Zusammenspiel macht aus einer Wasserfläche einen lebendigen Lebensraum.
Unser Fazit – Artenschutz in Franken®
Kehren wir noch einmal zurück an jenen stillen fränkischen Weiher, an dem unsere kleine Geschichte begonnen hat. Der Nebel hat sich inzwischen verzogen. Die Herbstsonne spiegelt sich auf der Wasseroberfläche, während sich zwischen den Schilfhalmen eine leichte Bewegung erkennen lässt.Vielleicht ist es derselbe Karpfen, der bereits am frühen Morgen den Gewässergrund nach Nahrung abgesucht hat.Vielleicht ist es ein anderer. Für uns spielt das in diesem Moment keine entscheidende Rolle.
Viel wichtiger erscheint die Frage, ob auch kommende Generationen noch die Gelegenheit besitzen werden, an solchen Gewässern zu stehen und die Vielfalt des dortigen Lebens unmittelbar zu erleben. Denn der Karpfen steht beispielhaft für eine Entwicklung, die uns im praktischen Naturschutz zunehmend beschäftigt.
Wir Menschen haben gelernt, Gewässer aufzustauen, Wasser abzuleiten, Landschaften trockenzulegen und natürliche Lebensräume unseren wirtschaftlichen Vorstellungen anzupassen. Doch wir haben noch längst nicht überall gelernt, mit den ökologischen Folgen dieses Handelns verantwortungsvoll umzugehen. Gerade in Zeiten des Klimawandels wird deutlich, wie begrenzt die Belastbarkeit unserer natürlichen Lebensgrundlagen tatsächlich ist.
Ein Weiher lässt sich technisch anlegen. Ein Damm lässt sich errichten. Fische lassen sich einsetzen. Doch ein über Jahrzehnte gewachsenes, ökologisch funktionierendes Gewässersystem lässt sich nicht einfach auf Knopfdruck wiederherstellen.
Es benötigt Zeit, Raum, natürliche Entwicklungsprozesse und vor allem die Bereitschaft des Menschen, nicht jeden Quadratmeter Landschaft bis an seine Belastungsgrenze nutzen zu wollen.
Für uns von Artenschutz in Franken® ist deshalb klar:
Der Schutz unserer Gewässer darf sich nicht allein auf einzelne Fischarten beschränken. Er muss die gesamte Lebensgemeinschaft umfassen – vom unscheinbaren Wasserinsekt über die Amphibien bis hin zu den großen Fischen, die sich unter der Wasseroberfläche bewegen. Und er muss dort beginnen, wo wir Menschen Einfluss auf diese Lebensräume nehmen: bei der Flächennutzung, bei der Gewässerpflege, beim Wasserverbrauch und bei der Entscheidung, wie viel natürliche Entwicklung wir überhaupt noch zulassen möchten.
Der Karpfen benötigt keine perfekt gestaltete Wasserlandschaft nach menschlichen Vorstellungen. Er benötigt – wie zahlreiche seiner Begleitarten – einen Lebensraum, dessen ökologische Funktionen langfristig erhalten bleiben. Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber nachdenken, wie wir unsere Gewässer noch intensiver nutzen können, und uns häufiger fragen, was wir tun müssen, damit sie auch morgen noch lebendig sind. Denn letztlich wird sich die Qualität unseres Handelns nicht allein daran messen lassen, welche Arten wir gezielt fördern konnten. Sie wird sich vor allem daran zeigen, wie viel natürliche Vielfalt wir in unserer Landschaft dauerhaft erhalten haben.
In der Aufnahme von Peter Hoffmann
- Karpfen (Cyprinus carpio)
Artenschutz in Franken® – Nicht allein das Überleben einer Art ist unser Anspruch, sondern die Bewahrung jener natürlichen Zusammenhänge, die Leben in seiner ganzen Vielfalt ermöglichen.
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